Sonntag, 22. März 2009

Das Web macht mich arbeitslos

Synchronizität... Ach, meine Brüder und Schwestern... Synchronizität! Nicht nur ein feiner Song, und noch ein feiner Song und eine Platte der mächtigen Band Police, sondern auch die feine und mächtige Art, wie das Universum einem zeigen will, dass man mit seiner Zeit sinnvoller umgehen sollte.

Da sitze ich also abends mit meinen Droogs zusammen und plane die Weltherrschaft, so wie immer, und dabei erwähne ich auch noch zwei der eher esoterischen Projekte, die bei mir auf der langen Liste stehen. Bei dem einen geht es um sagen wir einmal "urbane" Magie, genauergesagt Megapolisomantie, ein wundervoller Begriff, den ich bei Fritz Leiber gestohlen habe, in dem grossartigen Roman "Herrin der Dunkelheit" - übrigens auch die geistige Heimat des Ordens der Onyx-Dämmerung, lieber Freund. Eine Kopie dieses Werkes befindet sich somit auch wieder in umlauf, um weitere unschuldige Seelen zu erleuchten.

Das andere Projekt hatte ich auf entspannte Weise schon einmal angefangen als Nebenwebseite unter dem Titel "Pop Media Magick". Vielleicht erinnert sich der eine oder andere ja. Es ging hierbei um die Mythografie des 20. Jahrhunderts, Four Color Magick etc. Der Loa Kinski oder so. Sexmagick übers Telefon, Kabbalistsiche Farbcodes von Superheldenkostümen, Bettie Page als Inkarnation des Scharlachweibes, Superman als Sol Invictus des SF-Kontinuums. Ziemlich flott, aber wie immer hapert so eine gute Idee daran, dass man zu langsam ist. Synchronizität, meine lieben...

Ich blättere also heute Nacht in meinen Lesezeichen und lese in dem frisch zum Äquinoktium veröffentlichten Online-Magazin "Silverstar", bis ich zu den Rezensionen komme. Als erstes fällt mein Auge auf eine Besprechung von "Herrin der Dunkelheit", und das ist schon eigenartig. Immerhin ist das Buch schon recht alt. Und gleich daneben sehe ich die Rezension von etwas, das nennt sich "Pop Culture Magick", von jemanden namens Taylor Ellwood. Es geht wohl so um die Mythografie des 20. Jahrhunderts, kabbalistische Farbcodes von Superheldenkostümen, Superman (oder Xena) als Gottform. Achja. Synchronizität.

Ich werde wohl mal das Material aus der alten Website zusammenkehren und stillschweigend unter den Teppich kehren. Aber es hat auch was gutes: Wenn ch das Buch nicht mehr schreiben muß, spare ich unglaublich viel Zeit, um anderen wirren Ideen anzuhängen, die wahrscheinlich auch jemand anderes eher veröffentlichen wird. Leben auf der Überholspur, Baby!
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Mittwoch, 11. März 2009

Japans Monstermumien

Monster mummies of Japan ::: via Pink Tentacle: "Lurking the halls of Buddhist temples and museums across Japan are a host of monster mummies — the preserved remains of demons, mermaids, kappa, tengu, raijū, and even human monks."

Ich habe ja auch selber einen Haufen Monstermumien bei mir in der Nachbarschafz - jeden Sonntag, wenn Busladungen voller alter Damen zur nekrophilen Teestunde am Heidefriedhof hochkutschiert werden. Aber mal eine Frage an unsere Buddhisten hier um die Ecke: Ist die in dem avisierten Artikel beschriebene Selbstmummifizierung Teil der empfohlenen Praktiken für Höhereingeweihte? Was will uns der Mönch sagen, wenn er seinen eigenplastinierten Kadaver der Nachwelt vermacht? Und überhaupt: Was hätte der Buddha dazu gesagt?

Immerhin, eine schöne Sache, wenn man mal ein paar Jahre übrig hat. da weiß man wenigstens, wofür man gelebt hat.

