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Sonntag, 22. März 2015

Fanboy :: Sojan und sein Schwert

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge schließe ich meine Kindledatei von Sojan the Swordsman, nachdem ich einen Absatz daraus abgeschrieben habe – kopieren kann man es ja nicht. Warum lachend? Der Vollständigkeit halber. Sojan der Schwertsmann ist der erste Fantasy Charakter, den Michael Moorcock (* 18. Dezember 1939) ca. 1954 erschuf, als er 14 oder 15 war – zuerst erschienen in seinem Fanzine ‚Burroughsania’ (dem Werk von Edgar Rice Burroughs gewidmet), und nach 1957 in dem professionellen Magazin ‚Tarzan Adventures’. So etwas esoterisches in die Finger zu bekommen ist schon was Tolles. Leider ist Sojan zwar esoterisch, aber nicht so gut wie vieles andere von Moorcock. In der Reihe der Burroughsnachahmungen steht es zwar besser als viele andere, vor allem wenn man das Alter des Autoren berücksichtigt – aber Moorcock kehrte später noch einmal zu Burroughs zurück, und das gelungener. Seiner Trilogie um Michael Kane auf dem Alten Mars ist deutlich der innere Fanboy anzumerken, und tatsächlich, Moorcock steht zu allen seinen Werken, selbst den Juvenalia, und auch er weiß, dass manches nicht soooo der Knüller ist.

Was also ist Sojan? Es ist vor allem das, was es ursprünglich war – eine schnell geschriebene Folge von Pulpstories, kein echte Serie, die vor allem deswegen angefordert wurde, um den Textanteil in Tarzan Adventures aufrechtzuerhalten. Von besonderem Interesse für den Moorcockianer ist tatsächlich vor allem der erste Absatz – es ist bereits eine Präfiguration des Figur des Ewigen Helden und seines frustrierenden Schicksals, und auf gewisse Weise auch eine modernere Version des literarischen Tricks mit dem Burroughs seinen John Carter, einen Gentleman aus Virginia, auf den Mars brachte. Bei Burroughs war es eine Art nie geklärter Astralreise, bei Moorcock erklärt sich die Wiedergeburt und Translation auf eine fremde Welt so:
„Es gibt eine Geschichte, die überall auf den vielen bewohnten Welten des Universums über das Schicksal jener mutigen Männer und Frauen erzählt wird, bei denen das Streben nach Geld und Macht weniger geschätzt wird als das Streben nach Ehre und Selbstachtung.
Sie sterben edle Tode und ihnen ist bestimmt, immer wiedergeboren zu werden auf fernen Planeten, wobei sie oft den Platz einer anderen heldenhaften Person einnehmen, die im Kampf gestorben ist… Dies ist eine Form der Reinkarnation, die Art und Weise des Universums, sicherzustellen, dass eine Art von Gleichgewicht besteht zwischen denen, die von Habgier motiviert werden und denen, die für das Allgemeinwohl arbeiten.“
Da auch Moorcocks Michael Kane vom Alten Mars zu den Inkarnationen des Ewigen Helden gerechnet wird – so wie Elric, Corum, Erekose und Mr. Cornelius – stellt sich mir hier die Frage, ob nicht auch Sojans und Kanes literarischer Vater, John Carter, bereits eine Form des Ewigen Helden darstellt. Eine interessante Idee für einen anderen Abend, wenn ein anderes Buch in meiner Hand liegt…

