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Samstag, 18. Juli 2020

Flash Fiction :: Ka, der Vogel der Schöpfung

Die Alte Rasse, die über den Kontinent Thuria herrschte, als es die schattenhaften ersten Königreiche der Menschen noch nicht gab, erzählt sich folgende Legende:
„Im Anbeginn der Zeit flog Ka, der Vogel der Schöpfung, aus dem Osten über die Länder der Menschen, seine ebenholzschwarzen Schwingen verdeckten die Sterne des Anbeginns der Zeit, und wir werden ihn nach Osten zurückkehren sehen am Ende der Zeit, wenn alle Dinge zu Ende gehen.“
Dies mag sein oder nicht sein. Von der Alten Rasse leben nur noch wenige, nicht mehr als eine Handvoll. Es sind hagere alte Männer mit affenartigen Armen und seltsamen Augen; Hexer, die den Menschen späterer Rassen mit unauslöschlichem Hass gegenüberstehen. Am liebsten würden sie uns allen den schwarzen Göttern opfern, die unter den Schatten der ebenholzschwarzen Schwingen geschlüpft waren: Dem Schatten, dem Skorpion, der Großen Schlange. Aber sie sind nur eine Handvoll, und wir sind viele.
Und mit jedem Jahrtausend werden es weniger.

* Thuria und Ka stammen aus den Geschichten von Robert E. Howard über "Kull den Eroberer", König von Valusien

Sonntag, 7. November 2010

Mythos :: Verdammte Bücher [2]



Seien wir doch ehrlich: Wie glaubwürdig kann der Cthulhu-Mythos sein, wenn es so wenige Beweise für seine Richtigkeit gibt? In der unlängst veröffentlichten Übersicht über die in den Sekundärquellen (Lovecraft, Smith, Howard) genannten Primärquellen seiht man, dass es nur eine Handvoll Belege gibt. Hier liegt glaube ich auch eine interessante Geschichte verborgen. Wenn man einmal nachdenkt, ist es doch verblüffend, dass so wenig Wissen aus den Tagen, als "Mythos" allgemeines Wissen war, überliefert worden ist.

Bestenfalls aus zweiter Hand erfahren wir von der Vorgeschichte unserer Welt, den Zivilisationen, die früher bestanden (Hyperborea, die Thurischen und Hyborischen Reiche). (Und ja, dies muss man miteinbeziehen - da Lovecraft direkt auf die Geschichten von Smith und Howard hinwies, gehören sie zum Mythos. In die Geschichtsschreibung unserer Welt im Schattend es Mythos sind also auch die "Nemedischen Chroniken" nicht fortzudenken...) In meinem Artikel "Die Religion von Atlantis" hatte ich bereits einige recht interessante Querverweise ausgegraben...

Wo sind sie also alle hin, die Dokumente und Schriften der Zeiten, die da waren - ignorieren wir einmal alle vorzeitlichen Scherben und Zeichen, die erst später wieder ausgegraben wurden (und auch das sind wirklich wneige). Wie authentisch kann der "Mythos" sein, oder handelt es sich nur um einen vier Jahrtausende andauernden literarischen Scherz einiges geistesgestörter Mystiker? Wie wahrscheinlich ist, es, dass es sowenig gibt, wo es doch eigentlich mehr sein sollte?

Tatsächlich sehr wahrscheinlich. Wir wissen z.B. dass ein wichtiges Dokument wie das "Vermächtnis des Carnamagos" nur erhalten geblieben ist, weil es einem ungenannten graeco-baktrischen Beamten ins Grab mitgegeben wurde und Jahrhunderte später erst wieder entdeckt wurde. Bücher waren in der Antike nicht nur wertvoll, sondern auch ein gutes Geschäft, mächtige Telesmata und Symbole für Prestige und Wissen. Sicherlich wird es von Büchern, die den Mythos betrafen, mehr als eine Abschrift gegeben haben. Nur haben uns diese Schriften nie erreicht. Und das ist nicht einmal verwunderlich. Erst mit der Karolingischen Renaissance gab es nämlich wieder eine ernstzunehmende europäische Literatur. Davor: Finsterste Barbarei (das christliche Abendland), beginnend mit einem Erlass des Kaisers Theodosius von 391, die heidnsichen Tempel und Bauwerke im Namen der neuen Staatsreligion zu stürzen. Die bedeutenden Bibliotheken der damaligen Zeit gehörten auch dazu. Nach Schätzungen von Experten umfasste allein die Bibliothek im Museion von Alexandria etwa eine Million Titel. Bis zum Jahr 400 stand keines dieser Gebäude mehr, und die Literatur der Antike war fast vollständig ausgelöscht worden.

Vielleicht macht die ganze Sache doch mehr Sinn, als uns lieb sein könnte...

Donnerstag, 12. Juli 2007

Robert E Howards KULL :: in 3-D



Die unsterbliche Schöpfung von Robert E. Howard als detailliert geformte Statue. Das CS Moore Studio (mit den Arbeiten des Bildhauers Clayburn Moore) hat unlängst die auf diesen Seiten ausgiebig diskutierte Figur des Königs von Valusien in 3-D umgesetzt. Auch optisch hat Mr. Moore sich hier bewusst von den Klischees abgesetzt, die Schwertkämpfer als muskeldeformierte Gendefekte (vide Conan oder He-Man) darstellen. Kull ist schlank und geschmeidig, eher ein fechter als ein Schlächter, gerade so wie er in den Erzählungen von Howard geschildert wird. Auf seinem Weblog schildert Moore recht interessant die verschiedenen Phasen der Entstehung der Skulptur. Respekt.

Foto by CS Moore Studio. Paradox Entertainment has granted The CS Moore Studio the license to create the Robert E. Howard character Kull of Atlantis as a major collector's statue. (Dies auch zum Thema, wer inzwischen die Rechte an dem geistigen Eigentum von Robert E. Howard an sich genommen hat.)

Sonntag, 2. Juli 2006

Robert E Howards KULL :: Die Religion von Atlantis (Quellen)

Quellenverzeichnis:

Burke, R.: „Religion in the Days of King Kull“
Dux, F.: „Rivers of Life“
Heald, H. & Lovecraft, H.P.: "Out of Eons"
Howard, R.E. & Carter, Lin: „Riders Beyond the Sunrise“
Howard, R.E.: „Delcardes' Cat“
Howard, R.E.: „Exile of Atlantis“
Howard, R.E.: „Gods of Bal-Sagoth“
Howard, R.E.: „Isle of the Eons“
Howard, R.E.: „The Altar and the Scorpion“
Howard, R.E.: „The Moon of Skulls“
Howard, R.E.: „The Shadow Kingdom“
Howard, R.E.: „The Tower of the Elephant“
Rippke, D.: „The Mystery of the Green-Stone Cities“, Mysteries of the Hyborian Age (part 8)
Scott-Elliot, W.: "The Story of Atlantis and the Lost Lemuria "
Smith, C.A.: "The Coming of the White Worm"
Smith, C.A.: "The Door to Saturn"
Smith, C.A.: "The Double Shadow"
Smith, C.A.: "The Voyage to Sfanomoe"

Robert E Howards KULL :: Die Religion von Atlantis (Ende)


Fortsetzung von Teil 3

Zur Zeit von König Kull hatte sich die Erste Religion der Menschheit soweit verbreitet, dass sie als universell angesehen werden kann. Nicht nur die Hohen Zivilisationen der Sieben Reiche (Valusien etc.) verehrten und schworen auf dieselben Gottheiten, sondern selbst die Barbarenstämme, die die Piktischen Inseln und Atlantis bewohnten. („Exile of Atlantis“)

Die Trennung der Religion der Vorzeit in die hochstehendere, transzendente Religion, wie sie von den Naacal-Meistern verbreitet wurden und den primitiveren Opferkult, der als Überbleibsel vormenschlicher Praktiken angesehen werden kann, ist eine idealtypische. Doch selbst die versprengten Angehörigen nichtmenschlicher Kulte hatten die Lehre der Meister soweit angenommen, dass sie diese Gottheiten – in Konkurrenz zu ihren eigenen vorprimitiven Wesenheiten – für existent erachteten. („The Altar and the Scorpion“)

Und dies sind die Namen der Hohen, Wahren Götter: Valka, Hotath, Helfara.


Valka galt allgemein auf der Jüngeren Erde als der Gott der Götter, Man nannte ihn den Allmächtigen und schrieb ihm allgemein die Erschaffung des Menschengeschlechtes als seiner mächtigsten Schöpfung zu. Er stand erhaben über allen anderen Gottheiten und Dämonen, so dass seinen Namen in einem Atemzug mit dem einer minderen Gottheit zu nennen, fast schon blasphemisch erschien („Riders Beyond the Sunrise“).Er war das, was dem modernen Verständnis von Gott – der monotheistischen Interpretation des Numinosen – am nächsten kommt. In Valkas Namen finden wir die erste Vorstellung des Menschen von „Gott“ als ewigem Ursprung und Endpunkt der Schöpfung.

