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Montag, 30. Januar 2017

Zitat der Woche



"Trump does not simply have “a running war with the media,” as he so indecorously and disrespectfully spouted off while standing on the hallowed ground before the C.I.A. Memorial Wall. He is in fact having a running war with the truth itself."
(Charles M. Blow: A Lie by Any Other Name, NYTimes)

Donnerstag, 26. Dezember 2013

3rd Mind :: Die Fahnen hoch (2)

Das Verlagssignet in Kurzfassung: Ein Erkennungszeichen, auf dem Titel und vorzugsweise auch auf dem Buchrücken angebracht. Ein Kennzeichen der publizistischen und ästhetischen Einheit der Produkte. Im besten Fall das Siegel und der Abschluss auf einem gestalterischen Konzept, dem auch die Typographie und weitere Gestaltung aller Titel unterliegen.

Blicken wir ins Regal, erkennen wir diejenigen, die diese prinzipien befolgen, schon von weitem: Samuel Weiser hat ein Ankh auf dem Buchrücken, Llewellyn eine zunehmende Mondsichel, Ullstein eine Eule (Uhl), die auf einem Stein sitzt, Bastei Lübbe eine stilisierte Festung (Bastei) und auch andere Verlage haben meist einfache, oft geometrische Signets mit hohem Wiedererkennungswert.

Tatsächlich haben einige deutsche Verlage in diesem Bereich des Mediendesigns Hervorragendes geleistet. Man kann die Kompromisslosigkeit der Typographie bewundern, mit der Suhrkamp seine Veröffentlichungen gekennzeichnet hat - keine zeit und kein Interesse an Schnörkeln, selbst das Signet ein schlichtes "st" in der gleichen Schriftart wie der gesamte Umschlag. Das Design mit dem höchsten Wiedererkennungswert ist jedoch wahrscheinlich das, mit dem der Heyne-Verlag seine Produkte auszeichnete.

Auf den Buchrücken - meistens schwarz - prangte eine einfache, auch von weitem erkennbare Form, der sogenannte Heyne-Wimpel. Ich kann ihn von hier aus sehen, er springt mir unaufdringlich ins Auge. Dies sind natürlich alte Bücher, bei neueren Produkten von Heyne wird man nach dem Wimpel lange suchen. Man hat beschlossen, das Design zu modernisieren und behielt von dem Wimpel nur den unteren Winkel <.

 Ja, eine moderne Idee, und um Nietzsche zu paraphrasieren, eine falsche Idee. Wir sehen hier, wie ein individuelles Kennzeichen, das sich selbst Geschichte erarbeitet hat, durch etwas Beliebiges und Austauschbares ersetzt wird. Würden wir uns freuen, wenn von dem Pinguin des Verlages Penguin nur der Schnabel > übrigbleibt? Da Heyne und Penguin inzwischen beide zu Random House/Bertelsmann gehören, bleibt wohl nur, atemlos zu warten.

Aber ehrlich... ein Wimpel, eine Fahne, was sowieso ein klassisches Erkennungszeichen ist... und stattdessen ein Winkel? Und es ist noch nicht mal ein hübscher.

Verlagssignets (TM) und (C) by ihren jeweiligen Eignern
 

Samstag, 7. Dezember 2013

3rd Mind :: Die Fahnen hoch (1)

Wider die Vermassung der Kunst kann der Künstler nun bestehen, wenn er laut, auffällig und ordinär ist. Jeder andere versinkt im Ozean der Bedeutungslosigkeit, weil er keine Bedeutung erzwingen kann.

Nun ist es nicht an jedem, sich mit Schweineblut zu übergießen oder mit vorgezogener Waffe einen Kindergarten zu besetzen, damit man ihn bemerkt. Für all diese charakterlosen Langweiler hat irgendwann einmal ein schlauer Mensch die Werbung erfunden, laut, auffällig und ordinär. Damit will natürlich niemand etwas zu tun haben, also hat sich dieser Absatz im Endeffekt selbst ad absurdum geführt.

Der feine Mensch schert sich nicht um die Werbung für das tumbe Volk, aber er hat ein fein entwickeltes Markenbewusstsein.

Nehmen wir einen ganz beliebigen, durchschnittlichen Konsumenten mit einem Arbeitszimmer voller bis unter die Decke gefüllten Bücherregalen. Wie wird er seine Bücher ordnen? Wahrscheinlich thematisch - vielleicht nach Autoren. Nur Geisteskranke ordnen alphabetisch. Irgendein ästhetisches oder taktiles Konzept muss der Ordnung zugrunde liegen. Ich wage zu behaupten, dass all die Bücher, die er nicht thematisch oder nach Autoren ordnen kann, er nach den Verlagen ordnen wird. Wahrscheinlich wird er sogar die Bücher eines bestimmten, geliebten oder verhassten Autoren, die bei einem bestimmten Verlag veröffentlicht wurden, zusammenstellen.

