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Donnerstag, 22. Juni 2017

3rd Mind :: Cuttin' up 220s

Man kann halten davon, was man will: der fromme Kabbalist, der über den ersten Buchstaben der Genesis meditiert und alle möglichen Permutationen der zufälligen Anordnung der Lettern des Heiligen Buches scannt, ist bereits ein Cut-up. Jeder Buchstabe ist heilig: macht keinen Unterschied zwischen dem einen und einem anderen.

Aber wenn jeder Buchstabe heilig ist, ist auch jede Kombination dieser Buchstaben heilig und voller Bedeutung. Die Heilige Kabbala, die der erste Adam am Flammenschwert lernte, die Sprache des Paradieses, die Henoch noch sprach und die ihn hoch in die Himmel erhob. Eine Flugscheibe, betrieben von orgasmischer Inspiration.

Dies ist Temurah, Cut-up in dem Glauben, mit dieser Methode das esoterische Substrat und die tiefere spirituelle Bedeutung der Worte ableiten zu können. Das Wort war bei Gott, inzwischen hat es uns alle infiziert: ein Virus aus dem Weltall. Und wie alle Viren enthält es das Programm zur Vermehrung und Ausbreitung, besitzt aber keine eigenständige Replikation. Es ist auf den Stoffwechsel seines Wirtes angewiesen – das menschliche Unterbewusstsein – um seine Erbinformationen zu vervielfältigen. Cut-up ist die Technologie des Virus; der Remix die Methode, nach der sich das Wort schon immer vervielfältigt hat.

Jeder Text, auch der zufällig entstandene, ist nur ein Teil der Gesamtheit von Texten; ein Narbengewebe von Zitaten aus unzähligen Stätten der Kultur. Die Erkenntnis, dass man auch nur eine Teilgeschichte der menschlichen Geschichte ist: „Es ist falsch, zu sagen: Ich denke. Es müsste heißen: Man denkt mich.“ - Rimbaud an Georges Izambard. Nicht der Autor, sondern der Leser ist der Sinnstifter, automatisch die Schnittwunden ignorierend.
In die Zukunft linsend.

Dienstag, 20. Juni 2017

3rd Mind :: Cuttin' 220s

Marx sagt, die Welt verändern. Rimbaud sagt, das Leben verändern.“ Wer hat recht? Breton betont des Weiteren, dass man mit dem Cadavre exquis über ein unfehlbares Mittel verfüge, das kritische Denken auszuschalten und der metaphorischen Fähigkeit des Geistes freie Bahn zu verschaffen.

Der Cut-up, die Schnitttechnik, die von William S. Burroughs und Brion Gysin, den Magiern der Beatgeneration, entwickelt wurde, hat die Technologie und Möglichkeiten des Remixes und der Collage in die Literatur gebracht. Aus dem zerschnittenen und wieder zusammengefügten Text entsteht ein neuer, der einen geheimnisvoll verschlüsselten Sinn zu haben scheint. Es ist eine Form der Erzählung, die nicht nur neue Sinnzusammenhänge nahe legt, sondern auch geeignet scheint alogische Vorgänge wiederzugeben und Synchronizitäten zu erzeugen.

„Jede erzählende Passage oder jede Passage, sagen wir, poetischer Bilder kann beliebig oft variiert werden, und alle Variationen können in sich interessant und gültig sein. Eine zerschnittene und neu arrangierte Seite von Rimbaud wird einem gewissermaßen neue Bilder liefern - wirkliche Rimbaud-Bilder - aber neue...“ Das Cut-up erschafft seine eigenen Kreaturen, aus Einzelteilen zusammengesetzt, die Schnitte grob vernäht – der exquisite Kadaver unseres Erzählspieles.

Aber der Leser beginnt automatisch die Schnitte/Schnittstellen zu ignorieren, wie bei einem mehrspaltigen Text, wo die horizontale Bewegung immer unbewusst über den Spaltenrand hinweggeht, aus der Gegenwart des Lesemomentes in die Zukunft des Textes linsend. Er stellt neue Verbindungen zwischen den einzelnen Bildern her, so dass sich sein Vorstellungsvermögen erweitert, transformiert wird, jenseits der Grube der Vernunft...

Dienstag, 28. Januar 2014

Wie werden wir weird?

Es ist keine deutliche Demarkationslinie, die die Subgenres der Spekulativen Fiktion von einander trennt. Kein Nord und Süd, kein Ost und West, kein Unten und Oben. Es gibt keine Mauern, die nicht bereits eingerissen wurden oder von der zeit zu einem Haufen Kies zerrieben wurden. Heutzutage geht man nicht mehr unbedingt von thematischen Unterschieden aus - "Berge des Wahnsinns" von H.P. Lovecraft ist im Grunde Science Fiction, wird aber wegen seiner beunruhigenden Untertöne eher der Horrorliteratur zugeordnet, H.G. Wells "Krieg der Welten" mit einer ähnlichen Thematik jedoch nicht, könnte aber ohne Probleme als noch grauenerregendere Vision umgeschrieben werden, als es eh schon ist.

Die Thematik oder Sujet ist hier wohl Nebensache, wie in der Quantenphysik sind es eher Betonung, Spin und Farbe, die dienen können, ein Subgenre zu identifizieren. Es ist der gothic touch, der eine Thematik gleich welcher Art in etwas schauerliches, schwarz romantisches oder erschreckendes verwandelt. Im englischsprachigen Raum wird eine jede Art von Erzählung, die diesen Kriterien genügt, gerne nach dem legendären Magazin Weird Tales als Weird Fiction verortet.

"Where is your will to be weird?" (Jim Morrison)

Eine gute Frage, vor allem wenn wir die Frage des Freien Willens - ob nun eines Autoren oder der von ihm erschaffenen Gestalten, miteinbeziehen wollen. "Weird" ist heutzutage jeder, der eine eigenartige, besondere Auffassung, Stylistik oder Haartracht pflegt. Als adjektivische Bedeutung dieses ursprünglich als Substantiv definierten Wortes wird meist irgendeine Variante von "seltsam aussehend, unheimlich, sonderbar, eigenartig" geführt. Wenn es Dein Wille ist, kann also jeder Mann weird sein. Oder werden.