Aus „Isle of the Eons“ wissen wir, dass in Mu Valka der Gott der Fruchtbarkeit und des Wachstums ist, der Herr von Land und See. Valka beschreibt in anderen Worten das kreative Potential. Obwohl in den Kull-Geschichten nichts über Ritus, Religion oder Symbolik der vorsintflutlichen Zeit offenbart wird, können wir davon ausgehen, dass der Schöpfer Valka – wenn er denn eine bildliche Darstellung erlaubte – am wahrscheinlichsten durch den Phallus dargestellt: Ein Lingam in Form einer Säule, Herme oder einem Monolithen, der an zentraler Stelle errichtet wurde. Eine angemessene Darstellung des Potentiales, wie sie sich in allen Kulturen der Menschheit in einer oder anderen Form wieder finden lässt.

Ob seine Gestalt mit einer anderen, primitiveren Vorstellung der Entstehung der Welt in Verbindung steht – von Ka, dem Vogel der Schöpfung, dessen Kommen und Gehen den Anbeginn und das Ende der Zeit bezeichnet, ist fraglich, auch wenn die Namen Valka/Ka ähnlich klingen. Vielleicht war der Vogel der Schöpfung nur eine andere Form, unter der Val-Ka verehrt wurde.

Der andere wichtige Gott des Thurischen Zeitalters war Hotath. In „Isle of the Eons“ ist Hotath der archetypische Kriegsgott – er bildet zusammen mit Valka die Überreste einer unvollständigen Hierarchie, wie man sie in fast allen, zumindest den indogermanischen Mythologien nachweisen kann. Dem Kriegsgott wurde nicht überraschend, die Fähigkeit zugesprochen, direkteren Einfluss zu nehmen und über Menschen und ihre Seelen zu urteilen.

Hotath als Kriegsgott verkörperte einen irdischeren Aspekt des kreativen Potentials, das in Valka sinnbildliche Form gefunden hat. Als Kriegsgott, der die Ackerfurche aufreisst, war er vielleicht auch für die Bauern bedeutsam. In den meisten Mythologien sind die Kriegsgötter entweder chthonischer Natur oder ebenso wie ihre Könige/Väter Himmelsgötter. Es ist vielleicht nicht zu phantastisch, Hotath als Kriegsgott auch mit dem Bild des Blitzes in Verbindung zu bringen. Wenn wir den Vorstellungen folgen, die Mr. Frazer so ausgiebig in seinem Buch „Der Goldene Zweig“ ausgebreitet hat, die archetypische Trias von Blitz, Baum und unsterblicher Mistel, wurde Hotath wahrscheinlich am angemessensten durch einen Baum dargestellt.

Zusammen mit Hotath wird öfters eine Gottheit namens Helfara erwähnt, ohne weitere Angaben zu machen. Sie scheint selbstverständlich zu Hotath zu gehören, wobei jedoch unklar ist, in welcher Beziehung. Hier scheinen sogar die Wurzeln menschlicher Vorstellungen von einer ‚Hölle’ als Ort der Strafe zu liegen. Wenn Hotath und Helfara die Seelen ungerechter und eidbrüchiger Menschen zur Hölle verdammen, kann man vielleicht in Helfaras Namen sogar die proto-indogermanische Wurzel dieses Wortes erkennen. Helfara als „Höllenfahrer“, ein Herold oder Wagenlenker, der die Seelen ihrer ewigen Strafe entgegenbringt? Leider ist zuwenig von der Sprache der thurischen Kulturen überliefert, um einen Zusammenhang mit späteren Dialekten unterstützen zu können, obwohl dies sicherlich verführerisch wäre.

Eine weitere, wahrscheinlichere Erklärung wäre jedoch, dass Helfara die notwendige weibliche Ergänzung zum chthonisch-uranischen Kriegsgott Hotath darstellt, eine gleichermassen kriegerische wie irdische Erdgottheit. Ob sie durch die Yoni dargestellt wurde, ist fraglich – wenn sie mit Hotath ein Paar bildete, sicherlich, dann wird aber auch Hotath durch den Phallus dargestellt worden sein.

Die früheste Form der Religion basierte, wie Forlong Dux vorhergesagt hatte, auf der Verehrung einiger weniger Ur-Demiurgen, deren transzendente Natur sich in Abbilder des Natürlichen hüllte. Erst mit dem Ende des Thurischen Zeitalters sollte diese erste Religion der Menschheit Auflösungserscheinungen zeigen: das langsame Einschleichen anderer Gottheiten, die zwar menschlichen Ursprungs waren, aber viele der Charakteristika der vormenschlichen Opferkulte aufwiesen. Dies war aber nur eine weiteres Zeichen des Unterganges der Thurischen Zivilisation, die unter dem Ansturm der Barbaren von Atlantis zugrunde ging.

Zu dem Zeitpunkt, als das Thurische Zeitalter mit dem Untergang von Atlantis sein Ende fand, war die Ur-Lehre der Naacal-Meister bereits in Vergessenheit geraten, und eine Vielzahl von Religionen und Philosophien war durch Vervielfachung und Rekombination der Archetypen entstanden. In den beiden letzten bekannten Überbleibseln atlantischer Kolonien, der Insel Bal-Sagoth im Nordatlantik („Gods of Bal-Sagoth“ ) und der Stadt Negari in Westafrika („The Moon of Skulls“), konnten die Hohen Götter nur dem Namen nach überleben – die Religion von Atlantis war hier zum primitiven Opferkult einer dunklen Gottheit namens Gol-gor oder Gol-goroth degeneriert. Vielleicht war dies die Basis für die Vorstellung der theosophischen Geschichtsschreibung, dass Atlantis aufgrund des Ausübens „Schwarzer Magie“ untergehen musste.

Und hier beginnt die Geschichte.

Robert E Howards KULL :: Die Religion von Atlantis (3)


Fortsetzung von Teil 2
Wir wissen nicht, wie der erste Philosoph hiess, der metaphysische Spekulationen anstellte, und das Göttliche anstelle in den Scheusslichkeiten vormenschlicher Opferkulte in der Transzendenz fand. In keinem überlieferten Fall der Geschichte lässt sich Religion aufeine rationale Quelle zurückführen. Wir können uns also nicht vorstellen, was ihn zur Gründung der ersten Religion der Menschheit inspirierte, oder ob er zu dieser Vorstellung eigenständig gelangte oder sie zu Füssen eines noch grösseren Meisters, menschlicher oder nichtmenschlicher Natur erlernte. Die Sagen von elefantenköpfigen unsterblichen Wesen, die zu uns aus der Hyborischen Zeit gekommen sind, lassen vermuten, dass die ersten Lehrer der Menschheit nicht immer Menschen waren. („The Tower of the Elephant“)Wer benannte die ersten Götter der Menschheit? Wie hiess dieser unbekannte Meister, der seine Augen zum Himmel hob und statt den Monstren der Vorzeit begann, Ideen zu verehren und sie sinnlich begreifbar zu machen? War sein Name Naacal, und benannte man die erste Priesterkaste der Meister nach ihm? Oder war Naacal nur ein Titel? (In „Isle of Eons“ heisst ein Priester Nayah, während die Hauptstadt der Insel Valla Na-hor genannt wird – die Silbe *na war also weit verbreitet, wenn es sich nicht sogar um einen Präfix handelte, der gross, hoch oder mächtig bedeutete.)

Die Götter von Mu sind uns namentlich bekannt, auch wenn nichts auf die Funktion hindeutet, die sie innehatten. Einige wenige Namen, kryptisch, dahingeworfen auf das brüchige Pergament der Vergangenheit: Die Mondfrau. Die Sternenmädchen. Zuakal, der Verwalter der Seelen. Xultha, der erste Gott. Valka. Hotath.

Wir können hier einen kurzen Moment innehalten: Die in der Religionswissenschaft immer wieder bemühte Diskussion über die politische oder die spirituelle Dimension einer Religion, und in Abgrenzung davon, der Religiösität, ist in der ersten Religion der Menschheit obsolet. Die spirituelle Dimension ist hier die politische. Die Begründung der ersten Religion durch Menschen und für Menschen war das vielleicht notwendige Signal für den Befreiungskampf gegen die mächtigen Wesen, die den Menschen im Anbeginn versklavt hatten.