Denn die meisten Verlage haben irgendwann einmal ein Layout und/oder Farbschema entwickelt, nach denen selbst die Buchrücken, die allein noch sichtbar bleiben, zusammenpassen. Und sie haben kleine, feine Erkennungszeichen entwickelt - Verlagssignets, die ihre Titel auch aus einiger Entfernung identifizierbar machen.

Mhhmmm.... Verlagssignets.

Dazu später mehr.

Verlagssignets (TM) und (C) by ihren jeweiligen Eignern
 

Samstag, 20. Juli 2013

Die Untoten des Internets

Vielleicht haben Sie es ja schon gehört, demnächst wird iGoogle, der personalisierten Startseite von Google, der Garaus gemacht.
Über Sinn und Zweck dieser Entscheidung mag man streiten, bei einem kostenlosen Service darf man natürlich nicht zu viel erwarten. Aber ich glaube, ich weiß jetzt auch, warum es Zeit wird, diesem Produkt den Saft abzudrehen...

Ich habe es die ersten Monate nicht wirklich bemerkt, aber jeden Morgen, wenn ich den Rechner anschaltete, warnte mich der Newsfeed von stern.de in iGoogle vor einer schrecklichen Katastrophe:


Pakistan: Zahlreiche Arbeiter fallen Fabrikbränden zum Opfer Zwei Feuer haben in Pakistan viele Menschen das Leben gekostet. In einer Textilfabrik in Karachi starben mehr als 100 Arbeiter, in einer...
Nach ein paar Wochen fing es an, unfreiwillig komisch zu werden: Ach, brennt schon wieder eine Fabrik in Pakistan? Kein Wunder, dass die Leute da lieber Opium und Atombomben anbauen, ehrliche Arbeit zahlt sich nicht aus... haha, hey schau mal, es gab schon wieder zwei Feuer in Pakistan, die können gar nicht mehr aufhören...

Nach ein paar Monaten hörte es auf, komisch zu sein. Da waren also diese mehr als 100 armen Schweine, die für alle Ewigkeit im Internet weiter brannten. Jeden Morgen, wenn ich den Rechner anschaltete, wurden sie mir wieder in Erinnerung gerufen. Da waren sie, die Untoten des Internets, durch einen Programmierfehler dazu verflucht, jeden Tag erneut in der Vorstellungskraft des unaufmerksamen Lesers in Flammen aufzugehen:

Pakistan: Zahlreiche Arbeiter fallen Fabrikbränden zum Opfer. Der Artikel, auf den dieser Link verweist wurde am 12. September 2012, 09:32 Uhr verfasst. Seitdem brennen sie.

Ich denke, es ist gut, dass iGoogle im November 2013 gelöscht werden soll. Vielleicht finden sie dann Frieden.

Außer natürlich, jemand kopiert diesen Artikel und veröffentlicht ihn neu.

Sonntag, 29. April 2012

Shortcuts 2012-04-31

Vor einiger Zeit hatte ich mich in einem persönlichen Gespräch, und natürlich auch eloquent in den so genannten sozialen Netzwerken, über die "weltanschauliche Wüste" Bundesrepublik Deutschland geäußert, die im Vergleich zu anderen zivilisierten Ländern doch recht provinziell daherkommt, vor allem, wenn es um den Umfang und die Mannigfaltigkeit an Weltanschauungen geht. Inzwischen muss ich meine Meinung revidieren.
Wenn ich mit einem Auge in die englischsprachige Welt schaue, muss man schon schlucken. Hier findet momentan nach einer Aufforderung an die Lehrplanbehörde von Cornwall, im Religionsunterricht auch 'pagane' Themen zu behandeln, in den Massenmedien und der Blogosphäre eine ungewöhnlich bissige Vermischung von Kategorien statt. Jetzt, wo sie in die Augen der Öffentlichkeit gerückt werden, werden plötzlich die bislang harmlosen Druidenkollegien und der Neo-Paganismus auf eine Stufe gestellt mit den öffentlickeitswirksamen Muti-Morden unter afrikanischen Einwanderern. Ekelhaft. Glücklicherweise sind solche Dinge bislang in Deutschland unbekannt.
Also, ist es ist gut, dass unser schönes Land in dieser Hinsicht so provinziell ist. Es ist gut, dass die Anhänger von 'ungewöhnlichen' Weltanschauungen höchstens als außergewöhnliche Spinner gelten. Es ist gut, dass selbst die traditionsreichsten Gruppen sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen und sich lieber mit sich selbst beschäftigen. Und es ist gut, dass die einzige Diskussion über solche Themen in den Tiefen der Sozialen Netzwerke stattfindet, wo es nun wirklich niemanden interessiert.
Wir können also beruhigt weiter schlafen.

