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Mittwoch, 20. Juni 2007

Irgendwo in Altona :-)

Der gute Mann, der tibetica.de unterhält, den netten Tibet-Onlineshop, dessen Dauerlink Sie am rechten Bildschirmrand sehen können, hat einen weiteren Schritt unternommen, den ungewaschenen Massen Buddhismus & Meditation näher zu bringen.

Ab dieser Woche unterhält er ein kleines aber feines Geschäft geschmackvoll eingerichtet, in dem man die ausgewählten "Dharma- und Kunstgegenstände", die man von den Seiten des Internet-Shops kennt, auch in natura bestaunen kann. Und dies alles mitten in Altona, direkt zwischen Holstenstraße und Feldstraße, in einer verkehrsarmen Gegend nahe der alten Schilleroper, wo es auch noch andere Galerien und buddhistische Zentren gibt.

Ist das nicht wunderlich, was es alles in Hamburg gibt?

Tashi delek! (Was auch immer das heißt...) :-)

Sommer in der Stadt

Also wandere ich durch die leicht staubenden Strassen von Altona - mein freier Tag, bzw. der Tag, an dem ich meiner armen Frau mal nicht so lange auf die Nerven gehen will. Neben mir der gute Kollege, und wir diskutieren ein wenig über den Stand der Demokratie und darüber, wo man hier was zu trinken bekommt. Am Platz der Republik vorbei - stilecht im Schatten des Kaiserdenkmals - zu den Parkanlagen zwischen Palmaille und Elbberg, wo man von einer schattigen Bank einen schönen Ausblick auf die Elbe hat. Sehr gelungen, vor allem die Eiertanks der Chemieindustrie am gegenüberliegenden Ufer.

Wir ziehen von dannen, als uns die Gegenwart obskuren Steppengrases unseren Heuschnupfen in Erinnerung ruft. Mann, isses heiß. Natürlich haben wir nichts besseres zutun, als den ganzen Weg hin nach Pauli zu Fuß zu gehen - ein leichter Hauch eines Western lag über der Szenerie - heiß, staubig und menschenleer. Dafür hatten die Seitenstraßen rund um die Reeperbahn ein eher mediterranes Flair. Die Zuhälter hatten wohl Urlaub, stattdessen sah man Kinder bolzen, Leute auf der Strasse sitzen, spontan auftretende Ansammlungen von Leuten, die in vier unterschiedlichen Mittelmeerdialekten fluchten. Wieso eigentlich Norddeutschland?

Wahrscheinlich, weil es z.B. keine Parkbänke oder andere Gelegenheiten zum Chillen gibt. Also tragen wir unser Bier treudoof mit uns herum, bis es körperwarm wird. Dann endlich inmitten des Labyrinthes von Strassen die Ruine einer Kirche, umgeben von schattenspendenden düsteren Bäumen. Und so lehnt man sich an die Kirchenwehr, öffnet die Flasche und verzeiht das Gesicht bei der Bitternis des ersten Schluckes.

Und so ist es die ganze Zeit in Hamburg, meine Lieben.

Sonntag, 26. November 2006

Sonntags Spaziergang, noch ohne Krücken

Etwas Lokalkolorit zur Abwechslung: Klare Luft, das gelbe Laub raschelt unter den Füssen... Ein kleiner Blick in die Zukunft von Hamburg-Süd. War es erst gestern, als ich an einer Riesenbaustelle direkt am Bahnhof Neugraben vorbeikam? Anscheinend wird hier eine weitere Senioren-Wohnanlage erbaut. Schön für die alten Leute, meint meine Mutter; für die Cuxhavener Straße bedeutet das wohl, dass auf 1 km mindestens drei Altersheime zu sehen sind. Der gesamte Bereich Neuwiedenthal-Neugraben-Fischbek verliert langsam seinen eher dörflichen Charakter, den er sich trotz der Betonierung der 70er Jahre bewahren konnte.

In Neuwiedenthal kennt jeder das ominöse Haus 44, ein Hochhaus, das ebenfalls als Seniorenwohnanlage dient. Wie die Heuschrecken fallen die alten Leute (aber langsam, sehr langsam...) an ihren Gehhilfen und Stützkrücken bei schönem Wetter über die näher liegenden geschäfte her. Die Linie 240 Richtung Waldfrieden kutschiert ganze Wagenladungen rüstiger Wanderer oder in sich gekehrter Friedhofsgänger gen Süden, Durchschnittsalter 62. (59, wenn ich und meine Familie mitfahren...)

