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Samstag, 14. Juni 2014

Mehr Goldorak

Es gibt keine Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft. Es sind nur die Gedanken des Nerds, die wandern. Und das Goldene Zeitalter ist zehn, oder jedes andere, in dem man sich das erste Mal für etwas so richtig begeistert. Den jungen Kollegen ist es jetzt vielleicht peinlich, dass sie sich mal für Pokemon oder die Power Rangers oder andere fragwürdige Trivialitäten begeistert haben, die aus Japan kommen, aber wenn auch sie die ersten grauen Haare auf dem Rücken haben, wer weiß, ob dann nicht der tödliche Nostalgiekick einsetzt - verhehrender als ein Speedball Cocktail. Und von da aus kommt man schnell zu dem wirklich harten Stoff...

Und es ist etwas bestrickend schlichtes und somit wahrhaftiges an den apokalyptischen Visionen unser Jugend. Wer braucht Religion, wenn man eine eklektische Mythologie direkt ins Wohnzimmer bekommt? Warum meditieren über den Kampf von Gut und Böse, wenn es Godzilla vs. King Kong gibt? Engel, Propheten oder Geister? Wir hatten Daikaiju, den japanischen Captain Future und Super Robots. Und ist nicht etwas bestrickend schlichtes und somit wahrhaftiges an einer Welt, in der Riesenmonster die moderne Zivilisation bedrohen oder ein junger Mensch am Steuerknüppel eines Riesenroboters die unschuldigen retten kann, ein Monster pro Woche? Man brauch nicht zynisch zu sein, um zu sehen, welche Art von Welt hier entschleiert wird. Man kann sie interpretieren oder dekonstruieren, es sind Ideen oder Bilder, die Archetypen sind, gewaltig, ewig, unverwüstlich. Jedenfalls, solange es noch jemanden gibt, der sich für ihre schlichte Schönheit begeistern kann. Riesenmonster! Super Roboter! Selbst die Robots in Disguise... egal, wie dämlich eine neue Version eines solchen Archetypen sein mag, die Idee dahinter, na, da kann man nichts gegen sagen. Gäbe es sonst immer wieder einen Reboot?

Ich hatte mich ja bereits zuvor ausgelassen über den alten Gefährten meiner Kindheit, UFO Robot Grendizer, in der zivilisierten Welt besser bekannt als Goldraker oder Goldorak, eine Gestalt, die mich faszinierte, obwohl ich eigentlich überhaupt nicht wusste, worum es ging. Riesenroboter aus dem Weltraum? Glaubt mir, im Goldenen Zeitalter von zehn reicht das schon, um sich zu begeistern. Schlimmer waren nur noch Anzeigen und Werbungen in amerikanischen Comics, die ich damals in die Finger bekam für andere rätselhafte Super Robots wie "Mazinger" oder "Shogun Warriors". und es gab irgendwann tatsächlich einmal ein Godzillacomic von Marvel, in dem SHIELD einen Riesenroboter namens "Red Ronin" auf den König der Monster ansetzte. Das wäre doch mal etwas für einen Nerdgasmus, wenn es das Wort damals schon gegeben hätte.

Nun, ich will es auch nicht übertreiben. Aber gerade eben hat mir ein Freund einen Link geschickt für einen deutschsprachigen Film mit UFO Robot Grendizer bei YouTube. Schribbelige Anime der 70er Jahre, in der Art des japanischen Captain Future. Kann eigentlich nur schrecklich sein. Aber die Idee an sich...

Nun, man ist nie zu alt für so 'nen Scheiß.

Repost :: Goldorak

Ich gebe es zu: Ich bin ein Nerd. Ich begeistere mich für Dinge, die kein vernünftiger Mensch cool findet. Und ich mache mir Gedanken um Sachen, die wahrscheinlich vollkommen irrelevant sind, statt mich um Dinge zu kümmern, die wahrscheinlich wichtiger sind. Tief in meinem Herzen bin ich – hinter all den Warzen und grauen Haaren – immer noch ein Fanboy.