Es ist allerdings eine moderne Idee, also eine falsche Idee, dies Wort adjektivisch zu verstehen, oder auch nur in dem Sinne, in dem er hier geführt wird. Oder mal wieder als ein Fall, in der die Moderne die Worte des Barden missinterpretiert. Ein schneller Blick in das etymologische Wörterbuch offenbart die erste aufgezeichnete Verwendung von "weird" im heutigen Sinne als 1815, und der Barde, dessen Worte missverstanden wurden, William Shakespeare und zwar in seinem herrlich düsteren und unheimlichen "Macbeth" (1. Akt, 4. Auftritt) Hier treten eindrucksvoll die drei Hexen erneut auf, die Aufstieg, Schuld und Untergang des schottischen Thronräubers lenken - drei Hexen, drei "weird sisters". Es wird sicherlich mehr Aufführungen als andere geben, in denen diese Damen seltsam aussehend, unheimlich, sonderbar oder eigenartig dargestellt werden. Obwohl, drei Topmodells in Topkinis wären ja auch mal nett...

In der Übersetzung von Friedrich Schiller jedoch heißt es:
"Die Schicksalsschwestern, Hand in Hand,
Schwärmen über See und Land,
Drehen so im Kreise sich,
Dreimal für dich
Und dreimal für mich,
Noch dreimal, daß es Neune macht,
Halt! Der Zauber ist vollbracht!"

Donnerstag, 6. September 2012

Monomythos :: Der solare Mythos [2]


Fortsetzung des vorhergehenden Eintrages in dieser Reihe

Der Monomythos als solarer Mythos


5. Die Nacht: Löwe/SONNE: Die Sphäre der Wiedergeburt – der vom Ich befreite Held gewinnt sein Selbst. Das Überschreiten der Schwelle ist das Abstreifen der Weltlichen Haut, der Eintritt in den Weltschoß, die Stille des Göttlichen, das mit Schrecken verbunden ist. Der Held, der die Prüfung der Schwelle nicht besteht, wird verschlungen und muss im Hexenkessel sieden, bis er sich wieder zusammensetzt – ganz wird – und ausgespien wird.

6. Die Prüfungen: Jungfrau/MERKUR: Der Weg der Prüfungen ist der der Reinigung vom Selbst – wo die Sinne gereinigt und erniedrigt werden. Die infantile Bilderwelt wird aufgelöst, überwunden oder umgewandelt. Die Entdeckung und Annihilation des eigenen, ungekannten Selbst. Die Widerstände werden gebrochen, man beugt sich dem eigentlich Unerträglichen wieder und wieder, nur geleitet vom eigenen Licht.

7. Gericht & Lohn: Waage/VENUS: Das Wort des Gerichtes ist Akzeptanz. Der Göttin ohne Begierde zu begegnen, heißt sie zu gewinnen, denn sie kann nicht gezwungen werden. Das Leichte ist Illusion, real das Harte, das am Sein leicht wird. Alles Infantile bedeutet letztlich nur Verderben, wer dieser Begegnung nicht gewachsen ist, wird zerbrechen. Hier wird das Herz gewogen; nur Vertrauen löst den Drachenvater auf, dies ist nur dann möglich, wenn die Bindung ans Ich auch gelöst wird.

8. Weigerung zur Flucht: Skorpion/MARS: Das Gewonnene muss weitergegeben werden – dies ist das Elternschaftsmysterium. Ein Innehalten oder die Verweigerung zu lehren wäre Perversion, ein Regress, ein Rückschritt in die Verantwortungslosigkeit der Kindheit. In diesem Zusammenhang kann man auf den alten Mythos hinweisen, dass ein Skorpion sich eher selbst tötet als zurück zu weichen oder den Flammenkreis zu durchschreiten.

9. Flucht: Schütze/JUPITER: Diese Flucht ist auch eine Heimkehr, die Verteidigung des Gewonnenen. Hier erweist sich der geläuterte Held würdig der Ehrung. Gewitzt kann er die Verfolger ablenken, da diese noch ihr sterbliches Ich besitzen – es ist die Verfolgung des Überirdischen durch das Materielle, die Qlipoth, die nach dem hungern, was ihnen Existenz gibt und von denen sie sich früher sicher nähern konnten. Eine Hilfe kann erscheinen – dies ist das externalisierte Überirdische, oder auch die Personifikation des Lohnes. Die Welt aber ruft nach ihrem Erlöser.

10. Überschreiten der Schwelle: Steinbock/SATURN: Stellt die neuerliche Invertierung der Wertmaßstäbe dar. Die Gefahr der Profanisierung des Gefühles des Einsseins mit der Leere. Hier kann das Erhabene an der Schwelle zurückbleiben, weil es in der Realität keinen Platz zu haben scheint, oder die Erfahrung nicht ohne Beweis mitgebracht werden kann. Wenn die Transzendenz zurückbleibt, endet hier der Mythos. Wird sie weitergetragen, so treten wir in die Phase eines spirituellen-religiösen Mythos, denn...

11. Herr der zwei Welten: Wassermann/SATURN: Er weiß um alles Verborgene. Er hat das Geheimnis gelöst. Er offenbart sein Wissen um die Doppelnatur der Welt, die eins ist und...

12. Freiheit zum Leben: Fisch/JUPITER: ...steht als gefestigter (priesterlicher) Lehrer inmitten derer, die an ihn glauben werden.

