Sonntag, 13. Dezember 2015
Happy Wold Newton Day!
Zum 220. Jahrestag des Falles des Wold Newton Meteoriten gibt es im wundervollen weltweiten Web einiges zu finden, so z.B. HIER
Mittwoch, 17. Juni 2015
Fanboy :: Cross Over Troubled Water
Superman kämpft gegen die Aliens... oder Tarzan gegen die Predator - im Inneren der Erde!
Innerhalb einer fiktiven Kontinuität (Universum) ist die Begegnung, Konflikt oder das Team-Up zwischen ganz unterschiedlichen Charakteren ja nichts Außergewöhnliches, die Hälfte aller Teams sind so entstanden. Aber außerhalb der vagen Grenzen einer Kontinuität? Figuren aus ganz unterschiedlichen Universen? Das wäre doch mal was. Und aus den dünnen Fäden kleinerer Kontinuitäten fügt sich ungesehen ein Multiversum an Möglichkeiten zusammen...
Es ist auch eine angemessene Art der Homage, die weiteren Abenteuer von Captain Nemo... oder Professor Challenger zu beschreiben, dies sind ehrwürdige Figuren, die noch nicht so verpoppt und vulgarisiert worden sind wie es dem mächtigen Cthulhu oder dem großen Detektiv (Holmes oder Batman) geschehen ist.
Der aufmerksame Leser hat sicherlich in der einen oder anderen Geschichte von mir einen Hinweis oder ein Cameo auf andere Figuren aus der reichhaltigen Bibliothek der Gemeinfreien entdeckt, oder auch nicht. ich habe die meisten selbst schon vergessen. In "Nacht im Drachenhaus" wurde Robert E. Howards okkulter Detektiv John Kirowan erwähnt, und en passant (ohne Namensnennung) Charlie Chan. (Echt!) Aber niemand hat so viele Erwähnungen wie Aristide Allard, der Absinth-Detektiv. Es ist ein Spiel, oder auch nur einer dieser unsäglichen Insiderwitze, mit denen Fanboys sich die Zeit vertreiben, damit es ihnen nicht zu langweilig wird.
Warum ich das erwähne?
Ich weiß auch nicht. Zur Prokrastinationen wandere ich gerne über die Seiten des Crossover Universums, oder blättere in Werken der Wold Newton Chroniken. Die originale Liga der Außergewöhnlichen Gentleman hat einen Ehrenplatz in meiner visuellen Bibliothek... und momentan entstehen dauernd Textfragmente, die ganz unterschiedliche Kontinuitäten zu verbinden suchen. Oder auch nur die bestehenden Verbindungen bestätigen.
Funfakt#1: Der "Götter-Esser" aus den Kurzgeschichten von Simple Simon (in REDMASK veröffentlicht) entstammt der gleichen Zeitlinie wie die Sterbende Erde (Arullu).
Funfakt#2: Die Punks, die in "Das Haus im Walde" den Erzähler vor dem außer-kosmischen Schrecken erretten, der ihn zu verschlingen sucht, sind niemand anderes als Karl Edwyn Rothner, Mark Leandrowsky und ihre Gang.
Sonntag, 22. März 2015
Fanboy :: Sojan und sein Schwert
Was also ist Sojan? Es ist vor allem das, was es ursprünglich war – eine schnell geschriebene Folge von Pulpstories, kein echte Serie, die vor allem deswegen angefordert wurde, um den Textanteil in Tarzan Adventures aufrechtzuerhalten. Von besonderem Interesse für den Moorcockianer ist tatsächlich vor allem der erste Absatz – es ist bereits eine Präfiguration des Figur des Ewigen Helden und seines frustrierenden Schicksals, und auf gewisse Weise auch eine modernere Version des literarischen Tricks mit dem Burroughs seinen John Carter, einen Gentleman aus Virginia, auf den Mars brachte. Bei Burroughs war es eine Art nie geklärter Astralreise, bei Moorcock erklärt sich die Wiedergeburt und Translation auf eine fremde Welt so:
„Es gibt eine Geschichte, die überall auf den vielen bewohnten Welten des Universums über das Schicksal jener mutigen Männer und Frauen erzählt wird, bei denen das Streben nach Geld und Macht weniger geschätzt wird als das Streben nach Ehre und Selbstachtung.Da auch Moorcocks Michael Kane vom Alten Mars zu den Inkarnationen des Ewigen Helden gerechnet wird – so wie Elric, Corum, Erekose und Mr. Cornelius – stellt sich mir hier die Frage, ob nicht auch Sojans und Kanes literarischer Vater, John Carter, bereits eine Form des Ewigen Helden darstellt. Eine interessante Idee für einen anderen Abend, wenn ein anderes Buch in meiner Hand liegt…
Sie sterben edle Tode und ihnen ist bestimmt, immer wiedergeboren zu werden auf fernen Planeten, wobei sie oft den Platz einer anderen heldenhaften Person einnehmen, die im Kampf gestorben ist… Dies ist eine Form der Reinkarnation, die Art und Weise des Universums, sicherzustellen, dass eine Art von Gleichgewicht besteht zwischen denen, die von Habgier motiviert werden und denen, die für das Allgemeinwohl arbeiten.“
Samstag, 13. Dezember 2014
Sonntag, 3. August 2014
Shortcuts 2014-08-03
Löschen? Wenn ich sie alle sortieren müsste, bräuchte ich wohl selbst ein, zwei Tage dafür.
Ich sollte mir angewöhnen, das wissenswerte oder interessante in eine Textdatei zu hauen. (Und diese eine Woche später zu löschen. Was man sich bis dahin nicht gemerkt hat, braucht eh sowieso kein Schwein...)
Wo wir gerade dabei sind:
Ich gehöre zu den Menschen, die mehr Farben unterscheiden können als andere.
Das ist kein großes Ding, sondern kann man lernen, wenn man Farbtabellen lernt oder die Mischverhältnisse, durch die spezifische Farbtöne zustande kommen. Schwierig wird es dann eher, jemand anderem diese Farbe zu beschreiben.
