Posts mit dem Label urban guerilla werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label urban guerilla werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 6. Oktober 2018

Zehn Kisten Pils in der Ranzbude


Lesenswert:

Warum Berlin viele Einwohner, aber kaum Bürger hat Eine gute Zusammenfassung für Probleme, die nicht nur in der Hauptstadt inzwischen vor der Tür stehen. Früher hatte man mir die ganze Sache mal anders erklärt, in den Zeiten von "beBerlin", mit mangelnder Indentifizierung oder dass man seine Stadt schlicht und einfach als kalt und herzlos empfindet. Die dysfunktionale Stadt betrifft uns alle, oder wo funktionieren die Dinge noch so, wie es sinnvoll wäre. Oder sinnstiftend? – Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/29474832 © 2018

Stirbt der Rock'n'Roll auf dem Kiez? "Verrückt und schlaflos musste man schon immer sein, um einen Club zu eröffnen. Aber es reicht nicht mehr, wie seinerzeit eine Anlage und zehn Kisten Pils in eine Ranzbude zu stellen und es Pudel Club oder Heinz Karmers zu nennen." Wie schade. Schon wieder einmal. - Quelle: https://www.abendblatt.de/kultur-live/article213525777 © 2018

Mittwoch, 1. Januar 2014

Tonight I do vodoo, what do you do?

Die ruhige und beschauliche Stadt an der Küste, Zollern am Meer, auch bekannt als WHV... heute Nacht sind wir über Dich gekommen und haben Dich erweckt. Merk auf! Die Lwa leben in Dir, die Götter anderer Welten schleichen leise an Deinen Grenzen...



Update 01.01.2014
Jetzt wo alle es gesehen haben, ersetze ich die fehlfarbigen Fotos mal durch ein markanteres Schwarz-Weiß. Achja, und auf die anderen Fragen: Ich kann damit leben. :-)

Samstag, 19. Oktober 2013

I do Voodoo, what do you do?

Der Geruch von Dunkelheit und fallendem Laub ist überall. Die Nacht kriecht auf leisen Sohlen immer näher, nur der Mond ist noch eine helle Laterne am sternenvollen Himmel. Sieh, wie sich die Wolken zusammenballen und eigenartige Gestalten am Firmament bilden. Die Sterne zwinkern, sie haben mir etwas mitzuteilen.

Also entzünde ich das Große Feuer und tanze vor den flackernden Flammen den Tanz der Anrufung. Rum und Zigarren, die Trommeln dröhnen. Sie kommen! Sie kommen!

...all dies schöne Sachen, die man an einem klammen Herbstabend machen kann, am besten am Sonnabend, dem Saturn geweiht, Shabbatai, Guedhe, Baron Saterdach...

Wir haben den Rum und was zu rauchen... wir haben die Musik, wir haben die Technologie... wir haben einen Ofen, in dem das Feuer prasselt. Wir haben die Vévés außerirdischer Geister, die wir schon lange nicht mehr besucht haben.

Ist dies die Revolte gegen die Moderne Welt? Oder der Urbane Guerilla in seiner Blöße? Klappe auf den billigen Rängen. Warum beten gehen, wenn Du mit den Göttern eine Party feiern kannst?

Inspiriert? Unter diesem Label veröffentliche ich in den nächsten tagen ein paar Scribbles der erwähnten Zeichen, für diejenigen, die auch gerne mal Nachts mal was ganz anderes machen wollen. Nicht Sex, Drugs und Rock'n'Roll, sondern Voodoo, Rum und Sun God (zum Beispiel)...

Freitag, 23. November 2007

Der Bundestrojaner :: Prolog

Wir leben in einer Welt sexueller Perversionen.
Jeder Blick in den Spiegel neue schuldige Geheimnisse, jeder Klick der Maustaste eine neue Offenbarung, wie tief wir sinken können.

Entschuldigung, wo waren wir?
Ach, eine kleine Verwirrung der Metaphern, wie es scheint.

Oder doch nicht?

Als die unbekannten Hackergötter des Ersten Kybernetischen Zeitalters die Sprache festlegten, mit der wir in der Welt, die kommen wird, ausschließlich kommunizieren werden, hatten sie bereits ein so inniges Verhältnis zu den Maschinen, mit denen sie zu verwachsen begannen, dass sie keinen Unterschied mehr machten zwischen ihrem eigenen Immunsystem und dem ihrer Maschinenkomponente. Sie begannen von ‚Infektionen’ zu träumen, von ‚Computerkrankheiten’ und ‚Viren’. Im Internet, so scheint es, droht den Hackergöttern das Äquivalent einer Geschlechtskrankheit.