Mittwoch, 5. September 2012

Monomythos :: Der solare Mythos [1]


Das im vorhergehenden Eintrag in dieser losen Reihe vorgestellte Modell des Monomythos - der Reise des Helden - hat seine Stärken, jedoch auch seine Schwächen, die dort hervortreten, wo einzelne der Situationen zusammengefasst oder fortgelassen werden, um zu einer griffigeren Zahl zu kommen. Dennoch hat diese Vorgehensweise seine Berechtigung. Im Folgenden wird in einem unveröffentlichten Essay von 2003/4 versucht, 12 Stationen des Monomythos mit dem solaren Mythos oder der Reise der Sonne (des Ego) durch die 12 Tierkreiszeichen in Zusammenhang zu setzen. Ein erster Entwurf für die bisher unveröffentlichten (und unvollendeten 'Tarotromane'.


Der Monomythos als solarer Mythos


STATION und PSYCHE
Vorgeschichte --
Berufung : Widder
Weigerung : Stier
Hilfe von aussen : Zwilling
Überschreiten der Schwelle : Krebs
Die Nacht : Löwe
Die Prüfungen : Jungfrau
(Treffen mit der Göttin
Versuchung
Versöhnung mit dem Vater
Apotheose)
Die höchste Belohnung : Waage
Weigerung zur Flucht : Skorpion
Flucht : Schütze
(Rettung von aussen)
Überschreiten der Schwelle : Steinbock
Herr der zwei Welten : Wassermann
Freiheit zum Leben : Fisch

Diese kleine Anordnung korreliert mit den Theorien von Campbell’s Heros mit den 1000 Gestalten. Die Stationen des Helden entsprechen eher psychologischen Punkten, d.h. der Wirkung und der Leistung des solaren Egos, anstelle der Situation, in der er sich befindet. In der Nacht muß die Sonne am stärksten strahlen, um siegreich aus den initiatorischen Nebeln aufzutauchen.

Psychische Erläuterung der Stationen


1. Berufung: Widder/MARS: Die Berufung ist verbunden mit Symbolen des (verhüllten) Weltnabels – das Erwachen des Selbst, die Vorankündigung des notwendigen prozesses, das Erwachen/Erwachsen. Es ist die Berufung zum Leben, zum Tode, zur Geschichte. Mächte, die außerhalb stehen (scheinbar) verwickeln den Helden in die größere Geschichte. Diese verkleideten fremden Mächte sind auch mit dem Verschmähten, dem Schatten verbunden. Der Unbekannte, verhüllte, Bote, Psychopomp, der den jungen Prinzen hinweg ruft.

2. Weigerung: Stier/VENUS: Dies ist die Verweigerung dem Schicksal gegenüber – oder das Problem des Materialismus. Kann auch als Rückschlag und Widerstände verstanden werden, die eine Geschichte erst ins Leben ruft. Die Weigerung ist auch Ablenkung – die Verneinung auf den Ruf der Reifeprüfung, die Unfähigkeit, das Kindheits-Ich abzulegen. Hier zeigt sich wieder daß Stasis einer Entwicklung im Wege steht.

3. Hilfe von aussen: Zwilling/MERKUR: Diese Helfer sind weitere Verkörperungen des Schicksals – das Prinzip des Wachens und Leitens, ambivalent wie alles Unbewußte – dies ist der Initiationspriester, unter dessen Schutz, und mit deren Hilfe die Bedeutung des Weges erkannt wird. Dies ist merkurisch – er stellt sozusagen die Sicherheit des Herzens fest, Führer und Verführer in einem, derjenige der sich dem Ruf jetzt noch verweigert, wird verderben.

4. Überschreiten der Schwelle: Krebs/MOND: Stellt eine erste Invertierung der Wertmaßstäbe dar. Die Schwelle stellt den Rand des Bekannten dar – hinter ihr beginnt das Fremde, das Märchenland, die Unterwelt. Sie wird von einem Wächter geschützt – dies kann durchaus als eine Schutzfunktion des Unbewußten verstanden werden, die Angst vor der Veränderung, oder dem Ende eines Abschnittes (Tod). Der Bewohner dieser Grenze kann als Halbwesen erscheinen, um die ambivalente Natur dieser Schwelle zu verdeutlichen, auf der das ICH geopfert wird. Der Hüter der Schwelle kann in jungianischen Termini auch als Schatten erscheinen.
(Fortsetzung im nächsten Eintrag)

Montag, 3. September 2012

Monomythos :: Campbell & Vogler


Wer den vorhergehenden Eintrag in dieser losen Reihe gelesen hat, wird vielleicht den Verweis auf die "Heldenreise", den Monomythos nach Campbell gesehen haben. Die Reise ist in verschiedene Stationen (17) eingeteilt - dramatische Situationen - die berühmterweise von Vogler für Drehbuchautoren zusammengefasst wurden (s.u.) Hier sind es 12, eine Zahl, die befriedigender scheint, den Ästheten jedoch durch in dieser Ausarbeitung nicht überzeugen kann. Hierzu dann demnächst mehr - der Monomythos als solarer Mythos.

Campbells Modell (17 Stationen, mit Vorgeschichte 18)

I: Abreise
1. Vorgeschichte (wenn notwendig)
2. Die Berufung zum Abenteuer
3. Verweigerung dem Ruf
4. Übernatürliche Hilfe
5. Überschreiten der Schwelle
6. Der Bauch des Wales
II: Initiation
1. Der Weg der Prüfungen
2. Treffen mit der Göttin
3. Versuchung
4. Versöhnung mit dem Vater
5. Apotheose
6. Die höchste Belohnung
III: Rückehr
1. Weigerung zurückzukehren
2. Die magische Flucht
3. Rettung von Außen
4. Überschreiten der Schwelle
5. Meister der zwei Welten
6. Freiheit zu leben

Voglers Ausarbeitung für Drehbuchautoren (in 12 Stationen zusammengefasst)

I: Abreise
1. Ausgangspunkt ist die gewohnte Welt des Helden.
2. Der Held wird zum Abenteuer gerufen.
3. Diesem Ruf verweigert er sich daraufhin zumeist.
4. Ein Mentor überredet ihn daraufhin die Reise anzutreten, und das Abenteuer beginnt.
5. Der Held überschreitet die erste Schwelle,
…nach der es kein Zurück mehr gibt.
II: Initiation
1. Daraufhin wird er vor erste Bewährungsproben gestellt und trifft dabei auf Verbündete und Feinde.
2. Nun dringt er bis zur tiefsten Höhle vor und trifft dabei auf den Gegner.
3. Hier findet die entscheidende Prüfung statt:
Konfrontation und
…Überwindung des Gegners.
4. Der Held wird belohnt, indem er z.B. den Schatz oder das Elixier raubt.
III: Rückkehr
1. Nun tritt er den Rückweg an…
…während dessen es zur Auferstehung des Helden kommt.
2. Diese Auferstehung ist nötig, da er durch das Abenteuer zu einer neuen Persönlichkeit gereift ist.
3. Anschließend tritt der Held mit dem Elixier den Heimweg an.