Montag, 21. Juli 2014

Auson Mazant

Sprache ist ein Virus, und Ideen sind noch schlimmer. Als ich vor einiger Zeit damit begonnen habe, einige uralte Geschichten über Arullu, die Sterbende Erde (dieses Jahr 30 Jahre alt!) umzuarbeiten und einer kleinen, aparten Geschichtensammlerin namens Aphrodite Semla vor die Füße zu legen, sproßen auf dem Weg dahin noch einige Blumen (wildwuchs) aus dem Boden, darunter auch eine weitere Iteration des Ewigen Helden, über dne ich in meiner Pubertät so viel geschrieben habe, den ich jetzt aber nicht mehr so nennen möchte, aus Respekt vor den Helden meiner Jugend...
Auson Mazant!
Held der Helden, der Letzte Held, der durch die Zeit rückwärts gesandt wird, um die Zukunft der Menschheit zu sichern... oder den Untergang des Universums, ich bin mir da noch nicht ganz sicher...
Ich habe bis jetzt noch keine Geschichte gefunden, in der er glorreich auftreten kann, aber von einigen der dahingekritzelten Details bin ich dochso angetan, dass ich damit angeben möchte.
Auson Mazant, der Graf von Wyrd!
Der Name "Auson Mazant" mag unwahrscheinlich und implausibel klingen, basiert aber auf hypothetischen indoeuropäischen Vokabeln. 'mazant' verweist auf die gleiche Wurzel wie 'magia' und 'macht', und 'auson' scheint ein Name für den Morgenstern zu sein.
"Ich bin die Wurzel und der Stamm Davids, der strahlende Morgenstern. Der Geist und die Braut aber sagen: Komm! Wer hört, der rufe: Komm! Wer durstig ist, der komme. Wer will, empfange umsonst das Wasser des Lebens." Offenbarung 22:16-17
'wyrd' ist natürlich = 'weird', bedeutet aber, wie erwähnt etwas ganz anderes...
Alles in allem, er ist ein mächtiger Erlöser - derjenige, der die Freiheit bringt.
In irgendeiner Geschichte werde ich ihm deswegen auch ganz sicher eine Rüstung verpassen, die farblich etc. der Uniform von Captain America entspricht - wir bewegen uns hier schließlich im Bereich des Mythos, und da sollte man sich schon an die besten halten.
Sein Pferd ist blau metallisch, mit außergewöhnlich langen Beinen, mit Namen Pfadfinder, eines der Pferde, von denen es heißt, dass sie jeden Weg finden können, den ein Mensch betreten kann.Sein Schwert ist eines von den sieben Schwertern, die in den Essen von Wielands Stern geschmiedet wurden. Das Schimmernde Schwert... Es ist, im Vertrauen gesagt, auch eines der namentragenden Zauberschwerter, wie man sie aus den europäischen Sagen kennt. Einige Charakteristiken teilt es mit den bösartigen Klingen der nordischen Sagas, aber viel auch mit dem irischen Claíomh Solais.
Was man am besten übersetzt mit "Schwert des Lichtes", was ein persönlicher Witz ist, der so komplex und dämlich ist, dass ich ihn niemandem, wenn nicht nach vier Bier, erklären möchte...

Dienstag, 28. Januar 2014

Wie werden wir weird?

Es ist keine deutliche Demarkationslinie, die die Subgenres der Spekulativen Fiktion von einander trennt. Kein Nord und Süd, kein Ost und West, kein Unten und Oben. Es gibt keine Mauern, die nicht bereits eingerissen wurden oder von der zeit zu einem Haufen Kies zerrieben wurden. Heutzutage geht man nicht mehr unbedingt von thematischen Unterschieden aus - "Berge des Wahnsinns" von H.P. Lovecraft ist im Grunde Science Fiction, wird aber wegen seiner beunruhigenden Untertöne eher der Horrorliteratur zugeordnet, H.G. Wells "Krieg der Welten" mit einer ähnlichen Thematik jedoch nicht, könnte aber ohne Probleme als noch grauenerregendere Vision umgeschrieben werden, als es eh schon ist.

Die Thematik oder Sujet ist hier wohl Nebensache, wie in der Quantenphysik sind es eher Betonung, Spin und Farbe, die dienen können, ein Subgenre zu identifizieren. Es ist der gothic touch, der eine Thematik gleich welcher Art in etwas schauerliches, schwarz romantisches oder erschreckendes verwandelt. Im englischsprachigen Raum wird eine jede Art von Erzählung, die diesen Kriterien genügt, gerne nach dem legendären Magazin Weird Tales als Weird Fiction verortet.

"Where is your will to be weird?" (Jim Morrison)

Eine gute Frage, vor allem wenn wir die Frage des Freien Willens - ob nun eines Autoren oder der von ihm erschaffenen Gestalten, miteinbeziehen wollen. "Weird" ist heutzutage jeder, der eine eigenartige, besondere Auffassung, Stylistik oder Haartracht pflegt. Als adjektivische Bedeutung dieses ursprünglich als Substantiv definierten Wortes wird meist irgendeine Variante von "seltsam aussehend, unheimlich, sonderbar, eigenartig" geführt. Wenn es Dein Wille ist, kann also jeder Mann weird sein. Oder werden.

