von Kawanabe Kyōsai (1831 - 1889)
Mittwoch, 29. Oktober 2025
Mittwoch, 23. Oktober 2024
Der Werwolf von Arkadien

Es ist zu beachten, dass der Hauptsitz der Lykanthropie Arkadien war, und es wurde sehr plausibel vermutet, dass die Ursache auf den folgenden Umstand zurückgeführt werden könnte: – Die Eingeborenen waren ein Hirtenvolk und würden daher sehr schwer unter den Angriffen und Plünderungen leiden von Wölfen. Sie würden natürlich ein Opfer bringen, um Befreiung von dieser Plage und Sicherheit für ihre Herden zu erlangen. Dieses Opfer bestand aus der Opferung eines Kindes und wurde von Lykaon [einem arkadischen König, der seinen Sohn Zeus verfütterte und anschließend wegen seiner Perversität in einen Wolf verwandelt wurde] eingeführt. Aus dem Umstand, dass es sich bei dem Opfer um einen Menschen handelte, und aus der Besonderheit des Namens seines Urhebers entstand der Mythos.
Aber der Lykanthrop weist auch darauf hin, dass die gewalttätige Raubtierjagd des Wolfs niemals ausgerottet werden kann, egal wie viele Bestien getötet oder Kinder den Göttern übergeben werden, da es sich auch um ein unterdrücktes Verhalten von Menschen handelt, die nur darauf warten, zyklisch in der Phase des Mondes aufzutauchen . Wenn wir den Rahmen auf allgemeine Überlegungen zu „Metempsychose, angeborener Grausamkeit, Halluzination usw.“ erweitern, wie es unser Autor tut, ist die „Verwandlung in Tiere ein integraler Bestandteil aller mythologischen Systeme“.
Quelle: Hunter Dukes: "Sabine Baring-Gould’s Book of Were-Wolves (1865)" auf publicdomainreview.org
Donnerstag, 25. Mai 2017
Mythos :: Inside, Outside, Darkseid