Manchmal gibt es schöne Namen für bestimmte Farben, traurig zu sagen, werden dennoch mehr Menschen etwas mit "Telecom-Magenta" anfangen können als mit "Luziferrot". Das sind beides definierte Farbtöne, aber der eine Name ist saucool, der andere... lassen wir das.
Bereits der Reichs-Ausschuss für Lieferbedingungen (RAL) hat in der Weimarer Republik diese Problematik erkannt und eine Farbpalette zur Verfügung gestellt, die auch heute noch Gültigkeit hat.
Andere Frage: Wußte der geneigte leser, dass es eine Deutsche Industrienorm gibt, die den Inhalt und die Farbpalette eines Schultuschkastens regelt? Vorsprung durch Technik, so sind wir halt.
Der großartige Philip José Farmer hat in seiner Biographie des fiktiven "Doc" Clark Savage Jr. eine kurze Übersicht darübergegeben, was er als apokalyptische Schriften des 20. Jahrhunderts erachtet - sicher eine der Millionen Ideen, die er nicht weiter verfolgt hat. Apokalyptische Schriften sind, so Farmer, all jene Schriften, die gem. des Wortes ursprünglicher Bedeutung das volle Ausmaß des menschlichen und psychologischen Universums enthüllen und entblößen. Er schließt hier auch Beispiele aus der Unterhaltungsliteratur ein - Visionen der Welt, wie sie wirklich ist oder sein könnte, ein Blick unter die Haut der Realität, und das volle Ausmaß menschlicher Vorstellungskraft.
Ich weiß nicht, ob der Monomythos von Doc Savage genauso apokalyptisch ist wie das sexuelle Universum eines Henry Miller, aber ich denke, wir können hier ohne Probleme Farmer's eigenes Wold Newton Universum oder das "Leben, das nicht funktioniert" eines Charles Bukowski hinzufügen. Und sicher anderes. Eine Arbeitshypothese. Willkommen in ihren Alpträumen.
Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehen, daß er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein. (Nietzsche)
Freitag, 13. Dezember 2013
Mittwoch, 14. November 2012
works-in-progress 2012-11-14
Während meines Resturlaubes habe ich meine externe und interne Festplatte umsortiert und habe eine vorläufige Liste der Projekte erstellt, an denen ich gerade arbeite (Abschluss bis voraussichtlich 2013). Ich versuche in der nächsten Zeit al, diese up-to-date zu halten.
Montag, 12. Dezember 2011
Dienstag, 15. Februar 2011
Links 2011-02-15
MoneyBrainBooks (aus Texas!): "MonkeyBrain Books is an independent press specializing in science fiction and fantasy fiction and nonfiction genre studies." Robert E. Howard! Wold Newton! Michael Moorcock! Oder vielleicht doch nur ein T-Shirt mit Affenhirn auf Eis?
via Fantastic Metropolis: "Queen of the Martian Mysteries", Nachruf und Würdigung der großartigen (und unvergessenen) Leigh Brackett aus der Feder von Michael Moorcock. (Aber warum nur, warum, würdigt keiner ihren Ehemann? Hat er uns nicht Captain Future geschenkt?)
zur weiteren Info via Wikipedia: "Fictional planets of the Solar System", und hier dem Link folgen zu Leigh Bracketts Sonnensystem. Ja, sie hat ein eigenes!
Ebenfalls via Wikipedia: die Inventio Fortunata, oder glückliche Entdeckung des Nordpoles (der natürlich ein Magnetberg ist, umgeben von einem Mahlstrom und vier Kontinenten...) Urquelle sowohl phantastischer Erzählungen als auch durchgeknallter Kosmologien...
zum Abschluss:
mal eine alte Pulpstory anlesen? Unter pulpgen.com findet man ziemlich viele (freie) Kurzgeschichten aus allen Genres. Downloadbar, Pdf-Format. Enjoy!
Montag, 13. Dezember 2010
Samstag, 18. September 2010
Buch :: Rückkehr zum Mittelpunkt der Erde
Die Frage wäre nur, als was verkauft man so etwas? Wir alle wissen dass Monsieur Verne als Vater der abendländischen SF gehandelt wird. Würde man mit den Sensibilitäten der heutigen Zeit Erzählungen im Stile und der Epoche von M. Verne verfassen, wäre es wahrscheinlich so genannter Steampunk, in der Art der unterschätzten „Differenzmaschine“ von William Gibson & Bruce Sterling. Die in dieser Anthologie versammelten Geschichten sind jedoch kein Steampunk (oder vielleicht doch), sondern beziehen sich ausschließlich auf die von Vernes Ideen & Stil definierte Welt. Sind es Vernesiaden? Vernepunk? Oh ja, Baby…
Mit einer anderen Sensibilität könnte man mit den reichhaltigen Ideen, die hier zitiert, parodiert und weiterentwickelt werden, ein ganzes komplexes Multiversum kreieren, das der Reichhaltigkeit von Philip José Farmers „Wold Newton“-Universum nicht notwendigerweise unterlegen wäre. Doch die hier gesammelten Erzählungen sind alle Unikate: Es gibt keine Überschneidungen oder Verbindungen zwischen den Einzelinterpretation der Autoren, außer in ihrem Bezug zu Verne und seinem Oevre. Selbst die Interpretationen der einzelnen aus Vernes außergewöhnlichen Reisen bekannten Protagonisten ist jeweils persönlich, individuell und ohne Bezug zu anderen Interpretationen. Grundlage und Material für jede Vision ist allein Verne. So tritt der Baltmore Gun Club zum einen als kaum verhohlener chauvinistsicher Kolonialist auf, in „Die wahre Geschichte über Barbicanes Reise“ von Laurent Genefort, wo es zu einem Konflikt mit den autochthonen Seleniten aus H.G.Wells Mondroman kommt, oder als drollige viktorianische Technofreaks, wie in „Die Gesellschaft der Mondgärtner" von Molly Brown, wo man mit neuerlichen Mondprojektilen sich einerseits der Gärtenabfälle u.ä. entledigt und ein primitives Terraformingprojekt unternimmt.