Samstag, 1. September 2012

Monomythos :: Prolog


Ein schlauer Mann hat einmal gesagt, dass alle Geschichten eine sind, und diese Geschichte die einer Suche ist. Der individuelle Held ist der kosmische Held, und seine Suche, gilt sie nun Weisheit, Frieden oder wahrer Liebe, ist immer die Suche nach Transzendenz und Selbsttransformation. Die Suche nach dem Schicksal.

Und wie immer ist der Weg das Ziel, die Suche ist das Schicksal.

Es ist deswegen nicht verwunderlich, dass sich die Grundstruktur - der Plot - einer jeden Geschichte ähnelt, oder vielleicht sogar die gleiche ist.

Joseph Campbell hat gleiches für die Mythologie der Menschheit festgestellt und nannte es den Monomythos - die Reise des Helden.

Seine Analyse ist nicht unumstritten, aber das hat Hollywood und andere nicht daran gehindert, Elemente oder die Gesamtheit des Monomythos zu entwenden und zur Strukturierung von so unterschiedlichen Werken wie Star Wars oder Matrix zu benutzen.

Selbst ein eleganter Stilist wie Neil Gaiman sagt über sich, dass er wohl unbewusst dem Monomythos folgt - die eine Geschichte drängt danach, neu erzählt zu werden.

Vielleicht ist es auch eine Art universelles Mantra des homo sapiens, durch dessen Neuerzählung wir uns selbst versichern: Die Konsenstheorie von Wirklichkeit.

Mehr zum Monomythos und seiner Anwendung, sowie weiteren "Plotformeln" in den kommenden Tagen, zusammengestellt aus Notizen der letzten 10 Jahre.

Montag, 20. Februar 2012

Mal so zwischendurch...

Nach dem Erfolgreichen Redigieren und Veröffentlichen von zwei Titeln am Wochenende sortiere ich gerade mal wieder die vorliegenden Manuskripte von unten nach oben und schaue auch nach weiteren Bruchstücken, die ich zur späteren Verwendung aufbewahrt habe. Eine Datei enthält nur einen Satz. Dammich, seit zehn Jahren will ich die Geschichte schreiben, aber inzwischen weiß ich gar nicht mehr, worum es da ging... Aber ich würde auf jeden Fall eine Geschichte gerne lesen, die mit dem Satz anfängt:

"Dämond war aufgegangen..."

Mittwoch, 30. März 2011

Shortcuts März 2011 b

"Every dramatic situation that might occur in a story." Faszinierende Lektüre. The Thirty-Six Dramatic Situations von Georges Polti, translated by Lucile Ray (1917). Kompletter Text bei gordianplot.com.
Ja, wirklich. Es ist nicht Wikipedia, auch wenn es genauso aussieht. Aber man kann ja auch mal woanders klauen gehen.



Faszinierende Kurzeinblicke in die Geschichte und ein Haufen Bullshit: Einfach mal einsteigen in die TimeMaschine vom SPIEGEL und checken, was der Mensch in seinem Wahn im Laufe der Geschichte ausgeheckt hat...

"Relikte des Wahns" Riesige Türme, Mauern, Sportanlagen, Unterkünfte für Tausende: In "Ordensburgen" wollte das Hitler-Regime seine künftige Elite formen. Die gigantomanen NS-Schulen wurden nach dem Krieg von der Öffentlichkeit abgeschottet - und gerieten in Vergessenheit.

"Sex, Sex, Sex war seine Nummer" Er gilt als Erfinder des modernen Satanismus, nannte sich selbst 'das große Tier 666' und erfand die 'Sex Magick'."

Na klar...



Achja, das Folgende ohne Worte...

Samstag, 26. März 2011

Helden?

In den Redaktionsräumen von NEMED HOUSE (bzw. im Keller) fließt der Met und Apfelwein. Wir opfern einen kühlen Trunk auf den Roboterschädel von Robert E. Howard, den wir aus den Abfällen von vier Computern zusammengebaut haben und der uns neue Nachrichten aus dem Imaginalen zuflüstert...

Die Reise des Helden?
Conan im Film?
Robot E. Howard weiss alles, sagt alles, kennt alles...

Rauch steigt von seinen locker verdrahteten USB-Zähnen auf. Empfohlene Literatur "The Hero" von Lord Raglan (1936).


Das Mass eines Helden:

1. Der Held der Mutter ist eine königliche Jungfrau.
2. Sein Vater ist ein König und
3. oft ein naher Verwandter der Mutter, aber
4. die Umstände seiner Auffassung sind ungewöhnlich, und
5. er könnte auch angeblich der Sohn eines Gottes sein
6. bei der Geburt wird der Versuch unternommen, in der Regel von seinem Vater oder Großvater mütterlicherseits, um ihn zu töten, aber
7. Er wird weggeführt, und
8. von Pflegeeltern in einem fernen Land aufgezogen.
9. Wir erfahren nichts über seine Kindheit, aber
10. beim Erreichen der Mannbarkeit kehrt er zurück oder kommt in sein künftiges Reich.
11. Nach einem Sieg über den König und / oder Riesen, Drachen, oder wildes Tier
12. heiratet er eine Prinzessin, oft die Tochter seines Vorgängers, und
13. wird König.
14. Eine Zeit lang herrscht er ereignislos und
15. schreibt Gesetze, aber
16. später verliert die Gunst der Götter und / oder sein Volk und
17. von Thron und Stadt fortgetrieben, wonach
18. er einen mysteriösen Tod erleidet
19. oft auf der Spitze eines Hügels.
20. Seine Kinder, wenn er überhaupt welche hat, folgen ihm nicht.
21. Sein Körper ist nicht begraben, aber dennoch
22. hat er ein oder mehrere heilige Gräber.