Religion stimmt menschliche Handlungen auf eine vorgestellte kosmische Ordnung ab. „Die ethischen und ästhetischen Präferenzen der Kultur werden dadurch objektiviert und erscheinen als Notwendigkeit, die von einer bestimmten Struktur der Welt erzeugt wird.“ Eine kosmische Ordnung, die den Menschen als Mass anlegt, bzw. in menschlicher Vorstellungskraft wurzelt, bedeutet auch notwendiger Massen den Kampf gegen die Wirklichkeit nichtmenschlicher Ordnung, die Befreiung des Menschen.

Dieser Kampf, der mit den Helden der Urzeit begann, ist bis zum heutigen Tage nicht ausgestanden. Aus den Chroniken von Kull wissen wir, dass er der erste war, der bewusst versuchte, den Kult der Grossen Schlange, hinter dem verborgen die Schlangenmenschen standen, konsequent zu verbieten. Doch auch ihm gelang es nicht vollständig – Überbleibsel konnten selbst den Kataklysmus überleben und traten noch im hyborischen Zeitalter auf, bis sie bis auf wenige Ausnahmen ausgemerzt werden konnten. Doch selbst in den Zeiten von Mu, als die universelle Religion, die von den Naacal-Meistern verbreitet wurde, entstanden sein muss, offenbarte sich frei nach Ludwig Feuerbach „das bewußtlose Selbstbewußtsein des Menschen“ als Sklave der Furcht. Nicht Transzendenz, sondern der Atavismus von Xultha, dem „ersten Gott“, dem Affenmenschen, herrschte für eine Zeit. „Der Mensch vergegenständlicht in der Religion sein eigenes geheimes Wesen“, heisst es, und vielleicht muss man diese Art archaischer Kulte als Immunreaktion gegen den Aufruf zur Befreiung und Selbstverantwortung des Menschen ansehen. Eine Immunreaktion, die auf persönlicher Ebene auch heute immer noch aufzufinden ist.

Es ist ein Versuch gemacht worden, die selbst im Hyborischen Zeitalter bei Überbleibseln älterer Zivilisationen verbreitete Praxis, das Göttliche in Form monströser Manifestationen in die Tempel zu ketten, auf den Kult von Xultha und das östliche Lemurien zurückzuführen. (Tatsächlich scheinen die Namen dieser Zivilisationen der lemurischen Sprache zu entstammen: Xapur, Xuthalla, Xuthal, Xuchotl) Wenn dem so ist, müssen wir von einer Parallelkolonisierung der Welt ausgehen, die dem Zivilisationsanspruch der Naacal-Meister zuwider lief. Eine andere Erklärung wäre, dass es sich bei diesen Überbleibseln alt-lemurischer Kultur um deviante Dissidenten handelte, die sich der Menschwerdung des Transzendenten durch Flucht entzogen, um ihre Vergottung des Bestialischen in der Abgeschiedenheit abgelegener Inseln und geheimer Städte vollziehen zu können.

Nach der Geschichtsschreibung der Theosophen ging Lemuria unter, weil hier die Menschen zum ersten Mal bewußt Bestialität (Sodomie) begingen – dies ist eine sicherlich entstellte Version der Zuwendung zum Kult des göttlichen Atavismus, des Ersten Gottes – des Grossen Affen Xultha. Mit Mu versanken auch die letzten Überbleibsel vormenschlicher Kulte, und die Gräber ausserirdischer Monstrositäten, die Äonen lang als Götter angebetet worden waren.

Die erste Religion der Menschheit, die transzendente Lehre der Naacal-Meister, hatte sich jedoch inzwischen schon auf der ganzen Welt verbreitet. eine Lehre, aus durch Vervielfachung und Rekombination die gesamte menschliche Kultur entstehen sollte.

Donnerstag, 25. Mai 2006

Robert E Howards KULL :: Die Religion von Atlantis (2)


Fortsetzung von Teil 1

Von der ersten Religion der Menschheit erfahren wir nur aus Umwegen. Nicht viel von der Religion dieser ältesten Zeit ist auf uns gekommen, Fragmente, Erinnerungen in den ältesten Sagen, Namen. Wie "Die Spiegel des Thuzun Thune" und "Nur einen Gongschlag lang" zeigen, war zumindest Robert E. Howard mehr an metaphysischen Spekulationen interessiert als an Religion. Religion in den Tagen von König Kull ist nie mehr als archaische Staffage – Namen, Fragmente. Nicht zu unrecht, wenn wir Forlong Dux Thesen folgen, dass zu dieser Zeit noch keine Evolution zu komplexeren Ideen und komplizierteren Riten erfolgt war. Kann man mehr erwarten als die Verehrung einiger weniger Ur-Demiurgen?

Der Baum. Das Lingam. Die Yoni. Die Schlange.

Wir dürfen hier auch nicht den inhärenten, "keltischen" Kulturpessimismus Howards ausser Acht lassen, seine Sympathie für den "Barbaren", seine erklärte Meinung, dass Barbarei der Naturzustand des Menschen sei. Dies zusammen mit der überragenden Erscheinung König Kulls steht in paradoxem Zusammenhang mit okkulten Evolutions- und "Rasse"-theorien, wie sie gerade in Amerika durch sensationelle "Neuentdeckungen" und Artikel in den Sonntagsbeilagen der Zeitungen popularisiert wurden. Howard war sicherlich, wie jeder fleissige Leser seiner Zeit, mit den Schriften der wiedererweckten "Theosophie" und der Lehre von sogenannten "Wurzelrassen" vertraut, die in einem anderen Stadium "geistiger Entwicklung" legendäre Kontinente wie Hyperborea, Lemuria und Atlantis bewohnten.

Es ist nicht verwunderlich, dass diese Ideen zum Zeitpunkt ihrer Popularisierung die Phantasie vieler Autoren entfachten. Der Reiz der Vergangenheit, des Alters der Äonen regte Howard in seiner manischen Begeisterung für Geschichte ebenso an wie seinen Kollegen und Brieffreund Clark Ashton Smith, selbst der große H.P. Lovecraft nutzte die theosophische Psychohistorie als Hintergrund.

Nach der theosophischen Geschichtslehre ging Atlantis nicht auf einmal unter. Der Theosoph W. Scott-Elliot erweiterte dies in "The Story of Atlantis and the Lost Lemuria" (1896) zu einer definitiven Version der Geschichte: So zog sich der Untergang über eine halbe Million Jahre hin, während dessen der Kontinent in eine Reihe von Inseln zerbrach, deren letzte Poseidonis genannt wurde. Der Name "Poseidonis" taucht in antiken Quellen nicht auf, inspirierte Clark Ashton Smith zu einer Reihe von Kurzgeschichten. Da in mindestens einer dieser Geschichten – "The Double Shadow" – sogar die Schlangenmenschen des alten Valusien erwähnt werden, weist darauf hin, dass auch hier die gleiche Historie zugrunde liegt. Der Untergang von Poseidonis erfolgte dann vielleicht während des zweiten von Howard beschriebenen Kataklysmus, der den Eurasischen Kontinent zu der Welt formte, durch die der Cimmerier Conan streifte. Dies korrespondiert tatsächlich recht genau mit dem in theosophischen Schriften präferierten Datum von 9.564 v. Chr. (Poseidonis war jedoch nicht das einzige Überbleibsel Atlantis', dessen Zivilisation sich zu diesem Punkt bereits recht weit verbreitet hatte, und an einigen abgelegenen Orten (Bal-Sagoth, Negari) bis in historische Zeiten überdauern konnte.)

Dass Howard dies das "Hyborische" Zeitalter nannte, nach Hyperborea, ist ein Irrtum – nach dem theosophischen Geschichtszyklus lag die hyperboreanische Epoche als erste der "Körperwerdung" weit vor der atlantischen, ca. 200.000 v. Chr., als "es in Europa nur Zwitterwesen gab" (Lovecrafts "Out of Eons"). Nach den Aufzeichnungen von Clark Ashton Smith ("The Door to Saturn", "The Coming of the White Worm" et al.) wurden in dieser nebulösen Epoche Fetische und Zauber überall gesehen. Das Geas war mächtig, und als Gott wurde nur das Fremde und Ungeheure bezeichnet. Verbotene Quellen erwähnen hier Wesenheiten ausseriridischer Herkunft wie Tsathogguah (im heutigen Grönland) und Ghatanothoa (im späteren Mu).

Die erste Religion der Menschheit entstand folgerichtig in der Epoche, die sich aus der Hyperboreanischen entwickelte.

Dies ist nach theosophischer Lehre die Lemurische.

