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Sonntag, 22. Dezember 2013

Fundstück der Woche

Backcover des diesjahrig ausgeteilten Weihnachtskalenders: Herzig gelle?
Und wir wollen uns auch nicht falsch verstehen - der Inhalt des Kalenders war von guter Qualität.
Es ist eher die Verpackung, die mir schwer im Magen liegt...

Schauen wir uns doch die goldige Szene einmal genauer an.
Was ist es da, was man links über dem geschäftigen und anscheinend abgelenkten Weihnachtsmann sieht?

Wollt ihr das arme Kind etwa ewig da draußen stehen lassen - mitten im Schneetreiben, ohne Mütze und Handschuhe? oder ist es etwa... ist es etwa...
Tom?

Wenn wir in diese leeren, hoffnungslosen Augen sehen... sehen wir da ein Kind, voller Vorfreude, oder reine Verzweiflung, gefrorene Tränen auf den Wangen?
Ich glaube, er wird schon langsam steif... und nicht auf eine gute Weise.
 
Tom: dreckige Punks kommen nicht in die gute Stube zur Bescherung.
Stattdessen erfrieren sie still im Schnee.

Dienstag, 17. Dezember 2013

Tom ist erfroren

Der Mund war mir trocken. Vielleicht war ich auch aufgeregt - wenn, dann konnte ich meinen Herzschlag während das Schulorchester seine letzten Akkorde spielte, nicht hören. Wie war ich in diese Situation gekommen?

Weihnachtsfeier, gymnasiale Oberstufe, irgendwann in den 80ern. Irgendjemand - wahrscheinlich der Schlagzeuger - war zu dem Schluss gekommen, dass immer nur Swing oder so bei einer Weihnachtsfeier uncool ist. Also wurde innerhalb kürzester Zeit eine Rockband gesucht. Jeder, der ein Instrument halten konnte, und mir drückte man das Mikro in die Hand.

So kam es dazu, nachdem wir unser Set absolviert hatten - ich glaube "War", "Iron Man", "Centerfold" und das Bacardilied - ich als Musikfaschist verschrien war. Wir hätten nicht versuchen sollen, ein Weihnachtslied zu spielen. oder besser gesagt, man hätte mir nicht das Mikro für ein Weihnachtslied lassen sollen.

Dies Mikro, das mit über den Bassverstärker lief und weissgott kein Gesangsmikro war. Also, so gut jeder auch spielte, es musste eine Punkversion von allem werden, was wir anbieten konnten. An diesem Zeitpunkt war ich schon so auf Adrenalin, purer Panik und Dögen, dass ich ohne Rücksicht auf Verluste los grölte, soweit ich mich noch an den Text erinnern konnte:

"O du fröhliche, O du selige,
Gabenbringende Weihnachtszeit.
Christ ward geboren,
Tom ist erfroren -
Freue dich, o freue dich, du Christensch***!"

Ja, ich weiß. Bad taste. (Aber wenigstens kapitalismuskritisch.)

"Wie die Nazis", war der Kommentar der Lateinlehrerin. Ja, diejenigen die sich das nicht anhören wollten und unauffällig verschwanden, waren nach diesem Konzert die stolze Resistance, und man war sich sicher, dass diese Band und vor allem ihr Frontmann (gebückt vor dem Bassverstärker) die dreckigen Punks waren, für die man sie immer gehalten hatte.

Andere Karrieren haben weniger erfolgversprechend angefangen...


