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Montag, 28. Oktober 2024

Fanboy :: The Return of Trash

Liebe Leser, ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich als junger Mensch jede Woche beim Kiosk stand, oder stundenlang in Antiquariaten oder auf Flohmärkten herumwanderte, um neues Material für meinen unstillbaren (manche sagen auch abartigen) Lesehunger zu bekommen. Der schnellste und härteste Kick waren damals das, was man zu dieser Zeit "Groschenhefte" nannte, seit Anfang des 20. jahrhudnerts eine der größten Kulturerrungenschaften, die Deutschland je hervorgebracht hat.  Ich gebe es zu, ein schuldiges Vergnügen daran waren auch immer die Titelbilder, die wenn von einem Könner gemacht, nicht unwesentlich dazu beitrugen, den Leser zu fesseln und martern. Zu der Zeit vielleicht auch die einzige Möglichkeit, "legal" an Bilder von leichtbekleideten Pin-Ups zu kommen... jedenfalls, wenn es Grusel-Shocker oder Grusel von Dan Shocker waren... Man mag von der Ästhetik von Trash halten, was man will, aber sie funktioniert... Es ist kein großes Geheimnis, dass ich mich bei vielen Veröffentlichungen daran und an der Ästhetik der Pulps der 30er Jahre orientiert habe. Leider komme ich seit einiger Zeit wenig dazu, begonnene Stories oder Bücher zu beenden, das heißt aber nicht, das ich ganz untätig bin und nur prokrastiniere. Und wie großartig, dass man heutzutage sozusagen eigenständig (KI sei Dank) Bildstoff erstellen/programmieren kann, und nicht wie früher, Material komplett stehlen musste oder nach gemeinfreiem Kram suchen musste.
Erinnern Sie sich noch an Redmask, das deutsche Pulp-Magazin?

Ich auch, und soweit noch keine neue Ausgabe erschienen ist, träume ich schon mal für mich hin, wie das Titelbild der nächsten Ausgabe aussieht. Hoffentlich trashig, krude und geheimnisvoll. Ein paar Entwürfe hätte ich schon... sozusagen unbezahlte/unbezahlbare Werbung... (auch geeignet als Handy Hintergrund)


Samstag, 1. Mai 2021

German Pulp :: Keiner der oben Erwähnten

Wo wir gerade beim Thema "Deutsche Fantasy, Fantasy aus Deutschland" sind. In REDMASK und den meisten anderen Veröffentlichungen habe ich ja immer gerne das Label "Weird Pulp" in der Tradition von H.P. Lovecraft, Robert E. Howard und Clark Ashton Smith angebracht. Ich fiel aus dem Sessel, als auf den ersten Seiten des ersten Bandes der Buchausgabe von "Dragon - Söhne von Atlantis" (1973 - 1975) der damalige Redakteuer G. M. Schelwokats zitiert wurde:

"DRAGON – DIE SÖHNE VON ATLANTIS soll einem Trend, der sich in der heutigen Jugend immer mehr bemerkbar macht, Rechnung tragen: dem Hang zur Romantik. Die Serie soll weiterhin in eine Bedarfslücke stoßen, die zwischen allgemeiner Abenteuerliteratur und der Science-Fiction klafft, in der ja bekanntlich technisch-wissenschaftliche Dinge tragend sind, und ganz bewußt jene Leser aller Altersklassen ansprechen, die am Heroisch-Phantastischen und Märchenhaften wie auch an Horror- und Gruselstories Gefallen finden. Mit anderen Worten: In DRAGON sollen Elemente dominieren, mit denen Autoren wie z.B. Robert E. Howard (Conan-Zyklus), Edgar Rice Burroughs (Mars-Abenteuer, Venus-Abenteuer, Tarzan) und H. P. Lovecraft (Cthulhu-Mythos) weltweite Erfolge errungen haben, obwohl keiner der oben Erwähnten eine Serie zustande brachte, die mehr als zwanzig Bände umfaßte."

"DRAGON" schaffte es auf 55 Bände.
Very nice, und gar nicht so fremd, wie man denken mag.