Nehmen wir „Rückkehr zum Mittelpunkt der Erde“ einfach einmal als holographische Erforschung des Phänomens „Jules Verne“, und merken wir uns dass außergewöhnliche Reisen immer in alle Richtungen möglich bleiben werden.
Sonntag, 13. Dezember 2009
Freitag, 18. Mai 2007
Die Kunst der Homage
Vor vielen Jahren las ich meinen ersten Roman von Philip José Farmer. Ich kann nicht einmal sagen, welcher es war – vermutlich die „World of Tiers“-Serie. Und obwohl mich dieses großartige Abenteuer sehr wohl begeisterte, war es tatsächlich ein Interview mit diesem Autoren, das mein Interesse für ihn und sein Werk erst richtig weckte. In diesem Interview sprach er von seiner Liebe zu den Büchern, die ihn in seiner Jugend geformt hatten, und wie er ihnen in seinen Werken Respekt erwies, den klassischen und den trivialen.
Man konnte sogar sagen, daß er seine Jugendhelden in seinen Büchern zu neuem Leben erweckte, und denen, die ihn beeinflussten - seinen literarischen Ahnen und vorbildern - Homage erwies. Farmer hat nicht nur einen echten Tarzan-Roman geschrieben, sondern auch mehrere Pastiches und Kopien, in denen verschiedene Aspekte des Mythos vom Dschungelgott teils ironisch, teils realistisch bearbeitet wurden – er hat eine Fortsetzung des „Zauberers von Oz“ geschrieben, und eine von „Moby Dick“, die in der fernsten Zukunft spielt. („Ishmaels fliegende Wale“) Er hat aber auch zwei auf den ersten Blick unheimlich realistisch wirkende Biographien seiner größten Kindheitshelden geschaffen – die von John Clayton, Earl of Geystoke und die von Clark Savage, Jr., bei denen nur unser unterbewußter Zensor uns immer wieder daran erinnern muß, daß Tarzan und Doc Savage doch nur Gestalten der Unterhaltungsliteratur sind, und keine realen Personen.
Man kann dies als fragwürdige Nostalgie betrachten, diesen Hang zur Juvenalia – als Verweigerung dem Erwachsenendasein gegenüber. Es gibt jedoch auch eine metatextuelle Relevanz jenseits von Psychologie und Stilkriterien. Solche Figuren sind nicht nur für einen Jugendlichen sehr wohl wirklich, denn sie wirken auch im Erwachsenenleben weiter. Sie sind Teil der eigenen Geschichte. Und in einem weiteren, literarischen Rahmen sind sie Geschichte, denn an ihnen müssen sich alle nachfolgenden Abenteuer messen.
PJF hat diese Geschichte fiktiver Figuren zu einer Geschichte einer fiktiven, doch vertrauten Welt kombiniert, die spätere Forscher in Ermangelung eines besseren Ausdruckes das „Wold Newton Universum“ genannt haben, zu Ehren des Meteors, der bei dieser kleinen Stadt in Mittelengland einschlug und durch seine Strahlung die Familien der Holmes, der Greystokes und der Blakeneys nebst anderen zu den herausragenden Gestalten veränderte, die sie waren. Ich jedenfalls habe Farmers Konstruktion einer Realität, in der die großen Figuren der Abenteuerliteratur Seite an Seite existieren – von Sherlock Holmes bis zum Shadow der „blutigen Pulps“ – sehr genossen.
Die Freude am Vertrauten ist hier nur die erste und vordergründigste, tiefer geht das, was den Fan und bereits Vertrauten anspricht: Nicht nur die Wiederbegegnung mit den unsterblichsten Charakteren dieser Art Literatur, sondern auch ihre Verwandtschaftsverhältnisse und auch die Geheimnisse hinter mancher bekannten Geschichten. Also eigentlich all das, was die eigentümlich wahnwitzige und doch faszinierende Natur von Fandiskussionen, Fanfiktionen und Fansein ausmacht. Aggressive Nostalgie und progressiver Eskapismus.
Es ist fast so etwas wie eine Art Hobbyarchäologie – auf der Seite des Autoren das Wühlen in Kindheitserinnerungen, auf der Seite des Lesers das Ausgraben der versteckten Anspielungen, Scherze und Ostereier. Je komplexer, desto besser – große Kunstwerke, mit Juwelen verkrustet, wahrscheinlich für die russischen Zaren bestimmt. Die große Leichtigkeit, mit der man solche Bezüge auch in Nebensätzen einflechten kann, steht in keinerlei Verhältnis mit der Komplexität des Kontextes und der Kontinuität, die sie erschaffen. Ist es eine neue Geschichte, die man mit dieser Form der Homage erschafft, oder nur eine Brücke zwischen anderen? Tatsächlich ist es eine neue Form der Realität, subjektiv geformt durch die Erinnerung und Freude des Autoren, die entsteht.
Nehmen Sie es mir also nicht übel, wenn auch ich im Folgenden den großen Figuren der Abenteuerliteratur – Sherlock Holmes, dem Shadow, Lord Greystoke und Philip Jose Farmer – Homage erweise und den Leser in eine Realität entführe, die offensichtlich fiktiv, aber doch seltsam vertraut ist. Sie werden sich wundern, wie viele Bekannte vorbeikommen werden…
[Erster Entwurf eines Vorwortes zu den gesammelten Aristide Allard-Geschichten]
Mittwoch, 13. Dezember 2006
Sonntag, 2. Juli 2006
Auf dem Schreibtisch
Faktoid
- Der letzte Teil der Artikelserie über König Kull von Atlantis: Die Religion von Atlantis (Teil 1, 2 und 3 finden sich hier) Der reine Fantasycharakter des behandelten Stoffes hat inzwischen durch erstaunliche Parallelen zur Theosophie den eiegntlichen Rahmen des Themas gesprengt. Ich hoffe, das Thema innerhalb der nächsten TTage im Vierten teil abgeschlossen zu haben. Amüsanterweise kann man aus diesem Artikel inzwischen eine verbindliche Zeitlinie als Hintergrund aller Werke von H.P. Lovecraft, R:E. Howard und C.A. Smith ableiten.