Und mancher von ihnen verwandelte sein Maschinen-Ich in etwas Schreckliches. Die Büchse der Pandora wurde geöffnet, Würmer winden sich durch das Nichts, virtuelle Typhoid Marys husten ihren infektiösen Schleim über die Menüs träumender Computer, unerforschte Daten-Dschungeln gebären neue Krankheiten, die Knoten sind entzündet, abgeschlossene Züge voller Pestkranken donnern durch die Nacht der Datenhighways.

Die Medizin der Götter hat jedoch versagt. Die Antibitotika sind schwach, die Erreger werden resistent und verbünden sich mit den Kranken. Neue Karriereaussichten im Informationszeitalter: Jeder kann jetzt Patient Zero werden, einmal den ganzen Planeten infizieren mit seinem Wahnsinn.

Es dauert nicht lange, bis auch die Politik und Wirtschaft diese neuen Möglichkeiten entdecken.

Donnerstag, 19. April 2007

Das tut zu meinem Gedächtnis.

1800 Worte in der Vergangenheitsform: Das Manifest eines Amokläufers als pseudoreligiöses Traktat. Die Killer von Columbine: Matrix-Märtyrer. Die sakrilege Jesusneurose im Theater der Gewalt.

Cho Sueng Hui in Kampfweste, schwarzem T-Shirt, schwarzer Baseballmütze. Der Massenmörder. Mit monotoner Stimme: „Ihr habt mein Herz zerstört, meine Seele vergewaltigt, dachtet, es sei nur ein elendes kleines Leben eines Jungen, das ihr auslöscht. Jetzt sterbe ich wie Jesus, um Generationen von Unterdrückten zu inspirieren.“ – „Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird!“, das Echo aus der Vergangenheit. „Doch siehe, die Hand meines Verräters ist mit mir am Tisch. Denn der Menschensohn geht zwar dahin, wie es beschlossen ist; doch weh dem Menschen, durch den er verraten wird!“

Das Buch Cho kontrapositioniert dem Buch Jeremia: „Ihr hattet hundert Milliarden Chancen, das heute zu vermeiden. Aber ihr wolltet mein Blut vergießen, gabt mir nur diese Option. Es war eure Entscheidung. Jetzt habt ihr für immer Blut an den Händen.“ – „‚Nun aber komme über Babel der Frevel, der an mir begangen ist und an meinem Fleische’, spricht die Einwohnerin von Zion, ‚und mein Blut komme über die Bewohner von Chaldäa’, spricht Jerusalem.“

„Als die Zeit gekommen war, tat ich es. Ich musste es tun.“

Tetelestai?

In einer Zeit moralischer Verrohung und unkontrollierter Waffenabgabe könnte dies tatsächlich das Evangelium der Zukunft sein.

Freitag, 16. März 2007

Die Papierkiller



Papier... die deutsche Form der Nilstaude Papyros...
Buch... von Buche... Buchstaben sind Buchenstäbe, in die Zeichen geritzt wurden...
Alle diese Namen deuten daraufhin, dass Papier auch heute noch vor allem aus Zellulose besteht, eine faserartige Substanz mit der angenäherten chemischen Formel (C6H10O5)n - mit anderen Worten ein Polysacharid der Kohlenhydrate. Die häufigste organische Verbindung der Welt, aus der fast alle Zellwände von Pflanzen und Hölzern bestehen.
Die Hardcopy ist nichts anderes als ein Baum.

Und was macht man mit Bäumen?
NBIO: Die traditionelle Papierherstellung geht bei der Erzeugung der Papierpulpe von einem Kochen der Holzschnitzel in einer chemischen Lösung aus. Das schonende, biotechnologische Verfahren nützt Enzyme (Behandlung des Holzes durch einen Pilz), um das Lignin zu zersetzen und die Holzzellwände zu zerstören. Dabei lassen sich bei einer nachgeschalteten mechanischen Weiterverarbeitung ca. 30-40 % des Energiebedarfs einsparen; bei einem nachgeschalteten chemischen Prozess können 30 % mehr Lignin entfernt werden und eine nachgeschaltete Chlorbleiche kommt mit wesentlich geringeren Mengen aus.
Nun warnen die Freunde des Reetdaches (wohl zu Recht) vor diesen "Killerpilzen". Natürlich, niemand kann Pilze und ihre gigantischen Sporenmengen einsperren. Sie sitzen irgendwo da draussen, unsichtbare Myriaden und warten darauf, zu fressen... zu spalten... zu zerstören...