Der Outsider von H.P.Lovecraft ist eine seiner bekanntesten Geschichten, oft kopiert, doch nie erreicht. Sie berichtet von den Erinnerungen eines unbekannten Wesens, der sich selbst außerhalb aller menschlichen Sphären findet und schließlich nach einem anstrengenden Aufstieg und einer nächtlichen Wanderung durch die Wildnis in einem Festsaal wieder findet, wo der Blick in einen Spiegel seine Identitätskrise auf drastische Weise löst. Außergewöhnlich wie sie auch sein mag, haben wir hier wie so oft die Auflösung des Grauens in der Enthüllung – die kognitive Dissonanz, die in anderen Geschichten desselben Autoren so oft Wahnsinn und ein völliges Versagen aller mentalen Funktionen hervorruft.
Es ist die Konfrontation mit dem Fremden, die Lovecrafts Helden nicht überstehen können: Es ist die konservative Pose, dass die Welt wie sie ist gut sei, dasjenige aber, was den Gesetzmäßigkeiten und Traditionen widerspricht von Übel ist; bestenfalls Teil einer Gegenschöpfung – oder eines anderen Universums. Obwohl Lovecraft Agnostiker war, beschreibt er das Fremde dennoch gerne als blasphemisch (in der ursprünglichen Bedeutung „gotteslästerlich“. Dies ist der Quell des kosmisches Grauens – die Welt ist nicht so wohlgeordnet, wie es den Anschein hat, sondern ist in Wirklichkeit ein kriechendes Chaos, das von Mächten regiert wird, die den Menschen ebenso wenig verstehen oder achten wie dieser sie verstehen könnte.
Es ist nicht nur eine konservative Pose, sondern auch eine religiöse Pose – eine Frage des Glaubens. Es ist die alte theologische Frage nach der Existenz des Bösen und der Allmacht Gottes. Kurz zusammengefasst: Wenn Gott gut ist, warum gibt es das Böse, d.h. warum geschehen „guten“ Menschen schlimme Dinge. Wenn Gott das Böse geschehen lässt, ist er entweder nicht allmächtig oder nicht gut. Ein vollkommen allmächtiger (einziger) Gott würde alle Eigenschaften enthalten, dann gäbe es aber keinen Grund mehr, das Böse zu benennen. Die Dichotomie des Seins, exemplarisch vorgeführt am Charakter des Mythos.
Das Paradoxon Lovecraft: Rational war er ein Agnostiker, emotional ein Oneiromant, der die Realität von Träumen verwirklichte. Nun scheint Glauben nichts anderes zu bedeuten als Dinge, die allgemein für gut befunden werden, also im Grunde willkürlich gewählte Adjektive und Eigenschaften – es ist dennoch nicht Wissen. Und trifft dies nicht ebenso auf Lovecrafts wissenschaftlichen Agnostizismus zu? Die Postmoderne Kritik an Lovecraft geht an dem zugrunde liegenden Paradoxon vorbei, seine kritisierte Fremdenfeindlichkeit und alle anderen eigentümlichen Charaktereigenschaften sind diejenigen, die seinem Glauben entsprangen und als solche nicht ungewöhnlicher oder verwerflicher als die anderer Autoren, egal wie unangebracht sie dem heutigen Leser erscheinen.
Jedes Weltbild – jeder Glaube – entsteht durch die Geschichte, die ihm zugrunde liegt, und jede Geschichte ist auf die eine oder andere Weise von einem Antagonismus geprägt, der die (literarische) Schöpfung definiert: Hell/Dunkel, Außen/Innen, Leben/Anti-Leben, Gott/Anti-Gott. Im Glauben ist es immer das Andere, das Fremde, Unbekannte – der Schatten – der Schrecken und Furcht hervorruft – er ist eine Notwendigkeit, um den Widerspruch zwischen dem Glauben (dem Ideal) und der kognitiven Dissonanz der Welt an sich (der Wirklichkeit) zu erklären.
Für all jenes, das als gut befunden wird, wird automatisch etwas anderes als schlecht oder sogar böse definiert. Es ist somit die Kategorisierung, die willkürliche Wahl der Adjektive und Eigenschaften, die das Bild des Schreckens definiert. Erinnern wir uns hier daran, dass Lovecraft sehr oft von moderneren Kritikern sein von Adjektiven geprägter Stil bemängelt wird, so sehen wir, dass er tatsächlich in einer Art unbewusster Sprachmagie das Fremde/Böse heraufbeschwört.
Wir sehen hier eine Neuinterpretation des Außenseiters, mit einem unheimlichen Bezug zur Gnosis der Alten. Es ist nicht so sehr das Fremde, was uns bedroht, wir selbst sind Fremde in einem Fremden Land - das Universum, ungeschminkt, ist fremdartiger als alles was wir uns bis dato eingeredet haben. In Lovecrafts Werk steht die Gnosis immer am Ende der Erzählung, es ist dieser schmerzhaft empfundene Moment kognitiver Dissonanz und Zerstörung, der den Glauben ad absurdum führt, in dem die Maske fällt und die Wirklichkeit tatsächlich so wahrgenommen wird, wie sie ist – chaotisch und unberechenbar, zerstörerisch und vom Menschen nicht beherrschbar.
Die wahren Herrscher sind die blinden, idiotischen Archonten, die dies Universum als Kerker für unsere unsterblichen Seelen erbaut haben: Azathoth, Jaldabaoth, Saklas, Samael, der Blinde Gott, das Gift Gottes.
Kirby Thorsday

