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Sonntag, 9. September 2012
Donnerstag, 6. September 2012
Monomythos :: Der solare Mythos [2]
Fortsetzung des vorhergehenden Eintrages in dieser Reihe
Der Monomythos als solarer Mythos
5. Die Nacht: Löwe/SONNE: Die Sphäre der Wiedergeburt – der vom Ich befreite Held gewinnt sein Selbst. Das Überschreiten der Schwelle ist das Abstreifen der Weltlichen Haut, der Eintritt in den Weltschoß, die Stille des Göttlichen, das mit Schrecken verbunden ist. Der Held, der die Prüfung der Schwelle nicht besteht, wird verschlungen und muss im Hexenkessel sieden, bis er sich wieder zusammensetzt – ganz wird – und ausgespien wird.
6. Die Prüfungen: Jungfrau/MERKUR: Der Weg der Prüfungen ist der der Reinigung vom Selbst – wo die Sinne gereinigt und erniedrigt werden. Die infantile Bilderwelt wird aufgelöst, überwunden oder umgewandelt. Die Entdeckung und Annihilation des eigenen, ungekannten Selbst. Die Widerstände werden gebrochen, man beugt sich dem eigentlich Unerträglichen wieder und wieder, nur geleitet vom eigenen Licht.
7. Gericht & Lohn: Waage/VENUS: Das Wort des Gerichtes ist Akzeptanz. Der Göttin ohne Begierde zu begegnen, heißt sie zu gewinnen, denn sie kann nicht gezwungen werden. Das Leichte ist Illusion, real das Harte, das am Sein leicht wird. Alles Infantile bedeutet letztlich nur Verderben, wer dieser Begegnung nicht gewachsen ist, wird zerbrechen. Hier wird das Herz gewogen; nur Vertrauen löst den Drachenvater auf, dies ist nur dann möglich, wenn die Bindung ans Ich auch gelöst wird.
8. Weigerung zur Flucht: Skorpion/MARS: Das Gewonnene muss weitergegeben werden – dies ist das Elternschaftsmysterium. Ein Innehalten oder die Verweigerung zu lehren wäre Perversion, ein Regress, ein Rückschritt in die Verantwortungslosigkeit der Kindheit. In diesem Zusammenhang kann man auf den alten Mythos hinweisen, dass ein Skorpion sich eher selbst tötet als zurück zu weichen oder den Flammenkreis zu durchschreiten.
9. Flucht: Schütze/JUPITER: Diese Flucht ist auch eine Heimkehr, die Verteidigung des Gewonnenen. Hier erweist sich der geläuterte Held würdig der Ehrung. Gewitzt kann er die Verfolger ablenken, da diese noch ihr sterbliches Ich besitzen – es ist die Verfolgung des Überirdischen durch das Materielle, die Qlipoth, die nach dem hungern, was ihnen Existenz gibt und von denen sie sich früher sicher nähern konnten. Eine Hilfe kann erscheinen – dies ist das externalisierte Überirdische, oder auch die Personifikation des Lohnes. Die Welt aber ruft nach ihrem Erlöser.
10. Überschreiten der Schwelle: Steinbock/SATURN: Stellt die neuerliche Invertierung der Wertmaßstäbe dar. Die Gefahr der Profanisierung des Gefühles des Einsseins mit der Leere. Hier kann das Erhabene an der Schwelle zurückbleiben, weil es in der Realität keinen Platz zu haben scheint, oder die Erfahrung nicht ohne Beweis mitgebracht werden kann. Wenn die Transzendenz zurückbleibt, endet hier der Mythos. Wird sie weitergetragen, so treten wir in die Phase eines spirituellen-religiösen Mythos, denn...
11. Herr der zwei Welten: Wassermann/SATURN: Er weiß um alles Verborgene. Er hat das Geheimnis gelöst. Er offenbart sein Wissen um die Doppelnatur der Welt, die eins ist und...