Positiv gesehen kann ich mich immer noch für Dinge begeistern, ohne in die lethargische Stasis des Alters abzurutschen. Und ich merke mir den ganzen Mist auch noch, je esoterischer desto besser. (Und ich rede hier nicht von Hermetica – sondern von den wirklich esoterischen Dingen, die nur Eingeweihte zu schätzen wissen: Die Trivia des Trivialen, Gimmicks, Gadgets, Eastereggs, der ganze glorreiche und lächerliche Kram, der aus dem Auge der Allgemeinheit schon längst verschwunden ist.)

Als ich ein kleiner Junge war, liebte ich Goldorak. Wer ist Goldorak? Kein Schwein kennt Goldorak. Selbst ich konnte eigentlich nie sagen, wer Goldorak war.

Mein Auge fiel auf ihn während der alljährlichen Sommerferientouren durch Frankreich mit meinen Eltern, und entzündete kindliche Besitzgier. Mindestens einen Sommer lang muss ich meine Eltern jeden Tag stundenlang in den Ohren mit Goldorak gelegen haben. (Sicherlich versicherte ich ihnen auch in den höchsten Tönen, wie cool Goldorak war, wenn ich das Wort ‚cool’ damals schon gekannt hätte.) Damals waren meine Sammlerinstinkte noch nicht ausgeprägt, und von der kulturellen Qualität des Objektes meiner Begierde waren meine Eltern sicherlich auch nicht so überzeugt. Heute, da ich selber Kinder habe, kann ich das gut nachvollziehen. Aber wie alle Eltern gaben auch meine irgendwann nach, damit man seine Ruhe hatte und kaufte dem Sprössling den Scheiß.

Ich kann nicht sagen, dass mich der Besitz einer 40 cm großen Plastikfigur mit relativ schwacher Beweglichkeit zum Besseren verändert hat. Immerhin konnte man die Schulterstücke herausziehen und in der grob perforierten Faust zu einer Art Doppelhacke zusammenstecken.

Und dass Goldorak ziemlich steif dastand, war auch erklärlich, schließlich handelte es sich ja um einen Roboter, oder so etwas ähnliches, der eine schwache Ähnlichkeit mit einem Samurai hatte. Um das Rätsel zu lösen, besorgte ich mir zusätzlich ein auf schlechtes Papier gedrucktes Heft mit ungewöhnlich großflächigen, simplifizierten Zeichnungen, die mich weitgehend aufklärten, dass es sich nicht nur um einen Roboter, sondern um einen von einem Piloten gesteuerten Riesenroboter handelte. Und Außerirdische. Mal etwas anderes als der ziselierte Ligne Claire-Stil, den ich bisher von franco-belgischen Comics wie Tim und Struppi kannte. Nicht, dass ich ein Wort von diesem französischen Exemplar eines der ersten in Europa erscheinenden Mangas verstanden hätte. Ich sagte ja: wirklich esoterische Dinge.

Ich denke, Goldorak ging den Weg allen Fleisches, bzw. den typischen Gang, den auch meine erste Comicsammlung gehen musste. Ich wurde zu alt für den Scheiss. Oder meine Eltern erklärten mir, dass ich zu alt für den Scheiss wäre und legten mir nahe, den Kram schnell beim nächsten Flohmarkt zu versilbern, sonst würde er bald die Mülltonne zieren, da er eh so wertlos sei.

Die Ironie, und eine Lektion an Eltern überall auf der Welt: Würde man seine alten Comics behalten und erst im Alter versilbern, könnte man davon bequem die Studiengebühren bezahlen. Und Goldorak hab ich gestern Nacht bei eBay wieder gesehen. So um die 70 € sollte er kosten. Einen Augenblick war ich wirklich in Versuchung.

Aber so ein großer Nerd bin ich dann doch nicht.

Donnerstag, 9. November 2006

Wer war Goldorak?