"Lemuria" klingt von allen Kontinenten der Fiktion am Gespenstischsten in unseren Ohren. Man fühlt sich erinnert an die gespenstischen lemures, die Totengeister der römischen Legende, und auch heute noch steht den Eingeweihten das Lemurische für das Halbmenschliche, Vampirische, Gespenstische. Madame Blavatsky wusste von "Drachenmenschen" Lemurias zu berichten – möglicherweise war diese Epoche diejenige, in der sich der Mensch seinen Krieg gegen "Die-Schlange-die-spricht“ führte, die ihn lange Zeit unterjocht hatte? ("The Shadow Kingdom")

Tatsächlich ist der Name Lemuria dem der Lemuräffchen entlehnt, nachtaktiven Halbaffen mit gespenstischen Augen, die über diese Kontinentalbrücke sowohl nach Indien wie nach Madagaskar ausgewandert sein sollen. Die Geologie geht inzwischen davon aus, dass stattdessen Madagaskar und Indien einst einen gemeinsamen Körper gebildet haben und bestreiten die Existenz Lemuriens. In späteren theosophischen Schriften wurde deshalb die Position Lemurias folgerichtig vom Indischen in den Pazifischen Ozean umgedeutet, wo es als Mu wieder auftauchte.

Robert E. Howard ist hier genauer als Geologie und Theosophie: Während „Lemuria“ als die Lemurischen Inseln erscheinen, die auch noch zu Zeiten Kulls existierten und deren Nachfahren die hyrkanischen Völker der Hyborischen Ära darstellen, ist Mu ein mythischer Kontinent im Westen, Sitz der ersten Zivilisation, die annähernd 20 grosse Städte und einige Millionen Einwohner umfasste, bevor sie zu ihrer Blütezeit unterging.

In der unvollendeten Novelle "Isle of the Eons" entwirft Howard ein faszinierendes, aber fragmentarisches Bild dieser Entwicklungsepoche, in der sich viele Elemente nachweisen lassen, die erst in der Thurischen Welt zur vollen Blüte gelangen sollten, und mit dem theosophischen Geschichte konform gehen. Selbst so irrwitzige Spekulationen wie telepathischer Kontakt der Lemurier mit den Delphinen findet sich in Howards Erzählungen gespiegelt: Bei ihm stammten die Lemurier nicht vom Affen, sondern von Seesäugern ab – gleichzeitig ein skurriler Fall von Rassismus, aber auch ein geschickter Seitenverweis auf die Erzählungen seines Freundes Howard Phillips Lovecraft.

Der Theosoph James Churchward datiert den Untergang von Mu in seinem umfassenden Werk zu diesem Thema (The Lost Continent of Mu, The Children of Mu und The Sacred Symbols of Mu u.a.; veröffentlicht 1926–31) auf ca. 60.000 v.Chr. Auch er erkennt Mu als die Urheimat des Menschen, den "eigentlichen Garten Eden". Von hier aus wurde die reine Urreligion und Wissenschaft Mus von den Meistern oder "Naacals" überall verbreitet – vor allem in Thuria (Eurasien), wo barbarische Stämme in ständigem Krieg mit den Überresten nichtmenschlicher Rassen standen. Es ist sicherlich nicht zuviel vermutet, dass die Naacal-Meister hier entscheidende Hilfe bei der Befreiung der jungen menschlichen Rasse leisteten. Der in der Kull-Saga erwähnte Magier-Heroe Rama/Vraama ("The Screaming Skull of Silence") war sicherlich einer dieser Naacal-Meister; es handelt sich vielleicht sogar um den gleichen Muvianer, dessen Namen Churchward im ägyptischen Sonnengott Ra(h) wiederzufinden glaubte.

Dies erklärt, warum die Religion zur Zeit von König Kull auf der ganzen Welt – unter Barbaren wie den Hochkulturen – die gleiche zu sein scheint.

Die Geschichte hat, wenn man Forlong Dux ebenso wie Churchward folgt, aus dieser reinen Urreligion durch Vervielfachung und Rekombination alle anderen Vorstellungen geschaffen.

(Fortsetzung in Teil 3)

Montag, 1. Mai 2006

Robert E Howards KULL :: Die Religion von Atlantis (1)

Es ist ein naheliegender Gedanke, jede Art von geschichtlicher Entwicklung evolutionstheoretisch zu interpretieren. Die Entwicklung zum Besseren und Höheren ist ein weitaus beruhigender Gedanke als der, dass alle Dinge dem Chaos entgegenstreben. Auch in der Religionsgeschichte war es lange Zeit Mode, eine natürliche Entwicklung vom "primitiven" Polytheismus zum "modernen" Monotheismus zu postulieren. Dies lässt sich heute nach Meinung vieler Wissenschaftler nicht mehr verifizieren, stattdessen hat sich eine gesondert phänomenologische Betrachtungsweise innerhalb der wissenschaftlichen Disziplin herausgebildet.

Heisst das, dass es keine Entwicklungen gegeben hat? Nein. Nur die Vorstellung, dass eine Evolution unbedingt endzielbezogen sei – sozusagen eschatologisch – sollte man zurücklegen. Evolution heisst nicht unbedingt Fortschritt, Fortschritt heisst nicht unbedingt Verbesserung.

Wir können in der Evolution der Dinge auch einfach eine Verfielfachung und Rekombination aller Vorherigen Dinge erkennen – eine der Dimensionen von Geschichte. Die erste Rreligion muss nicht primitiver gewesen sein als die moderneren, aber vielleicht war sie einfacher. Vielleicht hatte sie weniger Götter, als uns heute bekannt sind. Und wenn es die erste Religion war, stammen dann nicht alle anderen von ihr ab?

Gerade im 19. Jahrhundert waren solche Überlegungen, hand in Hand mit der antiquarischen Bewegung und dem Wiedererstarken sogenannter "Theosophie" recht naheliegend. Forlong Dux z.B. hat in seinem umfangreichen und leider durch die Forschung grundsätzlich ad absurdum geführten Magnum Opus „RIVERS OF LIFE or, Sources And Streams Of The Faiths Of Man In All Lands; Showing The Evolution Of Faiths From The Rudest Symbolisms To The Latest Spiritual Developments“ (1883), alle religiösen Ideen und Strömungen („Den Strom des Lebens“) auf einige wenige „grobe“ Grundideen zurückgeführt. Nach seiner Ordnung, hübsch nachzuvollziehen anhand eines ein Meter langen Klappdiagramms, basierten die frühesten Formen der Religion – nach einer nebulösen Epoche, in der Fetische und Zauber überall gesehen wurden – auf der Verehrung einiger weniger Ur-Demiurgen:

Der Baum. Das Lingam. Die Yoni. Die Schlange.

In seiner Chronologie der Ereignisse ist diese Epoche amüsanterweise nahe um 10.000 v.Chr. angesiedelt, was in den nur unwesentlich phantastischeren Erzählungen von Robert E. Howard dem Hyborischen Zeitalter, und in der realen Welt dem Übergang von der erdgeschichtlichen Epochen des Pleistozäns zum Holozän, und dem Ende der letzten Eiszeit entspricht. Natürlich wissen wir, dass die wahre Geschichte der Welt viel länger sein muss als ein paar lumpige Jahrtausende. 10.000 Jahre vor dem Hyborischen Zeitalter herrschten bereits die ersten Königreiche des Menschen, und Atlantis war noch nicht versunken: In dieser Zeit, der Zeit der Acht Reiche und König Kulls, 20.000 v.Chr., die in unserer Wirklichkeit dem Brandenburger Stadium des Hochglazials entspricht, müssen also die frühesten Formen der Religion zu finden sein.

Der Baum. Das Lingam. Die Yoni. Die Schlange.

Wir wissen nicht, ob Howard „Rivers of Life“ gelesen hat – dies ist eher unwahrscheinlich – ebenso unwahrscheinlich, daß Forlong Dux Zugang zu den gleichen Quellen des kollektiven Unbewussten hatte wie Howard. Aber tatsächlich finden wir im Thurischen Zeitalter einen Kult der Grossen Schlange, hinter dem sich die gefürchteten Schlangenmenschen von Valusien versteckten – „Die-Schlange-die-spricht“, die die Menschen der Vorzeit lange Zeit unterjocht hatten. Aber auch sie waren nicht das einzige Überbleibsel einer älteren und schrecklicheren Geschichte der Welt, die nicht erst mit dem Aufstieg des Menschen begonnen hat.

Manche der Götter, die in „schwarzen und purpurnen Tempeln“ verehrt worden waren, mögen nicht mehr als vage und grobe Gestalten gewesen sein, die die ursprünglichen Schrecken beschreiben, denen der Mensch in der Dämmerung der Schöpfung entgegentrat – Masken hinter denen sich Fratzen und Schrecken versteckten, die älter waren als die Welt. Sie waren die Relikte vormenschlicher Kulte, dunkel und blutig, die langsam dem Vergessen anheimfielen, als die Rassen, die sie mitgetragen hatten, an Bedeutung verloren.