Ich enthalte mich gewöhnlich jedes politischen Kommentars, aber wo jetzt auch ein anderer bekannter Schriftsteller mit der respektlosen Charmanz des buckligen Hackers nebenan konfrontiert wurde, ungefragt seine Werke zu kopieren und im Internet zu verteilen, ein paar Worte hierzu:  
"Freiheit der Information bedeutet nicht, dass man sich einfach die Freiheit nimmt, Information zu stehlen." 
"Die Firma, die Informationen vermarktet, kann einen Einbruch im Gewinn leicht verkraften, indem sie einfach ein paar Stellen mehr streicht. Der Arbeiter, der die Informationen produziert, kann das nicht."
 Und noch zwei Worte:
"Fuck you."
 

War der "Rächer"-Film nach den Charakteren von Jack Kirby sehenswert, den ich am Donnerstag gesehen habe?
Er war, obwohl er Überlänge hatte, sehr kurzweilig.
Er ist eine direkte Fortsetzung von "Iron Man 2", "Captain America: The First Avenger" und "Thor".
Es gibt eine dichte Kontinuität, dennoch hat man es verstanden, unauffällig Elemente aus den Originalquellen einzumischen.
Kurz vor den Credits hatte ein weiterer Superschurke sein Cameo - jemand, mit dem ich wirklich nicht gerechnet hatte.
Ich erhob mich also und rief mit deutlich vernehmbarer Stimme: "Oh Fuck!!!!"
Ich war offensichtlich der einzige, der diesen Charakter kannte.
Ach ja, und Stan Lee war nur seeeeehr kurz zu sehen.
Sehr gut. Sie lernen dazu.

Soundtrek (während ich das neue Blogger-Interface verfluche...):

Montag, 23. August 2010

Neues aus der Medienwüste

AHA. The Magickal Observer. Dieser fröhliche Ikonoklasmus, der als kostenloser Download daherkommt, ist momentan die einzige okkulte Publikation in der Weltanschauungswüste Deutschland. In Zukunft wird es wohl noch ein bisserl wüster werden. Mit Bedauern hören wir also via In eigener Sache... - Agape Thelema Foren: "Da wir z.Z. größte Schwierigkeiten haben, ernstzunehmende Autoren für die AHA zu gewinnen, haben wir uns entschlossen, fortan nur noch 2 statt wie bisher 4 reguläre AHA Hefte gemischten Inhalts pro Jahr herauszubringen. Erscheinungstermine sind jeweils die Equinox-Daten."
Man fasst sich betroffen an die eigene Nase: Bislang haben ein, zwei letzte Streiter die Fahne des traditionsreichen Independent-Magazins du Thelema hochgehalten, ohne dass es zu einem Egozine verarmte, aber die beiden haben antürlich auch mal was anderes zu tun. Gibt es noch jemand anderen da draussen, der ein Mitteilungsbedürfnis hat? Haben wir überhaupt noch was mitzuteilen?

Donnerstag, 8. April 2010

Samstag, 14. Juli 2007

Gutenberg schlägt zurück

Fontblog – Typotag (3): Gutenberg schlägt zurück: "Je selbstverständlicher das Netz ist, desto interessanter wird das Buch. Da steckt eigentlich alles drin: Das Buch ist keine Konkurrenz zum Web, ihm steht eine glorreiche Zukunft bevor (weil es sich auf seine Stärken konzentrieren kann) und die (Lese-)Konsumenten sollten mit beide Medien (vorurteilsfrei) umgehen können."

Endlich mal eine gute Nachricht.

Sonntag, 27. Mai 2007

Resumee | Der Tod des Egozines

Glauben Sie an das Karma von Namen? Ich nicht. Aber natürlich hat das Universum eine ganz andere Meinung, und neigt dazu, sich so zu verhalten, als ob selbst der schlimmste Aberglauben Realität ist. Wenn man also wie ich ein gebürtiger Hamburger ist, den Vornamen eines berühmten Publizisten hat, und den Nachnamen eines der größten Verlagshäuser der Stadt, muss man sich nicht wundern, wenn man irgendwann entdeckt, dass man eine unheilige Neigung dazu hat, die Umwelt mit eigenwilligen Publikationen zu terrorisieren.