- Materialien für eine faktoide Kolumne, die man mir in den letzten Tagen angeboten hat. Was tun, was tun? Es gibt sovieles, was man berichten könnte, aber ich hab auch nur zwei Finger...
Esoterisch
- "Materialien zum AL" aka eine unglaubliche Menge von Daten und Erfahrungswerten, die in den letzten Wochen entstanden sind, als ich das Allgemeine Logenritual der H.L.B. nach den Gesichtspunkten der thelemisch-uranischen Ägide (wie wäre es damit als Neologismus?) bearbeitet habe. Verwunderlicherweise hat sich dabei sogar ein guter Teil Bodhicitta und Metta Sutta eingeschlichen. Fernöstliche Philosophie ist eigentlich nicht mein Fall, ist in diesem Falle aber ko-äquivalent mit einigen klassischen Grundsätzen esoterischer Arbeit. Oh well...
- "Rites for the Masses" aka "Uncommon Book of Prayer": Eine Sammlung von Kurzanrufungen für jeden Zweck, in Korrespondenz mit der Londinium-Kategorisierung spiritueller Phänomene, basierend auf der Liturgie der Gnostischen Messe von Mstr. Therion.
- "Ritus des Sumbels", nachdem ich die wichtigsten Punkte herauskristallisiert habe, geht es jetzt vor allem darum, ihn schnell und elegant in eine mehrheitsfähige Version für das MEH-Event umzuwandeln. Das heisst vor allem, je weniger Text, desto besser. Oder doch kleine Gebetsbüchlein für alle?
Pulp
- "Gold der Niksa": Eine Geschichte des Götter-Essers, in der Cargo-Kulte und der Atlantis-Mythos behandelt werden. Die inzwischen aufgebauschte Materialsammlung umschliesst vor allem Clark Ashton Smith' Poseidonis-Zyklus, was sich auch in dem oben aufgeführten Artikel zu King Kull niedergeschlagen hat. Wahrscheinlich ist es auch gerade diese Menge an Konzepten, die es verhindert, dass das Ding fertig wird. Inzwischen tendiere ich zu einer vollkommenen Neuordnung, was natürlich immer ein zeichen dafür ist, dass man nicht mehr weiter weiss.
- "Der Vierte Kreis": Drehbuch für ein Hörspiel aus dem 19. Jahrhundert. Materialsammlung umschliesst inzwischen Johai-fenster, Denatsate und natürlich das Wold Newton Universum.
Samstag, 3. Juni 2006
Auf dem Schreibtisch
Faktoid
- Der letzte Teil der Artikelserie über König Kull von Atlantis: Die Religion von Atlantis (Teil 1 und 2 finden sich hier) Der reine Fantasycharakter des behandelten Stoffes hat sich inzwischen durch erstaunliche Parallelen zur Theorosphie et al zu interessantem Umfang aufge... äh... bläht.
Esoterisch
- "Rites for the Masses" aka "Uncommon Book of Prayer": Eine Sammlung von Kurzanrufungen für jeden Zweck, in Korrespondenz mit der Londinium-Kategorisierung spiritueller Phänomene, basierend auf der Liturgie der Gnostischen Messe von Mstr. Therion.
- "Ritus des Sumbels", nach umfangreicher Recherche, vor allem im merceischen und sächsischen Neuheidentum sollte eine für die Loge und das Allgemeine Ritual geeignete Version bald fertig sein.
Pulp
- "Der Vierte Kreis": Drehbuch für ein Hörspiel aus dem 19. Jahrhundert. Materialsammlung umschliesst inzwischen Johai-fenster, Denatsate und natürlich das Wold Newton Universum.
- "Gold der Niksa": Eine geschichte des Götter-Essers, in der Cargo-Kulte und der Atlantis-Mythos behandelt werden. Materialsammlung umschliesst vor allem Clark Ashton Smith' Poseidonis-Zyklus.
Sonntag, 19. Februar 2006
Wold Newton :: Im Zeichen der Scharlachroten Pimpernelle
An der Basis des „Wold Newton Universums“ liegt der wohldokumentierte Meteoriteneinschlag, der sich im Jahre 1795 in der Nähe des englischen Dorfes Wold Newton ereignete. Dabei freiwerdende Strahlung verursachte eine Mutation in den Genen der beim Absturz Anwesenden, die sich jedoch vor allem in den hervorragenden körperlichen und/oder geistigen Leistungen späterer Generationen bemerkbar machen sollte…Der dabei freiwerdenden (ionischen?) Strahlung wurden vermutlich zwei Kutschen ausgesetzt, die ihre Passagiere, vor allem Angehörige des britischen Hochadels, zu einem nicht näher vermerkten Geheimtreffen bringen sollten. Die Passagiere der ersten Kutsche waren John Clayton, der dritte Herzog von Greystoke, und seine Ehefrau Alicia, neéRutherford, und ihr Bruder, der 11. Baron von Tennington, seine Ehefrau, Elizabeth Cavendish; Honore Delagardie und seine Frau, Philippa Drummond; sowie Fitzwilliam Darcy und seine Frau, Elizabeth Bennett. In der zweiten Kutsche waren Sir Percy Blakeney, auch bekannt als der Scharlachrote Pimpernell, und seine zweite Frau, Alice Clarke Raffles; Sir Hugh Drummond, Philippas Bruder, und seine Ehefrau Georgia Dewhurst; Dr. Siger Holmes und seine Frau, Violet Clarke Raffles, Alice’ Schwester. Ein Freund von Dr. Holmes', ein junger Medizinstudent mit Namen Sebastian Noel, folgte zu Pferde. Ebenso anwesend waren die vier Kutscher Louis Lupin, Albert Lecoq, Arthur Blake und Simon MacNichols.