Ich gebe es zu: Ich bin ein Nerd. Ich begeistere mich für Dinge, die kein vernünftiger Mensch cool findet. Und ich mache mir Gedanken um Sachen, die wahrscheinlich vollkommen irrelevant sind, statt mich um Dinge zu kümmern, die wahrscheinlich wichtiger sind. Tief in meinem Herzen bin ich – hinter all den Warzen und grauen Haaren – immer noch ein Fanboy.


Positiv gesehen kann ich mich immer noch für Dinge begeistern, ohne in die lethargische Stasis des Alters abzurutschen. Und ich merke mir den ganzen Mist auch noch, je esoterischer desto besser. (Und ich rede hier nicht von Hermetica – sondern von den wirklich esoterischen Dingen, die nur Eingeweihte zu schätzen wissen: Die Trivia des Trivialen, Gimmicks, Gadgets, Eastereggs, der ganze glorreiche und lächerliche Kram, der aus dem Auge der Allgemeinheit schon längst verschwunden ist.)


Als ich ein kleiner Junge war, liebte ich Goldorak. Wer ist Goldorak? Kein Schwein kennt Goldorak. Selbst ich konnte eigentlich nie sagen, wer Goldorak war.


Mein Auge fiel auf ihn während der alljährlichen Sommerferientouren durch Frankreich mit meinen Eltern, und entzündete kindliche Besitzgier. Mindestens einen Sommer lang muss ich meine Eltern jeden Tag stundenlang in den Ohren mit Goldorak gelegen haben. (Sicherlich versicherte ich ihnen auch in den höchsten Tönen, wie cool Goldorak war, wenn ich das Wort ‚cool’ damals schon gekannt hätte.) Damals waren meine Sammlerinstinkte noch nicht ausgeprägt, und von der kulturellen Qualität des Objektes meiner Begierde waren meine Eltern sicherlich auch nicht so überzeugt. Heute, da ich selber Kinder habe, kann ich das gut nachvollziehen. Aber wie alle Eltern gaben auch meine irgendwann nach, damit man seine Ruhe hatte und kaufte dem Sprössling den Scheiß.


Ich kann nicht sagen, dass mich der Besitz einer 40 cm großen Plastikfigur mit relativ schwacher Beweglichkeit zum Besseren verändert hat. Immerhin konnte man die Schulterstücke herausziehen und in der grob perforierten Faust zu einer Art Doppelhacke zusammenstecken.


Und dass Goldorak ziemlich steif dastand, war auch erklärlich, schließlich handelte es sich ja um einen Roboter, oder so etwas ähnliches, der eine schwache Ähnlichkeit mit einem Samurai hatte. Um das Rätsel zu lösen, besorgte ich mir zusätzlich ein auf schlechtes Papier gedrucktes Heft mit ungewöhnlich großflächigen, simplifizierten Zeichnungen, die mich weitgehend aufklärten, dass es sich nicht nur um einen Roboter, sondern um einen von einem Piloten gesteuerten Riesenroboter handelte. Und Außerirdische. Mal etwas anderes als der ziselierte Ligne Claire-Stil, den ich bisher von franco-belgischen Comics wie Tim und Struppi kannte. Nicht, dass ich ein Wort von diesem französischen Exemplar eines der ersten in Europa erscheinenden Mangas verstanden hätte. Ich sagte ja: wirklich esoterische Dinge.

Ich denke, Goldorak ging den Weg allen Fleisches, bzw. den typischen Gang, den auch meine erste Comicsammlung gehen musste. Ich wurde zu alt für den Scheiss. Oder meine Eltern erklärten mir, dass ich zu alt für den Scheiss wäre und legten mir nahe, den Kram schnell beim nächsten Flohmarkt zu versilbern, sonst würde er bald die Mülltonne zieren, da er eh so wertlos sei.

Die Ironie, und eine Lektion an Eltern überall auf der Welt: Würde man seine alten Comics behalten und erst im Alter versilbern, könnte man davon bequem die Studiengebühren bezahlen. Und Goldorak hab ich gestern Nacht bei eBay wieder gesehen. So um die 70 € sollte er kosten. Einen Augenblick war ich wirklich in Versuchung.


Aber so ein großer Nerd bin ich dann doch nicht.