Der Schwarze Schatten, der Grosse Skorpion und der Schlangengott sind nur drei der vorsintflutlichen Götzen, von denen uns berichtet wird. Wenn sie jemals irdische Gestalt hatten und nicht bloß Fragmente einer Protomythologie waren, so waren sie nicht auf dem jungen Planeten Erde geboren worden, sondern „auf vergessenen Welten und verlorenen reichen der Schwärze, auf gefrorenen Sternen und schwarzen Sonnen, die jenseits des Lichtes irgendeines Sternes vor sich hin brüten“ (The Altar and The Scorpion). Was sich wirklich hinter ihnen verbarg, mögen wir heute nicht mehr zu erschliessen. Der Schwarze Schatten zumindest war ein bloßes Symbol, durch das etwas die einzige irdische Wirklichkeit annehmen konnte, die ihm möglich war: Das Unnennbare.

Diese Götter – und die nichtmenschlichen Überbleibsel der Vorgeschichte, die in ihrem Schlaf der Äonen auf eine Wiedererweckung warteten und sich Götter nannten – waren jedoch nicht die Götter der Menschen. Sie waren das, was der Mensch, der Sklave der Furcht, einen Gott nannte, weil ihm kein besserer Begriff zur Verfügung stand, um sich seiner Ohnmacht versichern zu können.

Die erste Religion, die Menschen schufen oder in sich fanden, hatte ihre Wurzeln sicherlich an der ersten Wiege der Menschheit. Und wenn man den Erzählungen der Vorzeit glauben mag, war die erste bekannten menschlichen Zivilisation, auf der sogenannten Dracheninsel von Mu zu finden

(Fortsetzung in Teil 2)

Donnerstag, 6. April 2006

Robert E Howards KULL :: Biographie & Chronologie

Biographie

„Er hatte den Körperbau der Wikinger, massig und geschmeidig zugleich – ein Tiger. Aber seine Gesichtszüge waren anders, und die Farbe seiner kurzgeschnittenen, löwengleichen Mähne war schwarz wie die Brans. Unter buschigen Augenbrauen glitzerte es grau wie Stahl und kalt wie Eis.. Sein kräftiges, bartloses Gesicht hatte die Farbe von Bronze, und die hohe Stirn zeugte von Intelligenz. Das kräftige Kinn und die dünnen Lippen wiesen auf Willensstärke und Mut hin. Aber vor allem die Haltung, der unbewußte löwengleiche Gang, wiesen ihn als König, als Herrscher aus.“ (Herrscher der Nacht)

Aus den überlieferten Quellen kann nur wenig über das komplette Leben von König Kull berichtet werden. Er taucht aus den Schatten seiner Jugend auf (Exile of Atlantis) und verschwindet in nie da gesehener Grösse wieder in den Schatten seines Alters, im Kampf unbesiegt, doch reifer und nachdenklicher geworden (The Mirrors of Thuzun Thune).

Vermutlich war Kull das Kind einer Frau aus dem Stamm des Tigertales. Als das Tal der Tiger von einer Flutkatastrophe zerstört wurde, ist es nur Kull, der überleben kann und zu einem wilden Kind wird, das mit den Tigern zusammenlebt und erst im Alter von etwa 6 von den Männern des Seeberg-Stammes gefangen und adoptiert werden kann.

Als Waise fehlt Kull die notwendige Verbundenheit mit den Sitten des Stammes, und so muss er fliehen, als er sich etwa im Alter von 16 in eine traditionelle Hinrichtung einmischt. (Exile of Atlantis)

Anscheinend wurde Kull danach von den Lemuriern gefangen genommen und musste ihnen einige Jahre als Rudersklave dienen, angekettet in einer ihrer Galeeren. Wie weit ihn diese Reisen führten, ist unbekannt.

Irgendwann jedoch konnte Kull seine Freiheit gewinnen und wurde selbst zu einem Piraten unter lemurischer Flagge.

Seine Kühnheit im Kampf ermöglichte es ihm schliesslich, etwa mit 20 zum Kapitän einer eigenen Piratengaleere aufzusteigen. Ob er in dieser Zeit noch Verpflichtungen oder etwa Freundschaft gegenüber den Lemuriern hegte, ist zweifelhaft. Seine Raubzüge führten ihn über die ganze Atlantische See, bis zu den weitentfernten Inseln des Sonnenaufgangs; er plünderte Siedlungen entlang des Küsten von Thurien bis weit hinein in die Dschungel des Südens.

Nachdem seine Galeere vor der Küste Valusiens versenkt wurde, flieht Kull ins Landesinnere und wird zu einem Gesetzlosen in den alten Hügeln von Zalgara.

Mit 24 wird Kull gefangengenommen und in die Kerker Valusiens geworfen. Man stellt ihm die Wahl, hingerichtet zu werden oder als Galdiator in der Arena zu kämpfen. Seine ununterbrochene Siegesserie macht ihn schon bald zu einer Berühmtheit in der Stadt der Wunder, und er kann die Bekanntschaft angesehener Männer machen. Es ist wahrscheinlich Murom bora Ballin, der ihm behilflich ist, sich freizukaufen.

Kull nutzt die Möglichkeit und schreibt sich in die Grosse Armee von Valusien ein, und macht innerhalb des Söldnerheeres schnell Karriere. Es ist wahrscheinlich in dieser Zeit, dass Kull von König Borna in den Westen geschickt wird, um dem König von Lemuria gegen den abtrünnigen Hexer Rotath beizustehen. (The Curse of the Golden Skull)

Kull als Söldner, der zudem noch vertraut mit den Lemuriern war, war gleichzeitig entbehrlich und qualifiziert genug für diesen Einsatz. Da König Borna als blutrünstig gilt und eine langwährende Animosität mit einigen der Nachbarreichen besteht, wurde Kull wahrscheinlich auch an anderen Orten in den Einsatz geschickt. Er ist jetzt etwa 30.

Nach seiner Rückkehr wird Kull zum Kommandanten des Söldnerheeres von Valusien ernannt. Bald darauf kann er sich mit Hilfe der Kaufleute und gewisser unzufriedener Valusischer Adliger des Topasthrones bemächtigen. Der tyrannische Sadist König Borna fällt vor seiner Klinge und er krönt sich eigenhändig zum König von Valusien. Vom Volk wird diese Bluttat zu diesem Zeitpunkt allgemein als Befreiung angesehen; erst später beginnen Demagogen und Aufrührer Borna zu einem Helden und Kull zu einem verbrecherischen Barbaren zu erklären.

Dies ist der Zeitpunkt, zu dem die Kull-Saga wirklich beginnt. Kull kehrt nachdem er die Grenzen und die Inneren Unruhen gesichert hat, in einem Triumphzug in die Stadt der Wunder zurück, und richtet sich darauf ein, vom Topasthron aus die Geschicke seines Reiches zu lenken. Nur die treuen piktischen Verbündeten des Reiches, die Kull als geborener Atlanter verachtet, wissen, dass hinter den hohen Mauern des alten Valusien noch ein anderes Reich verborgen liegt, ein Schattenkönigreich


Chronologie

nach den aufgeführten Lebensjahren (geschätzt)

  • 16 „Exile of Atlantis“/ „Flucht aus Atlantis“
  • The Curse of the Golden Skull / „Rotaths Fluch“
  • 32 The Shadow Kingdom/ „Das Schattenkönigreich“
  • 33 „Delcardes's Cat“/ „Delcardes’ Katze“
    The (Screaming) Skull of Silence/ „Der Schädel der Stille“
  • 34 Riders beyond the Sunrise“/ „Jagd im Land der Schatten“**
    „Black Abyss“/ „Schwarzer Abgrund“ **
  • 35 By this Axe I Rule!/ „Herr von Valusien“
    The Altar and the Scorpion/ „Der Altar und der Skorpion“
  • 37 Wizard and Warrior“/ „Zauberer und Krieger“ **
  • 38 Swords of the Purple Kingdom/ „Verrat am König“
  • 39 The King and the Oak/ „Der König und die Eiche“
  • 40 The Striking of the Gong/ „Nur einen Gongschlag lang“
  • 42 Kings of the Night/ „Herrscher der Nacht“
  • 44 The Mirrors of Tuzun Thune/ „Die Spiegel des Thuzun Thune“

Mit ** gekennzeichnete Geschichten sind nicht-kanonische veröffentlichte Nachbearbeitungen von Howards Fragmenten durch Lin Carter. In Riders Beyond The Sunrise wird Thulsa Doom ein zweites Mal vorgestellt und besiegt. Nicht nur, dass die Geographie allen Erkenntnissen widerspricht, Doom hat plötzlich ein für Howard untypisches Zauberschwert. Auch die anderen Erzählungen kranken unter dem Einfluss von Carter popularisierter anderer Fantasyrichtungen. So ist The Black Abyss vage cthulhu-lovecratesk. Bedauerlicherweise wissen wir nicht, wie Howard die Geschichten beendet hätte. Die Chronologie wie die Saga enthält jedoch mehr als genug Platz und verlockende Hinweise für noch weitere Abenteuer Kulls. Diese freien Stellen versuchten die von Marvel Comics veröffentlichten Geschichten [Kull the Conqueror, Kull the Destroyer etc.] zu füllen, da diese sich jedoch grosse Freiheiten mit dem Charakter und der Welt Kulls herausnahmen, muss man davon ausgehen, dass sie bestenfalls Legenden sind. Die eigentliche Saga bereichern sie jedenfalls nicht, obwohl sie recht amüsant sein können.