Besonders hervorzuheben ist hier Sir Percy Blakeney, der als antirevolutionärer Vigilant in bis dahin ungekannter Kühnheit unter der Maske des Dandy und Schwächlings gegen durch die Französische Revolution initiierten gesellschaftlichen Wandel vorging und sich dabei als Meister der Verwandlung und überlegener Fechter bewies. Besonders hervorzuheben deswegen, weil er einer der ersten war, der unter einem farbenprächtigen nom-de-guerre bekannt wurde und ebenso eine doppelte Identität pflegte wie einige Nachkommen derer, die in der Forschung inzwischen als die „Wold Newton Familien“ bekannt sind.„Scarlet Pimpernel, Mademoiselle“, erklärte er schließlich. „ist der Name einer einfachen englischen Blume, die an Wegrändern blüht; aber es ist auch der Name, den sich ein Mann, einer der besten und tapfersten Männer der Welt, ausgesucht hat, um sich dahinter zu verbergen, damit er um so sicherer der Aufgabe nachgehen kann, die er sich gestellt hat.“Vielleicht sind die geheimen Tätigkeiten Sir Percys auch der Grund für die aussergewöhnliche Reise nach Wold Newton gewesen, und erklären die Heimlichkeit, die die dortigen Ereignisse ergeben. Es ist inzwischen allgemein bekannt geworden, dass Sir Percy sich für seine konterrevolutionären Rettungsaktionen eines grossflächigen Netzes von Agenten und Verbindungsmännern bediente, eine Geheimorganisation, die jedoch auch Verbindungen bis in die höchsten Stellen hatte und allgemeinhin nur als „die Liga“ bekannt war. (vide Baroness Orczy:„The League of the Scarlet Pimpernel“; Dennis Wheatley: „The Man Who Killed the King“)
(Die hier erwähnte Blume ist die sanguisorba minor, in Deutschland auch als Pimpinelle oder Bibinelle bekannt.)
Auch hier kann man einen Beginn dessen sehen, was wir die „Geheime Geschichte Europas“ nennen können. Denn es ist nie publiziert worden, wann und ob „die Liga“ ihre Arbeit eingestellt hat. Dies und die mathematische Unwahrscheinlichkeit, dass die Passagiere von Sir Percys Konvoi gerade in dem Moment jene schicksalshafte Ortschaft bei Wold Newton passierten, als jeder geheimnisvolle Himmelskörper einschlug, sollten Raum für weitere Überlegungen und Forschungen geben.
In den Verbindungen, die diese Familien in den folgenden Generationen eingingen, trat das mutierte Gen immer deutlicher zutage und produzierte das, was Farmer eine „Nova genetischer Pracht“ nannte, „diesen Ausbruch grosser Detektive, Wisssenschaftler und Erforscher exotischer Welten, dies letzte Aufblühen wahrer Helden in einem ansonsten degenerierten Zeitalter.“: John Clayton („Tarzan“), Sherlock Holmes, Doc Savage und sein Gehilfe Monk Mayfair, Nero Wolfe, James Bond, Bulldog Drummond, Kent Allard-Lupin („The Shadow“), „G-8“, Richard Wentworth („The Spider“), Lord Peter Wimsey, Philip Marlowe, Sam Spade, Phileas Fogg, Professor Challenger, Arsene Lupin, Richard Hannay, Denis Nayland Smith, C. Auguste Dupin, Sam Spade, Charlie Chan, und John Shaft.
Wie die Dokumentierung der Staumbäume dieser Familien belegt, brachte die Saat des Wold Newton-Gens jedoch auch verdorbene Früchte hervor, Männer und Frauen, die in der Verbreitung des Bösen ebenso hervorragend und genial waren wie andere in seiner Bekämpfung: Darunter fallen berühmte Personen wie Dr. Fu Manchu, Professor Moriarty, Carl Peterson, und der enigmatische Ernst Stavro Blofeld.
Freitag, 1. Juli 2005
Mein Guru
Jess Nevins ist dem deutschsprachigen Leser wohl nicht bekannt, außer vielleicht denjenigen, denen ich in den letzten zwei Jahren die Ohren blutig gelabert habe über die schiere Brillianz seiner Online-Lexika zu Figuren der phantastischen Literatur u.ä.
Ich bin ja ein großer Fan von Alan Moores Werken, und die ursprüngliche League of Extraordinary Gentlemen war lange Zeit das lustigste und seltsamste, was ich gesammelt habe. Was für eine Freude also, als ich irgendwann auf eine Webseite gelangte, in der die Charaktere und Anspielungen, die teilweise bloss in den Zeichnungen versteckt waren, genau erklärt wurden. Und wer hat dies alles herausgefunden?
Richtig. Jess Nevins.
(Seine Anmerkungen und Fußnoten zur League und anderen Werken wie Kingdom Come, Top Ten usw. finden sich unter dem Titel Annotations and other Pursuits hier: http://www.geocities.com/Athens/Olympus/7160/annos.html Ein Autor, der sich selbst als Spinner bezeichnet, weil er Comics analysiert? Was kann man daran nicht mögen? Alle anderen Spinner auf diesem Planeten sind ihm dankbar.)
Als ich mich für Wold Newton zu interessieren begann und Materialien für meine Kurzgeschichten über Aristide Allard, den Absinth-Detektiv, sammelte, fand ich recht schnell ein echtes Füllhorn an Informationen zur phantastischen Literatur des 19. Jahrhunderts - das viktorianische Zeitalter für alle Englischsprechenden - unter dem Titel Fantastic Victoriana.
Der Autor?
Es wird keine Überraschung sein: Jess Nevins.
Fantastic Victoriana beinhaltet etwa 750 Charaktere, Konzepte und Ortschaften aus der Genreliteratur des 19. Jahrhunderts - von Villiers de L'Isle Adam's Axel bis M.P. Shiel's Prince Zaleski.
Selbst als ich mich nach alten deutschen Groschenheft-Figuren umsah, die man vielleicht ohne Copyrights zu brechen auf irgendeine Weise verwursten könnte (und sei es nur als pseudohistorischer Hintergrund), wer hatte die umfangreichste Auflistung zu "German Pulp Heroes"?
Richtig.
Pulp & Adventure Heroes of the Pre-War Years (ca. 1770 Einträge, aber wer zählt das noch?)
Wahrlich, Jess Nevins ist der Meister.
(Und langsam wird er mir ein bischen unheimlich... kann ein Mensch alleine soviel schreiben?)
