Da sitzen wir also wieder, ich und meine drei kleinen Droogs in der alten Korova-Internetbar... Werner, Mark und Thomas, Körper, Geist und Seele unserer kleinen Rotte, "der besten Band, die keiner kennt"... wie immer hungrig auf das alte Rein-und-Raus-Spiel der Information, der Großen Pizza, dem Geheimnis der Hohen Magie, Operation Mindfuck...
Wieder an der alten Wasserstelle wie schon die Generationen vor uns, wie wir schon in den Generationen, die wir hinter uns gelassen hatten. Generation X, Y oder Z.... die Körpermenschen, die Seelenmenschen, die Geistmenschen einer schwarzen Gnosis.
Früher war die alte Korova-Internetbar die alte Korova-Milchbar gewesen, vollverchromt und voller Schwarzlicht, dass man auch nachts Sonnenbrillen brauchte, oder besser noch Spiegelbrillen. Der Apex der Postmoderne und des Posthumanismus waren Milkshakes aus 100% Original Muttermilch. In den Separees gab es Webcams und eine Privatvorstellung der Melkmaschinen...
Noch früher war die alte Korova-Milchbar das alte Whisky-a-Go-Go gewesen, mit Livemusik und einer anderen Art von Milchshake, die es in den Separees gab, zusammen mit einer Line Kaffeeweisser direkt von schweißnasser Haut. Und die beste Band, die keiner kennt, hatte dazu auf der Bühne gerockt, Background Muzak für das Ultrabrutale.
Aber das war dann, und wir hatten das Ultrabrutale längst hinter uns gelassen.
Es war Zeit für das Hyperbrutale.
Wir hatten die Körperlichkeit besiegt - Was war als nächstes dran?
In den Sechzigern standen die Worte der Propheten geschrieben auf die Wände der U-Bahn-Tunnel und Aufenthaltsräume, heute sind sie unsichtbar in den Äther gekritzelt, ständig abrufbar, werden kopiert und gelöscht, handlich und übersichtlich innerhalb des 140-Zeichen-Limits.
Trending now: #fakenews vom #tatort #deutschland.
So wie die Menschen der Antike komplexe Maschinen aus fleischfressendem Stein (lithos sarkophagos) erfunden hatten, um Fleisch und Körper (bis auf die Zähne) in reine Information umzuwandeln, hat die Moderne ein Vielzahl handlicher Maschinen hervorgebracht, die Seele, Verstand oder Psyche zersetzen. Damals Sarkophage, jetzt Psychophage, damals wie heute mit allerlei spektakulären Bildern und ähnlichem geschmückt, die sich dem Auge des Betrachters anbiedern, derweil er die Zeit herumbringt, d.h. umbringt.
Was war als nächstes dran?
"Ich sehe die Pneumaphagen der Zukunft, goldene Kopulationen inzüchtiger Archonten von jenseits des Uranus, Hyperkakerlaken, die kommen um zu fressen.... die Welten der Materie sind nur die Exkremente, die Kobolde aus der 5. Dimension hinter sich gelassen haben...."
Ich und meine drei kleinen Droogs starren den Typen am Tisch neben uns abwartend an.
Nach einiger Zeit steht er auf, schüttelt den Kopf und wankt dann hinaus in die kalte Novembernacht.
Wieder einer der Propheten, die am Leben gescheitert sind. Oder vielleicht war das Leben auch an ihm gescheitert. Man kann es schließlich nicht allen Menschen recht machen.
"Zuviel Information", sagt Mark und lädt die alte Nadelpistole. "Manche Dinge will man gar nicht wissen."
Er bleibt ein Romantiker. Es ist nicht das Wissen, was das Problem ist.
Es ist die Information. Die Venusischen Broker errechnen ihren Wert nur noch aus der Quantität, nicht der Qualität. Eine Kopie ist genausoviel wert wie ein Original, zwei Kopien doppelt soviel.
Andererseits: was gibt es schon Neues zu berichten?
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Samstag, 11. März 2017
Freitag, 1. April 2016
The Future is Dead :: Worlo-a-gogo
Das Erfinden einer neuen Identität wird wieder notwendig, die Auferlegung von Ordnung auf die rollende Landschaft des Chaos. Kommunikationsweisen, Medien, soziale Muster verkommen zu Posen und sind wie die sexuelle Ausrichtung dem Zeitgeist unterworfen. Die Unschärferelation der Persönlichkeit: zwei Eigenschaften können nicht gleichzeitig genau bestimmt werden.