Montag, 21. Februar 2011

Weird Fiction Ill-ustrated [3]

Nichts hat sich in den vergangenen Jahren unter den Blogreinträgen von NEMED HOUSE so großer Beliebtheit erfreut wie Richard Corbens Werwolf bzw. das dickbusige Mädchen, dass dieser gleich verschlingen wird. Ein treuer Korrespondent hat mich darauf hingewiesen, dass ich besagtem Corben schon einmal auch einen weiteren Eintrag gewidmet habe, nämlich zu seinen Adaptionen von Geschichten des unvergesslichen Clark Ashton Smith. Dass Mr. Corben trotz fortgeschrittenen Alters immer noch vital daherkommt, hat in den letzten Jahren auch schon seine Mitarbeit an den Fortsetzungen der Hellboy-Reihe gezeigt. Das ist aber noch nicht alles, unlängst flatterten mir einige Hefte des Marvel-Verlages auf den Schreibtisch, von einem treuen Freund der Trashbox des Comichändlers unseres Unvertrauens abgerungen. Der vielsagende Titel: "H.P. Lovecrafts Haunt of Horror", illustriert von Richard Corben.

Die in den Heften vorgestellten Adaptionen sind klar den Originalgeschichten von Lovecraft nachempfunden (zur Sicherheit werden sie sogar teilweise nachgedruckt, um dem Leser den vergleich zu erleichtern - eine nette Geste in Zeiten des kollektiven Analphabetentums...), dennoch schwingt in den Illustrationen auch immer etwas eigenes, Fremdartigeres mit...


Schon bei der Lektüre des ersten Heftes wird klar, dass man sich hier weniger kognitive Dissonanz als vielleicht eine praeterhumane Geschlechtskrankheit zuziehen wird... Richard Corben kann in keiner seiner Adaptionen seine lebenslange Faszination mit dem Fleischlichen verleugnen, was den geschlechtslosen, klinischen Strukturen von H.P.Lovecraft eine ganz andere, fast unangemessene Morbidität á la Clive Barker verleiht. Es ist eine Sache, dass Corben seine Adaption von "Dagon" versaut, indem er statt Fischmenschen gleich den Großen Cthulhu in Szene setzt... die Geschichte "The Scar" jedoch ist noch unangenehmer. Tatsächlich weiß man nicht so genau, was es da ist, was in den Wäldern spukt... Baummenschen? Kannibalistische Ents? Die Fungi vom Yuggoth? Aber seht selbst:


Die Mistviecher haben Titten!

"Dagon" und "Yuggoth" visualisiert by Richard Corben, © by Marvel Comics.

Donnerstag, 20. Dezember 2007

Non-white Christmas, lecker Mayo

Die Feiertage stehen vor der Tür, Zeit es etwas ruhiger angehen zu lassen und zuzusehen, wie der Rest der Welt im alljährlichen Wahnsinn versinkt. Und dieses Jahr liegt ein Wochenende vor dem Weihnachtsabend, was bedeutet, dass die Verzweiflung ziemlich genau am Montagmorgen des 24. ihren Höhepunkt erreichen wird und die Innenstadt zum Kriegsschauplatz erklärt wird. Im Gegensatz zu sonst habe ich meine Geschenke schon alle, wie gesagt, es wird Zeit, es etwas ruhiger angehen zu lassen, sich zurückzulehnen und die Feiertage geniesserisch auf sich zu kommen zu lassen.

Keine Zeit, aber auch kein Druck, andere sachen noch auf Krampf fertig machen zu müssen. Der Computer läuft, alle Projekte räkeln sich träge auf der Festplatte, und die beste Ehefrau von allen stellt schon die Einkaufsliste für den besten Kartoffelsalat der Welt zusammen. Zeit, sich zu entspannen, Zeit, nachzudenken: Wussten Sie, dass Mayonnaise (niemals Majonäse) der Fama nach ursprünglich aus der Nachbarschaft von Mallorca stammt? Und was haben die Drei Musketiere damit zu tun?

Donnerstag, 28. Dezember 2006

Es regnet

Haben Sie schon mal einen Film gesehen, in dem jemand in einer unangenehmen Situation sagte „Jetzt kann es nicht mehr schlimmer werden“, und dann fängt es an zu regnen?

Das ist keineswegs eine ausgelutschte Idee eines Drehbuchautors, sondern brillante und messerscharfe Beobachtung der Gesetze, nach denen dieses Universum funktioniert.