In meinem Falle tatsächlich, sobald ich einen Stift halten konnte. Meine Grundschullehrer waren höchst perplex. Aber das waren sie immer. (Die meisten dieser handgeschriebenen und handkolorierten Zeitschriften mit der Auflage von 1 Exemplar habe ich inzwischen erfolgreich vernichten können – schade eigentlich, es waren interessante Newsletter einer Parallelwelt, in der ich und meine Schulkollegen auf dem Pausenhof neue Städte gründeten und die Macht in Norddeutschland übernahmen. Komplett mit Miliz und Solarer Garde, was auch immer das bedeutet…)

Die Einführung des Kopierers in den Schulbetrieb ließ die Auflage in ungeahnte Höhen schießen (5 oder 10 Exemplare! Wow!), und aus den wirren Berichten über eine eigene Parallelwelt wurden wirre Berichte über eine fremde Parallelwelt. Ja, die Welt des Fanzines hatte uns eingefangen, und für ein paar Monate lang zelebrierten wir die Pose des Fans, der über die Vorzüge und Nachteile des Posbi-Zyklus zu philosophieren wusste, aber ansonsten nichts eigenes auf die Reihe kriegt. Glücklicherweise war der Schritt vom Fanzine bis zum Egozine, dieser besonderen Abart von Magazin, die meist nur von einer Person herausgebracht wird und nichts anderes darstellt als seine eigene rein subjektive Meinung und Kreativität, nicht groß.

Das erste Egozine, das ich herausgebracht habe, nannte sich „Star Rider“ und druckte eigentlich nichts anderes als Kurzgeschichten und Fortsetzungsgeschichten von mir und meinem Kollegen, illustriert und gesetzt von meinen bescheidenen Fähigkeiten. Und daran hat sich eigentlich bis vor einiger Zeit nicht viel geändert, auch wenn die Themen und das Format sich mit den Jahren wandelten und die Technik, die Auflage und die Qualität erstaunliche Fortschritte machen sollte. Und ich mache mir da nichts mehr vor: Bei allen Publikationen habe ich nicht nur das Layout und den Satz alleine hergestellt, sondern auch den Grossteil aller Artikel. Natürlich haben auch andere Leute teilweise hervorragende Artikel veröffentlicht, die Herstellung und der Vertrieb blieb dann aber auch immer wieder ausschließlich bei mir hängen. Dammichtes Egozine, und dabei war das für meine Ego nicht einmal besonders förderlich. Können Sie sich vorstellen, wie deprimierend und ärgerlich es ist, dauernd das Gefühl zu haben, bei „gemeinsamen“ Projekten immer die ganze Arbeit alleine machen zu müssen?

Glauben Sie an das Karma von Namen? Ich nicht. Und dennoch habe ich fast 20 Jahre lang obskure Egozines produziert, weil es mir ein obskures Bedürfnis war, meine Ideen und Geschichten in print zu sehen. Dass ich irgendwann mein Geld mit DTP und ähnlichem verdiente, hat dem natürlich nicht geschadet – man könnte sogar sagen, dass das Egozine die Wiege meiner typographischen Karriere war. (Ein Teufelskreis, nicht wahr? Oder eine Katze, die sich selbst in den Schwanz beisst.) Irgendwann konnte ich es mir dann sogar erlauben, mit meinen Vorlagen von „Schwert & Stab“ zu einem Drucker zu gehen und ihn anzuweisen, davon ein halbes Tausend Exemplare zu drucken. Mein Drucker war höchst perplex. Aber das war er immer.

Vielleicht gibt es doch so etwas wie eine Magie von Namen – wenn ich mich jetzt zurücklehne und den Stapel zerfledderter Heftchen ansehe, die neben mir liegen, muss wohl irgendetwas wie ein magischer Impuls dahinter stehen. Ansonsten kann ich es mir nicht erklären, nicht einmal, warum die Titel aller Zeitschriften, egal zu welchem Thema sie waren, immer mit dem Buchstaben „S“ anfangen mussten, selbst die Vereinszeitschriften, die ich betreute und teilweise immer noch betreue. Nun ja, ich war jung und hatte das Geld. Heutzutage, auch gerade bei den Schwierigkeiten, die mir die Veröffentlichung der letzten Magazine verursachte, muss ich wohl feststellen, dass die Zeit der Egozines auf jeden Fall für mich vorbei ist. Die Titel sind ausgelaufen, und ich werde wohl für längere Zeit keine Magazine nur für den Hausgebrauch machen. Die Zeit und das Geld, das ich in der Jugend im Übermaß hatte, teile ich mir jetzt lieber ein wenig besser ein. Mein Herzblut liegt jetzt bei anderen Sachen, und es bleibt ja immer noch die Vereinszeitschrift.