Donnerstag, 15. April 2021

German Pulp :: Landkarten für literarische Welten

Als ich unser neues Arbeitszimmer einrichtete, kamen mir wieder unheimliche Schätze der Vergangenheit in die Finger. ich hatte schon eine Holzfälleraxt nach etwa 20 jahren, in denen ich sie von Wohnort zu Wohnort schleppte, erfolgreich in Betrieb nehmen können. Was jetzt mit den Postern? Unser guter alter Thor von Jusko hängt inzwischen vor dem Schlafzimemr, aber was machen mit der farbigen Karte von "Mythors Welt"? MYTHOR war die zweite deutschen Fantasy-Serie, die ich um ehrlich zu sein, vor allem auch wegen der kongenialen und detailierten Landkarten gesammelt habe, die Dr. Helmut W. Pesch beisteuerte - wieder so eine Legende der deutschen Fantasy und der Fantasy aus Deutschland. 

Da alle Wände des Arbeitszimmers mit Regalen voll sind, faltete ich die Karte also seufzend wieder zusammen und legte sie zu den dazugehörigen Heftromanen in die Pappboxen, wo sie darauf warten irgendwann erneut gelesen zu werden. Wunder des Internets, der legendäre Zeichner von Landkarten für literarische Welten, hat inzwischen eine eigene Webseite, und dort findet man die Karte, die an meiner Wand keinen Platz fand, ganz ohne Knicke und Löcher. Und auch all die schönen Detailkarten aus MYTHOR. Warum gibt es eigentlich kein Buch mit allen Karten zu den verschiedenen Fanatsywelten? 

Dr. Pesch würde schon einen Band vollbekommen, und dann ist da ja noch erhard Ringer, dessen Fantasyatlas inzwischen auf unheimliche Weise aus dem Netz verschwunden ist...

Sonntag, 26. Februar 2017

Werkstattbericht 2017-02-26



"Jorge Luis Borges’ well-known quip on metaphysics being a branch of fantastic literature... requires that the converse be true – fantastic literature and science fiction are the pop metaphysics (or the “mythophysics”) of our time."
Zitat der Woche, elegant gestohlen aus dem letzten Newsletter von Warren Ellis. Die einzige Post, die mich momentan aufheitert.
Sie wird von meinem Mailprogramm als "potentiell gefährlich" eingestuft. Ich hoffe es...
Die Flut an Bestellbestätigungen für potenzsteigernde Mittel, Fernfriseure und Kreditkarten mit auffälligen Namen hält mein Mailprogramm hingegen für normal.
Was sagt uns das über den Zustand unserer Welt?
Vielleicht mal wieder an der Zeit, eine andere Parallele auszuprobieren.
Der nächste Stapel mythophysischer Literatur liegt schon griffbereit.



Momentan auf meinem Schreibtisch:

Gerade gelesen:
Kim Newman: Anno Dracula 1899 and other Stories
Simon R. Green: Live and Let Drood
Brian Lumley: The Taint and other Novellas
Michael Moorcock: Entropie-Tango

Nochmal gelesen:
Michael Moorcock: Das Cornelius-Rezept
Philip José Farmer: Das echte Log von Phileas Fogg

(Für die dreihundert Kindle-eBooks und Comics, die ich täglich verbrauche, muss ich mir wohl noch mal was anderes einfallen lassen...)



Momentan auf dem Arbeitsspeicher:

"Liebeszauber und Zauberliebe", umfangreiches Manuskript auf der Basis eines Sachbuches von 1910, irgendwann zwischen 2010 und gestern Abend ergänzt und kommentiert.
"Zarathustra im Fegefeuer", die lang angedrohte Buchversion der besten (und verrücktesten) Artikel des wundervollen Printmagazins "Schwert & Stab"

Und dann noch drei Sachen, die ich in der Öffentlichkeit nicht auszusprechen wage. Also kriegen sie coole Codenamen.

Projekt Leamington:  Ausgabe #2 hat bis zum 1.März Abgabeschluss und wird zum Frühlingsäquinoktium veröffentlicht.
Projekt Reiherberg: Ausgabe #1 ist weitesgehend vorbereitet, ein Veröffentlichungstermin steht aber noch nicht fest.
Projekt Mayfair: Das nächste große Ding, wirklich, und wunderbar entspannt angelegt, so dass alle Recherchen und Planungen unaufdringlich im Hintergrund laufen.