Ich bin wegen der Reetdächer nicht so sehr besorgt. Reet ist nur dünnes Holz. Was aber ist mit anderen Formen von Zellulose... noch dünnerem Holz... Papier?
Schon wird die Phantasie erhitzt von der Vorstellung semiotischer Terroristen, die im Schutze der Nacht Amphoren mit Killerpilzkulturen in den Staatsbibliotheken freisetzen.
Hundert Meter Kolonialakten, die sich in roten Staub verwandeln...
Zerfressene Kopien der Erstausgabe des Werther, deren zerfressene Seiten & Worte neue, erschreckende Sinnzusammenhänge offenbaren...

Meine Damen und Herren, ich fürchte den Tod der Typographie...

Donnerstag, 8. März 2007

Gefahren von morgen - heute

Wir haben das unentdeckte Land betreten.
Die Zukunft hat uns eingeholt, obwohl wir stehen geblieben sind.
Glücklicherweise haben sich jetzt schon schlauere Menschen als ihr da draußen Gedanken gemacht, wie man den Gefahren des nächsten Jahrtausends begegnen kann. Eine schöne Beschäftigung, die wir natürlich gleich nutzen wollen, um die Paranoia zu erhöhen.
Oder habt ihr etwa keine Angst vor einer existentiellen Bedrohung?
Oder einer kognitiven Gefahr?
Oder ungewöhnlicher Raumzeit?
Oder gar... einem Gruppengeist?

Montag, 5. März 2007

GIF Kino

Graffiti Research Lab: Drive-In GIF Theater: Ein wenig Blade Runner-Ästhetik, Retro-SF. Gewöhnlich kennt man Gif-Grafiken nur in Pixelgrösse, egal ob sie statisch sind oder einander abwechseln, so dass der Eindruck einer Animation erscheint. (Animierte Gifs gelten seit jeher als Stolpersteine für Browser und Webdesigner.) Animationen werden heutzutage in eleganteren Formaten in besserer Auflösung angelegt, bei denen die Bewegungen auch ungleich flüssiger wirken. Doch wie abgefahren wirkt es, wenn man diese eigentlich veraltete Technik in ein ungewohntes Format bringt? Während eines Filmfestivals (Low.Res.) in Rotterdam wurden über über 60 Gif-Animationen in Kleinstformat auf einer Häuserwand gezeigt. Jedes Pixel so groß wie ein Fenster. Die Dokumentation ergibt einen Film von eigenartiger Retro-SF-Ästhetik. Die Backgrounds in Blade Runner sahen auch nicht anders aus. Einfach mal anschauen.

Freitag, 9. Februar 2007

Big in Japan

CORRUPT: Big in Japan: "Since the rise of modern civilization, local communities have become fewer in number as more and more people have moved to big cities; meanwhile, the people living in smaller places reproduced above replacement level, thus, expanding their communities in terms of population, the economy, and politics. This radical change in lifestyle has meant a lot of different things, especially for the people moving from agricultural farmlands to an urban lifestyle in the big city. In this article we focus on the individual and how he is affected by a life of anonymity."

(Und - ja, in diesem Artikel wird tatsächlich der alte Alphaville-Song zitiert...)

Dienstag, 6. Februar 2007

Sign "O" the Times

Manche nennen es ein kulturelles Desaster, andere ein Zeichen der Zeit - die älteste noch erscheinende Zeitung der Welt hat es aufgegeben, auf steinzeitlichen Medien wie Papier zu erscheinen und existiert nur noch im virtuellen Raum.

Post- och Inrikes Tidningar, das offizielle staatliche schwedische Amtsblatt, wurde im Jahr 1645 unter Königin Christina begründet und erscheint seit dem 1. Januar 2007 nur noch im Internet. Lediglich für den Gebrauch an den Universitätsbibliotheken werden noch drei gedruckte Ausgaben hergestellt.

