(sag 'Æon'...)
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Dienstag, 28. Oktober 2025
Freitag, 18. Oktober 2019
Die Wiederkehr der Wiedergänger [3]
Aus einem unveröffentlichten Essay, das zu neuem Leben erweckt wurde...
Der Zombie in seiner ursprünglichen Form ist ein Kind Haïtis
und der Louisiana-Sümpfe, der
französischen Kolonialzeit, in dem der liberal-orthodoxe Katholizismus eine explosive
Verbindung mit verschiedenen afrikanischen Glauben einging. Er ist auch ein
Kind der Geschichte der Versklavung und des Strebens nach Freiheit, die mit dem
Sklavenaufstand von 1791 einen glorreichen Höhepunkt erreichte und Haïti als
erste unabhängige Republik von Farbigen etablierte.
Der Zombie in diesem Umfeld
ist nichts anderes als ein Mensch, der nach seinem Verscheiden von einem bösen
Zauberer oder Bocor als untoter Wiedergänger zu seinem Dienst gezwungen wurde –
die Wiederauferstehung als ultimative Schurkerei – dies ist kein Voodooist,
sondern jemand, der sich die Macht Gottes anmaßt, wenn schon nicht
satanistisch, so zumindest satanisch.
Der größte Schrecken für die Sklaven und Kinder von Sklaven
– auch nach dem Tode ein Sklave zu sein; keine Erlösung im christlichen Jenseits,
keine Errettung von den Ketten des Daseins, und dem Dasein in Ketten. In dem
ersten Kinofilm zu diesem Thema, „White
Zombie“ (1932), wird dies quasi-authentisch dargestellt, wo der bösartige
kreolische Hexer Murder Legendre, gespielt vom unsterblichen Bela Lugosi die
von ihm erschaffenen Untoten als Sklaven in seiner Zuckerrohrmühle arbeiten
lässt. populärer gemacht durch „Weird Tales“ und andere Pulpmagazine der 30er
und 40er, und ihre Verwandten, die Comic Books der 40er und 50er – in den
Horror Magazinen des EC Verlages so sehr beliebt, dass man in einen der
Paragraphen der Comics Code Authority genannten Selbstzensursvereines, der von
den anderen Verlägen extra so formuliert wurde, um EC auszuschalten, u.a. auch
das Wort Zombie verboten wurde.
In den alten EC Comics tauchten die wandelnden Toten
oft getrieben von dem Streben nach Vergeltung – die sprichwörtliche Rache aus
dem Grabe – und dies ist gut so.
Was wollen die Zombies der modernen Zeit rächen?
Freitag, 11. Oktober 2019
Die Wiederkehr der Wiedergänger [2]
Aus einem unveröffentlichten Essay, das zu neuem Leben erweckt wurde...
In der populären Vorstellung ist der Zombie ein Untoter, der aus dem Grabe wiederaufersteht und von einem unstillbaren Hunger nach Menschenfleisch angetrieben wird.
Im Volksglauben und den Sagas von Mittel- und Nordeuropa tauchen diese Figuren als Wiedergänger, Gonger, Draugr auf. Es sind die unruhigen Toten, die ihre Sünden büssen oder nach Vergeltung streben müssen. Der Draugr lebte unter seinem Grabhügel weiter – untot im Sinne des Wortes – und man konnte ihn nur besiegen, wenn man ihn enthauptet und verbrennt. Ein dumpfer Ton, tief unter der Erde - da ist der Zombie, wie man ihn heutzutage kennt, ein fernes Echo davon.
Der Draugr wurde ansehnlich beschrieben von Poul Anderson in seiner Kurzgeschichte „The Tale of Hauk“ (1977), in der sich ein Wikinger gegen seinen untoten Vater wehren muss, der den ruhmlosen Strohtod gestorben war und aus seinem Grabhügel zurückkehrt. Das Bild des Kopflosen Reiters, die weltweit durch Washington Irvings Erzählung ‚The Legend of Sleepy Hollow’ (1820) popularisiert wurden, entstammen ursprünglich übrigens u.a. dem Rheinland. Der Zombie, so merkt man, kommt wohl aus Haïti, aber seine Vorgänger durchaus auch aus Mittel- und Nordeuropa.
Andererseits, die Furcht vor den unruhigen Toten ist vielleicht so alt wie die Menschheit, wenn nicht sogar älter.
Freitag, 4. Oktober 2019
Die Wiederkehr der Wiedergänger [1]
Aus einem unveröffentlichten Essay, das zu neuem Leben erweckt wurde...
Zombie. Zombi. Zonbi. Zumbi. Zouvembie. Die Namen sind
viele, aber das Gesicht dahinter ist immer das gleiche – stöhnend,
zähneknirschend, jeder Zug der Individualität ausgelöscht hinter einer Maske
aus geronnenem Blut und Fäulnis. Zombies sind alle gleich, egal ob sie wandeln,
schlurfen oder sich in Windeseile viral verbreiten. (Dies ist wahr: Der Gedanke
an den Zombie ist viel ansteckender als er selbst. Jeder kann jederzeit
gebissen werden, und den kranken Traum von der Zombie-Apokalypse weitertragen.)
Der Wandelnde Tote hat längst die Massenkultur und die Kulturindustrie
infiziert, er ist eine Ware, er folgt den Gesetzen des Marktes. Die Nachfrage
ist noch nicht gesunken – Zombies gehen immer.
Der Zombie ist Pop, Pop ist ein Zombie.
Das war nicht immer so. Die Gestalt des Wiedergängers,
des Wandelnden Toten, in Form eines unwirkliches Gespenstes oder eines allzu
wirklichen Leichnams, ist so alt wie die Menschheit, besonders populär ist er
aber erst in den letzten Jahrzehnten geworden und hat inzwischen vielleicht
sogar seinen etwas zivilisierteren Cousin, dem Vampir, von seinem Platz
verdrängt. (Und auch dieser ist ein Wiedergänger – die Art und Weise, einen
Vampir zu pfählen rührt von Praxis her, wie man einen Leichnam im Grab
fixierte, damit er nicht zurückkehren konnte. Wenn man ganz sicher gehen
wollte, konnte man sie auch noch enthaupten, auch dies ein Aspekt, der gerne
wiederholt wurde.
Auch dies ist Pop: die scheinbare Vielfalt an Waren, die im
Grunde nur Variationen desselben Themas sind.)
Jede Generation, so heißt es in einem alten Song, hat
ihre eigene Krankheit. Das ist wohl so. Und jede Generation hat ihren eigenen
Schrecken, ihre eigene Furcht, ihren Terror und Horror. Man könnte auch sagen,
jede Generation bekommt den Zombie, den sie verdient.
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