Trink mehr Whiskey, Robot E. Howard. Wir haben bereits eine Wette darauf abgeschlossen, wer von uns diese 22 Stationen des Helden als erstes verwerten wird - Simple Simon mit seinem Moorcockgeseiere oder der alte Gruner.

Donnerstag, 10. März 2011

The Power of ×

Es muss wohl der verstorbene, aber hoch verehrte Robert Anton Wilson gewesen sein, der in einem seiner verwirrenden, aber illuminierenden Bücher das Konzept des kreativen Synkretismus erläuterte. Nein, er nannte es sicherlich anders, und ich bin zu faul, jetzt in den Keller herabzusteigen, und das Buch hervorzukramen. Bleiben wir beim Begriff Synkretismus, oder vergessen wir ihn gleich wieder.
Ich rede von der Macht des ×.
Setzen wir doch einfach einmal zwei vollkommen fremde Begriffe nebeneinander, und sehen wir, ob sie sich vertragen, oder ob da wenigstens etwas Interessantes dabei herauskommt. Und was nicht passt, wird passend gemacht - manchmal geschmeidig, manchmal mit etwas gutem Willen, oder auch nicht.
"Moment mal", raunt es da aus dem Off, "Großer Meister, × Dich selber, was soll denn dabei rauskommen? Eine geile Verschwörungstheorie? Memecollagen? Dada?"
"Ja, Bruder. Es ist Dada. Alles ist Dada, und alle Götter weinen."
"Haben die Cut-ups der letzten Jahre nicht gereicht? All das traurige Herumschneiden in Büchern, Zeitschriften, Unterarmen?"
"Tja, wer saugeile Geschichten will, muss manchmal auch wie ein Schwein bluten."
Okay, lasset uns die Macht des × anrufen...
Alle Jungs stehen auf Dinosaurier, und auf Roboter. Wie wäre es mit:

Dino × Roboter

Dinoroboter? Roboterdinos? Oder Dinos gegen Roboter? Wer wird gewinnen?
Du, mein Sohn, wer sonst?
×

Update 2011-03-14: Die Antwort sind natürlich Dinobots, eine Unterart der Transformers. Checkt mal das Cover eines Heftes, in dem sie wieder auftauchten.

Dienstag, 9. November 2010

Aus Lovecrafts Notizbuch [4]

Ein Grauen aus der Vergangenheit (oder der Zukunft), knapp außerhalb der Erinnerung (oder der Vorahnung). Ankunft eines außerirdischen Wesens auf der Welt…

Es ist nicht der kosmische Horror, den Lovecraft empfand, dies ist nur seine Hinterlassenschaft. Das wahre Grauen, das liegt hinter diesem kindischen Vergnügen verborgen (lies weiter!) Das wirkliche neue England war das England der Morlocks, nicht der Eloy: Red Hook, Brooklyn Heights, der Schmutz von Manhattan. Dies war im Jahrzehnt der Pulps, des Mobs, der Depression normal. Lovecraft, der letzte Vertreter eines vergessenen Kolonialamerikas, war im Gegensatz dazu etwas, dass gegen jede Norm verstieß. Der Träumer. Der Emo-Oneironaut. Der geistig Abnorme. Der Freak. Der Außenseiter.

Schwarze Katze auf einem Berg in der Nähe einer dunklen Spalte im Hof eines alten Gasthauses. Miaut heiser - lockt Künstler in die dunklen Geheimnisse von drüben. Stirbt schließlich in hohem Alter. Spukt in den Träumen des Künstlers herum - lockt ihn, ihr zu folgen. Seltsames Ergebnis (erwacht nie? oder macht die bizarre Entdeckung einer alten Welt außerhalb des dreidimensionalen Raums?).
Jemand, der seinen Reichtum auf dunkle Weise erwarb, verliert ihn. Erklärt seiner Familie, er müsse den ORT erneut aufsuchen (entsetzlich und unheimlich und außerdimensional), wo er zu seinem Gold kam. Andeutungen von möglichen Verfolgern oder der möglichen Nicht-Rückkehr. Er bricht auf. Aufzeichnung, was mit ihm passiert: oder was in seinem Haus passiert, wenn er zurückkehrt.
Bewohner einer anderen Welt - Gesicht maskiert, vielleicht mit Menschenhaut oder operativ an die menschliche Gestalt angepaßt, Körper unter der Kleidung außerirdisch. Nach der Ankunft auf der Erde versucht er, sich unter die Menschen zu mischen. Entsetzliche Aufklärung. Von Clark Ashton Smith vorgeschlagen.


Von Außen, aus dem Unbekannten, bedroht das Fremde unsere bekannte Welt. Schon sind die Grundfesten unseres banalen Selbst-Bewußtseins bedroht. Außerhalb des flackernden Lichtes unserer Gewissheit lauert etwas außermenschliches, außerirdisches… vielleicht auch nur Ausländisches. Verständnis für das, was außerhalb unseres Selbst liegt, können wir nicht aufbringen, weil wir es einfach nicht verstehen können. Es ist fremd, und aus den unermesslichen Tiefen des Raumes naht es, uns zu penetrieren, zu infizieren, zu assimilieren. Es ist bereits die außergewöhnliche Idee, die unseren Verstand krank machen kann. Es bleibt nur der Rückzug ins Innere… aber wer kann sagen, ob nicht auch in den Tiefen des Inneren Raumes die gleichen Gefahren lauern wie in den Abgründen des Äußeren Raumes?