Heißt dies, dass die avantgardistischen Schweden dem Rest der Welt wiederum voraus sind? Durchaus. Innerhalb der nächsten Jahre werden auch andere Druckerzeugnisse, die reinen Nutz- aber keinen ästhetischen Wert haben, den gleichen Schritt vollziehen. Dies betrifft nicht nur staatliche, sondern auch industrielle "graue" Literatur. Eine detaillierte Dokumentation wird dadurch natürlich erschwert. Und für Hacker bietet sich ein ganz neues Feld an. Schon mal daran gedacht, was für lustige Dinge passieren, wenn man ein Online-Handbuch für Maschinen oder Programme modifiziert?

All die Möglichkeiten lassen mich schwindelig werden.

Dienstag, 23. Januar 2007

Schatten der Auto-Kultur

INVISIBLE TRAJECTORIES: The Other Side of Mobility: “Walking,” says writer Rebecca Solnit, “is only the beginning of citizenship, but through it the citizen knows his or her city and fellow citizens and truly inhabits the city rather than a small privatized part thereof.” On foot, distances between places are felt in the body. Physical exertion is measured in miles. “Walking the streets is what links up reading the map with living one’s life,” Solnit writes, “the personal microcosm with the public macrocosm; it makes sense of the maze all around.”

Freitag, 5. Januar 2007

Social War :: Kindergarten Kram

Kleine dicke Kinder, die nur zu Hause herumhängen und auch sonst sozial verarmen, will niemand sehen. Also müht sich Mann und Frau, Kindergartenplätze zu ergattern, weil das ja so wichtig für die frühkindliche Entwicklung ist, wenn kleine dicke Kinder mit anderen kleinen dicken Kindern abhängen, während die Kindergärtnerinnen, Entschuldigung Erzieherinnen, in der Ecke abhängen, Kaffee schlürfen und über O.C. und andere wichtige Dinge, wie ein neues Brustwarzenpiercing diskutieren. Das alles tut der Staat uns Gutes – aber weiss der Staat, was man uns Gutes tut? Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen.

Gerade eben kam meine Frau wutschnaubend nach Hause. [Intersubjektiver Kommengar in eckigen Klammern.]

Wir waren nicht so glücklich, dass unser Jüngster jedesmal, wenn er vollgepappt mit Kindergartenessen (meistens Sphaghetti mit Tomatensoße, die Hälfte hinter dem Ohr, der Rest im Pullover) nach Hause kam, nichts anderes im Kopf hat, als sich noch einmal den Magen vollzuschlagen, wenn unser Mittagessen auf den Tisch kommt. Natürlich, seine Schwester kommt später aus der Schule als er, es gibt also keine Möglichkeit, das vor ihm zu verbergen. Und es grenzt an seelische Grausamkeit, ihm einen vorzuschmatzen.

Wenn wir also sowieso kochen, warum sollte er dann im Kindergarten essen?

Weil – so sagt die eisige Erzieherin – man ihm das nicht zumuten kann, zuzusehen, wie die anderen Kinder essen, und er nicht. [Ja, aber zuhause geht das dann schon, häh? @$%?&#*!]

Wie wäre es dann, die Zeit zu kürzen, so daß er schon vor dem Mittagessen zu Hause wäre?, fragte die beste Ehefrau von allen.

„Ja, nee, also das können Sie gleich vergessen. Nur Vollzeitbetreuung sichert Arbeitsplätze.“ [?? Ist das mein Problem? Ist das der Sinn der Sache?]

„Bitte was?“ [@$%?&#*!]

„Ausserdem, was wollen Sie denn? Seien Sie doch froh, dass sie als Arbeitslose überhaupt einen Platz hier haben. Sie zahlen doch sowieso nur den Minimalsatz.“ [Yeah, bitch. Und für den Rest kommt das Sozialgefüge auf, es ist ein staatlicher Kindergarten, da gehen die Bonzenkinder eh nicht hin!]

„Der Junge kann aber nicht zweimal hintereinander essen. Niemand will kleine dicke Kinder, die nur zu Hause herumhängen und auch sonst sozial verarmen.“

„Tja, er kann ja gerne hier bleiben und nicht Mittagessen.“

„Na, das klingt doch…“

„…Sie müssten das aber natürlich trotzdem bezahlen.“ [Watt???]