Es ist allerdings eine moderne Idee, also eine falsche Idee, dies Wort adjektivisch zu verstehen, oder auch nur in dem Sinne, in dem er hier geführt wird. Oder mal wieder als ein Fall, in der die Moderne die Worte des Barden missinterpretiert. Ein schneller Blick in das etymologische Wörterbuch offenbart die erste aufgezeichnete Verwendung von "weird" im heutigen Sinne als 1815, und der Barde, dessen Worte missverstanden wurden, William Shakespeare und zwar in seinem herrlich düsteren und unheimlichen "Macbeth" (1. Akt, 4. Auftritt) Hier treten eindrucksvoll die drei Hexen erneut auf, die Aufstieg, Schuld und Untergang des schottischen Thronräubers lenken - drei Hexen, drei "weird sisters". Es wird sicherlich mehr Aufführungen als andere geben, in denen diese Damen seltsam aussehend, unheimlich, sonderbar oder eigenartig dargestellt werden. Obwohl, drei Topmodells in Topkinis wären ja auch mal nett...

In der Übersetzung von Friedrich Schiller jedoch heißt es:
"Die Schicksalsschwestern, Hand in Hand,
Schwärmen über See und Land,
Drehen so im Kreise sich,
Dreimal für dich
Und dreimal für mich,
Noch dreimal, daß es Neune macht,
Halt! Der Zauber ist vollbracht!"

Dienstag, 4. Juni 2013

Shortcuts 2013-06-04



Vor längerer Zeit hatte ich die bisherigen Ergebnisse meiner Beschäftigung mit einer Verbindung der "Reise des Narren" aus dem Tarot und dem Monomythos von Campbell geschildert... Teile eines Projektes, an dem wir schon seit längerem herum basteln und den Grundplot für mehrere sogenannte "Tarotromane" bilden soll... und nein, man braucht nicht nach zu blättern, auf welcher Seite es steht,  sowohl die Esofreaks als auch die Campbellianer haben nicht viel Gefallen daran gefunden. Die Strohpuppen mit meinem Gesicht brannten an jeder Straßenkreuzung.

Es sollte auch nicht die letzte Zusammenfassung des besten spirituellen Weges zur Erfüllung werden.... wenn ich so etwas gefunden hätte, würde ich wahrscheinlich hier nichts mehr schreiben, sondern mir von dickbrüstigen Chelas Rosenblätter zuwerfen lassen... shanti, shanti, shanti...

Aber als Idee, um den kruden (und wohlgestalteten) Worten und Ideen gewisser Schreiberlinge Form und Struktur zu geben, taugt das immer noch. Zwingen wir das Chaoplasma der Schöpfung in rigide Strukturen. Man will es sich ja nicht zu einfach machen. Kurzum, gestern Nacht habe ich die Sache schnell und schmerzlos zu Ende gebracht. Alles nochmal neu. Ich druck mir das jetzt mal aus und kleb es an die Wand und fange dann an, mit bunten Stiften und kleinen Kärtchen alle möglichen Entwicklungen und Querverweise zu notieren, bis es komplett unverständlich ist, so wie früher.

Auf... Papier.

Wie gewagt. Retro High Tech aus dem Mittelalter!



Mit großem Bedauern mussten wir vor einigen Tagen vom Verscheiden des großen und unnachahmlichen Mr. Jack Vance Kenntnis nehmen. Bedauerlicherweise scheint er heutzutage in Deutschland kaum noch bekannt zu sein, aber sein Einfluss lässt sich überall nachweisen, und wie immer wird man die Bedeutung des großen alten Mannes viel zu spät begreifen. Es wird mal wieder Zeit, zu den alten Taschenbüchern zu greifen, ich auf jeden Fall werde demnächst alle Bücher von ihm noch einmal lesen, und in Erinnerungen schwelgen.

Ich hoffe, ihn wenigstens im Nachwort zu "Planet der Verdammten" ausreichend gewürdigt zu haben... nein, wahrscheinlich nicht, das muss ich dann wohl nachholen für den nächsten Band mit Arullu-Geschichten. Ohne Jack Vance hätte das Genre der "Sterbenden Erde" nicht die Bedeutung (zumindest für mich) erlangt, die es heute hat.