Traum, in einer ungeheuren Halle seltsamer Architektur zu erwachen, wo unter Tüchern Gestalten auf Steinplatten liegen, eine Lage, die der eigenen gleicht. Andeutungen von verstörend nichtmenschlichen Umrissen unter dem Laken. Eines der Objekte bewegt sich und wirft das Laken ab - ein außerirdisches Wesen zeigt sich. Andeutung, daß man selbst solch ein Wesen ist - der Geist ist in einen Körper auf einem anderen Planeten versetzt worden.
(Traum von) einem Fahrzeug - einem Eisenbahnwaggon, einer Kutsche etc. - die man betäubt oder im Fieber besteigt, und die ein Bruchstück einer vergangenen oder außerdimensionalen Welt sind - die den Reisenden aus der Wirklichkeit in verschwommene, vom Alter niedergedrückte Gebiete oder unglaubliche Abgründe des Wunders entführt.
Sie erwähnen einen Schädel, der anstelle des Gehirns eine merkwürdige metallische Vorrichtung enthält - wobei Sie andeuten, daß letztere entweder selbst ein außerirdisches und mit Bewußtein begabtes Wesen ist oder aber eine Art Empfänger, durch den weit entfernte Wesen von draußen den Körper, in dem er eingepflanzt ist, lenken können.


Es ist kein Traum, selbst in unseren wachen Momenten empfangen wir diese lenkenden Impulse. Eine kaum vernehmbare Stimme raunt aus den Faltungen unseres Gehirns. Wohl vertraut, aber die Ideen, die sie uns einflüstert, werden zunehmend fremdartiger…. Und außergewöhnlicher.

Zitate aus Lovecrafts Notizbüchern nach: H.P. Lovecraft: „Azathoth“ Vermischte Schriften, ausgewählt von Kalju Kirde. Übersetzung Frank Rottensteiner, Suhrkamp, Frankfurt a. Main 1989

Donnerstag, 4. November 2010

Mythos :: Verdammte Bücher [1]



Ich entnehme einem Leserbrief zu den vorhergehenden Ausgaben von REDMASK, dass er unsicher ist, welche meiner Geschichten "konkret" dem Cthulhu-Mythos oder der Lovecraftiana zuzuordnen sind. Antwort: Da ich bislang vermieden habe, eine der in vorhergehenden Geschichten entworfenen Entitäten herbeizutitieren, begnüge ich mich damit, Kontinuität zu konstruieren, indem ich etwas zitiere, was ich die "Leiber-Papiere" nenne, oder Pseudofakten einzustreuen, wie z.B. die Titel gewißer Bücher, die in keiner guten Bibliothek eines Froschmenschen fehlen sollten:

BÜCHER  IM CHTHULHU-MYTHOS (arkan, wissenschaftlich oder künstlerisch)
  • An Investigation into Myth-Patterns of Latter-Day Primitives with Especial Reference to the R'lyeh Text
  • Azathoth and Other Horrors
  • Book of Azathoth
  • Book of Eibon
  • Book of Hidden Things
  • Book of Iod
  • Book of Thoth
  • Celaeno Fragments
  • Commentaries on Witchcraft
  • Cthäat Aquadingen
  • Cthulhu in the Necronomicon
  • Cultes des Goules
  • De Vermis Mysteriis
  • Dhol Chants
  • Eltdown Shards
  • G'harne Fragments
  • Ghorl Nigral
  • Invocations to Dagon
  • Liber-Damnatus
  • Magyar Folklore
  • Marvells of Science
  • Necronomicon
  • Night-Gaunt
  • Occultus
  • Of Evill Sorceries done in New-England of Daemons in no Humane Shape
  • On the Sending Out of the Soul
  • Parchments of Pnom
  • People of the Monolith
  • Pnakotic Manuscripts
  • Ponape Scripture
  • Remnants of Lost Empires
  • Revelations of Glaaki
  • Seven Cryptical Books of Hsan
  • Sussex Manuscript
  • Testament of Carnamagos
  • Thaumaturgicall Prodigies in the New-English Canaan
  • The Black Rites
  • The Daemonolorum
  • The Saurian Age
  • The Soul of Chaos
  • The Tablets of Nhing
  • The Tunneler Below
  • Unaussprechlichen Kulten
  • We Pass From View
  • Zanthu Tafeln
Bücher der Verdammten... oder verdammte Bücher? man sollte darauf hinweisen, dass die Liste nicht vollständig ist, und eines intensiven Kommentars bedarf. Und einige erschaffen ein Kontinuum, das über die ursprüngliche Konzeption des "Mythos" hinausgeht oder dieses sogar verzerrt. 
Update: Ich habe schon ein paar weitere Titel gefunden, die noch in die Liste gehören. Kennt jemand noch mehr?

[wird fortgesetzt...]

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Aus Lovecrafts Notizbuch [3]

Mächte der Dunkelheit (oder kosmischer Fremdartigkeit) belagern geweihtes Gebäude oder ergreifen von ihm Besitz.
Hexenmeister, der bei einer Reise in ein fremdartiges Gebiet des Grauens einen bösen Gefährten gewinnt.


"Die Hölle, das sind die anderen", so fasste Jean-Paul Sartre seine Einsichten zur Existenz des Menschen zusammen. „Das Grauen, das sind die anderen“, so könnte man H.P.Lovecrafts Weltsicht zusammenfassen. Das Fremde, das sind immer die anderen. Jedes Gesicht ist fremd, jeder Mensch, und kann man etwas anderes empfinden als Grauen vor diesen Millionen unbekannter, fremder Gesichter?