12. Freiheit zum Leben: Fisch/JUPITER: ...steht als gefestigter (priesterlicher) Lehrer inmitten derer, die an ihn glauben werden.
Mittwoch, 5. September 2012
Monomythos :: Der solare Mythos [1]
Das im vorhergehenden Eintrag in dieser losen Reihe vorgestellte Modell des Monomythos - der Reise des Helden - hat seine Stärken, jedoch auch seine Schwächen, die dort hervortreten, wo einzelne der Situationen zusammengefasst oder fortgelassen werden, um zu einer griffigeren Zahl zu kommen. Dennoch hat diese Vorgehensweise seine Berechtigung. Im Folgenden wird in einem unveröffentlichten Essay von 2003/4 versucht, 12 Stationen des Monomythos mit dem solaren Mythos oder der Reise der Sonne (des Ego) durch die 12 Tierkreiszeichen in Zusammenhang zu setzen. Ein erster Entwurf für die bisher unveröffentlichten (und unvollendeten 'Tarotromane'.
Der Monomythos als solarer Mythos
STATION und PSYCHE
Vorgeschichte --
Berufung : Widder
Weigerung : Stier
Hilfe von aussen : Zwilling
Überschreiten der Schwelle : Krebs
Die Nacht : Löwe
Die Prüfungen : Jungfrau
(Treffen mit der Göttin
Versuchung
Versöhnung mit dem Vater
Apotheose)
Die höchste Belohnung : Waage
Weigerung zur Flucht : Skorpion
Flucht : Schütze
(Rettung von aussen)
Überschreiten der Schwelle : Steinbock
Herr der zwei Welten : Wassermann
Freiheit zum Leben : Fisch
Diese kleine Anordnung korreliert mit den Theorien von Campbell’s Heros mit den 1000 Gestalten. Die Stationen des Helden entsprechen eher psychologischen Punkten, d.h. der Wirkung und der Leistung des solaren Egos, anstelle der Situation, in der er sich befindet. In der Nacht muß die Sonne am stärksten strahlen, um siegreich aus den initiatorischen Nebeln aufzutauchen.
Psychische Erläuterung der Stationen
1. Berufung: Widder/MARS: Die Berufung ist verbunden mit Symbolen des (verhüllten) Weltnabels – das Erwachen des Selbst, die Vorankündigung des notwendigen prozesses, das Erwachen/Erwachsen. Es ist die Berufung zum Leben, zum Tode, zur Geschichte. Mächte, die außerhalb stehen (scheinbar) verwickeln den Helden in die größere Geschichte. Diese verkleideten fremden Mächte sind auch mit dem Verschmähten, dem Schatten verbunden. Der Unbekannte, verhüllte, Bote, Psychopomp, der den jungen Prinzen hinweg ruft.
2. Weigerung: Stier/VENUS: Dies ist die Verweigerung dem Schicksal gegenüber – oder das Problem des Materialismus. Kann auch als Rückschlag und Widerstände verstanden werden, die eine Geschichte erst ins Leben ruft. Die Weigerung ist auch Ablenkung – die Verneinung auf den Ruf der Reifeprüfung, die Unfähigkeit, das Kindheits-Ich abzulegen. Hier zeigt sich wieder daß Stasis einer Entwicklung im Wege steht.
3. Hilfe von aussen: Zwilling/MERKUR: Diese Helfer sind weitere Verkörperungen des Schicksals – das Prinzip des Wachens und Leitens, ambivalent wie alles Unbewußte – dies ist der Initiationspriester, unter dessen Schutz, und mit deren Hilfe die Bedeutung des Weges erkannt wird. Dies ist merkurisch – er stellt sozusagen die Sicherheit des Herzens fest, Führer und Verführer in einem, derjenige der sich dem Ruf jetzt noch verweigert, wird verderben.