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Auch wenn ich gewöhnlich Bücher nur zögerlich empfehle oder bewerbe, und das auch nur, wenn ich die Bücher selbst gelesen habe, oder den Autoren persönlich kenne, möchte ich hier eine Ausnahme machen. Mr. Nevins hat sowohl die Anmerkungen zur League of Extraordinary Gentlemen als auch die Fantastic Victoriana in erweiterter (und noch tollerer) Form als Bücher veröffentlicht. Wer sagt also, daß man über die private Homepage nicht zu Ruhm und Ehre gelangen kann? Die Bücher können auch bei Amazon Deutschland bestellt werden (krieg ich jetzt Prozente?):
Heroes & Monsters: The Unofficial Companion to the League of Extraordinary Gentlemen von Jess Nevins, u. a. Monkeybrain (Dezember 2003) Taschenbuch / Sprache Englisch
A Blazing World: The Unofficial Companion to the Second League of Extraordinary Gentlemen von Jess Nevins Monkeybrain Books (1. Oktober 2004) Taschenbuch / Sprache Englisch
The Encyclopedia of Fantastic Victoriana von Jess Nevins Monkeybrain Books Gebundene Ausgabe / Sprache Englisch
The Encyclopedia of Pulp Heroes folgt voraussichtlich September 2006 ebenfalls bei MonkeyBrain Books.
Mittwoch, 29. Juni 2005
Wold Newton :: Die Könige der Welt, 1. Teil
"Es gibt nur zwei Menschen auf der Welt, welche die Tiefen des Abgrunds erforscht haben. Der eine ist Nemo. Der andere bin ich."Es ist ein interessanter Menschentypus, der uns in der gas-erleuchteten Dämmerung der Moderne gegenübertritt. Er ist kein Held und kein Schurke, sondern eine Persönlichkeit, so herausragend, daß sie jenseits von Gut und Böse steht; ein Übermensch, der sich der Bewegung durch die Welt entzogen hat und sich aus eigener Kraft hinausbewegt, fort, weit fort von der Masse und all ihrer behaglichen Mittelmäßigkeit.
Dieser Mann hat keine Heimat; er hat einen Stützpunkt. Eine Festung der Einsamkeit. Einen nicht kartographierten Ort, der bestenfalls die Bezeichnung ‚X' trägt. Dieser Mann hat keine Freunde, er hat Gefährten. Männer, einsam wie er, die wie er dem Weg in den Untergang folgen, den das Schicksal für sie vorherbestimmt hat. An Bord seines anachronistischen Vehikels trotzt er den Elementen durch die erste Macht der Elektrizität. Er sät nicht und erntet doch: Er ist ein Pirat, ein Eroberer, ein König der Welt. Ein Blitz aus der dunklen Wolke Mensch.
In seiner Urform hat ihn Jules Verne in "20.000 Lieues sous les Mers" beschrieben: Es ist der Kapitän, der sich Nemo ("Niemand") nennt, der mit dem Unterseeboot Nautilus Furcht und Schrecken auf den Weltmeeren verbreitet, die Schätze der Meere plündert und sich dennoch die Zeit nimmt, in der Manier von Byron an den unterseeischen Ruinen von Atlantis zu philosophieren. Verne kehrt zu diesem Charakter in "Robur le Conquerant" zurück; doch Robur der Eroberer ist ein noch dunklerer Charakter als Nemo. Aus ihm spricht nur der Hochmut des Übermenschen, und der Betrachter ahnt bereits daß man die Welt nicht schmerzlose erobern kann, ohne Ungerechtigkeiten gegen jene zu begehen, die sich dem Fortschritt widersetzen. Roburs Schiff ist das erste Luftgefährt, das schwerer ist als Luft, ein mächtiger Helikopter ein Jahrhundert vor seiner Zeit. Albatross ist ihr Name, seit Coleridges ‚Reim des Alten Seemanns' ein düsteres Emblem, das der Welt bald am Halse baumeln soll. In späteren Jahren (in "Maitre du Monde") wird Robur eine deutlichere Sprache sprechen: sein zweites Schiff, das zu Land, zu Wasser und in der Luft agiert, heißt schlicht Terror. In der glorreichen Freiheit dieser anarchischen Könige der Welt ist bereits der Schrecken der Anarchie impliziert. Der übermenschliche Individualist ist auch ein Ahnherr des internationalen Terrorismus. Er ist das, was Monte-Cristo geworden wäre, hätte er die überlegene Technik besessen. Seine Namen sind viele. Seine vielleicht letzte Gestalt nimmt er in Kapitän Mors ("Tod"?) an, dessen Abenteuer von deutschen Autoren in der ersten utopischen Romanserie, "Der Luftpirat und Sein Lenkbares Luftschiff", beschrieben wurde. Und Kapitän Mors ist tatsächlich auch derjenige unter den Eroberern der Lüfte, der sich am längsten dem Zugriff durch die Welt entziehen kann, zuerst an Bord seines Proto-Zeppelins, und später an Bord des Weltenfahrzeugs Meteor.
Er ist der Willensmensch, der der Gesellschaft - jeder Art von Gesellschaft! - den Rücken kehrt und sich in die Regionen zurückzieht, die nicht vergesellschaftet worden sind. Mit jeder Generation geht er einen Schritt weiter. Nemo genügte es noch, sich in die Ozeane zurückzuziehen. "Hier allein ist Unabhängigkeit! Hier kenn' ich keine Herren. Hier bin ich frei!" Robur machte sich die Lüfte untertan. Immer weiter entfernt liegt der Horizont, das Verlangen richtet sich stets auf das Unerreichbare: Die weißen Flecken der Landkarte, die Polregionen, die unentdeckten Lande, Terra Incognita und Terra Arcana. Als Zeppeline beginnen, die Luftmeer zu bevölkern, zieht sich Kapitän Mors zwischen die Planeten zurück und verschwindet schließlich aus der Geschichte.