Ironisch und gemein.

Die Feiertage über hielten uns die Kinder mit ihrem schlimmen Husten die ganze Nacht wach, wohingegen sie tagsüber nur ultrahypernervös waren, weil der Weihnachtsmann vielleicht doch noch hinter einem Baum hervorspringen mochte. Eine amüsante Mischung aus schrillen Begeisterungsschreien und wüsten Hustenanfällen.

Ich hätte das Universum vielleicht nicht darauf hinweisen sollen, dass ich der einzige war, der nicht krank ist.

Heiligabend, Erster Weihnachtstag, Zweiter Weihnachtstag… Diese Nacht meldet sich nachts unser Jüngster, der plötzlich eine Temperatur von 40° neben seinen Hustenanfällen hat…. und pünktlich morgens am 27. Dezember schüttelten mich die ersten Hustenanfälle und binnen kurzem stellte sich dann auch noch Fieber ein, das mich relativ desolat und unkonzentriert auf die Couch verbannte, wo ich der Erforschung meines Bronchialauswurfes etc. frönen konnte.

Jetzt kann es nicht mehr schlimmer werden, dachte ich.

Kameraschwenk zum Fenster: es beginnt zu regnen.

Schneeregen.

Mittwoch, 27. Dezember 2006

Schnappschüsse :: XXXmas

Unpassende und echt nicht für die Öffentlichkeit geeignete Links (Sex & Violence included)

Wie sähe es aus, wenn ein Anhänger eines Fruchtbarkeitskultes sein Haus weihnachtlich schmücken würde?

Schon mal darüber nachgedacht, was Jesus vom Weihnachtsmann halten würde?

Nur scheinbar ein Weihnachtslied, auch wenn es eine freudige Stimmung zu simulieren versteht.

Alles hat ein Ende

Es ist der 27. Dezember. Weide Dein Augen noch ein letztes Mal an den feierlichen Lichtern...

Die Zeichen sind klar.
- wenn die Mülltonnen von Silber und Gold überquellen
- wenn der Klang der Glocken und Sirenen verklungen ist
- wenn die ersten Geschenke zerbrochen sind
- wenn die Kinderstimmen wieder böse und schrill klingen
- und die Mutter alle Sterne in den Keller räumt

Dann ist Weihnachten vorbei,
und es herrscht der Anti-Klaus!

Dies ist nicht die Zeit des Gebens, nicht die Zeit der Güte.
Nächstenliebe weicht dem Rattenrennen der menschlichen Rasse.
(Dachtest Du, alles bleibt gut?)

Der Anti-Klaus!
Schon entsteht eine schreckliche Vision über den Müllhalden der grossen Städte - und eine Gestalt, höher als der Himmel, reisst die Skelettfinger empor, um einen Sack auszulehren, in dem nur Finsternis ist.
Dies sind die dunklen Nächte, dies sind die kalten Nächte, in denen nur ein eisiges Herz überleben wird.
(Dachtest Du, alles bleibt gut?)

Sonntag, 24. Dezember 2006

Mittwoch, 13. Dezember 2006

Schnappschüsse :: Santa Claus Funnies

Ein schneller Blick auf den Weihnachtsmann! Obwohl es eine naheliegende Idee ist, scheint der Weihnachtsmann nicht unbedingt zum Serienheld zu taugen. Eine kurze Suche in einer öffentlichen Datenbank ergibt nur wenige Comichefte, in denen er als Titelheld erscheint. Schauen Sie einfach mal die hier verlinkten Titelbild einer alten Serie des Dell Verlages an – dank SNAP! müssen Sie nur über das Linksymbol gehen, und eine Vorschau des Titels erscheint [früher oder später].