4. Überschreiten der Schwelle: Krebs/MOND: Stellt eine erste Invertierung der Wertmaßstäbe dar. Die Schwelle stellt den Rand des Bekannten dar – hinter ihr beginnt das Fremde, das Märchenland, die Unterwelt. Sie wird von einem Wächter geschützt – dies kann durchaus als eine Schutzfunktion des Unbewußten verstanden werden, die Angst vor der Veränderung, oder dem Ende eines Abschnittes (Tod). Der Bewohner dieser Grenze kann als Halbwesen erscheinen, um die ambivalente Natur dieser Schwelle zu verdeutlichen, auf der das ICH geopfert wird. Der Hüter der Schwelle kann in jungianischen Termini auch als Schatten erscheinen.
(Fortsetzung im nächsten Eintrag)
Montag, 3. September 2012
Monomythos :: Campbell & Vogler
Wer den vorhergehenden Eintrag in dieser losen Reihe gelesen hat, wird vielleicht den Verweis auf die "Heldenreise", den Monomythos nach Campbell gesehen haben. Die Reise ist in verschiedene Stationen (17) eingeteilt - dramatische Situationen - die berühmterweise von Vogler für Drehbuchautoren zusammengefasst wurden (s.u.) Hier sind es 12, eine Zahl, die befriedigender scheint, den Ästheten jedoch durch in dieser Ausarbeitung nicht überzeugen kann. Hierzu dann demnächst mehr - der Monomythos als solarer Mythos.
Campbells Modell (17 Stationen, mit Vorgeschichte 18)
I: Abreise1. Vorgeschichte (wenn notwendig)
2. Die Berufung zum Abenteuer
3. Verweigerung dem Ruf
4. Übernatürliche Hilfe
5. Überschreiten der Schwelle
6. Der Bauch des Wales
II: Initiation
1. Der Weg der Prüfungen
2. Treffen mit der Göttin
3. Versuchung
4. Versöhnung mit dem Vater
5. Apotheose
6. Die höchste Belohnung
III: Rückehr
1. Weigerung zurückzukehren
2. Die magische Flucht
3. Rettung von Außen
4. Überschreiten der Schwelle
5. Meister der zwei Welten
6. Freiheit zu leben
Voglers Ausarbeitung für Drehbuchautoren (in 12 Stationen zusammengefasst)
I: Abreise1. Ausgangspunkt ist die gewohnte Welt des Helden.
2. Der Held wird zum Abenteuer gerufen.
3. Diesem Ruf verweigert er sich daraufhin zumeist.
4. Ein Mentor überredet ihn daraufhin die Reise anzutreten, und das Abenteuer beginnt.
5. Der Held überschreitet die erste Schwelle,
…nach der es kein Zurück mehr gibt.
II: Initiation
1. Daraufhin wird er vor erste Bewährungsproben gestellt und trifft dabei auf Verbündete und Feinde.
2. Nun dringt er bis zur tiefsten Höhle vor und trifft dabei auf den Gegner.
3. Hier findet die entscheidende Prüfung statt:
Konfrontation und
…Überwindung des Gegners.
4. Der Held wird belohnt, indem er z.B. den Schatz oder das Elixier raubt.
III: Rückkehr
1. Nun tritt er den Rückweg an…
…während dessen es zur Auferstehung des Helden kommt.
2. Diese Auferstehung ist nötig, da er durch das Abenteuer zu einer neuen Persönlichkeit gereift ist.
3. Anschließend tritt der Held mit dem Elixier den Heimweg an.
Samstag, 1. September 2012
Monomythos :: Prolog
Ein schlauer Mann hat einmal gesagt, dass alle Geschichten eine sind, und diese Geschichte die einer Suche ist. Der individuelle Held ist der kosmische Held, und seine Suche, gilt sie nun Weisheit, Frieden oder wahrer Liebe, ist immer die Suche nach Transzendenz und Selbsttransformation. Die Suche nach dem Schicksal.
Und wie immer ist der Weg das Ziel, die Suche ist das Schicksal.
Es ist deswegen nicht verwunderlich, dass sich die Grundstruktur - der Plot - einer jeden Geschichte ähnelt, oder vielleicht sogar die gleiche ist.