Samstag, 7. März 2009

Schon Watchmen gesehen?



Auch wenn es in Deutschland nicht so bemerkenswert daherkommt wie in den Staaten, erfreut es doch, wieviel liebevolles und skurriles Zusatzmaterial aus der Welt von "Watchmen" inzwischen "nebenher" produziert wurde. Kontext, Baby. Sehr gelungen die Cartoonversion - mit mehr als einem Augenzwinkern zur Story, aber auch den grotesken Cartoonshows der 70er Jahre...

Donnerstag, 26. Februar 2009

R.I.P., Mr. Farmer

News : "PEORIA ~ February 25, 2009: Science fiction author Philip Jose Farmer died this morning at his home. He was 91."

Sonntag, 22. Februar 2009

Shortcuts Februar

Mit Erstaunen und Entzücken sehe ich im Netz eine profunde Kritik meines Nemed Book-Erstlings "Unter dem Brunnen". Nein, keine Angst, keine weichlutschige Lobeshymne, sondern eine wirklich treffsichere Kritik an den Klischees und Genrekonventionen, die ich in diesem Roman verwurstet habe. Immerhin, es nimmt mir ein wenig den Druck aus meinem Bedürfnis, "Der ohnmächtige Held in Lovecrafts Werk" zu schreiben. (Und als Gegenreaktion das neue Genre "Cthulhupunk" zu erfinden...)

Endlich mal jemand, der gemerkt hat, was der Held von "Unter dem Brunnen" für ein abgefucktes Wrack ist - und das eine solche Persona für das lovecraftsche Subgenre recht untypisch ist. Merde, wahrscheinlich werde ich wegen dieser rezension aus den ganzen Lovecraft-Listen herausfliegen. (Aber ich möchte dennoch darauf hinweisen, dass "Das Haus im Walde" in REDMASK No.1 auch ein letztes Mal den klischeehaften Schreiberling vorweist, aber trotz der eigenen Elemente irgendwo ganz hinten ein paar wohlfeile versteckte Anspielungen auf den Mythos hat. Ich kann schon lovecraftisch sein, wenn ich will, echt...!




Während einer kleineren Studie zum Gnostizismus, die ich gerade zu meiner Erbauung verfasse, bin ich beim Googlen über ein interessantes Zitat gestolpert. Neben Weltverschwörungstheorien gibt es nichts geileres als Esoforen....:

"...ich halte nicht viel von Satan, denn das ist an sich eine Erfindung der Christen um die Leute durch Angst bei der Stange zu halten.
Satan ergibt sich wenn man Natas rückwärts liest.
Das ist der infantile Gedanke der infantilen Satanisten, die denken das wenn man etwas rückwärts liest es sich umkehrt.
(etwa die Bibel)"

Ja, die Geheimnisse der Invertierung liegen hier ganz tief am Boden magischen Denkens. Wer denkt da nicht an das gniklat sdrawkcab der großen Magier, oder dass selbst Hyperentitäten wieder gebannt werden, wenn man sie dazu bringt, ihren Namen rückwärts auszusprechen? ich denke mit einem warmen Gefühl im Bauch (oder etwas tiefer) an Zatanna Zatara und überlege, ob man da nicht eine Kurzgeschichte draus machen kann. Mag ja ein infantiler Gedanke sein, aber was ist das nicht? Schon mal in der Lebib nachgelesen?

Mhhhhmmm, Zatanna Zatara....



"Die Kernaussage des Christentums ist JESUS NATAS EST und bedeutet Jesus ist tatsächlich zu Fleisch gewordener Sohn Gottes."