Halten wir den Werkstattbericht auch diesmal kurz.
Solange ich sowas nicht regelmäßig als Newsletter verschicke, mit einem schnieken Namen, am besten noch mit einem gajolen Logo, bin ich erst mal froh, überhaupt etwas in der Werkstatt zu finden, was im virtuellen Raum gut und wichtig aussieht.

Nachtmusick:
"RADIO SCHIZO kommen fast aus dem Nichts (Berlin)" (musicreviews.de)
Ich habe Berlin schon immer so empfunden.

Sonntag, 12. Juni 2016

3rd Mind :: Keine Fahne, kein Signet, kein Gesicht

Das Verlagssignet in Kurzfassung: Ein Erkennungszeichen, auf dem Titel und vorzugsweise auch auf dem Buchrücken angebracht. Ein Kennzeichen der publizistischen und ästhetischen Einheit der Produkte. Im besten Fall das Siegel und der Abschluss auf einem gestalterischen Konzept, dem auch die Typographie und weitere Gestaltung aller Titel unterliegen.

Ein Gegenbeispiel zu einem Eintrag der letzten Zeit. Während der als Entität fast vergessene Zauberkreis-Verlag mit einem schlichten, grotesken und deswegen so effektiven Design eine starke Identität aufbauen konnte, die seine Produkte von denen anderer Groschenhefte der damaligen Zeit abhob, hier ein Beispiel einer noch früheren Zeit, als man im dumpfen Design der Nachkriegszeit überhaupt keine Identität aufbauen konnte. Aus dem Archiv "German Pulp" (geerbt von meinem Vater zusammen mit noch eigenartigeren Relikten):



Hier haben wir überhaupt nichts, was hervorragt. nichts marktschreierisches. Nichts, was das Auge fesselt und den 3rd Mind inspiriert. Ebenso steif wie die Anatomie und Mimik der Protagonisten das Layout - der Romantitel ist bewegter und somit auch interessanter als der Titel der Reihe. nichts, das darauf hinweist, wer oder was dies hervorgebracht hat. Ein Blick ins Impressum verrät, 1955 im Uta-Verlag erschienen - einem von vielen Kleinverlagen, die später in einem der größeren Konglomerate aufgingen. Es gibt wenig, was mich anregt, diese Hefte zu lesen - eigentlich schade, so übel müssen sie gar nicht sein, wenn sie über 60 Jahre überlebt haben. Aber...

...sie schreien halt nicht nach Aufmerksamkeit.

Tom Prox - zusammen mit Billy Jenkins im gleichen Verlag - muss zur Zeit meines Vaters eine große Nummer gewesen sein, die Einzelhefte bringen jetzt noch ab 13 Euro im freien Handel, aber in der visuellen Sprache hat er keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Sonntag, 29. Mai 2016

3rd Mind :: Die Fahnen hoch (3)

Das Verlagssignet in Kurzfassung: Ein Erkennungszeichen, auf dem Titel und vorzugsweise auch auf dem Buchrücken angebracht. Ein Kennzeichen der publizistischen und ästhetischen Einheit der Produkte. Im besten Fall das Siegel und der Abschluss auf einem gestalterischen Konzept, dem auch die Typographie und weitere Gestaltung aller Titel unterliegen.

Auch wenn die Befassung mit diesem Thema schon ein paar Tage zurückliegt, haben wir hier noch ein weiteres Beispiel, das in seiner Schlichtheit vielleicht umso überzeugender ist. Die bisherigen Ausschnitte aus dem Archiv (Thema: Deutscher Pulp) sind bislang unkommentiert geblieben, aber tatsächlich sind es nicht die grotesken Titelbilder, die den Leser damals angezogen haben, sondern die brutalstmögliche Typographie der 70 Jahre, die bereits von weitem den Inhalt des Drehregals outete.

Das ist doch mal eindeutig. Selbst wenn man nicht wusste, was es war, man wusste schon auf 30 Meter Entfernung, worauf man sich einließ. Kein Titelbild konnte so grotesk sein wie die Typographie, oder sagen wir mal: der Trade Dress. Der designerische Baseballschläger des Zauberkreis-Verlages ist kaum zu übertreffen, und dies ist durchaus als Kompliment zu nehmen. Nicht schön, aber effektiv. Unverkennbar. Das literarische Death Metal der 70er Jahre. Nimm das, Schlaghose!