Wir brauchen mehr Technik. Wir brauchen bessere Technik. Technomagick, magische Technik, Magie-Maschinen, gnostische Ingenieure: Supersuits, die uns aus den beschränkten Dimensionen unserer 4-Farb-Wirklichkeit heraustragen; schillernde Kirbytech-Maschinen, vor denen Raum und Zeit beschämt sind. In den Nomenklatur der Neuen Götter ist dies ein Worlogog.
Der Name verrät seine Herkunft: es ist die transäonische Logos-Maschine, Technologie der Vierten Welt, um sich in allen denkbaren Welten reinkarnieren zu können. Alles, was man sein kann...
Aber Logos ist nur ein Wort - das Wort, und dies ist eines der ersten Werkzeuge, die der Homo Faber auf seinem langen Weg zum Homo Superior ersonnen hat. Ein spitzer Stock, ein scharfer Stein, hervorragend geeignet, um den Verstand zu sprengen.
Keine Grenzen, keine Gesetze: Wenn oben wie unten ist, ist das Universum multiversal, ein pankosmisches Hologramm, in der eine Fortbewegung nach außen nicht notwendig ist. Da sind Welten in Welten, fremder als Mars und Xiccarph: es wird Zeit den Inneren Raum zu kolonisieren.
Wir brauchen mehr Technik. Wir brauchen bessere Technik. Technomagick, magische Technik, Magie-Maschinen, gnostische Ingenieure: Supersuits, die uns aus den beschränkten Dimensionen unserer 4-Farb-Wirklichkeit heraustragen; schillernde Kirbytech-Maschinen, vor denen Raum und Zeit beschämt sind. In den Nomenklatur der Neuen Götter ist dies ein Worlogog.
Der Name verrät seine Herkunft: es ist die transäonische Logos-Maschine, Technologie der Vierten Welt, um sich in allen denkbaren Welten reinkarnieren zu können. Alles, was man sein kann...
Aber Logos ist nur ein Wort - das Wort, und dies ist eines der ersten Werkzeuge, die der Homo Faber auf seinem langen Weg zum Homo Superior ersonnen hat. Ein spitzer Stock, ein scharfer Stein, hervorragend geeignet, um den Verstand zu sprengen.
Keine Grenzen, keine Gesetze: Wenn oben wie unten ist, ist das Universum multiversal, ein pankosmisches Hologramm, in der eine Fortbewegung nach außen nicht notwendig ist. Da sind Welten in Welten, fremder als Mars und Xiccarph: es wird Zeit den Inneren Raum zu kolonisieren.
Donnerstag, 10. Oktober 2013
The Future is Dead :: Travis hängt ab
Uns schräg gegenüber sitzt Travis Bickle und trainiert seinen sozialen Bizeps. Er ist ein wenig heruntergekommen, seit den Zeiten als er wie ein hagerer und extrem scharfer Robert de Niro aussah. Heute sieht er so aus, als hätte er schon seit drei Wochen seine Tastatur nicht verlassen. Auf seinem Bildschirm hat er vier Fenster gleichzeitig offen, um der Welt seinen Status mitzuteilen. Er ist ein Brogrammer, immer auf der Suche nach dem nächsten Hackathon.
„Ich muss wieder in Form kommen, vom vielen Sitzen sind meine Muskeln schlaff geworden“, tippt er in das blaue Fenster. Seine Gemeinde wartet atemlos auf seine nächsten Nachrichten. „Ich habe zu lange mit mir Schindluder getrieben. Ab heute heißt es jeden morgen 50 Klimmzüge, 50 Liegestütze und Schluss mit dem ewigen Herumeiern, Schluss mit der Verweichlichung, Schluß mit dem Zombiedasein. Ab heute beginnt die totale Mobilmachung, lol.“
Es ist schön zu wissen, dass die Soziophobie früherer Zeiten inzwischen durch die Sozialen Netzwerke ersetzt wird. Niemand ist mehr einsam, er ist viele. Travis hat jetzt auch Dates, meistens durch Chat Roulette. Er ist inzwischen ein Meister darin, seinem virtuellen Gegenüber etwas vorzuspielen, was er nicht ist.
Die Droogs neben mir knacken mit den Fäusten. Es ist mal wieder Zeit für was Ultrabrutales, rauszugehen und die Stadt in Flammen zu setzen. Wir sehen uns um, in der alten Korova-Internetbar, aber da gibt es keine Verschwörung, der man sich anschließen kann. Nur das verzweifelte Bedürfnis, irgendeine Art von Kontakt, von Berührung zu erleben, irgendwie zu teilen oder nachzuäffen, die anstrengungslose soziale Interaktion, die überall wahrgenommen wird, an der man aber nicht wirklich teil hat. Es ist wie mit jeder Art von Information: jeder Kontakt hier ist gleich viel wert, nämlich gar nichts. Aber man kann sie multiplizieren.