„Noch mal zum Mitschreiben: Ich bezahle für meinen Sohn einen Vollzeitplatz mit Mittagessen, wobei das Mittagessen 2/3 des Preises ausmacht, und Sie garantieren mir, dass man das Essen, das man jeden Mittag für ihn kocht, gleich in die Tonne schmeisst.“

„Na, das ist doch kein Problem für Sie, oder?“ [Hier an diesem Punkt bricht die Erzählung meiner Frau ab, derweil ihr kleine Dampfwölkchen aus den Ohren kommen. Der Argumentation kann ich nur mit Mühe folgen: Anscheinend hängt es davon ab, ob unser Sohn im Kindergarten Mittag isst, ob diese ruhmreiche Einrichtung weiterexistieren kann. @$%?&#*!]

Still für mich übersetze ich den Dialog:

Meine Frau: „Wir würden gerne die frühkindliche Entwicklung unseres Sohnes optimieren.“

Erzieherin: „Was willst Du denn, Du Asi?“

(Wie gesagt: Das alles tut der Staat uns Gutes – aber weiss der Staat, was man uns Gutes tut? Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen.)

BURN, MOTHER, BURN!



[Update: Der Staat weiss es nicht, und er findet es nicht witzig. Aber er kann da wenig gegen tun.]

Mittwoch, 22. November 2006

Urban Guerilla :: Erkennen eines Paradoxons

Zweite Etappe

In Tanelorn treffen wir auf die Mystische Stadt des Friedens, die auf dem Balancepunkt der grossen Waagschalen von Chaos und Ordnung ruht, gleichweit von jedem Extrem entfernt, Mittelpunkt der Millionen Sphären der Existenz. Dies ist das irdische Paradies das die Renaissance in dem Bild des Neuen Jerusalems ("Heiliger Friede") auszudrücken versuchte - ein wohlgeordneter Mikrokosmos, gleichweit entfernt von der perfekten Ordnung des Bauplanes und dem Chaos der Natur. Bereits vor dem Kommen der ersten Propheten und Patriarchen herrscht hier ein König der Gerechtigkeit - Melchisedek oder ähnlich genannt - im Namen des Höchsten Gottes, der namenlos und ohne heilige Schrift über dem Balancepunkt der grossen Waagschalen von Chaos und Ordnung ruht.

ein Ausschnitt
DAS KOSMISCHE TANELORN

Tanelorn lag vor ihnen.

Es war eine blaue Stadt, die eine starke blaue Aura umgab und sich mit der Weite des blauen Himmels mischte. Ihre Häuser waren von den verschiedensten Blautönen, so daß sie beinahe vielfarbig wirkten. Die hohen spitzen Türme und die gewaltigen Kuppeln schmiegten sich aneinander und hoben sich in phantasievollen Spiralen und Bogen gen Himmel, stolz auf ihre blaue Pracht, die von Tiefdunkelblau bis Hellviolett in ihren metallenen Formen glänzte.

„Das kann keine Stadt der Sterblichen sein“, flüsterte Corum, als er mit Jhary aus dem hohen Gras heraustrat. Fröstelnd wickelte er den scharlachroten Mantel fester um sich. Er fühlte sich so klein und unbedeutend, wenn er die herrliche Stadt betrachtete. [...]

„Ich fürchte, ich kann Euch nicht folgen. Ihr spracht von Frieden. Nun, dieses Tanelorn hier ist friedlich. Ihr sagtet, es gäbe viele Tanelorns, und sie existierten schon vor Anbeginn der Zeit und würden noch sein, wenn es keine Zeit mehr gibt. Wenn dieses Tanelorn nun fremdartiger ist, als jene, die Ihr kennt, was hat das schon zu sagen?“

Jhary holte tief Luft. „Ich glaube, ich beginne ein wenig zu verstehen. Wenn Tanelorn an dem einzigen Ort des Multiversums steht, der nicht dem ständigen Wechsel unterworfen ist, dann dient es vielleicht einem anderen Zweck, als nur der Erholung müder Helden und ähnlichem –“

„Ihr meint, uns drohe dort Gefahr?“

„Gefahr? Es hängt davon ab, was Ihr als gefährlich betrachtet. Manches Wissen mag für den einen gefährlich sein, für den anderen nicht. In der Sicherheit kann Gefahr liegen, wie wir selbst erfahren haben, und Sicherheit in der Gefahr. Wir kommen der Sicherheit nirgends näher, als im Erkennen eines Paradoxons und deshalb – ich hätte es schon eher in Betracht ziehen müssen – muß auch Tanelorn ein Paradoxon sein. Laßt uns in diese Stadt gehen, Corum, und herausfinden, warum wir hierhergeführt wurden.“