Ein wenig gewöhnungsbedürftig, der Weihnachtsmann auf einem Armeejeep. Nun ja, immerhin war ja auch Krieg.
Santa Claus Funnies No. 1 (1942)

Etwas naturalistischer: Der Weihnachtsmann bekommt einen Brief von der Friedenstaube. Ein hübsches Pärchen. Doch wo ist der Osterhase?
Santa Claus Funnies No. 2 (Dezember 1942 ?)

Eine Neuauflage des Titels, zehn Jahre später. Mehr eine Weihnachtskarte vom Stil her. Ein typisches Bild, die Alten verspielen die Geschenke der Kleinen. Aber woher kommt die Eisenbahn eigentlich genau her?
Santa Claus Funnies No. 1 (1952)

Montag, 11. Dezember 2006

Der erste Popstar der Geschichte

Wie erkläre ich meinem Kind den Weihnachtsmann?

Und überhaupt, wer ist dieser Weihnachtsmann überhaupt?

(Als kleiner Knabe war ich der festen Meinung, der Weihnachtsmann wäre derjenige, der für das Christkind die Pakete schleppt – der treue Muli von Baby Jesus.)

Folgendes habe ich herausgefunden:

Santa Claus ist eine Verballhornung von Sinterklaas, dem heiligen Klaus oder Nikolaus, dem Schutzpatron der Kinder, wie es die ursprünglichen Bürger von Neu Amsterdam (heute New York) traditionell aussprachen, nämlich auf holländisch. 1804 wurde z.B. die New York Historical Society gegründet, mit dem Heiligen Nikolaus als Schutzpatron. Die Wurzel des konfessionslosen Weihnachtsmannes namens Santa liegt also im ehemaligen Nieuw Holland.

Kris Kringle“, so ein beliebter Name dieses konfessionslosen Wintergeistes, ist eine Verballhornung von „Christkindl“.

Das Aussehen des „Santa Claus“ wurde von einem deutschstämmigen Cartoonisten namens Thomas Nast festgelegt und entspricht einer alten deutschen Sagenfigur namens „Pelznickel“ (Nikolaus in Pelzen – ein Verweis auf ältere europäische Traditionen, gegenüber der traditionellen Bischofstracht des ‚echten’ St. Nikolaus.). [1866 "Santa Claus and His Works"; 1881 "Merry Old Santa Claus"]

Die Farben rot und weiss für den Weihnachtsmann sind nicht von der Firma Coca Cola als erstes verwandt worden. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurden Weihnachtskarten gedruckt, auf denen ein „Santa Claus“ zu sehen war, der der heutigen Pop-Ikone recht ähnlich sieht. Schon in den 20er Jahren wurde dieses Bild allgemein akzeptiert.

Das typisch tiefe HOHOHO des Weihnachtsmannes weißt nicht nur auf seine Leibesfülle hin, sondern identifiziert ihn auch als Wintergeist in der Tradition von Odin und der Wilden Jagd. [Nicht verwunderlich, da Weihnachten um den Beginn des Sternzeichens Steinbock liegt, das Saturn zugesprochen wird. Im Alten Rom hiess ein ganz ähnliches Fest sogar die Saturnalien. Die Figur des grosszügigen alten Mannes im Winter kann allerdings auch auf skandinavische Quellen zurückgeführt werden.]

Die nordischen Rentiere (8 an der Zahl, soviele wie Odins Pferd Beine hat…) und ein grosser Teil des Mythos wurden in dem Gedicht "An Account of a Visit from St. Nicholas" (1822) von Clement Clarke Moore erstmalig beschrieben. Einige der Namen der Rentiere sind deutsch-holländischen Ursprunges, und passen sehr gut zum Bild des Odin [Donder/Donner und Blitzen].Er ist DER Mann!

Eine bewegte Geschichte, nicht?

Der Weihnachtsmann ist also eine relativ neue christlich-heidnische synkretistische Figur, die relativ losgelöst von einem theologischen Hintergrund „den Geist von Weihnachten“ verkörpert, komplett mit Anklängen an ureuropäische Winterbräuche. Er ist gleichsam amerikanisch (der Ort des Synkretismus) und deutsch-holländisch (das Material des Synkretismus).