Und schließlich, das Weblog ist auch nichts anderes als die Fortsetzung des Egozines mit anderen Mitteln.

Freitag, 16. Februar 2007

Zwischenblick :: W(o/e)rtverlust

Worte sind billig. Heutzutage jedenfalls. Vorbei die Tage, in denen man noch pro Zeile bezahlt wurde und mit dem Redakteur um jedes zweite Wort feilschen musste. Die moderne Technologie ermöglicht es heutzutage stattdessen selbst IQ-Amöben, Texte in beliebigem Umfang auszustossen. Schlimmstenfalls kopiert man schnell noch etwas aus dem Internet. Der einzelne Autor ist ersetzbar geworden, ebenso beliebig wie das Thema des schnell anwachsenden Buchstabenfurunkels. Ein rapider Wertverlust, was sich auch im langsamen Dahinsterben selbst traditionsreicher Magazine niederschlägt. Worte sind billig - warum sollte man noch das Papier bezahlen, auf das sie gedruckt werden?
Das Wort selbst hat an Wert verloren, einen Wert selbst stellt nur noch der Hype dar, die Medienlegende. Ein Autor tut heutzutage gut daran, sich zuerst einen Kreis hysterischer Girlies oder obsessiv zu seinen Melodien masturbierender Fanboys aufzubauen, bevor er etwas veröffentlicht. Der Trend zum Zweitbuch... solange der Titel hip ist und die Zugehörigkeit zu einer bestimmten In-Crowd dokumentiert. Erinnert uns das an irgendwas?
Righty-right, meine kleinen Droogies....
auch die schreibende Zunft ist inzwischen auf dem Niveau der Pop-Industrie angekommen. Castingshows und Exklusiv-Download der neuen Single inbegriffen.



Eine weitere kurze persönliche Notiz zu diesem Thema: es ist eine Sache, regelmäßig in seinem Blog Gedanken und Textfragmente zu veröffentlichen, und eine andere, unentgeltlich die Websiten oder Magazine anderer Menschen zu füllen. Das eine ist privat, das andere sollte professionell sein, d.h. am Ende des Tages sollte ein Schnitzel mehr auf dem Teller liegen.
Ich habe prinzipiell nichts dagegen, anderen Leuten auszuhelfen, oder ihnen mal etwas Material zuzuschustern. Das tue ich oft genug, und wenn's nur durch Korrekturlesen o.ä. ist. Wenn jedoch ein ehrliches Interesse daran besteht, sollte dies auch auf irgendeine Weise vergolten werden. Und schon gar nicht sollte es als selbstverständlicher Service des letzten Gutmenschen auf Erden missverstanden werden.
Nennt mich nicht Amalgam. Ich bin doch nicht der Lückenfüller.



Zum Thema Korrekturlesen: Auch hier habe ich in der letzten Zeit wieder einiges hinter (und vor) mir. Ein Mann, ein Wort, aber das heisst wohl auch, dass ich mit anderen Dingen wieder ins Hintertreffen geraten werde. Oh, well, erst mal das eine, dann das andere. Der Termin für die projizierte Taschenbuchausgabe von Arullu steht. Ich fange jetzt schon an, Angstschweiß zu produzieren...

Dienstag, 21. März 2006

Ein Nachtrag zum Augengift des letzten Jahres...

...und wiedermal etwas, das ich wünschte, vorher gesehen zu haben.

Wie sich der getreuliche Leser erinnert, hatten sich verschiedene sarkastische und zynische Stimmen erhoben, als im letzten Jahr die grossmäulige Kampagne DU BIST DEUTSCHLAND unser nationales Selbstverständnis zum beben brachte, z.B. hier >> Augengift :: Du bist Weisskohl

Ja, manch einer verstieg sich sogar darauf, dies in Zusammenhang mit anderen Dingen zu bringen (WIR SIND PAPST).

Nun wies mich ein treuer Leser auf einen anderen konterrevolutionären Artikel hin, der die Kampagne noch fragwürdiger (oder logischer) erscheinen lässt: Du bist Deutschland (selbst wenn Du ein österreichischer Postkartenmaler bist)

Natürlich fehlt wie immer die logische Endlösung dieser Sloganreihe: ICH BIN ZWEI ÖLTANKS.