Heute spaziere ich durch das gilbende Laub, und mein kleiner Sohn deutet auf ein eindrucksvolles Haus, dessen hinterer Bereich unter dem Spitzdach eine gewaltige Balkonveranda aufweist. Das wär was, denke ich, und meine Frau weist mich darauf hin, dass es sich um ein Altersheim handelt.

Und dabei waren wir vor vier Minuten erst an einem anderen vorbeigekommen. Ich sehe eine SF-Kurzgeschichte vor meinem geistigen Auge. Das gesamte Süderelbe-Gebiet als Senioren-Kolonie... Besorgt mustere ich die grauen Haare in meinem Bart...

Donnerstag, 20. Juli 2006

Die Wacht an der Elbe

Ein vergessener Ort, an dem selbst die alljährlichen Touristenströme vorbeiziehen. Ein magischer Ort. Ein Ort, an dem der Schatten der Vergangenheit tonnenschwer in Form von Schwarzwälder Granit auf dem Pulsschlag der Metropole ruht. Ein steinernes Gesicht, das über den Fluss starrt, südwärts gewandt, und sich müde auf sein Schwert stützt.

Das Bismarck-Denkmal in Hamburg wurde heute hundert Jahre. Irgendwie gehört er eigentlich nicht hierher, der Preusse. Und doch steht er finsterblickend hoch über der Elbe und scheint auf etwas zu warten. Sehr filigran ist es nicht, das Denkmal, sondern von heidnisch-primitiver Brachialität. 35 Meter hoch, 625 Tonnen schwer. Ein Ungeheuer.

Tatsächlich steckte hinter der Errichtung des Denkmales im Jahre 1906 – wie bei sovielen Errungenschaften des Hamburgers – kühles Kalkül merkantiler Gesinnung. Den Stadtstaatenstolz gab man schnell ab, als man merkte, dass durch die Zugehörigkeit zu Bismarcks Reich viel mehr Geld mit Handel zu verdienen war. Unter 219 Vorschläge entschied man sich für den absolut monumentalsten und setzte ihn für die unglaubliche Summe von einer halben Million Reichsmark um. Warum kleckern, wenn man auch klotzen kann?

Seitdem steht er da, relativ unbeachtet, und strahlt granitene Sturrheit aus. „Ein peinvoll stilisiertes Götzenbild“ (Alfred Lichtwark) Immerhin hat es sich unter den Hamburger Magiern herumgesprochen, dass man auf das Denkmal klettern kann und zu Füssen des Kanzlers eine hervorragende Aussicht und eine annehmbare Akustik zur Rezitation & Invokation hat. Manches Mal wurde hier das Liber Israfel zelebriert, bevor man auf Eroberungsfeldzug auf den Kiez marschierte, oder Anfang April an drei aufeinander folgenden Tagen die Drei Kapitel des Liber Al rezitiert. Andere, sinistere Arbeiten wurden meistens zur Geisterstunde abgehalten.

Aber selbst die Eingeweihten wussten wenig über die im Sockel verborgenen Bunker, die zu Beginn des Zweiten Weltkrieges dort eingebaut wurden. Die Gewölbe wurden, das weiß man, als Schutzbunker genutzt, aber wahrscheinlich dienten die Gewölbe auch anderen Zwecken – die fanatischen Parolen an den Wänden und ein Foto von einer so genannten „Schwarzen Sonne“ im Innersten des Bunkers lassen vielleicht sogar auf eine geheime Kultstätte der SS schliessen. Eine beunruhigende Nachbarschaft für den St. Paulianer.

Die immer wiederkehrende Frage,. warum der „Steinerne Kanzler“ so ernst und bekümmert dreinschaut, lässt sich aus der Vita Bismarcks erklären. Er steht gerüstet, nach Süden blickend, in die Richtung, aus der sein grosser Gegner im Kulturkampf immer wieder auftauchen wird.

Bismarck hält eine ewige Wacht an der Elbe gegen den Katholizismus.

Gut gemacht, Otto.

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(In Reaktion auf einen Artikel von Thomas Hirschbiegel in der MOPO vom 20.07.2006)