1. Das Dictum ist Jesus natus est, und steht in einer Reihe mit Deus est Homo - "Gott ist Mensch (geworden)", was in bestimmten Kreisen ein eigentlich ganz populäres Motto geworden ist.
2. "Jesus natas est" kann alles mögliches heissen, nur nichts, was Sinn macht, oder wofür man selbst in Zeiten des schlimmsten Küchenlateins nicht vor Gericht gelandet wäre. Ein Blick in ein Lateinlexikon genügt. Mein Favorit wäre hier natas als Acc.Pl.fem - "Jesus ist den Frauen". (Das hatte ich immer vermutet!) Was nur? Klingt ein bischen wie die versteckte Kritik eines Neoplatonisten an der Zielgruppe eines aufstrebenden Kultes. Herr D., übernehmen Sie...




Noch egobezogener und selbstverliebter: ich schalt' jetzt mal den Schneeeffekt für den Blog aus. Es soll ja schließlich auch irgendwann mal Frühling werden....

Sonntag, 15. Februar 2009

Five tracks from the Gun Club


Es ist ein erhebendes Gefühl.
Draussen hat sich die mitternächtliche Dunkelheit dem Nebel vermählt, der den ganzen tag lang Hamburg gefangen hält. Ich sitze im Hellen, um mich herum ist Finsternis. Ein frisches Bier wartete darauf, geöffnet zu werden, die Familie schläft.

Und neben mir liegt die erste Ausgabe der ersten CD des Baltimore Gun Club. Die Erregung, die ich bei diesem Anblick fühle, kann in einfachen Worten kaum beschrieben werden. Kein Hochglanz, kein Vierfarbdruck. Das Papier des Covers dezent verfärbt und strukturiert, beidseitig in einfachem, aber kunstvoll gealtertem Schwarzweißdruck bedruckt. Dazwischen expressiv und eindringlich das bekannte Emblem des Gun Clubs:
Ein Stern, geziert von einer Faustfeuerwaffe aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg.

Dies ist keine große Produktion, keine Selbstbeweihräucherung, kein Niedergehen in die Knie, um den Produzenten und den Labels zu Willen zu sein. Nur ein kleines sauberes Album, eine Momentaufnahme des musikalischen und moralischen Bestandes des Baltimore Gun Clubs, Hamburg. Das Album hat noch nicht mal einen Namen. Ich nenne es einfach mal „Five Tracks“, denn das sind es: Five tracks of Vintage Rock Music, as performed by the Baltimore Gun Club.
Kein Lohn, kein Gewinn, nur Liebe und deswegen ein größerer Gewinn.
Ich schieb es rein und stell es so ein, wie es vorgegeben ist: Best enjoyed at full volume.

Mittwoch, 21. Januar 2009

2012 :: Deltochilum valgum

US-Forschung : Mistkäfer frisst Riesen-Tausendfüssler: "Deltochilum valgum sieht aus wie ein typischer Mistkäfer, hat das bekannte Dungkugel-Rollen seiner Verwandten jedoch völlig aufgegeben. In Fallenexperimenten zeigte sich, dass die Tiere stark von Tausendfüßlern als Köder angelockt wurden. Sie stürzten sich vor allem auf lebende, verletzte Exemplare, selbst wenn diese größer waren als sie selbst."

Klingt geradezu mythisch, oder? Immerhin diente der Mistkäfer, der getreulich seine Mistkugel vor sich her schiebt, den alten Ägyptern als Bild des Chephra, der die Sonne über den Horizont rollt. (Ja, meine Lieben, anscheinend hatten diese Leute kein Problem damit, die gute Sonne als Äquivalent einer Mistkugel zu sehen...)

Tausendfüssler auf der anderen hand sind einfach widerlich, und man findet sie eigentlich nur in Horrorfilmen oder Texten von Über-Weirdo William Burroughs, wo irre Mayapriester mit ihrer Hilfe irgendwelche armen Schweine foltern. Bah.

Na, wollen wir mal hoffen, dass der Deltochilum valgum gute Arbeit leistet. Vielleicht können wir ja so verhindern, dass diese irren Mayapriester 2012 das Eschaton immanentisieren. Immerhin, sind ja nur noch drei Jahre...