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Montag, 25. Mai 2015

Fantasy :: Die Neuen Barbaren

Erster Teil einer losen Folge von Betrachtungen zu den Serien und Welten der Fantasy, wie sie exemplarisch in der Terra Fantasy-Reihe des Pabelverlages vorgestellt wurden, herausgegeben von Hugh Walker (preiset seinen Namen). 

Als Robert E. Howard mit 30 Jahren seinem Leben auf dem Sitz seines Roadsters ein Ende setzte, ließ er einige faszinierende literarische Gestalten zurück, die heute noch begeistern. Aber süchtig waren die Leser auch damals schon vor allem nach Conan, dem finsteren, stolzen Barbaren aus dem dunklen Cimmerien. Als die Fans begriffen, dass es von seinem Schöpfer keinen Nachschub mehr geben würde, entstanden einige, manche sagen zu viele Nachahmungen und Klone. Keiner konnte der Erfindung des manisch-depressiven Texaners das Wasser reichen, es gibt jedoch einige eigenständigere Kreationen aus dem Bereich der Heroischen Fantasy, Subsparte Barbarenheld, die man auch heute noch lesen kann.

In der Terra Fantasy-Reihe erschienen – neben einige von Howards sekundären Helden wie Kull oder Bran Mak Morn – auch einige dieser eigenständigen Kreationen – die Neuen Barbaren, wenn man so will. Ihre Schöpfer sind jedoch weitaus bekannter als ihre Schöpfungen, eigentlich genau umgekehrt wie bei Conan.

Brak, der Barbar wurde von John Jakes erfunden, noch bevor dieser mit „Fackeln im Sturm“ zu einem international bekannten Autoren wurde. Brak stammt wie Conan aus dem Norden, „verbannt aus den rauen Steppen“, und alle seine Abenteuer sind Stationen auf seiner Reise zu einem sagenhaften Land im Süden – dem goldenen Khurdisan. (Nicht Kurdistan!) Ob er es jemals erreicht, ist ungewiss.

Erschienen sind die Abenteuer von Brak in der Terra Fantasy-Reihe als die Bände 1 „Schiff der Seelen“, 4 „Tochter der Hölle“, 7 „Das Mal der Dämonen“, 13 „Die Götzen erwachen“ und 19 „Am Abgrund der Welt“. In Band 26 „Götter, Gnomen und Giganten“, einer Auswahl aus den Flashing Swords!-Anthologien von Lin Carter, findet sich zusätzlich die Kurzgeschichte „Der Garten des Zauberers“.

Er ist im Gegensatz zu dem legendären Cimmerier jedoch ein angenehmerer und nicht so schwermütiger Geselle, mit einem blonden Zopf und oft mit nicht mehr als einem Fellrock bekleidet, ein Barbar, der auf die Zivilisation nicht mit Verachtung herabschaut, jedoch sein gesundes Misstrauen nicht verlernt hat.

Jakes Prosa ist trocken, ohne dabei ins Banale abzugleiten. Die Welt, die er aufzeichnet ist vage vertraut aber doch interessant anders. Eine Parallelwelt – oder Paraterra, wie der kluge Herausgeber berichtet – in der das Böse allgegenwärtig ist, und nur die versprengten Priester eines namenlosen, gekreuzigten Gottes gegen die Macht der Götzen kämpfen. Wenn sie sich denn trauen. Das einzige, auf das sich der Barbar auf seiner Wanderschaft nach Süden verlassen kann, ist seine Klinge.

Brak ist der bessere Barbar, auf jeden Fall besser als alle jene, die nach ihm kamen, und nichts Neues zu diesem Subgenre dazu brachten.

Genau das ist der Fall bei dem von Gardner F. Fox ersonnenen Kothar, dem Schwertkrieger. Wer kennt den heute schon? Er ist so etwas wie die Conan-Kopie des kleinen Mannes. Besonders clever ist dieser Barbar nicht, und besonders spektakulär seine Abenteuer ebenso nicht, obwohl diese auf der Erde in einer Million Jahren spielt – mit der Athmosphäre des Dying Earth-Genres, wie sie Jack Vance, Clark Ashton Smith oder Arullu erwecken, hat dies aber nicht viel zu tun. Und dabei war Gardner F. Fox der Mann, der den originalen, ersten Flash und Hawkman erfand!