Kniffle momentan an mehreren Stories gleichzeitig, wie immer, und fühle mich genötigt, wie ein stets wiederkehrender Juckreiz, immer wieder neu einschlagende Ideen zu notieren. ("Der Letzte Astronaut" mit Jim Morrison in der Hauptrolle?)

Auch hier habe ich inzwischen wieder eine Retrotechnologie eingeführt und meine Kreativtagebücher hervor gekramt, die ich zu Beginn des Informationszeitalters langsam durch Dumpdateien ersetzt hatte.

Aber ein Infodump sieht leider von außen immer gleich aus. Das gleiche Problem wie bei eBooks - es gibt keine visuelle oder taktile Erinnerung, wo man eine bestimmte Zeile finden könnte.

In ein Tagebuch kann man schreiben, krickeln, zeichnen, oder was einkleben.

Papier siegt. Verdammt.



Habe in den Weiten des weltweiten wilden Webs etwas gefunden, dass sich Irish Metal Archive nennt. Sehr zur Freude auch von Freunden und Bekannten. Nur meine Frau, die beste von allen, bittet mich immer, die merkwürdigen Töne leiser zu drehen, die aus meinem Subwoofer dröhnen...





Cutout der Woche

Aus den "Begegnungen mit außergewöhnlichen Menschen"

Der Captain, jener glorreiche Soldat, erscheint dem Beobachter ein eitler Prahler und Aufschneider, der kaum von etwas anderem spricht als von seinen angeblichen Heldentaten auf dem Schlachtfeld und im Bett, die er jedoch nie beweisen kann. Er ist ein älterer Herr mit einem sich regelmäßig sträubenden Schnauzbart, von kleinerer Statur und generell unauffällig, wenn auch nicht harmlos. Sein hervorstechendes Merkmal sind wahrscheinlich seine Augen, die von einer ungewöhnlich intensiven Türkisfarbe sind, die auf längere Zeit sowohl durchdringend als auch beunruhigend wirken.

Donnerstag, 6. September 2012

Monomythos :: Der solare Mythos [2]


Fortsetzung des vorhergehenden Eintrages in dieser Reihe

Der Monomythos als solarer Mythos


5. Die Nacht: Löwe/SONNE: Die Sphäre der Wiedergeburt – der vom Ich befreite Held gewinnt sein Selbst. Das Überschreiten der Schwelle ist das Abstreifen der Weltlichen Haut, der Eintritt in den Weltschoß, die Stille des Göttlichen, das mit Schrecken verbunden ist. Der Held, der die Prüfung der Schwelle nicht besteht, wird verschlungen und muss im Hexenkessel sieden, bis er sich wieder zusammensetzt – ganz wird – und ausgespien wird.

6. Die Prüfungen: Jungfrau/MERKUR: Der Weg der Prüfungen ist der der Reinigung vom Selbst – wo die Sinne gereinigt und erniedrigt werden. Die infantile Bilderwelt wird aufgelöst, überwunden oder umgewandelt. Die Entdeckung und Annihilation des eigenen, ungekannten Selbst. Die Widerstände werden gebrochen, man beugt sich dem eigentlich Unerträglichen wieder und wieder, nur geleitet vom eigenen Licht.

7. Gericht & Lohn: Waage/VENUS: Das Wort des Gerichtes ist Akzeptanz. Der Göttin ohne Begierde zu begegnen, heißt sie zu gewinnen, denn sie kann nicht gezwungen werden. Das Leichte ist Illusion, real das Harte, das am Sein leicht wird. Alles Infantile bedeutet letztlich nur Verderben, wer dieser Begegnung nicht gewachsen ist, wird zerbrechen. Hier wird das Herz gewogen; nur Vertrauen löst den Drachenvater auf, dies ist nur dann möglich, wenn die Bindung ans Ich auch gelöst wird.

8. Weigerung zur Flucht: Skorpion/MARS: Das Gewonnene muss weitergegeben werden – dies ist das Elternschaftsmysterium. Ein Innehalten oder die Verweigerung zu lehren wäre Perversion, ein Regress, ein Rückschritt in die Verantwortungslosigkeit der Kindheit. In diesem Zusammenhang kann man auf den alten Mythos hinweisen, dass ein Skorpion sich eher selbst tötet als zurück zu weichen oder den Flammenkreis zu durchschreiten.