In der hier vorgestellten Chronologie kann man ein langsames Wachsen des Charakters von Kull sehen. Und auch eine langsame Emanzipation von dem, was ihn sein ganzes Leben lang plagte – das Gesetz. Mit 35 begreift er endlich, dass nur er selbst das Gesetz schaffen kann, mit dem er harmonisieren wird. Im Folgenden setzt er es um, indem er alle Bräuche abschafft, die ihm missbehagen (The Altar and The Scorpion). Es ist vielleicht diese innere Ruhe, die er hiernach empfunden haben mag, die ihn empfänglich für philosophische Spekulationen und eine Neugier auf das Jenseitige macht.

Die Kurzbiographie und die ihr zugrundeliegende Chronologie von Kull basiert auf der ausführlicheren Arbeit von Dale E. Rippke

Donnerstag, 30. März 2006

Robert E Howards KULL :: als prototypische "Sword & Sorcery"

Die Saga um Kull ist nicht umfangreich, und von der Geschichte halb vergessen. Zu Lebzeiten von Robert E. Howard wurden nur „Das Schattenkönigreich“ (Weird Tales, August 1929), „Die Spiegel des Thuzun Thune“ (Weird Tales, September 1929) und „Herrscher der Nacht“ (Weird Tales, November 1929) veröffentlicht; es ist wahrscheinlich, dass Howard sich mit der Figur Kulls in der Zeit zwischen 1926 bis spätestens 1930 beschäftigte. Als Howard sah, dass seine neue Figur, Conan, weitaus besser in den Geschmack der Leserschaft und des Zeitgeistes eingliederte, konzentrierte er sich in seinen phantastischen Erzählungen zunehmend auf den Cimmerier, während seine früheren Charaktere keine neuen Abenteuer mehr erlebten. Übriges Material blieb fragmentarisch – die auf diesen Fragmenten basierenden Pastiches von Lin Carter können von einem puristischen Standpunkt bestenfalls als „Legenden“ anerkannt werden.

Dabei ist Kull eine ungleich interessantere Gestalt als Conan, in dem manche einen Zweitaufguss von ihm sehen mögen, weil die erste Conangeschichte („The Phoenix on the Sword“) zu weiten Teilen eine Neufassung einer Kullgeschichte ist („By This Axe I Rule“). Während Conan ganz konsequent (man könnte auch sagen primitiv) die Rolle des Alpha-Männchens in allen gesellschaftlichen Positionen und Situationen auslebt, in die er gerät, haben die früheren Gestalten Howards, einen düsteren, introvertierten, „keltischen“ Zug, was im Falle der übervirilen Projektionsgestalt Conans mit seinem permanenten Dominiergehabe kaum noch der Fall ist.

Ein gutes Beispiel hierfür ist Kull. Kull ist gewiss einer der grössten Kämpfer seiner Epoche, und in manchen Zügen ein genauso tollkühn und übermenschlich wie Conan, er hat aber auch in sich gekehrte und selbstzerstörerische Züge. Es ist nicht so sehr ein Barbar, der mit der Zivilisation in Spannung lebt, sondern ein „Wilder Mann“, der keinen Zugang zur menschlichen Gemeinschaft findet. Man kann hier eine gewisse geistige Verwandtschaft zu Figuren wie Tarzan aufweisen, auch Kull wuchs ohne grosse menschlichen Kontakte auf. Aber die Gestalt des Kull ist düsterer als die Tarzans, er neigt zum Grübeln, und seine introvertierte Aussenseiterposition macht es ihm leicht, sich selbst der Welt zu entrücken. Er ist ein „Fremder in einem fremden Land“, auch wenn er der König ist.

Es ist kein Wunder, dass das Grundthema vieler der Erzählungen, die von ihm handeln, das Aufbegehren – und die Hilflosigkeit – eines Individuums gegen die gesellschaftliche Grundordnung selbst sind. Tatsächlich finden wir in Kull mehr autobiografische Züge des Autoren als in allen seinen anderen Figuren. In ihm sich vor allem Howards Missbehagen gegen die erdrückende Ordnung seiner kleinstädtischen Herkunft, sein Elternhaus, die sogenannte Lebensplanung, die von ihm empfundene Unfreiheit des Berufslebens (was auch in seinem Gedicht „Cimmeria“ zum Ausdruck kommt – ein Echo der antiken Sage des sonnen- und freudlosen Kimmeria, die Lebensfinsternis, der sowohl Kull und Conan, als auch Howard zu entfliehen suchten.)

Diese beiden Charakterzüge – der proaktive Krieger und der introvertierte Aussenseiter – dominieren auch die interne Struktur der Erzählungen. Als ganzes ist die Kull-Saga „Sword & Sorcery“ (Heroische Fantasy), Schwert und Zauberei, aber da wo der Krieger im Vordergrund steht, dominiert das Schwert, und die daraus resultierenden Geschichten enthalten kein Fantasy-Element, sondern sind reine Action, historische Erzählungen aus einer unhistorischen Zeit („Herr von Valusien“, „Verrat am König„). Aber wo der introvertierte Aussenseiter im Vordergrund steht, dominiert die Fantasy und ergibt so zauberhafte Erzählungen wie „Die Spiegel des Thuzun Thune“ oder „Nur einen Gongschlag lang“, in denen Howard seinen ansonsten so kraft- und actionreiche Duktus soweit zurücknimmt, dass der resultierende entrückte, fast esoterische Stil schon vergleichbar ist mit den Märchen von Lord Dunsany oder vielleicht H.P. Lovecrafts „Traumwelt“-Erzählungen.

Insgesamt kann Kull als eine Übung angesehen werden, in der Howard nach einem ureigenen Stil suchte, die geschickte Vermengung von „Sword“ und „Sorcery“, für die Conan so gerühmt wurde, dass er ein eigenes Subgenre erschuf. Von den Erzählungen um Kull ist vielleicht „Das Schattenkönigreich“ die einzige, in der beide Elemente in einem angemessenen Gleichgewicht sind, was jedoch die anderen Qualitäten des Restes der Serie nicht in Frage stellen soll. Aber im „Schattenkönigreich“ ist das übernatürliche Element subtil, und doch erschreckend – die Schlangemenschen von Valusien, die jede menschliche Gestalt annehmen können – die (Er)lösung jedoch bringt das Schwert in der Hand der Helden. Dies hätte die erste Conangeschichte werden können, aber dennoch unterscheidet sie etwas wohltuend von den Abenteuern des unerschütterlichen Cimmeriers: Selbst Kull ist sich nicht sicher, dass er die erste Nacht auf dem Thron des Purpurreiches überleben wird.

Sonntag, 26. März 2006

Robert E Howards KULL :: Karte

nach der Landkarte von Dr Helmut Pesch

Landkarte von Kulls Welt (Thurischer Kontinent),
aus der deutschen Taschenbuchausgabe vom Pabel Verlag.
Zeichnung (c) Dr. Helmut Pesch.

Samstag, 25. März 2006

Robert E Howards KULL :: Kulls Welt

Die nachführenden Ausführungen basieren unmittelbar auf den ersten Abschnitten von Robert E. Howards Essay „Das Hyborische Zeitalter“, in dem er einen Überblick über die geographischen und ethnischen Veränderungen bis zum Anbeginn der bekannten Geschichte gibt. Rassentheorien waren zu Howards Zeit nicht nur unter Supremacisten populär und sollten nicht ernster genommen werden als notwendig. Howard selbst sagt zu seiner Pseudo-Historie: „Dieser Beitrag soll nicht als Versuch verstanden werden, eine zur allgemein akzeptierten Geschichtsschreibung gegensätzliche Theorie zu verbreiten. Es ist einfach nur ein fiktiver Hintergrund für eine Reihe von Science-Fiction-Geschichten.“ Das „Hyborische Zeitalter“ ist natürlich vor allem für den Conan-Fan gedacht, wir wollen uns aber mit der Zeit vor der ersten Sintflut befassen, die wir hier in bewußter Neuprägung „Das Thurische Zeitalter“ nennen wollen.