Besucher aus dem Grab. Ein Fremder bei einer öffentlichen Veranstaltung wird um Mitternacht bis zum Friedhof verfolgt, wo er in die Erde hinuntersteigt.
Unterirdisches Gebiet unter geruhsamem Neuengland-Dorf, bewohnt von (lebenden oder ausgestorbenen) Wesen aus prähistorischer Zeit und äußerster Fremdartigkeit.
Jemand betritt in pechschwarzer Dunkelheit Gebäude, das er für sein eigenes Haus hält. Tastet sich in sein Zimmer vor und schließt hinter sich die Tür. Seltsames Grauen... oder dreht Licht an und findet einen fremdartigen Ort oder ein fremdartiges Wesen. Oder findet die wiederhergestellte Vergangenheit oder eine angedeutete Zukunft.
Beginne die Geschichte mit der Anwesenheit des Erzählers - ihm selbst unerklärlich - in völlig fremdartiger und furchteinflößender Umgebung.
Insekten oder andere Wesen aus dem Weltraum stürzen sich auf den Kopf eines Menschen und dringen in ihn ein, was dazu führt, daß er sich an fremdartige und exotische Dinge erinnert - mögliche Persönlichkeitsverdrängung.


Was ist das Fremde? Warum fürchten wir das Fremde? Ist das Unbekannte wirklich so schrecklich wie das Bekannte, Alltägliche, Normale?
Für Lovecraft war sicherlich das Abnorme ein Quell der Furcht – aber seine „Normalität“ definierte sich nach seinem idealisierten Bild seiner Heimat Neuengland, das mehr in der Phantasie fußte als in der Realität. Was ist wirklich normal, wenn alle Regeln sich gewandelt haben? Es ist dieses Gefühl der Entfremdung, dem die Weird Fiction hier eine Stimme verleiht – das existentielle Grauen, das wir empfinden, wenn wir begreifen, dass die Apokalypse alles verschlungen hat und nichts Normales mehr Bestand hat.

Ich wußte überhaupt nicht, wo genau ich war - es gab jedoch die bedrückende Empfindung unendlicher Ferne und völliger Fremdartigkeit im Vergleich zur Erde und zum Menschengeschlecht. Zu keinem Zeitpunkt geschah wirklich etwas - und ich merkte, daß ich vor dem tatsächlichen Erwachen beträchtliche Zeit geträumt hatte.

Zitate aus Lovecrafts Notizbüchern nach: H.P. Lovecraft: „Azathoth“ Vermischte Schriften, ausgewählt von Kalju Kirde. Übersetzung Frank Rottensteiner, Suhrkamp, Frankfurt a. Main 1989

Dienstag, 26. Oktober 2010

Shortcuts Oktober 2010


Demnächst, hoffentlich noch rechtzeitig, ein erneuter Blick in Lovecrafts Notizbuch. Vorbereitend verweise ich schon mal auf bisherige Veröffentlichungen zu diesem Thema. (Müssen... mehr... Links... veröffentlichen....)




Suchbegriffe der Woche:

  1. peanuts halloween black and white
  2. der große kürbis (ja, das passt. Siehe oben!)
  3. fraun animation (keine Ahnung...)
  4. grünkappen-lamas (habe ich lange nichts mehr von gehört, aber wenn wieder eine Einweihung vorgenommen wird, lasse ich euch gerne eine Info zukommen...)
  5. halloween werwolf (yesssssss...)
  6. magyarische geschichtsklitterung (Ich kann mir vage vorstellen, wer danach gesucht hat...)

Sonntag, 1. August 2010

kümmt kunst

man schilt die schwarze kunst: ich halte viel von ihr;
dann durch die schwarze schrift kümmt kunst auf weisz papier,
und vom papier ins haupt, und so fort für und für.
Logau

Samstag, 3. Oktober 2009

Zur Planetenromanze, Baby

Die Planetare Romanze der 30er Jahre ist leider - zu unrecht - in Verruf geraten. Zu unrecht, um es noch einmal zu betonen! Science Fantasy! Nicht Fiction!* Es ist ja eigentlich nichts daran auszusetzen, wenn echte Kerle mit einem Blaster in der Faust leichtbekleidete Planetenprinzessinnen vor den glubschäugigen Maulwurfsmenschen des Pluto verteidigen. (Das ist schon mal mindestens ein Plot der überaus erfolgreichen StarWars-Maschinerie...) Aber die Zeiten haben sich leider geändert.

Falls noch mal eine planetare Romanze (auch "Space Opera") geschrieben werden sollte, dann wäre es wohl eine postmoderne, vielleicht selbstironische, die auch einmal einen Blick über den Rand der Wissenschaft riskieren würde, oder auch bereits veröffentlichte Visionen des Bekannten Raumes. Vielleicht dekonstruktivistisch, oder sogar konstruktivistisch. Post-postmodern? Für den Kontext, aus dem sich eine solche Romanze ergeben könnte (vor einigen Monaten heiss diskutiert unter den Autoren von REDMASK - Stichwort "Callisto") zwei Links:

Der Bekannte Raum, so wie er wahrscheinlich ist (mit besonderem Augenmerk auf die planetare Nomenklatur): Der Gazetteer of Planetary Nomenclature
Der Bekannte Raum, so wie er sein sollte: Astronomische Örtlichkeiten in der Fiktion

Stöbern, staunen, Ideen klauen!


* Diese feinen Unterschiede in der Nomenklatur der phantastischen Genres und Subgenres hat noch nie einer verstanden, Bruder. Nicht nachdenken, einfach abdrücken. Die Maulwürfe sind schon wieder hinter Dir her.

Montag, 27. Oktober 2008

Aus Lovecrafts Notizbuch [2]

Abscheuliches altes Buch wird entdeckt - Anweisungen für schockierende Beschwörungen.
Buch oder MS, das zu entsetzlich ist, als daß man es lesen könnte - Warnung vor seiner Lektüre. Jemand liest es und wird tot aufgefunden.
Buch, das beim Lesen einschläfernd wirkt - man kann es nicht lesen. Ein Entschlossener liest es - wird verrückt. Von betagtem Eingeweihten werden Vorsichtsmaßnahmen getroffen, der als Autor und Übersetzer weiß, wie er sich durch Beschwörung schützt.
Die Lektüre eines entsetzlichen Buches oder der Besitz eines abscheulichen Talismans bringt jemanden in Berührung mit schockierenden Träumen oder einer Welt der Erinnerung, die ihm schließlich den Untergang bringt.
Eigenartiger Geruch von Buch aus Kindheit führt zur Wiederholung kindlicher Phantasie.
Eine abscheuliche Welt überlagert die sichtbare. Durchgang - eine Macht führt den Erzähler zu einem uralten und verbotenen Buch, das Anweisungen für den Zutritt enthält.
Entsetzliches Buch wird flüchtig in uraltem Laden erblickt - dann nie mehr gesehen.
Etwas Entsetzliches in einem vielleicht vertrauten Buch zu finden und es dann nicht mehr finden zu können.