9. Flucht: Schütze/JUPITER: Diese Flucht ist auch eine Heimkehr, die Verteidigung des Gewonnenen. Hier erweist sich der geläuterte Held würdig der Ehrung. Gewitzt kann er die Verfolger ablenken, da diese noch ihr sterbliches Ich besitzen – es ist die Verfolgung des Überirdischen durch das Materielle, die Qlipoth, die nach dem hungern, was ihnen Existenz gibt und von denen sie sich früher sicher nähern konnten. Eine Hilfe kann erscheinen – dies ist das externalisierte Überirdische, oder auch die Personifikation des Lohnes. Die Welt aber ruft nach ihrem Erlöser.

10. Überschreiten der Schwelle: Steinbock/SATURN: Stellt die neuerliche Invertierung der Wertmaßstäbe dar. Die Gefahr der Profanisierung des Gefühles des Einsseins mit der Leere. Hier kann das Erhabene an der Schwelle zurückbleiben, weil es in der Realität keinen Platz zu haben scheint, oder die Erfahrung nicht ohne Beweis mitgebracht werden kann. Wenn die Transzendenz zurückbleibt, endet hier der Mythos. Wird sie weitergetragen, so treten wir in die Phase eines spirituellen-religiösen Mythos, denn...

11. Herr der zwei Welten: Wassermann/SATURN: Er weiß um alles Verborgene. Er hat das Geheimnis gelöst. Er offenbart sein Wissen um die Doppelnatur der Welt, die eins ist und...

12. Freiheit zum Leben: Fisch/JUPITER: ...steht als gefestigter (priesterlicher) Lehrer inmitten derer, die an ihn glauben werden.

Mittwoch, 5. September 2012

Monomythos :: Der solare Mythos [1]


Das im vorhergehenden Eintrag in dieser losen Reihe vorgestellte Modell des Monomythos - der Reise des Helden - hat seine Stärken, jedoch auch seine Schwächen, die dort hervortreten, wo einzelne der Situationen zusammengefasst oder fortgelassen werden, um zu einer griffigeren Zahl zu kommen. Dennoch hat diese Vorgehensweise seine Berechtigung. Im Folgenden wird in einem unveröffentlichten Essay von 2003/4 versucht, 12 Stationen des Monomythos mit dem solaren Mythos oder der Reise der Sonne (des Ego) durch die 12 Tierkreiszeichen in Zusammenhang zu setzen. Ein erster Entwurf für die bisher unveröffentlichten (und unvollendeten 'Tarotromane'.


Der Monomythos als solarer Mythos


STATION und PSYCHE
Vorgeschichte --
Berufung : Widder
Weigerung : Stier
Hilfe von aussen : Zwilling
Überschreiten der Schwelle : Krebs
Die Nacht : Löwe
Die Prüfungen : Jungfrau
(Treffen mit der Göttin
Versuchung
Versöhnung mit dem Vater
Apotheose)
Die höchste Belohnung : Waage
Weigerung zur Flucht : Skorpion
Flucht : Schütze
(Rettung von aussen)
Überschreiten der Schwelle : Steinbock
Herr der zwei Welten : Wassermann
Freiheit zum Leben : Fisch

Diese kleine Anordnung korreliert mit den Theorien von Campbell’s Heros mit den 1000 Gestalten. Die Stationen des Helden entsprechen eher psychologischen Punkten, d.h. der Wirkung und der Leistung des solaren Egos, anstelle der Situation, in der er sich befindet. In der Nacht muß die Sonne am stärksten strahlen, um siegreich aus den initiatorischen Nebeln aufzutauchen.

Psychische Erläuterung der Stationen


1. Berufung: Widder/MARS: Die Berufung ist verbunden mit Symbolen des (verhüllten) Weltnabels – das Erwachen des Selbst, die Vorankündigung des notwendigen prozesses, das Erwachen/Erwachsen. Es ist die Berufung zum Leben, zum Tode, zur Geschichte. Mächte, die außerhalb stehen (scheinbar) verwickeln den Helden in die größere Geschichte. Diese verkleideten fremden Mächte sind auch mit dem Verschmähten, dem Schatten verbunden. Der Unbekannte, verhüllte, Bote, Psychopomp, der den jungen Prinzen hinweg ruft.