Joseph Campbell hat gleiches für die Mythologie der Menschheit festgestellt und nannte es den Monomythos - die Reise des Helden.
Seine Analyse ist nicht unumstritten, aber das hat Hollywood und andere nicht daran gehindert, Elemente oder die Gesamtheit des Monomythos zu entwenden und zur Strukturierung von so unterschiedlichen Werken wie Star Wars oder Matrix zu benutzen.
Selbst ein eleganter Stilist wie Neil Gaiman sagt über sich, dass er wohl unbewusst dem Monomythos folgt - die eine Geschichte drängt danach, neu erzählt zu werden.
Vielleicht ist es auch eine Art universelles Mantra des homo sapiens, durch dessen Neuerzählung wir uns selbst versichern: Die Konsenstheorie von Wirklichkeit.
Mehr zum Monomythos und seiner Anwendung, sowie weiteren "Plotformeln" in den kommenden Tagen, zusammengestellt aus Notizen der letzten 10 Jahre.
Dienstag, 15. April 2008
Plotuhr, äh... Plot-Uhr, Uhr-Plot oder so...
Story Structure 106: Five Minute Pilots:
"Lot of exciting, creative stuff happening, but very little structure. Again, boo, but the lesbian scene did give me a boner."
Eine etwas amüsantere Version einfacher Plotstruktur, und irritierenderweise sogar in Harmonie mit Campbells "Reise des Helden", diesem Monomythos, mit dem ich soviel Zeit verbracht habe, um ihn als Plotstruktur auf einen Zodiak zu projizieren. Der Autor des Artikels schafft das in 5 Minuten und braucht nur acht Punkte. Damn!
"Lot of exciting, creative stuff happening, but very little structure. Again, boo, but the lesbian scene did give me a boner."
Eine etwas amüsantere Version einfacher Plotstruktur, und irritierenderweise sogar in Harmonie mit Campbells "Reise des Helden", diesem Monomythos, mit dem ich soviel Zeit verbracht habe, um ihn als Plotstruktur auf einen Zodiak zu projizieren. Der Autor des Artikels schafft das in 5 Minuten und braucht nur acht Punkte. Damn!
So einfach wie das ABC
Classic Story Structure Begins with Plot by Adam Sexton:
"Action
Background
Conflict
Development
End"*
Keine schlechte Einteilung, weil es so einfach ist. Aber reicht das, um den Plot/die Handlungsebene einer Geschichte zu klassifizieren... Eine etwas öde Architektur, gerade weil es so einfach ist. Immerhin, es hat etwas von der klassischen Einteilung des Dramas. Fehlennur noch ein paar Säulen und Koryatiden...
* weil unter E der gesamte letzte Akt fällt, hat der Autor des Artikels vorsichtshalber noch einmal drei Cs als Unterrubriken angeboten: Crisis, Climax, Consequences. Na bitte.
"Action
Background
Conflict
Development
End"*
Keine schlechte Einteilung, weil es so einfach ist. Aber reicht das, um den Plot/die Handlungsebene einer Geschichte zu klassifizieren... Eine etwas öde Architektur, gerade weil es so einfach ist. Immerhin, es hat etwas von der klassischen Einteilung des Dramas. Fehlennur noch ein paar Säulen und Koryatiden...
* weil unter E der gesamte letzte Akt fällt, hat der Autor des Artikels vorsichtshalber noch einmal drei Cs als Unterrubriken angeboten: Crisis, Climax, Consequences. Na bitte.
Dienstag, 24. Oktober 2006
Mystery 101 :: Formel und Figur
Ein kleiner Eintrag, in unsere kleine Halloweenfeier nachgeschoben, weil er hier viel besser hinpasst als in den nächsten Monat.