„Jeder Muskel muss wieder hart werden. Jeder Nerv muss wieder hart werden“, schreibt Travis in das nächste Fenster, kopiert den Text und veröffentlicht ihn zeitgleich in zwei anderen Medien. „Schluss mit dem veganen Kram. Ab heute heißt es rohes Fleisch, keine Fruchtsäfte mehr, nur noch harten Stoff, hochprozentiger Rum, wie ihn die Voodoo-Priester saufen. Keine Methadonkippen mehr, nur noch Selbstgedrehte, filterlos und schwarz.“
Er grinst, bis sein Blick auf unsere ablehnenden Gesichter fällt.
Die Zukunft ist tot.
Alle modernen Propheten schreiben Science Fiction, aber Science Fiction ist nur noch Nostalgie.
Realität als Remix.
Die Symptome werden neu gemischt, aber es gibt keine Zukunft mehr.
Das Internet hat das Imaginale ersetzt; die Welt der Ideen gibt es nicht mehr, nur noch die Abbilder von Ideen. Wann hast Du das letzte Mal ein Bild gemalt, anstelle es bei Wikipedia zu stehlen? Wann war das letzte Mal ohne Copy/Paste Job? Wann hast Du das letzte Mal ein Buch gelesen? Scheiße, wann hast Du das letzte Mal eine Idee gehabt, die Dir nicht jemand über Dein Handy ins Kleinhirn geschossen hat?
„Redest Du mit mir? Du laberst mich an? Du laberst MICH an??“, twittert der kleine Junge, der jetzt eilig einige der Fenster schließt, als die Kommentare zu persönlich werden, um sie vor den Augen Fremder abarbeiten zu können.
Die Zukunft, according to Travis Bickle.
Ich hoffe, eines Tages wird ein großer Regen diesen ganzen Abschaum vom Informations-Highway spülen.
Sonntag, 18. August 2013
The Future is dead :: Goldene Zeiten
Die Vorstellung, dass die Zeit, in der wir leben, nicht die beste ist, und dass schlimme Dinge geschehen, und geschehen müssen, ist ebenso einfach wie bestrickend logisch. Es ist deswegen so bestrickend logisch, weil die Nostalgie, diese sublimste Form der Nekrophilie, uns in jeder Sekunde unseres Lebens im Nacken sitzt, und je weiter wir uns von unserem Eintritt in die Erdensphäre entfernen, desto mehr spüren wir ihren Druck. Früher, ja, früher, da war alles besser...
Das Goldene Zeitalter ist 14 - oder jedes andere Alter, wo man sich noch keine Gedanken machen musste um Nachkommen, den Tod oder die Steuern, diese drei großen Plagen des homo sapiens. Wir können unsere treuherzigen Vettern im Dschungel beneiden, wenn sie ohne Scham mit ihrem Kot nach den Zuschauern werfen, aber wir sind leider von den Bäumen gestiegen. Die Zeiten der Schamlosigkeit und des Kotwurfes sind leider vorbei.
Nostalgie schlägt zu und färbt selbst die lächerlichste Idee, Frisur oder Band rosa, die uns im Goldenen Zeitalter begegnete. Wir müssen sie nicht einmal gemocht haben, irgendwann werden wir sie in der Senilität des Erwachsenendaseins lieben. Gibt es sonst eine Erklärung dafür, dass die Sachen aus den 90ern jetzt echt hip sind?
Werden die Helden unserer Jugend zu frommen Schutzgöttern, welche, dicht in Nebel gehüllt, die Erde rings durchwandeln, als Geber alles Guten, Behüter des Rechts und Rächer aller Vergehungen? Wer so etwas glaubt, ist vielleicht nicht so geisteskrank, wie es auf den ersten Blick scheinen mag, sondern ist aktiv dabei, eine Neue Mythologie für das 21. Jahrhundert zu erschaffen, denn die Zukunft, die wir uns in dieser Goldenen Zeit erträumt haben, ist TOT.
Du wirst den eigenen Flugring oder Schwarzen Monolithen nicht mehr erleben, Kumpel, nicht mal das Hoverboard haben sie hinbekommen. In welcher Parallelwelt ist Marty McFly gelandet? Und wie komme ich dahin? Wie erbärmlich ist es, eine Zukunft zu erträumen, die genauso ist wie die Gegenwart, nur mit besseren Handys? Auch dies ist Nostalgie nach den 90ern, nur haben wir heute die Haare schön, oder schneiden sie konsequent ganz ab. Das ist wohl Teil der Mythologie, die wir uns neu erschaffen, großzügig zusammen gestohlen aus nur marginal interessanteren Quellen, copied and pasted. (Wundert euch nicht, dass selbst die Apokalypse immer lustloser wirkt.)