Er ist der erste Popstar der Geschichte.

Montag, 26. Dezember 2005

Linkologie :: Weihnachten oder Chrismahanukwanzakah

Das Beste wie immer zum Schluss...

Hässliche Weihnachtslichter >>>>

Das beste aller Feste >>>

Batman HASST Weihnachten >>> und >>>

Angst vorm Weihnachtsmann? >>>

Alle Links zusammen ergeben das ganze Bild...

Donnerstag, 22. Dezember 2005

Tödlicher als das Kreuz!

Vielleicht die beste Idee für einen Film seit langem!

Seien wir ehrlich - DAS ist wahrscheinlich die beste Zusammenfassung, worum es bei allem geht, oder?

Freitag, 16. Dezember 2005

A man undercover but you tore me apart

Nach Meinung der meisten DJs und anderen minderwertigen Gesindels, ist das Lied, das am besten zum deutschen Weihnachtsfest passt, englischsprachig und fürchterlich 80er.

Nein, nicht Jingle Bells.

Sondern "Last Christmas" von WHAM!

Ein unglaublich jauliger Song über einen Typen, der mal zu Weihnachten von seiner Schnalle verlassen wurde, aber jetzt was viel besseres hat. In dem dazugehörigen Video kann man einen Haufen Schnee sehen und noch mehr von den fürchterlichen Haarsprayexplosionen, die in den 80ern als Frisur durchgingen.

Ist es da ein Wunder, dass der Sänger jener namenlosen Band sich einen Stoppelbart wachsen liess und schwul wurde?

Keine wirklich erbauliche Message, und dennoch kriecht einem dieses Lied immer wieder hinterher, wenn man durch Einkaufsstrassen, Chartshows oder die Radiokanäle wandert. Die Frage bleibt: WARUM, OH HERR?
Seit mindestens zehn Jahren bedroht sie uns immer wieder: die 80's Revival. Deshalb ist es wieder mal an der Zeit, warnend den Zeigefinger zu erheben! Wollen wir wirklich zurück in eine Zeit, in der sämtliche kulturellen Katastrophen, von denen der mitteleuropäische Raum in der letzten Jahrhunderthälfte heimgesucht wurde, ihren Höhepunkt fanden?

Was heisst, wollen?

Wir sind schon längst wieder da!

zuerst kam Bohlen als Graue Eminenz zurück...
...dann Kylie als neuer Masturbationsfokus...
...wundert es da, wenn seichter britischer Discotrash zur pseudosakralen Hymne wird?

Welche Mumie der 80er wird wohl als nächstes wieder zum Leben erweckt?

Miami Vice als Kinofilm?

Oh scheisse, tatsächlich...

Dienstag, 13. Dezember 2005

Was ich zur Vorweihnachtszeit getan habe...