Diese Gestalten, obwohl eine Klasse für sich, die immer wieder zur Nachahmung anregen wird, gehören zu einem Typus, der im 20. Jahrhundert immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. Hier ist der Mann der Handlung, der sich selbst durch gewalttätige Handlungen und den Kampf an sich verwirklicht. Hier ist der Krieg der Vater aller Dinge, und der verborgene Spiritus Rector des Schicksals. Dies ist nicht ein harter Bursche per se, der Held oder Anti-Held folgt der Logik seiner eigenen Verhaltensregeln bis zum bitteren Ende, selbst wenn dies zu seiner eigenen Zerstörung führen sollte.
Das psychologische Narbengewebe, das hinter einem solchen Kode verborgen liegen kann, wäre ein würdiges Thema für postmoderne literarische Strategien, aber wie antike Heroen entzieht sich der automobile Übermensch jeder Art von Vermenschlichung. Mit der Masse hat er nichts gemein, unerreichbar schwebt er über der brodelnden Menschenmasse, nicht nur vertikal, sondern auch emotional entrückt. Durch die Entfernung erscheinen sie ihm nicht nur so klein wie Ameisen, sondern auch ebenso unbedeutend. Die Relativierung der menschlichen Spezies im Zuge der Elektrifizierung: Die Industrialisierung, die Urbanisation, die explosive Entwicklung der Eisenbahn und die durch die Erfindung von Telegraf und Telefon allmählich vernetzte Welt: All dies lehrte, wie unwichtig menschlichen Interessen sind, wenn man sie unter den Aspekten betrachtete, die die Wissenschaft nach und nach über die Erde und uns selbst herausfand.
"Das Abbild des Fortschritts war ein vorwärts- und ein rückwärtsblickender Januskopf: Prometheus wendet sich der von Wundern erfüllten Zukunft zu und gibt uns das Werkzeug, mit dem wir uns voranarbeiten können, während das Monstrum rückwärts schaut, in den Abgrund, die Tiefen der Zeit - in eine noch größere Dunkelheit, die alle unsere Interessen begräbt." (John Clute, Science Fiction: Die illustrierte Enzyklopädie)Dies ist das treffendste Bild des Fortschritts, an das sich der Mensch während des 20. Jahrhunderts gewöhnen mußte. Hat er es heute schon begriffen? Die Idee des Fortschritts, eine moderne, also falsche Idee, wie Nietzsche anmerkte, offenbarte sich als eine Doktrin, die kein Gegenargument zuzulassen scheint. Eine Doktrin, die auf irgendeine Weise gleichbedeutend sein soll mit einem Trend hin zu sozialer Gleichheit, eine zweifellos dem christlichen Glauben entlehnter Eschatologie, die uns einreden will, daß die technische Zukunft letztendlich gleichbedeutend mit dem Paradies sei. Und dennoch haben sich bereits im 19. Jahrhundert zwei Nationen gebildet, deren willentliche Nachfahren wir sind, die Reichen und die Besitzlosen. Die Nationen des 21. Jahrhunderts nennen sich anders, Reichtum und Armut messen sich jetzt an Informationen, aber dennoch: Wären wir so erfahrene Zeitreisende wie der von Wells Beschriebene, könnten wir jetzt schon sagen, ob wir zu den Eloy oder den Morlocks gehören. Für die Könige der Welt aber sind wir alle Morlocks, dampfbetriebene, gas-erleuchtete, rauchatmende Zerrgestalten, die auf dem dünnen Seil balancieren, der zu seinem Heim in einsamen Bergen führt. Mit kalten Augen beobachtet er uns, und weiß bereits, daß wir straucheln.
Diese Männer gehören nicht zu der Zeit, der sie entstammen. Sie gebieten über die Elektrik in der Zeit des Dampfes. Sie sind Weltenbürger in der Zeit des aufstrebenden Nationalismus. Sie sind Individualisten, während die Menschheit vermasst wird. Diese Männer sind erste Vertreter des Helden vom Schlag ‚Einsamer Wolf', der in den 30er und 40er Jahren so populär werden sollte, aber dunkler, da ihnen der Bezug zum Menschen fehlt. Der Detektiv, der Flieger, der Superheld mag alleine sein und sich dem gewöhnlichen Hickhack der Welt entzogen haben, aber er arbeitet nach einem eigenen Ehrenkodex, und dieser reguliert seine Beziehungen zum Mitmenschen. Der Übermensch hat keine Mitmenschen, keine Nachbarn, keine Familie und keine Erben. Er lebt in einem zeitlosen Punkt zwischen allen Dimensionen; ohne Vergangenheit, ohne Zukunft, ohne Grenzen und ohne Bestimmung. Er ist ein Mann des Schicksals, und deswegen muß das Schicksal ihn zerstören; das heißt, er muß sich selbst zerstören, in dem er seinem Gesetz bis zum letzten Buchstaben des letzten Satzes folgt. Dieser Impuls treibt die mächtigen Maschinen an, über die er gebietet. In einer Welt, die sich beständig wandelt, bleibt er mobilis in mobili, "beweglich im Bewegten", wie das Motto der Nautilus lautete.
Moral ist diesem Mann ein Fremdwort. Er ist der absolute Herrscher seines automobilen Universums, einer hermetischen Welt, in sich abgeschlossen und erfüllt vom diskreten Charme der Bourgeoisie, komlett mit poliertem Messing und Privatbibliothek, Beides, Maschinen und ihre Erbauer, existieren glücklich außerhalb jeder Gesellschaft, und da ist kein Gesetz, das er anerkennt außer dem seines Willens. Er ist unverwundbar, unbesiegbar. "Gott, wenn er an ihn glaubte, und sein Gewissen, wenn er eines besaß, waren seine einzigen Richter." Wenn er es für richtig erachtet, hilft er vielleicht sogar dem Menschen, ohne daß dies seine Verachtung mindern würde. Die unzivilisierten Wilden müssen sich dem Überlegenen beugen, aber zu unserem Erschrecken müssen wir feststellen, daß wir in seinen Augen allesamt Wilde sind. Sie nehmen die Schätze der Welt an sich und verteilen sie an den Pöbel, aber die Bewunderung der Menschen verhallt unter dem Dröhnen sich schnell entfernender Propeller.