Goldene Zeiten in Deinem Kopf, in einem goldenen Schauer eingefärbt von der Nostalgie an Tage, die in dem Tagebuch, das Du nie geführt hast, schwarz und durchgestrichen waren
Zu den marginal interessanteren Quellen, die wir stumpf nachäffen, ohne dabei mal einen befreienden Kotwurf zu riskieren, gehört anscheinend auch Hesiod, ein irgendwie griechischer Autor von früher, der sich ebenfalls in affektierter Nostalgie erging. "Früher war alles besser", sagte er und wartete darauf, seine Zuhörer mit einem weiteren goldenen Schauer zu tränken, "das hier - das ist doch alles Scheiße. Ich bin Scheiße, ihr seid Scheiße, die Welt in der die Menschen leben, ist Scheiße. Sie selbst aber sind die größte Plage. Und überhaupt: eines Tages wir am Himmel ein großer rosa Arsch erscheinen und hier alles zuscheißen. Aber vielleicht haben wir bis dahin schöneres Haar - oder bessere Handys."
Das waren noch Goldene Zeiten.
Das Goldene Zeitalter ist 14 - oder jedes andere Alter, wo man sich noch keine Gedanken machen musste um Nachkommen, den Tod oder die Steuern, diese drei großen Plagen des homo sapiens. Wir können unsere treuherzigen Vettern im Dschungel beneiden, wenn sie ohne Scham mit ihrem Kot nach den Zuschauern werfen, aber wir sind leider von den Bäumen gestiegen. Die Zeiten der Schamlosigkeit und des Kotwurfes sind leider vorbei.
Nostalgie schlägt zu und färbt selbst die lächerlichste Idee, Frisur oder Band rosa, die uns im Goldenen Zeitalter begegnete. Wir müssen sie nicht einmal gemocht haben, irgendwann werden wir sie in der Senilität des Erwachsenendaseins lieben. Gibt es sonst eine Erklärung dafür, dass die Sachen aus den 90ern jetzt echt hip sind?
Werden die Helden unserer Jugend zu frommen Schutzgöttern, welche, dicht in Nebel gehüllt, die Erde rings durchwandeln, als Geber alles Guten, Behüter des Rechts und Rächer aller Vergehungen? Wer so etwas glaubt, ist vielleicht nicht so geisteskrank, wie es auf den ersten Blick scheinen mag, sondern ist aktiv dabei, eine Neue Mythologie für das 21. Jahrhundert zu erschaffen, denn die Zukunft, die wir uns in dieser Goldenen Zeit erträumt haben, ist TOT.
Du wirst den eigenen Flugring oder Schwarzen Monolithen nicht mehr erleben, Kumpel, nicht mal das Hoverboard haben sie hinbekommen. In welcher Parallelwelt ist Marty McFly gelandet? Und wie komme ich dahin? Wie erbärmlich ist es, eine Zukunft zu erträumen, die genauso ist wie die Gegenwart, nur mit besseren Handys? Auch dies ist Nostalgie nach den 90ern, nur haben wir heute die Haare schön, oder schneiden sie konsequent ganz ab. Das ist wohl Teil der Mythologie, die wir uns neu erschaffen, großzügig zusammen gestohlen aus nur marginal interessanteren Quellen, copied and pasted. (Wundert euch nicht, dass selbst die Apokalypse immer lustloser wirkt.)
Goldene Zeiten in Deinem Kopf, in einem goldenen Schauer eingefärbt von der Nostalgie an Tage, die in dem Tagebuch, das Du nie geführt hast, schwarz und durchgestrichen waren
Zu den marginal interessanteren Quellen, die wir stumpf nachäffen, ohne dabei mal einen befreienden Kotwurf zu riskieren, gehört anscheinend auch Hesiod, ein irgendwie griechischer Autor von früher, der sich ebenfalls in affektierter Nostalgie erging. "Früher war alles besser", sagte er und wartete darauf, seine Zuhörer mit einem weiteren goldenen Schauer zu tränken, "das hier - das ist doch alles Scheiße. Ich bin Scheiße, ihr seid Scheiße, die Welt in der die Menschen leben, ist Scheiße. Sie selbst aber sind die größte Plage. Und überhaupt: eines Tages wir am Himmel ein großer rosa Arsch erscheinen und hier alles zuscheißen. Aber vielleicht haben wir bis dahin schöneres Haar - oder bessere Handys."
Das waren noch Goldene Zeiten.
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