2. Weigerung: Stier/VENUS: Dies ist die Verweigerung dem Schicksal gegenüber – oder das Problem des Materialismus. Kann auch als Rückschlag und Widerstände verstanden werden, die eine Geschichte erst ins Leben ruft. Die Weigerung ist auch Ablenkung – die Verneinung auf den Ruf der Reifeprüfung, die Unfähigkeit, das Kindheits-Ich abzulegen. Hier zeigt sich wieder daß Stasis einer Entwicklung im Wege steht.

3. Hilfe von aussen: Zwilling/MERKUR: Diese Helfer sind weitere Verkörperungen des Schicksals – das Prinzip des Wachens und Leitens, ambivalent wie alles Unbewußte – dies ist der Initiationspriester, unter dessen Schutz, und mit deren Hilfe die Bedeutung des Weges erkannt wird. Dies ist merkurisch – er stellt sozusagen die Sicherheit des Herzens fest, Führer und Verführer in einem, derjenige der sich dem Ruf jetzt noch verweigert, wird verderben.

4. Überschreiten der Schwelle: Krebs/MOND: Stellt eine erste Invertierung der Wertmaßstäbe dar. Die Schwelle stellt den Rand des Bekannten dar – hinter ihr beginnt das Fremde, das Märchenland, die Unterwelt. Sie wird von einem Wächter geschützt – dies kann durchaus als eine Schutzfunktion des Unbewußten verstanden werden, die Angst vor der Veränderung, oder dem Ende eines Abschnittes (Tod). Der Bewohner dieser Grenze kann als Halbwesen erscheinen, um die ambivalente Natur dieser Schwelle zu verdeutlichen, auf der das ICH geopfert wird. Der Hüter der Schwelle kann in jungianischen Termini auch als Schatten erscheinen.
(Fortsetzung im nächsten Eintrag)

Montag, 3. September 2012

Monomythos :: Campbell & Vogler


Wer den vorhergehenden Eintrag in dieser losen Reihe gelesen hat, wird vielleicht den Verweis auf die "Heldenreise", den Monomythos nach Campbell gesehen haben. Die Reise ist in verschiedene Stationen (17) eingeteilt - dramatische Situationen - die berühmterweise von Vogler für Drehbuchautoren zusammengefasst wurden (s.u.) Hier sind es 12, eine Zahl, die befriedigender scheint, den Ästheten jedoch durch in dieser Ausarbeitung nicht überzeugen kann. Hierzu dann demnächst mehr - der Monomythos als solarer Mythos.

Campbells Modell (17 Stationen, mit Vorgeschichte 18)

I: Abreise
1. Vorgeschichte (wenn notwendig)
2. Die Berufung zum Abenteuer
3. Verweigerung dem Ruf
4. Übernatürliche Hilfe
5. Überschreiten der Schwelle
6. Der Bauch des Wales
II: Initiation
1. Der Weg der Prüfungen
2. Treffen mit der Göttin
3. Versuchung
4. Versöhnung mit dem Vater
5. Apotheose
6. Die höchste Belohnung
III: Rückehr
1. Weigerung zurückzukehren
2. Die magische Flucht
3. Rettung von Außen
4. Überschreiten der Schwelle
5. Meister der zwei Welten
6. Freiheit zu leben

Voglers Ausarbeitung für Drehbuchautoren (in 12 Stationen zusammengefasst)

I: Abreise
1. Ausgangspunkt ist die gewohnte Welt des Helden.
2. Der Held wird zum Abenteuer gerufen.
3. Diesem Ruf verweigert er sich daraufhin zumeist.
4. Ein Mentor überredet ihn daraufhin die Reise anzutreten, und das Abenteuer beginnt.
5. Der Held überschreitet die erste Schwelle,
…nach der es kein Zurück mehr gibt.
II: Initiation
1. Daraufhin wird er vor erste Bewährungsproben gestellt und trifft dabei auf Verbündete und Feinde.
2. Nun dringt er bis zur tiefsten Höhle vor und trifft dabei auf den Gegner.
3. Hier findet die entscheidende Prüfung statt:
Konfrontation und
…Überwindung des Gegners.
4. Der Held wird belohnt, indem er z.B. den Schatz oder das Elixier raubt.
III: Rückkehr
1. Nun tritt er den Rückweg an…
…während dessen es zur Auferstehung des Helden kommt.
2. Diese Auferstehung ist nötig, da er durch das Abenteuer zu einer neuen Persönlichkeit gereift ist.
3. Anschließend tritt der Held mit dem Elixier den Heimweg an.