Originaltext von Howard, Ergänzungen und Verweise in eckigen Klammern […].

Über jene Epoche, die von den nemedischen Chronisten als prä-kataklysmische Ära bezeichnet wird, ist wenig bekannt. Eine Ausnahme bildet lediglich die letzte Phase und selbst die bleibt hinter einem Gespinst von Legenden verborgen. Die überlieferte Geschichte beginnt mit dem Niedergang der präkataklysmischen Zivilisation, die von den Königreichen Kamelia, Valusia, Verulia, Grondar, Thule und Commoria beherrscht wurde. Diese Völker sprachen eine ähnliche Sprache, was auf einen gemeinsamen Ursprung schließen lässt. Es gab noch weitere, ähnlich zivilisierte Königreiche, die jedoch von anderen, anscheinend älteren Völkern bewohnt wurden. [Namentlich erwähnt von diesen Reichen wird Zarfhaana im Nordosten und Farsun im Südwesten von Valusien.]

[In den Kull-Geschichten tauchen mehrfach Angehörige des „Alten Volkes“ auf, einer Rasse, die den Westen Thuriens bewohnte, bevor die thurische Rasse sie verdrängte. Ob das „Alte Volk“ vollkommen menschlich war, bleibt zu erörtern; die meisten ihrer Vertreter scheinen mit einer unnatürlich langen Lebensspanne gesegnet zu sein, die mitsamt den leuchtenden Augen und in die Länge gezogenen Physiognomie des „Alten Volkes“ auf einen nichtmenschlichen Einschlag deuten lässt. Vielleicht handelt es sich bei ihnen um die Nephilim der Sage. Tatsächlich waren selbst das Alte Volk nicht die Ureinwohner Thuriens, sondern vertrieben andere. (Die Spiegel des Thuzun Thune). Und noch vor der ersten menschlichen Besiedlung Thuriens war der Westen Heimat nichtmenschlicher Rassen, von denen einige in den Einöden und anderen unzugänglichen Orte überleben konnten. Hier hervorzuheben sind die Schlangenmenschen, das Wolfsvolk (Das Schattenkönigreich), aber auch ein Volk amphibischer Menschen, deren letzte Bastion unter dem sogenannten Verbotenen See lag .(Delcardes’ Katze)]

Die Barbaren jener Zeit waren die Pikten, die weit draußen im Westmeer auf Inseln lebten, die Atlanter, die einen kleinen Kontinent zwischen den piktischen Inseln und der größten Landmasse, dem thurischen Kontinent, bevölkerten, und schließlich die Lemurier, die eine Reihe großer Inseln in der östlichen Hemisphäre bewohnten.

[Der thurische Kontinent ist weitgehend identisch mit dem eurasischen. Der erste Kataklysmus verwandelte den thurischen Kontinent in das, was die Forschung die hyborische Welt nennt, die Heimat von Conan aus Cimmerien und seinen Zeitgenossen. In der ursprünglichen Konzeption sind die Piktischen Inseln identisch mit den Bergspitzen des amerikanischen Nordkontinentes, während die Lemurischen Inseln am östlichen Pazifikrand lagen, d.h. näher an der Küste des Thurischen Kontinentes. Eine Kontinentalmasse im Pazifik beherbergte die rätselhafte Zivilisation von Mu, die jedoch wenig Kontakt mit anderen Völkern pflegte.]

Es gab riesige unerforschte Gebiete. Die zivilisierten Königreiche, für sich genommen bereits von gewaltiger Ausdehnung, nahmen dennoch nur einen vergleichsweise kleinen Bereich des Planeten ein. [Man muss davon ausgehen, dass dieser Bereich identisch mit dem zivilisierten Bereich des hyborischen Zeitalters war und vor allem das heutige Europa umfasste, dazu auch s.u..]

Valusia war das westlichste Königreich auf dem thurischen Kontinent, Grondar das östlichste. Östlich von Grondar, dessen Volk weniger kultiviert war als die Bewohner der benachbarten Königreiche, erstreckte sich eine wilde, öde Wüstengegend. [Aus diesen Fakten muss man ableiten, dass die von Lin Carter vollendete Erzählung „Jagd im Land der Schatten“ bestenfalls apokryph ist. Grondar ist Teil der thurischen Welt, und nicht der mythische Rand der Welt.]

In den weniger trockenen Regionen der Wüste, im Dschungel und zwischen den Bergen, lebten verstreute Clans und Stämme von primitiven Wilden. Weit im Süden existierte eine geheimnisvolle Zivilisation, die zur übrigen thurischen Kultur keinerlei Verbindung hatte und deren Wurzeln anscheinend bis in die vormenschliche Zeit zurückreichten. [Aus diesem zivilisatorischen Kern entstand später die stygische Zivilisation, die bis zu ihrem Untergang ihre nichtmenschliche Herkunft nicht verleugnen konnte.] Ganz im Osten lebte an der Küste noch ein weiteres Volk, menschlich zwar, doch geheimnisvoll und nicht thurischen Ursprungs, mit dem die Lemurier von Zeit zu Zeit Kontakt hatten. Anscheinend stammten diese Menschen von einem dunklen, namenlosen Kontinent, der irgendwo östlich der lemurischen Inseln lag.

[Mu. – während die lemurische Zivilisation irgendwann unterging, werden die Lemurier von dem anderen Volk (Chinesen?) versklavt und kehren dann in Gestalt der Hyrkanier/Turaner wieder in die Historie zurück – bis an die Grenzen Protoeuropas.]

Die thurische Zivilisation, deren Armeen größtenteils aus Barbarensöldnern bestanden, zerfiel. Pikten, Atlanter und Lemurier stellten die Generäle, die Staatsmänner und oft auch die Könige. Über das Gezänk der Königreiche, die Kriege zwischen Valusia und Commoria und die Eroberungszüge, nach denen die Atlanter ein Königreich auf dem Festland begründeten, gibt es mehr Legenden als akkurate Geschichtsschreibung.

[Hier sollte darauf hingewiesen werden, dass in Howards Konzeption Atlantis die Heimat steinzeitlicher, proto-keltischer Barbaren war, in bewusstem gegensatz zu den Schwärmereien der Theosophen und Anthroposophen, die Atlantis zu dem fürchterlichen Klischee übermenschlicher Philosophenkönige machten, als das es heute bekannt ist – ein überzivilisiertes Wunderland, das durch die Ausübung ‚schwarzer’ Magie Schuld auf sich lud und als Strafe untergehen musste. Howards Atlantis war roh und barbarisch, seine Götter heidnisch und unmenschlich. Während Atlantis in seiner Blütezeit das Steinzeitniveau hinter sich liess, haftet selbst seinen Kolonien etwas Rohes und Urtümliches an, und den Überbleibseln seiner Religion genau das Vormenschliche, das Kull ausrotten wollte, s. die Kolonien Negari und Bal-Sagoth in den Nicht-Kull-Geschichten „Königreich des Schreckens/ The Moon of Skulls“ (Solomon Kane) und „Die Bestie von Bal-Sagoth/ Gods of Bal-Sagoth“ (Turlogh O’Brien).]

Dann erschütterte der Kataklysmus die Welt. Atlantis und Lemuria versanken im Meer und die piktischen Inseln stiegen empor und bildeten die Gebirgsketten eines neuen Kontinents. [Nordamerika] Einige Regionen des thurischen Kontinents verschwanden unter den Meereswellen oder sanken ab, bis große Seen oder Binnenmeere entstanden. [Die spätere Vilayet-See?] Vulkane brachen aus und schreckliche Erdbeben legten die strahlenden Städte des Reichs in Schutt und Asche. Ganze Nationen wurden ausgelöscht.

Den Barbaren erging es ein wenig besser als den zivilisierten Völkern. Die Einwohner der piktischen Inseln wurden vernichtet, doch eine große Kolonie dieses Volks, die sich an Valusias Südgrenze zwischen den Bergen angesiedelt hatte, um als Pufferzone gegen fremde Invasionen zu dienen, blieb erhalten. Auch das Königreich, das die Atlanter auf dem Kontinent begründet hatten, entging der allgemeinen Vernichtung und vom sinkenden Mutterland kamen tausende ihrer Stammesgenossen mit Schiffen herbei. Viele Lemurier flohen an die Ostküste des thurischen Kontinents, der einigermaßen verschont blieb. Dort wurden sie von dem alten Volk, das bereits dort lebte, versklavt. Über Jahrtausende war ihre Geschichte eine Geschichte der Unterdrückung und Ausbeutung.