Immerhin, der Held der heroischen Fantasy braucht kein Philosophie, sondern vor allem ein scharfes Schwert, ein schnelles Pferd und am besten noch ein oder mehrere leicht bekleidete Mädchen. Davon findet Kothar genug, wobei es vor allem eine gewisse Lori ist, die Rote Hexe, die ihn verfolgt. Gibt es ein Happy End für Schwertsmann und Hexenmädchen, bevor die Sonne erlöscht? Och…

Kothar ist... sagen wir mal... der nicht so gute Barbar. Zwar nichts, für das man sich schämen oder fremdschämen muss, aber es gibt sicherlich besseres. Wer jedoch etwas schnelles, unkompliziertes sucht, das nicht zu sehr die höheren Funktionen des Hirnes belastet, ist hier ganz richtig.

Erschienen sind die Abenteuer von Kothar in der Terra Fantasy-Reihe als die Bände 64 „Kampf im Labyrinth“, 67 „Die rote Hexe“, 70 „Die Dämonenkönigin“, 73 „Des Hexers Fluch“ und 76 „Der Barbar und der Meuchler“.

Dienstag, 26. August 2014

Das Zeitalter von Poseidonis [2]



Zweiter Teil, erster Teil unter diesem Link

Howard hat nie erklärt, woher die Wilden kamen, die zur Zeit des Kataklysmus in den Norden flohen und sich zu einem neuen Menschengeschlecht entwickelten – den Protohyboriern, hochgewachsen, mit hellbraunen Haaren und grauen Augen, an das kühle Klima des Nordens angepasst. Da der thurische (später eurasische) Kontinent relativ dicht besiedelt war, handelt es sich bei diesem Volk sicherlich nicht um eine bisher nicht dokumentierte Parallelentwicklung, sondern in Wirklichkeit um Flüchtlinge aus den unter Vulkanausbrüchen und Erdbeben untergegangen Sieben Königreichen, vielleicht sogar Valusien selbst – ein Mischmasch verzweifelter Menschen aus allen Völkern, die im höchsten Norden Rettung suchten.

Tausend Jahre später sollten ihre Nachkommen im Laufe einer der ersten Völkerwanderungen der Geschichte sich bedächtig Richtung Süden und Westen ausbreiten und die Hyborische Welt erschaffen.


Montag, 25. August 2014

Das Zeitalter von Poseidonis [1]



Von den Geschichten der phantastischen Literatur, die sich mit der untergegangenen Insel Atlantis und ihrem Erbe befassen, sind wenige so eigenwillig und widersprüchlich wie jene, die der unvergessene Weird Tales-Star Clark Ashton Smith (CAS) in seinem Minizyklus von vier Geschichten um "Poseidonis" verfasste. Ich habe mich hier bereits mehrere Male aus Spass damit befasst, und jetzt die Gelegenheit ergriffen, das bereits gesammelte Material als Hintergrundmaterial einiger eigener Kurzgeschichten zu benutzen. Hierbei einige Sätze zur Historie, die auch Fans der anderen Weird Tales-Autoren Freude machen könnten.

*  *  *

„Poseidonis“, wie es in den Geschichten von Clark Ashton Smith beschrieben wird, ist schwieriger zu verorten als andere fiktive Welten. Sie ist vage historisch, aber ebenso schon vom Verfall und Untergang gezeichnet wie der letzte aller Kontinente, Zothique, dessen Existenz wir nicht abstreiten können, da wir sie nie erleben werden.

„Poseidonis“, oder wie der Name jenes mikroskopischen Inselkontinentes auch immer gewesen sein mag, ist aber auch Teil eines größeren Originaluniversums, an dem nicht nur Smith, sondern auch seine Freunde und Kollegen Robert E. Howard und H.P.Lovecraft als fleißige Mythographen gearbeitet haben. Nicht nur, dass Ideen des einen in den Werken des anderen auftauchen, wir wissen auch, dass allem eine vage Pseudohistorie zugrunde liegt, die in weiten Teilen von den phantastischen Spekulationen der Theosophie inspiriert wurde. Da sind die vormenschlichen Bewohner der Erde, wie sie Lovecraft beschrieb, das urzeitliche Hyperborea von Smith, die Thurische Welt des Kull von Atlantis, die sich durch eine globale Katastrophe, den so genannten Kataklysmus, in die Hyborische Welt Conans wandelt. Wo und wann jedoch finden wir den Platz für den Aufstieg und Untergang von „Poseidonis“?