Donnerstag, 6. September 2012
Monomythos :: Der solare Mythos [2]
Fortsetzung des vorhergehenden Eintrages in dieser Reihe
Der Monomythos als solarer Mythos
5. Die Nacht: Löwe/SONNE: Die Sphäre der Wiedergeburt – der vom Ich befreite Held gewinnt sein Selbst. Das Überschreiten der Schwelle ist das Abstreifen der Weltlichen Haut, der Eintritt in den Weltschoß, die Stille des Göttlichen, das mit Schrecken verbunden ist. Der Held, der die Prüfung der Schwelle nicht besteht, wird verschlungen und muss im Hexenkessel sieden, bis er sich wieder zusammensetzt – ganz wird – und ausgespien wird.
6. Die Prüfungen: Jungfrau/MERKUR: Der Weg der Prüfungen ist der der Reinigung vom Selbst – wo die Sinne gereinigt und erniedrigt werden. Die infantile Bilderwelt wird aufgelöst, überwunden oder umgewandelt. Die Entdeckung und Annihilation des eigenen, ungekannten Selbst. Die Widerstände werden gebrochen, man beugt sich dem eigentlich Unerträglichen wieder und wieder, nur geleitet vom eigenen Licht.
7. Gericht & Lohn: Waage/VENUS: Das Wort des Gerichtes ist Akzeptanz. Der Göttin ohne Begierde zu begegnen, heißt sie zu gewinnen, denn sie kann nicht gezwungen werden. Das Leichte ist Illusion, real das Harte, das am Sein leicht wird. Alles Infantile bedeutet letztlich nur Verderben, wer dieser Begegnung nicht gewachsen ist, wird zerbrechen. Hier wird das Herz gewogen; nur Vertrauen löst den Drachenvater auf, dies ist nur dann möglich, wenn die Bindung ans Ich auch gelöst wird.
8. Weigerung zur Flucht: Skorpion/MARS: Das Gewonnene muss weitergegeben werden – dies ist das Elternschaftsmysterium. Ein Innehalten oder die Verweigerung zu lehren wäre Perversion, ein Regress, ein Rückschritt in die Verantwortungslosigkeit der Kindheit. In diesem Zusammenhang kann man auf den alten Mythos hinweisen, dass ein Skorpion sich eher selbst tötet als zurück zu weichen oder den Flammenkreis zu durchschreiten.
9. Flucht: Schütze/JUPITER: Diese Flucht ist auch eine Heimkehr, die Verteidigung des Gewonnenen. Hier erweist sich der geläuterte Held würdig der Ehrung. Gewitzt kann er die Verfolger ablenken, da diese noch ihr sterbliches Ich besitzen – es ist die Verfolgung des Überirdischen durch das Materielle, die Qlipoth, die nach dem hungern, was ihnen Existenz gibt und von denen sie sich früher sicher nähern konnten. Eine Hilfe kann erscheinen – dies ist das externalisierte Überirdische, oder auch die Personifikation des Lohnes. Die Welt aber ruft nach ihrem Erlöser.
10. Überschreiten der Schwelle: Steinbock/SATURN: Stellt die neuerliche Invertierung der Wertmaßstäbe dar. Die Gefahr der Profanisierung des Gefühles des Einsseins mit der Leere. Hier kann das Erhabene an der Schwelle zurückbleiben, weil es in der Realität keinen Platz zu haben scheint, oder die Erfahrung nicht ohne Beweis mitgebracht werden kann. Wenn die Transzendenz zurückbleibt, endet hier der Mythos. Wird sie weitergetragen, so treten wir in die Phase eines spirituellen-religiösen Mythos, denn...
11. Herr der zwei Welten: Wassermann/SATURN: Er weiß um alles Verborgene. Er hat das Geheimnis gelöst. Er offenbart sein Wissen um die Doppelnatur der Welt, die eins ist und...
12. Freiheit zum Leben: Fisch/JUPITER: ...steht als gefestigter (priesterlicher) Lehrer inmitten derer, die an ihn glauben werden.
Donnerstag, 10. Februar 2011
Kirby Thorsday / Bonus

Kirby Thorsday
Ein Detail aus "The Mighty Thor" No.132
Sonntag, 6. Februar 2011
Sunday Pin-up

Donnerstag, 27. Januar 2011
Kirby Thorsday
Sonntag, 23. Januar 2011
Sunday Pinup
Donnerstag, 20. Januar 2011
Kirby Thorsday
Sonntag, 16. Januar 2011
Sunday Pinup
Donnerstag, 13. Januar 2011
Kirby Thorsday

Sonntag, 5. Dezember 2010
Sunday Pinup
Mittwoch, 1. Dezember 2010
Schwerter
"Der Zwerg Dain hatte dem Högni das Schwert Dainsleif geschmiedet, welches wie Tyrfing nie gezogen werden konnte, ohne Iemand zu todten. Als Högni mit Hedin, dem Freier Hildrs, kämpfte und alle Leute desselben tödtete, weckte Hildr sie alle wieder auf und so kämpfen sie noch immer fort bis zum Weltende. Högni ist der Hagen unseres Nibelungenliedes, einäugig wie Odin und wahrscheinlich Odin selbst in dessen Bedeutung als Geber des Todes; wogegen in Hildr das göttliche Wesen der Hulda oder Frau Holle, der Mutter aller Geburt und Wiedergeburt, hervortritt. Der hier ausgedrückte Gegensatz erscheint in einem merkwürdigen Bilde vermittelt, das uns von Hartlieb im Buch aller verbotenen Kunst Cap. 88 in einer Pfälzer Handschrift erhalten und bei Grimm d. M., erste Auflage, im Anhang LXIV. mitgetheilt ist. Hier heißt es nämlich, man könne in dem blitzenden Glanze eines Schwertes die Geister von allen denen, die durch dasselbe Schwert umgekommen seyen, erkennen und ausfragen."