Manchmal steht man mitten und Leben dann wird einem klar, wieviele Dinge man begonnen aber nicht beendet hat. Vielleicht sollte man nicht versucIch steh' ja auf Plotformeln. Praktische kleine Wegweiser, um schnell eine funktionierende Geschichte zu basteln. Langweilig vielleicht, aber funktionierend. (Die Meisterschaft zeigt sich daran, mit solchen Formeln so zu spielen, dass etwas Neues entsteht - oder dass man nicht einmal merkt, dass eine Formel darin verborgen liegt.
Nachdem ich letztes Jahr recht ausführlich über die Plotformel für einen erfolgreichen Teenie-Splatterfilm philosophiert habe, mache ich es mir diesmal einfacher und stehle einfach etwas. In einem der Nachbarblogs hat ein Kollege etwas ganz ähnliches gemacht, nur diesmal für die "Mystery"-Comics aus den 70ern - sie wissen schon, diese etwas verwässerten Neuauflagen der EC-Formel, mit denen z.B. ein paar Jahrzehnte erfolreich war. Selbst Swamp Thing ist als Eintagsfliege in einer dieser Anthologien zum ersten Mal erschienen. Und auch wenn der Autor diese Formelhaftigkeit selbst nicht ganz ernst nimmt, muss er recht haben, denn ich habe Dutzende, wenn nicht Hunderte Comic-Kurzgeschichten gelesen, die ganz genauso aufgebaut sind.
2. Hubris in the face of great challenge
3. Personal conflict and/or rivalry
4. Love lost (or threatened to be lost)
5. Murder
6. Madness and deadly comeuppance
So, und damit ich hier nicht alles zusammenklaue - das ist auch eine Art Plotformel, nur diesmal für's bloggen - kann man das mit einem hübschen Beispiel nachlesen, mann muß nur einfach klicken auf den...
Manchmal steht man mitten und Leben dann wird einem klar, wieviele Dinge man begonnen aber nicht beendet hat. Vielleicht sollte man nicht versucIch steh' ja auf Plotformeln. Praktische kleine Wegweiser, um schnell eine funktionierende Geschichte zu basteln. Langweilig vielleicht, aber funktionierend. (Die Meisterschaft zeigt sich daran, mit solchen Formeln so zu spielen, dass etwas Neues entsteht - oder dass man nicht einmal merkt, dass eine Formel darin verborgen liegt.Nachdem ich letztes Jahr recht ausführlich über die Plotformel für einen erfolgreichen Teenie-Splatterfilm philosophiert habe, mache ich es mir diesmal einfacher und stehle einfach etwas. In einem der Nachbarblogs hat ein Kollege etwas ganz ähnliches gemacht, nur diesmal für die "Mystery"-Comics aus den 70ern - sie wissen schon, diese etwas verwässerten Neuauflagen der EC-Formel, mit denen z.B. ein paar Jahrzehnte erfolreich war. Selbst Swamp Thing ist als Eintagsfliege in einer dieser Anthologien zum ersten Mal erschienen. Und auch wenn der Autor diese Formelhaftigkeit selbst nicht ganz ernst nimmt, muss er recht haben, denn ich habe Dutzende, wenn nicht Hunderte Comic-Kurzgeschichten gelesen, die ganz genauso aufgebaut sind.
So You Want to Tell a Scary Story...
1. Horrific clairvoyant vision2. Hubris in the face of great challenge
3. Personal conflict and/or rivalry
4. Love lost (or threatened to be lost)
5. Murder
6. Madness and deadly comeuppance
So, und damit ich hier nicht alles zusammenklaue - das ist auch eine Art Plotformel, nur diesmal für's bloggen - kann man das mit einem hübschen Beispiel nachlesen, mann muß nur einfach klicken auf den...
Dienstag, 11. Oktober 2005
Splatter 101 :: Set und Setting
Merken diese armen Seelen denn nicht, dass sie sich in einem Film befinden?Der Textcursor auf dem Bildschirm, wo das Drehbuch entsteht, ist wie die Klinge, die sie hetzt.
Können sie denn nicht aus diesem Albtraum erwachen!?