Geradezu verspielt nimmt sich dabei das Verlagssignet. Ein Kreis mit Krone, ein gekröntes 'Z'. Vielleicht ein magisches Siegel? Hier tritt tatsächlich die Serie, der Autor, der Held hinter dem Trade Dress des Verlages zurück. Ob es wirklich eine real existierende Person mit dem Namen 'Dan Shocker' gibt, ist hier tatsächlich nebensächlich. Ein interessantes Paralleluniversum, in dem Feinheiten des Stils sich einer unbändigen, wenn auch etwas groben Schöpfungskraft unterordnen müssen.


Verlagssignets (TM) und (C) by ihren jeweiligen Eignern
 

Sonntag, 22. Mai 2016

Sonntag, 15. Mai 2016

Sonntag, 8. Mai 2016

Sonntag, 1. Mai 2016

Sonntag, 24. April 2016

Sonntag, 17. April 2016

Freitag, 15. April 2016

Werkstattbericht 2016-04-15


Herzliche Grüße von der Nordseeküste, aus den mythischen Gefilden von Zollern am Meer, wo der Wind uns daran erinnert, dass der April der grausamste aller Monate ist. Das Jahr hat sich noch nicht entschieden, was es werden will, und die Sturmriesen in den oberen Schichten der Athmosphäre treiben graue Wolken vor sich her, die es ab und zu wagen, einen eisigen Nieselregen von sich zu geben. Oder auch nicht. Das perfekte Wetter, um sich hinter dem Schreibtisch zu verstecken und in die düsteren Zeiten zu blicken, die hinter uns liegen.



Während des Umzuges hatte ich das Vergnügen, gefühlt eine Tonne Druckwerke zu einem großen Haufen aufzuschichten - zum ersten Mal seit acht (?) Jahren alle Bücher und Hefte an einem Ort, darunter auch meine alte Comicsammlung, die in den letzten Jahren in Bananenkisten schlummerte und von besseren Zeiten träumte. Leider alles vollkommen durcheinander, und man hat auch nicht wirklich die Zeit, alles zu ordnen so wie man es gerne hätte.

Sonntag, 15. Juli 2012

Shortcuts 2012-07-15

Die beste Ehefrau von allen hat mir bei einem kritischen Blick auf meinen Schreibtisch versichert, dass dies keine Ordnung sei. Wahrscheinlich hat sie recht, aber ich wollte sowieso mal ein wenig aufräumen, vor allem in meinem Kopf. Und alles, was ich sehe, ist sowieso nur die Widerspiegelung eines inneren Zustandes. (Ein anderes Foto vom kompletten Schreibtisch hatte ich gestern auf meiner Facebookseite veröffentlicht. Sie wissen schon... sozial und so, und Netzwerk...)


Mit großem Vergnügen bin ich dieser Tage bei der Endkorrektur verschiedener Manuskripte für die nächsten Veröffentlichungen bei Nemed House. ich hoffe, das lange Warten hat sich endlich ausgezahlt. Man hatte mich darauf hingewiesen, dass das von mir gewählte Titelbild für Redmask #3 zwar vielleicht gemeinfrei sei, aber bereits von einem anderen Verlag verwendet wurde, weswegen ich noch einmal meine wahnwitzigen Photoshop-Skills hochfahren musste, um das Bild ein wenig zu individualisieren. (Ich suche immer noch einen Art Director oder Maler für Nemed House...)

Die oben im Bild zu sehenden Titel der alten Terra Fantasy-Serie sind Referenzliteratur.
Auch wenn man es nicht sehen kann, liegen da vier Bände mit Geschichten von Robert E. Howard, die ich zur Inspiration und Prüfung für die Geschichten um John Cullen herangezogen habe.
Yeah, Geschichten.
Neben der Novelle "Nacht in den Dagoth Hills" habe ich noch eine weitere Story in Arbeit - en passant, ohne innezuhalten - nämlich eine Neufassung einer von Robert E. Howard nicht überarbeiteten und deswegen ein wenig unhandlichen Short Story.
Doch da zu später mehr.