Die Gaslaternen sind verloschen, die Zeppeline von den Himmeln verschwunden. Die gaserleuchteten Visionen des 19. Jahrhunderts gingen in den Giftgas-Kriegen des 20. Jahrhunderts unter, aber der unausgeglichene Druck des Fortschritts bleibt erhalten, heute mehr als früher. Die Versprechungen, die die Technik für uns bereitgehalten hat, die Utopie der Gleichheit, die Prophezeiung des artifiziellen Paradieses, wurden nicht eingehalten. Der Kreislauf ist vollkommen, an der Wiege des 21. Jahrhunderts steht der gleiche vorwärts- und ein rückwärtsblickender Januskopf wie an der Wiege des 20. Die zweite Industrialisierung, die Globalisierung, die explosive Entwicklung der Datenhighways und die durch die Vernetzung allmählich raumlose Welt.
Die Zukunft birgt nur noch wenig materiellen Vorteil, stattdessen eine noch viel größere Dunkelheit, die alle unsere Interessen begräbt. Da ist kein Raum mehr, und selbst die Zeit ist vergesellschaftet worden. Keine Eroberung ohne Ungerechtigkeiten gegen jene, die sich dem Fortschritt widersetzen. Das elektrische Licht weicht dem virtuellen, unsere Träume von der Zukunft wurden zu den Nachtmahren des Gestern.
Wieder schauen zwei Nationen zu den Himmeln empor und warten auf ein Zeichen.
Wann taucht er wieder aus den Tiefen des Abgrundes auf?
Der Pirat und Eroberer, der König der Welt.
Ein Blitz aus der dunklen Wolke Mensch.
Sonntag, 12. Juni 2005
Wold Newton :: Prämisse
An der Basis des "Wold Newton Universums" liegt der wohldokumentierte Meteoriteneinschlag, der sich im Jahre 1795 in der Nähe des englischen Dorfes Wold Newton ereignete. Dabei freiwerdende Strahlung verursachte eine Mutation in den Genen der beim Absturz Anwesenden, die sich jedoch vor allem in den hervorragenden körperlichen und/oder geistigen Leistungen späterer Generationen bemerkbar machen sollte. Die Nachkommen dieser beim "Wold Newton Zwischenfall" Anwesenden schließen außer Tarzan und Doc Savage auch so diverse Figuren wie Sherlock Holmes, Professor Moriarty, Phileas Fogg, Allan Quatermain, Nero Wolfe, Mr. Moto, Philip Marlowe, Dr. Fu Manchu oder den Mann namens Shadow ein. Ebenso wie viele, viele andere. Der in Wold Newton entstandene genealogische rote Faden verbindet somit Charaktere aus verschiedenen Epochen und Genres, und schafft ein Kontinuum und eine Kontinuität, in der unterschiedlichste Figuren oder ihre Verwandten auf eine Weise interagieren, wie es von ihren Schöpfern niemals geplant - oder vielleicht gewagt - wurde. [Eine Kontinuität von vergleichbarer Art wurde von Alan Moore als Hintergrund für die ursprüngliche League of Extraordinary Gentlemen geschaffen.]
Dies ist natürlich eine ironische Spiegelung der Gesetzmäßigkeiten von Populär- und anderer Literatur. So wie die Genetik für die Vererbung bestimmter Eigenschaften innerhalb eines Stammbaumes sorgt, tauchen im Bewußtsein eines Autoren unbewußt oder auch gewollt immer wieder Figuren auf, die auf bestimmten Archetypen basieren oder vorher existierenden Figuren nachempfinden wurden. Auch dies ist eine Art Erbe, die Vererbung literarischer Konventionen oder Ideen. Das Wold Newton Universum, und in seinem Herzen die Wold Newton Familie, ist nichts anderes als die Anerkennung und ironische Klassifizierung dieses literarischen Erbes: Semiotische Prozesse werden als genetische erklärt, und was in der Literatur unseres Universums Genrekonventionen, Klischees oder gar Plagiate sind, werden zu Teilen der ‚Geheimen Historie' dieses anderen, viel unglaubwürdigeren, aber auch viel prächtigeren Universums.
Auf der Basis dieser Prämissen hat sich eine umfangreiche Sekundärliteratur entwickelt, in der fleissiger und teilweise kongeniale Forscher beständig neue Fakten in die wachsende Kontinuität des Wold Newton Universums einfügen. Kreative Mythographie formt die Historie und Geographie einer anderen Welt, die anders ist als selbst unsere kühnsten Erwartungen. Das Universum, das in diesen Thesen und Forschungsberichten Gestalt annimmt, ist sicherlich ein fremdes; zugleich jedoch auch eines, das jeder Leser bereits einmal betreten hat.
Da die meisten Beiträge zum Wold Newton Universum bisher aus den englischsprechenden Ländern stammen, siehe "An Expansion of Philip José Farmer's Wold Newton Universe", ist es nicht verwunderlich, daß nur wenige Charaktere aus dem weiten Feld kontinentaleuropäischer Populärliteratur ihren Weg in die Kontinuität gefunden haben. Ein Zweck dieser Seite soll die Behebung dieses Mangels sein, ebenso wie die Erforschung der europäischen Kontinuität und der verborgenen oder "okkulten" Geographie Europas, wie sie sich in verschiedenen Quellen der Populärliteratur finden lässt.
[Für die französischsprachige Welt gibt es bereits vergleichbare Pionierarbeit von Monsieur Lofficier, deswegen soll der geographische Fokus dieser Seite vor allem auf Mitteleuropa liegen.]
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Da wir noch nicht dazu gekommen sind, unser Material zu Forschungen in den Paralleluniversen der Phantastik des 19. und 20. Jahrhunderts (u.a. "Die Strelsau-Papiere" und "Die Herren der Welt") zu ordnen und auszuarbeiten, wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis NEMED HOUSE eine dazu gehörende Webseite lanciert. Um wieder nicht die letzten zu sein, die zu diesem Thema gehört werden, werden wir Zusammenfassungen und erste Abschnitte zeitgleich im NEMED HOUSE WEBLOG veröffentlichen.