Es ist vielleicht nicht die beste Idee, sich direkt am Rande des Weihnachtsmarkt zu verabreden. Während man auf seine Verabredung wartet, wird man abwechselnd von der Kälte des Bodens und dem warmen Schwall Kasslergeruch angefallen, der in der Luft liegt. Ganz zu schweigen von seinen Mitmenschen, die vor lauter Termindruck und vorweihnachtlicher Paranoia nichts besseres zu tun haben, als zu drängeln, zu drücken, sich gegenseitig umzurennen oder auf die Füsse zu treten. Selbst wenn man sich an eine Mauer stellt, irgendein Idiot wird immer noch versuchen, sich hinter Dir vorbeizudrücken und Dich dabei unweigerlich umwerfen.
Vielleicht liegt es daran, dass ich ein so freundliches Gesicht habe, vielleicht auch daran, dass die Menschen nur noch schamlos sind. In der halben Stunde, da ich auf meine Verabredung wartete, bin ich bestimmt alle drei Minuten angesprochen worden. Ob bulgarischer Bettler, russischer Randalierer oder christophiler Schwallerkopp, alle wollten etwas von mir. Mein Geld, meine Zeit, meine Seele.
Leugnen geht nicht, schimpfen bringt nichts. Also was tun?
Als der zehnte Delinquent auf mich zutaumelt, kommt mir ein Geistesblitz.
„Schulligen Sie, hamse ma…“, beginnt er, aber diesmal schneide ich ihm gnadenlos das Wort ab.
„Schore? Schore?“
„Häh?“ In seine Augen tritt überraschende Klarheit.
„Crack? Coca-ihn? Hachich?“
Verstummt hält er inne. Unsere Augen treffen sich. In dem Moment ist ihm wahrscheinlich klargeworden, dass er vor sich jemanden stehen hat, der wahrscheinlich noch viel gemeingefährlicher ist als er selbst.
Erstaunlich flott für einen Beinamputierten macht er sich vom Acker.
Ermutigt von dieser positiven Erfahrung werde ich mutiger.
„Schore, Schore, lecker Schore…“, klingt meine Stimme durch das Geraune der Menge und den warmen Schwall Kasslergeruch. Beunruhigt teilen sich die Ströme drängelnder, drückender, sich gegenseitig umrennender oder auf die Füsse tretender Idioten.
Das mach ich jetzt in Zukunft immer so.

Einen fröhlichen Vierten Advent!

Donnerstag, 8. Dezember 2005

Er kommt!

Es ist natürlich einfach, etwas über Weihnachten zu schreiben...

der Werteverlust blablabla krasse Kommerzialisierung blablabla der böse Amerikaner... Weihnachtsmann in den Cola-Farben... Weihnachtsmann in den Karstadt-Farben... blablabla heul... und was ist mit den Kindern?

Kurz gesagt könnte man sich dem Gewinsel eines typischen Sozialpädagogen anschliessen und Seite um Seite füllen, aber wo wäre da der Spass daran?

Nein, meine Lieben, dieses starrsinnige Wiederkäuen der Parolen aus den Bioläden und Dritte-Welt-Shops bringt doch nichts.
Stattdessen sollten wir uns einfach nur freuen über den Weihnachtsmann... er ist vielleicht der letzte überlebende Fall heidnischer Phallusverehrung!


Wie kommt man darauf? Na, irgendetwas muss an dieser Gestalt doch fesselnd sein, sonst würde er nicht auf der ganzen Welt so innig angenommen werden, oder? (Ausser vielelicht in Japan, wo es auch scharfe Weihnachtsfrauen gibt, bei denen man für nur einige Yen an ihren gebrauchten Schlüpfern schnuppern kann... Aber in Japan hat der Phalluskult auch überlebt, Shinto sei dank - brauchen die dann noch den haarigen Wanderer in der Winternacht, der Europa und Amerika erfreut?)

Man mag vielleicht denken, er ist nur ein dicker bärtiger Kerl in einem komischen Anzug.
Aber schauen wir ihn uns einmal genau an... seine wahre Bedeutung hat in jedem Fall wenig mit dem christlichen Fest zu tun...

Der rotschimemrnde, glänzende Kopf...
...er ist zottig durch und durch...
...er zwängt sich selbst durch den engsten "Schornstein"...
...er hat einen riesigen Sack, der scheinbar unerschöpflich ist...

Und kommt zu uns herab, um uns mit (den) Kindern zu beschenken...

Er ist alt und faltig, aber unsterblich...
...und er kommt des Nachts, wenn niemand mit ihm rechnet.

Hier helfen keine Schundgeschichten mehr von Bischöfen aus der Türkei.
Der Weihnachtsmann ist pures Testosteron!
Schaut's euch an, das sind keine kleinen putzigen Elfen, die ihm bei seinem Job helfen - das sind scharfe willige Sexsklavinnen!

Der Weihnachtsmann rult, Bruder.

Er ist DER MANN.