Mittwoch, 16. Oktober 2013

Paraterra

In den alten, wunderbaren blauen Taschenbüchern der Terra Fantasy-Reihe wurden, so scheint es, dem ungeschulten deutschsprachigen Publikum erstmalig die wichtigsten Autoren, Figuren, Geschichten und Novellen der Fantasy vorgestellt. Und der Herausgeber, der unnachahmliche Hugh Walker, selbst ein Schriftsteller von einigem Kaliber, nahm sich immer die Zeit, das vorliegende Werk in die Geschichte des Genres und seiner Subgenres einzuordnen. Es gibt nicht nur die epische Fantasy, die sich bis zum heutigen Tag in schwerwiegenden Trilogien und Tetralogien vermehrt, die Bastardkinder Professor Tolkiens, sondern auch die historischen, pseudo-historischen oder interplanetaren Romanzen, oder gar die heroische Fantasy, die von unerschrockenen Kämpen wie Conan dem Cimmerier oder einem schwächeren Abklatsch wie Brak dem Barbaren berichtet. Geschichten aus einer Welt, die die unsere zu einer anderen Zeit in Vergangenheit oder Zukunft ist oder ihr so ähnlich sieht, dass man es zumindest einen Augenblick glauben mag. Der unvergessene Lin Carter nannte diese Art der Welt eine Paraterra, wenn wir Mr. Walker glauben mögen, und dies ist ein Wort, das ich nur zu gerne entwende und benutzen möchte. Immerhin, der Diebstahl geistigen Eigentums kann auch eine Art Hommage sein, und gerade die Autoren der Fantasy haben sich immer wieder als Halunken erwiesen, die raubeiniger und unerschrockener waren als manche ihrer Schöpfungen.

Dass die Terra Fantasy einem parallelen Universum entstammt, ist nur zu offensichtlich. Die Realität nebenan, so verlockend sie auch scheinen mag, ist nicht unsere Heimat, aber sie ist ein willkommener Zufluchtsort. In diesem Universum ist der Herr der Ringe nicht Fiktion, sondern dokumentierte Vorgeschichte Europas vor dem Kommen Christi’ Botschaft – und dieses Universum ist das gleiche wie das in C.S. Lewis' Weltraumromanen, worauf der Autor mehrfach hinweist. Kann Planet Narnia weit entfernt sein? Und doch ist das nichts gegen die Vorgeschichte eines anderen Universums, in dem die theosophischen Spekulationen über die Weltenalter blutige Realität sind. Hier war der größte Herrscher zwischen dem Untergang von Atlantis und der Eiszeit jener legendäre Cimmerier, von dem Brak nur ein schwacher (aber witziger) Abklatsch ist. Und es ist auch das Universum von Poseidonis und Xiccarph, das den großen Cthulhu, die Schlangenmenschen des vorsintflutlichen Valusiens und die zottigen Einwohner Hyperboreas zu den Einwohnern zählt, von denen wir wissen. Selbst der Name des letzten Kontinents, den unsere Erde am Ende ihres Daseins haben wird, ist bereits vorhergesagt worden...

...und dieser Name ist nicht Arullu.

Dies sind natürlich nicht die einzigen Möglichkeiten, die wir finden können, um das Universum, mit dem wir uns beschäftigen, interessant zu gestalten. Und seinen wir ähnlich, wenn wir die Wirklichkeit, die uns umgibt, wirklich so interessant finden würden, gäbe es dann überhaupt so etwas wie Kunst, Literatur, Religion oder Magie? Das Multiversum, die Gutenberg-Galaxis, bietet dem Leser, vor allem aber auch dem Schriftsteller, immer wieder neue Dimensionen, immer wieder neue Planeten, neue Permutationen der einen Wahrheit an, sobald die Seite umgeschlagen wird. Die Möglichkeiten zur Weltflucht sind unendlich, die parallelen Universen des Eskapismus ungezählt.