Samstag, 1. September 2012

Monomythos :: Prolog


Ein schlauer Mann hat einmal gesagt, dass alle Geschichten eine sind, und diese Geschichte die einer Suche ist. Der individuelle Held ist der kosmische Held, und seine Suche, gilt sie nun Weisheit, Frieden oder wahrer Liebe, ist immer die Suche nach Transzendenz und Selbsttransformation. Die Suche nach dem Schicksal.

Und wie immer ist der Weg das Ziel, die Suche ist das Schicksal.

Es ist deswegen nicht verwunderlich, dass sich die Grundstruktur - der Plot - einer jeden Geschichte ähnelt, oder vielleicht sogar die gleiche ist.

Joseph Campbell hat gleiches für die Mythologie der Menschheit festgestellt und nannte es den Monomythos - die Reise des Helden.

Seine Analyse ist nicht unumstritten, aber das hat Hollywood und andere nicht daran gehindert, Elemente oder die Gesamtheit des Monomythos zu entwenden und zur Strukturierung von so unterschiedlichen Werken wie Star Wars oder Matrix zu benutzen.

Selbst ein eleganter Stilist wie Neil Gaiman sagt über sich, dass er wohl unbewusst dem Monomythos folgt - die eine Geschichte drängt danach, neu erzählt zu werden.

Vielleicht ist es auch eine Art universelles Mantra des homo sapiens, durch dessen Neuerzählung wir uns selbst versichern: Die Konsenstheorie von Wirklichkeit.

Mehr zum Monomythos und seiner Anwendung, sowie weiteren "Plotformeln" in den kommenden Tagen, zusammengestellt aus Notizen der letzten 10 Jahre.

Samstag, 26. März 2011

Helden?

In den Redaktionsräumen von NEMED HOUSE (bzw. im Keller) fließt der Met und Apfelwein. Wir opfern einen kühlen Trunk auf den Roboterschädel von Robert E. Howard, den wir aus den Abfällen von vier Computern zusammengebaut haben und der uns neue Nachrichten aus dem Imaginalen zuflüstert...

Die Reise des Helden?
Conan im Film?
Robot E. Howard weiss alles, sagt alles, kennt alles...

Rauch steigt von seinen locker verdrahteten USB-Zähnen auf. Empfohlene Literatur "The Hero" von Lord Raglan (1936).


Das Mass eines Helden:

1. Der Held der Mutter ist eine königliche Jungfrau.
2. Sein Vater ist ein König und
3. oft ein naher Verwandter der Mutter, aber
4. die Umstände seiner Auffassung sind ungewöhnlich, und
5. er könnte auch angeblich der Sohn eines Gottes sein
6. bei der Geburt wird der Versuch unternommen, in der Regel von seinem Vater oder Großvater mütterlicherseits, um ihn zu töten, aber
7. Er wird weggeführt, und
8. von Pflegeeltern in einem fernen Land aufgezogen.
9. Wir erfahren nichts über seine Kindheit, aber
10. beim Erreichen der Mannbarkeit kehrt er zurück oder kommt in sein künftiges Reich.
11. Nach einem Sieg über den König und / oder Riesen, Drachen, oder wildes Tier
12. heiratet er eine Prinzessin, oft die Tochter seines Vorgängers, und
13. wird König.
14. Eine Zeit lang herrscht er ereignislos und
15. schreibt Gesetze, aber
16. später verliert die Gunst der Götter und / oder sein Volk und
17. von Thron und Stadt fortgetrieben, wonach
18. er einen mysteriösen Tod erleidet
19. oft auf der Spitze eines Hügels.
20. Seine Kinder, wenn er überhaupt welche hat, folgen ihm nicht.
21. Sein Körper ist nicht begraben, aber dennoch
22. hat er ein oder mehrere heilige Gräber.

Trink mehr Whiskey, Robot E. Howard. Wir haben bereits eine Wette darauf abgeschlossen, wer von uns diese 22 Stationen des Helden als erstes verwerten wird - Simple Simon mit seinem Moorcockgeseiere oder der alte Gruner.