Im westlichen Teil des Kontinents ließen die veränderten Bedingungen eigenartige pflanzliche und tierische Lebensformen entstehen. Dichter Dschungel bedeckte die Ebenen, gewaltige Flüsse durchschnitten das Land auf ihrem Weg zum Meer, zerklüftete Berge erhoben sich und Seen bedeckten die Ruinen alter Städte in fruchtbaren Tälern. Aus den versinkenden Regionen strömten Heerscharen von Tieren und Wilden - Affen und Affenmenschen - in das kontinentale Königreich der Atlanter. Obwohl sie gezwungen waren, ständig ums Überleben zu kämpfen, gelang es ihnen, Spuren ihres früheren hoch entwickelten Barbarentums zu bewahren. Da es ihnen an Metallen und Erzen fehlte, entwickelten sie wie ihre fernen Vorfahren großes Geschick beim Bearbeiten von Stein und hatten dabei bereits künstlerische Qualitäten erreicht, bis sie in Kontakt mit der mächtigen piktischen Nation kamen. Auch die Pikten nutzten den Feuerstein, waren aber, was Bevölkerung und Kriegskunst anging, weiter fortgeschritten. Künstlerische Neigungen wie die Atlanter hatten sie nicht; sie waren ein gröberer, praktisch orientierter und fruchtbarer Stamm. Gemalte oder in Elfenbein geschnitzte Bilder haben sie im Gegensatz zu ihren Feinden nicht hinterlassen, dafür aber bemerkenswert wirkungsvolle Waffen aus Feuerstein in großer Zahl.

Diese Königreiche der Steinzeit brachen zusammen. Die Atlanter, die sich in der Unterzahl befanden, wurden auf die Stufe der Barbarei zurückgeworfen, die Entwicklung der Pikten kam zu einem Stillstand. Fünfhundert Jahre nach dem Kataklysmus waren die Barbarenkönigreiche verschwunden. Heute führt ein Volk von Wilden - die Pikten -, einen ewigen Krieg gegen andere wilde Stämme wie die Atlanter. Die Pikten hatten den Vorteil der größeren Zahl und sie waren geeint, während die Atlanter in nur lose zusammenhängende Stämme zerfielen. So sah es damals im Westen aus. [Selbst während des kommenden Hyborischen Zeitalters sollte sich dies nicht ändern. Während die Pikten an die westliche Meeresküste gedrängt wurden, wo sie in ihren Urwäldern beständig versucht waren, die nächstgelegene hyborische Nation – das mächtige Aquilonien – zu überfallen, vegetierten die letzten atlantischen Stämme introvertiert in den düsteren Bergen, die in späterer Zeit Cimmerien genannt wurden.]

Im fernen Osten, der vom Rest der Welt abgeschnitten war, nachdem sich gewaltige Berge erhoben hatten und eine Kette riesiger Seen entstanden war, schufteten die Lemurier als Sklaven ihrer alten Herren. Der tiefe Süden ist heute noch von Geheimnissen umwittert. Vom Kataklysmus unberührt geblieben, scheint er immer noch von der vormenschlichen Ära geprägt. Zu den zivilisierten Völkern des thurischen Kontinents zählt auch ein Überbleibsel einer nicht-valusischen Nation - die Zhemri, die in den niedrigen Bergen im Südwesten leben.

[Die Zhemri müssen Nachkommen eines der zu Anfang erwähnten weiteren, ähnlich zivilisierten Königreiche sein, die jedoch von anderen, anscheinend älteren Völkern bewohnt wurden. (Farsun?) Die Zhemri selbst wurden zu Vorfahren des hispanisch anmutenden halb-hyborischen Königreichs Zamora im Südwesten Aquiloniens – was auch bedeutet, dass Kulls Valusien und Conans Aquilonien fast das gleiche Territorium eingenommen haben müssen – das heutige Frankreich. Es wäre verlockend, hier eine weitere Verbindung zu ziehen zu der von Howards Brieffreund und Kollegen Clark Ashton Smith mittelalterlichen Provinz der Averoigne , die ebenfalls von vormenschlichen Überbleibseln verflucht war.]

Hier und dort gibt es auch verstreute Clans affenartiger Wilder in der Welt, die nichts über den Aufstieg und den Fall der großen Zivilisationen wissen. Weit im Norden aber drängt langsam ein weiteres Volk in den Vordergrund. [Die Hyborier, die im Folgenden ganz Proto-Europa erfolgreich besiedeln sollten.]

Donnerstag, 23. März 2006

Robert E Howards KULL :: Die Saga



Die Geschichten um Kull von Atlantis und seine Erlebnisse in der Welt vor der Sintflut sind nicht umfangreich. In deutscher Sprache wurden sie in zwei schmalen Taschenbüchern der hervorragenden Terra Fantasy-Reihe unter der Redaktion von Hugh Walker (Hubert Strassl) veröffentlicht, in ein kraftvollen Übersetzungen von Lore Strassl und Eduard Lukschandl.

Die vollständige Serie, wobei auch die Fragmente eingeschlossen sind, die von Lin Carter umgeschrieben bzw. beendet wurden: (Die Reihenfolge ist nicht chronologisch, sondern folgt der in der deutschen Ausgabe bevorzugten…)

eine Geschichte ohne Titel, unter dem Titel "Exile of Atlantis"/ „Flucht aus Atlantis“ veröffentlicht

The Shadow Kingdom/ „Das Schattenkönigreich“

The Altar and the Scorpion/ „Der Altar und der Skorpion“.

The Black City, ein Fragment, das von Lin Carter als „Black Abyss“/ „Schwarzer Abgrund“ zu Ende geschrieben wurde.

The Cat and the Skull, veröffentlicht als "Delcardes's Cat"/ „Delcardes’ Katze“

The (Screaming) Skull of Silence/ „Der Schädel der Stille“

Ein Fragment ohne Titel, das als "Wizard and Warrior“/ „Zauberer und Krieger“ von Lin Carter zu Ende geschrieben wurde.

The Striking of the Gong/ „Nur einen Gongschlag lang“

The King and the Oak/ „Der König und die Eiche“ (Ein Gedicht)

Eine unvollendete Geschichte ohne Titel, die als "Riders beyond the Sunrise“/ „Jagd im Land der Schatten“ von Lin Carter zu Ende geschrieben wurde.

By this Axe I Rule!/ „Herr von Valusien“

Swords of the Purple Kingdom/ „Verrat am König“

The Mirrors of Tuzun Thune/ „Die Spiegel des Thuzun Thune“

The Curse of the Golden Skull / „Rotaths Fluch“.

zusätzlich:

Kings of the Night/ „Herrscher der Nacht“, die eigentlich dem Zyklus um Bran Mak Morn, dem letzten König der Pikten angehört, dem es gelingt, zur entscheidenden Schlacht gegen die Römer König Kull aus der Vergangenheit herbeizurufen. Kulls Saga ist somit ebenso Teil der äonenlangen Geschichte vom Aufstieg und Fall des piktischen Volkes anzusehen, die sowohl bei Kull und Conan auftreten, und deren Nachkommen in Howards historischeren Geschichten langsam dem Vergessen anfallen. Kings of the Night, der Bran Mak Morn, den König eines sterbenden Volkes mit Kull, dem König einer gestorbenen Epoche kontrastiert, ist somit der finale Kommentar zur langen und tragischen Geschichte der Pikten.

Sowohl The Altar and the Scorpion als auch The Curse of the Golden Skull enthalten keinen persönlichen Auftritt von Kull, beziehen sich jedoch auf das Thurische Zeitalter.



Update 5. April 2006: in der Bibliotheka Phantastika finden sich Kurzrezensionen aller Geschichten der Kull-Saga. Ich kann dem Tenor der Rezensenten nicht zustimmen, da offensichtlich ist, dass er mit Werk und Person Robert E. Howards nur oberflächlich vertraut ist, aber kann natürlich den Fleiss, Handelungsübersichten aller Stories zu sammeln, nur loben.

Montag, 13. März 2006

Bald... kommt... KULL!

Das alberne Gekicher unter Viertklässlern, das dieser Titel wahrscheinlich hervorrufen wird, nehme ich billigend in Kauf...

Neben dem Ärger mit Herstellern von Büroklammern und den 111 anderen Themen, mit denen ich mich gerade beschäftige, arbeite ich an einer Reihe von Artikeln über ROBERT E. HOWARDs Fantasyhelden KULL VON ATLANTIS.

Dies ist das Logo:


...unverschämt gestohlen/nachempfunden von dem von John Bolton gestalteten Titelbild von Bizarre Adventures No. 26 (Marvel, 1981) Nur damit etwaige Copyrightfragen jetzt schon geklärt sind.

Und der Film mit Kevin "Andromeda Hercules" Sorbo wird nicht mit einem einzigen Wort erwähnt werden.

Valka, gib mir Kraft!