Eine erstaunliche Anzahl von Einträgen in Lovecrafts Notizbuch befasst sich mit dem Schrecken, die auf den Seiten eines Buches verborgen liegen. Es ist nicht so sehr das geheime und arkane Wissen, das hier vielleicht verschlüsselt liegen mag, das das Grauen darstellt, sondern bereits der schiere Akt des Lesens, der einen unvorsichtigen Leser in Welten entführen kann, die fremd und unbekannt sind. Etwas, das eigentlich einem jedem Leser irgendwie bekannt vorkommen sollte. Hatte Lovecraft bei der fast paranoiden Xeno- und Neophobie, die ihn zeit Lebens plagte, etwa auch Angst vor den Neuen und Fremden Ideen, denen man auf den Seiten eines Buches begegnen kann? Um wie viel ironischer müsste dies dann aus heutiger Sicht erscheinen, die Lovecraft selbst vor allem als Schöpfer eines der erfolgreichsten Neo-Mythen der letzten Jahrhunderte kennt!

Seltsames Buch des Grauens wird in alter Bibliothek entdeckt. Abschnitte von entsetzlicher Bedeutung werden abgeschrieben. Später unmöglich, Buch zu finden und Text zu verifizieren. Vielleicht entdeckt man einen Körper oder ein Bild oder ein Zaubermittel unter dem Boden, in einem Geheimfach oder sonstwo. Einfall, daß das Buch lediglich eine hypnotische Täuschung war, herbeigeführt durch totes Gehirn oder uralten Zauber.
Verlust der Erinnerung und Eintritt in eine bewölkte Welt seltsamer Anblicke und Erlebnisse nach einem Schock, Unfall, der Lektüre eines merkwürdigen Buches, der Teilnahme an einer merkwürdigen Zeremonie, dem Trinken eines seltsamen Gebräus usw. Das Gesehene wirkt auf vage und beunruhigende Weise vertraut. Auftauchen. Unfähigkeit, den Weg zurück zu verfolgen.
Vision, die sich durch ein übles Buch auftut.


Natürlich kann die Lektüre eines Buches etwas Schreckliches sein. Sie kann verzaubern, verstören, schockieren, wie Lovecraft es nennt, und im besten Fall ernüchtern. Dann nämlich, wenn das Wissen, das der Leser aufnimmt, die Illusionen und Selbsttäuschungen zunichte macht, denen man sich wohlig hingegeben hat. Nur der Autor oder Übersetzer weiß, wie er sich schützen kann – der Leser jedoch fällt der zerstörerischen Wirkung der Lektüre zum Opfer und wird verwandelt. Und wie schrecklich: Dieses Wissen kann nicht mehr genommen werden, es sei denn durch einen bewussten Akt der Verleugnung, die in diesem Fall gleichbedeutend mit einer milden Form des Wahnsinnes wäre. Unfähigkeit, den Weg zurück zu verfolgen. Der Autor als semiotischer Horrorist und Hexenmeister, der mit Bewusstseinen und Seelen sein satanisches Glasperlenspiel abzieht. 23 Skiddo!

Mancher Leser mag in diesem Fall in der wenig beneidenswerten Situation jenes Mannes wieder finden, der lieber in der Matrix geblieben wäre und bewusst versucht, die Illusion wieder zur Realität zu erklären, auch wenn dazu Verrat und Mord notwendig sind. Und das ist vielleicht der größte Schrecken von allen, die Logophobie, die panische Angst vor dem Wort und der damit verbundenen Erkenntnis. Natürlich, manche Menschen werden schon wahnsinnig, wenn sie begreifen, dass es schon wieder Montagmorgen ist und die nächste Arbeitswoche direkt vor ihnen liegt. Der tentakelbewehrte Horror, der in diesem Moment aus den Seiten eines wurmstichigen Folianten sickert, kann sich kaum damit vergleichen.

Montag, 6. Oktober 2008

Aus Lovecrafts Notizbuch [0]

Wie viele Schriftsteller hatte auch H.P. Lovecraft sein "Ideenbuch" - ein Notizbuch, in dem er Einfälle, Bilder und Zitate niederschrieb, die er in Zukunft vielleicht einmal für eine seiner Geschichten verwenden wollte. Ich glaube, die meisten Schriftsteller haben so etwas in irgendeiner Form - als Sammlung von Karteikarten, magsiche Tagebücher oder Datenwust am Ende der Festplatte. Bemerkenswert bei Lovecraft ist, dass die in seinem "Schwarzen Buch" festgehaltenen Ideen ziemlich genau den Umfang und die Grenzen des Subgenres definieren, für das er bekannt geworden ist. Es ist immer das Grauen vor dem Fremden, das ihn fesselt. Das Grauen aus einer fremden Welt, oder das Grauen aus einer Fremden Zeit - die Pathologie seines Mythos ist recht fest umrissen. Gerade die Variationen jedoch sind recht spannend - tatsächlich wäre es mit den in Lovecrafts Notizen enthaltenen Fingerzeigen überhaupt kein Problem, eine neue beliebige Geschichte zu verfassen, die sich nahtlos in den Mythos einfügt.

Schauen wir diesen Oktober mal auf einige dieser Ideen, schauen wir auf die rudimentäre Grundordnung eines Neo-Mythos, auf das Skelett des Skelettlosen, auf Cthulhus blankes Fleisch... in Lovecrafts Notizbuch - nackt!