Michael Moorcock, Das Ende der Götter

Freitag, 17. November 2006

Urban Guerilla :: Fluchtpunkt Tanelorn

Dies ist real: das Weichbild der Städte ist die ungeschützte Unterseite unserer Zivilisation. Und egal, wie sehr es die Städteplaner hoffen und erbitten, Stadt und Mensch bleiben amorph, sich wandelnd, chaotisch im Herzen, voller Schall und Wut - und bedeuten gar nichts.

Höchste Zeit, der Realität den Rücken zu kehren und zu einem Reiseführer für Orte zu greifen, die rein imaginär sind. Als Konstrukte einer Idee gibt es in ihnen kaum Widersprüche, sie eignen hervorragend als ein Symbol.

Erste Etappe

Das Ewige Tanelorn, von dem uns in den Chroniken der Zeitnomaden und des Schwarzen Schwertes berichtet wird, die Stadt der myriadenfachen Inkarnationen. Dieser Ort existiert in allen Dimensionen des Multiversums, aber er kann nicht leicht erreicht werden. Die Suche nach dieser Stadt ist immer auch die Suche nach einem spirituellen Ziel.

ein Ausschnitt
DAS EWIGE TANELORN

Tanelorn hatte im Laufe seiner endlosen Existenz vielerlei Gestalt getragen, doch alle diese Gestalten waren bis auf eine schön gewesen.

Auch jetzt bot es sich dem Blick wunderschön dar, das weiche Sonnenlicht auf den pastellfarbenen Türmen und den gekrümmten Spitzdächern und Kuppeln. Banner wehten an den Fahnenstangen, doch es waren keine Schlachtenbanner, denn die Krieger, die in Tanelorn eine neue Heimat gefunden hatten, waren des Kämpfens müde.

Die Stadt war schon immer hier gewesen. Niemand wußte, wann Tanelorn gebaut worden war, wenn auch einige wußten, daß es vor aller Zeit bestanden hatte und auch nach dem Ende der Zeit bestehen würde - und das war auch der Grund, warum die Stadt das Ewige Tanelorn genannt wurde.

Sie hatte in den Kämpfen vieler Helden und Götter eine wichtige Rolle gespielt, und weil sie außerhalb der Zeit bestand, war sie bei den Lords des Chaos verhaßt, die sie mehr als einmal hatten vernichten wollen. [...]

In Tanelorn gab es keine Anführer und keine Gefolgsleute, die Bürger lebten in Harmonie miteinander, auch wenn viele von ihnen große Krieger gewesen waren, ehe sie sich zu ihrem Leben hier entschlossen.

Michael Moorcock, Der Verzauberte Turm

Urban Guerilla :: Die Morphologie der Angst

Die Morphologie der Stadt entspricht ganz unromantisch der Morphologie des Menschen. Dies nicht nur, weil Morphologie immer eine Wissenschaft der Form ist, der Entstehung der Form und der Stabilität der Form. Sondern auch, weil die Morphologie der Stadt immer auch die Morphologie eines Menschen ist, die Morphologie der Angst. Man kann noch den Affen in ihr erkennen, oder den protourbanen Atavismus, das Grunzen und Stinken der Steinzeit.

Er verrät sich an seinen schmutzigen Händen, woher er gekommen ist und wo er hingehen will, dieser seltsame Affe, der sich in einem Netz aus Strassen und Wänden zu verstecken sucht. Die Morphologie unserer Städte ist die Morphologie menschlichen Strebens und Hoffens - kühne Träume, bange Ängste, verborgen hinter bröckelnden Ziegeln und kaltem Beton.

Dies ist real: das Weichbild der Städte ist die ungeschützte Unterseite unserer Zivilisation. Und egal, wie sehr es die Städteplaner hoffen und erbitten, Stadt und Mensch bleiben amorph, sich wandelnd, chaotisch im Herzen, voller Schall und Wut - und bedeuten gar nichts.

Höchste Zeit, der Realität den Rücken zu kehren und zu einem Reiseführer für Orte zu greifen, die rein imaginär sind. Als Konstrukte einer Idee gibt es in ihnen kaum Widersprüche, sie eignen hervorragend als ein Symbol.