Ein weiteres großes Thema momentan hier sind nicht nur die Nemed House Singles (siehe unten), sondern auch die vorgeschlagenen Titel. Momentan tragen wir uns mit dem schönen, herwärmenden Gedanken, soetwas wie GermanPulp hochzuschalten, in der Tradition von Helden wie Doc Savage und The Shadow etc.
Als Titelheld bietet sich der von Martin Jung "in jungen Tagen" (kicher) erschaffene Klabautermann an, dessen Charakter somit zum Thema erhitzter Diskussionen geworden ist. Denn die ursprünglichen Geschichten um ihn deuten auf eine andere Art von Held hin, eher unberechenbar und gefährlich - aber witzig.
Wir sind noch am Knobeln, wie wir alle Aspekte dieser Figur in eine mögliche Neuauflage herüber retten können.


Der geneigte Leser täuscht sich nicht. Auf dem beigefügten Foto kann man tatsächlich alle Titel sehen, die bislang unter Nemed House und Mirkruna Press veröffentlicht worden sind.
Wie man sieht, links im Bild, die schönen Royalformate von Nemed House, daneben die DinA5-Formate.
Und hierin liegt die Tragik unserer Tage.
Ich kämpfe seit ein paar Wochen mit dem Customer Support von Lulu und Amazon, weil anscheinend Bücher, die in einem "undeutschen" Format angelegt wurden, nicht automatisch beim deutschen Amazon in den Verkauf gelangen.
Das betrifft also vor allem alle Bücher von Nemed House, außer der "Single" Die Elektrische Kreuzigung
Diese ist tatsächlich als einzige auch in Deutschland per Amazon erhältlich und erfreut sich großer Beliebtheit.
(Anklagend schwenkt er die Faust gen Himmel: Barum, oh Herr???!!!)

Donnerstag, 12. Juli 2012

Zitat der Woche

Gespensterhaft schwimmen phantastische Nebelfetzen durch die stummen Straßen, die auf die lauten Schritte eines belebenden Menschen lauern. Grauer Himmel drückt auf die altersmüden winkligen Giebelhäuser, die wie verwitterte Schönheiten einer prunkvollen Vergangenheit nachtrauern. In den zahlreichen Kanälen, die sich wie riesenhafte Würmer durch die Stadt winden, fließt schiefergraues Wasser; es hat eine Melodie, als lägen Tote auf dem Grunde. Schlafende Kähne, die wie märchenhafte Riesenschwäne ihre Brust bespülen lassen, träumen leise vor sich hin. Unnütz und düster bohren sich die Masten der Schiffe gleich drohenden Fingern in den Himmel, und wenn man mitternachts an den Kais entlang wanderte, würde man sicherlich den unheilbringenden Klabautermann erblicken.
Und Glocken tönen von den einsamen Kapellen, und Glocken rufen von den Türmen der ernsten Kirchen ..., dumpf und schwer kommen die Töne über die schweigenden Gewässer ... warnend und drohend wie mitleidlose Engel ... keifend und schrill wie bösartige Nonnen ... hell und wimmernd wie das Armesünderglöckchen ... bang und tief wie die Märchenglocke, die im See liegt ... singend und klagend wie heiße Menschentränen. Und die Symphonie der Klänge schwimmt ineinander und wird zu einem dröhnenden Orgelgebraus, das die Seele mit wilden Ängsten füllt. Und dann wieder Stille ... Totenstille über knienden Menschen in kalten Kirchen, in denen noch der Ruch erloschener Kerzen steht und der Weihrauch von gestern, der nicht flüchten konnte.
Die Menschen gehen still ihres Weges, als triebe keinen ein Gewerbe oder ein Beruf, als kämen sie vielmehr vom Traumreich Thule, wo das Vergessen wohnt und die Schmerzlosigkeit, Versonnen schauen sie vor sich hin, uralten Blicks, von vagen Gedanken zu Boden gedrückt.
Alles ist leise und sanft ergeben; selbst die Möwen, die sich zuweilen auf vermorschten Giebeln niederlassen, um zu ruhen, scheinen verzauberte Jungfrauen; sie schreien nicht, und sie zanken nicht miteinander. Beten auch sie? ...
(Jakob Elias Poritzky, Geist und Schicksal)

Kontext für die im laufe des Jahres (?) erscheinenden Erzählungen um Martin Jungs "Klabautermann", der ersten Figur von etwas, was wir GermanPulp nennen möchten.