Wir wollen diesen armen Seelen keine falschen Hoffnungen machen. Natürlich gibt es kein Erwachen. Das Drehbuch folgt festen Regeln. Es gibt keine Ausnahmen. Diese Puppen existieren nur zu unserem Vergnügen, und unser Vergnügen ist es, sie möglichst spektakulär geopfert zu sehen auf dem Medienaltar.
Schau wie sie tanzen auf der Bühne unseres eigenen düsteren Puppentheaters!
Sie lachen, sie weinen, sie atmen, sie sterben, Insekten in einem Alptraum, aus dem es keinen Ausweg geben kann, bis die Leinwand sich wieder erhellt.
Der Zuschauer aber wird durch die Magie des Drehbuchautoren zum Halbgott. Unsichtbar schwebt er über dem Geschehen, sicher, der einzige zu sein, von dem er weiß, diese Nacht überleben zu können.
Es ist darauf hingewiesen worden, dass Splatter nichts anderes ist als die Fortsetzung des blutigen Grand Guignol-Theaters des 19. Jahrhunderts. Tatsächlich steht es in einer langen ruhmreichen Reihe mit allerlei schrecklichen Spektakeln, bei denen die Zuschauer ihre eigenen Getränke und Popcorn mitbringen konnten, angefangen von öffentlichen Hinrichtungen bis zu den Spielen der Kreisliga.
Wie haben wir gelacht, wenn sie am Galgen mit des Henkers Tochter tanzten! Wie sie strampelten! Welch lustige Gesichter sie machten! Und tief in uns waren wir erleichtert, dass wir es nicht waren, die man in die Höhe gezogen hat, oder?
Heute haben wir das gleiche Vergnügen, aber sicherer und sauberer. Wir müssen nicht mehr fürchten, dass uns das Blut der Hingerichteten ins Auge spritzt – es wird die Leinwand nie verlassen. Und der widerwärtigste Geruch, der der Hinrichtung folgt, ist bestenfalls der des haarigen Typen neben uns, der in seinem Popcorn wühlt und langsam das Fett von seinem zuckrigen Daumen lutscht.
Dies ist ein anderer Aspekt des „Standard Horror Plot Grab Bag“. Das Drehbuch ist das Gesetz, und das Gesetz hat sein Urteil gefällt. Begnadigung gibt es nur für die, die sich die Sympathien des Autoren und des Zuschauers mühsam erworben haben.
Gilt es nur noch den Henker zu wählen, der das Urteil ausführt.
Wie im Mittelalter durch eine Kaputze, ist auch der Splatter Henker durch eine Maske oder Deformation ausgezeichnet, die ihn als Mitglied einer der folgenden Kategorien ausweist: Psychopathen, Monster, Mutanten, Ausserirdische, Geister, Werwölfe, Vampire, Mumien, Zombies und/oder inzüchtige zurückgebliebene Hinterwäldler. Kombinationen mehrerer dieser Möglichkeiten eröffnen zusätzliche Möglichkeiten und lassen die standardisierte Splatter Formel frisch und unverbraucht erscheinen.
Warum nicht einmal statt eines weißgesichtigen Psychopathen die untoten Mumien einer ganzen Dynastie inzüchtiger zurückgebliebene Hinterwäldler auftreten lassen? Vielleicht des Guten ein wenig zuviel, aber sicherlich werden diese interessantere Monologe improvisieren können, als die hirntoten Exkremente eines immer wiederkehrenden High School Deppen. „Die Toten sind hungrig, Professor, immer hungrig...“
Tatsächlich müssen wir uns bei der Konstruktion dieser Gestalt – des Täters für seine bereitstehenden Opfer – ein wenig mehr Mühe geben, um ihm Charakter und eine gewisse Art Charme zu verleihen. Der Henker ist nicht Teil der Handlung – er ist die Handlung. (Und manchmal isst er sie auch... hahaha.)
Sicherlich hat er seine Vorlieben, die ihn dem zuschauer ans Herz wachsen lassen. Gerade gewöhnliche Gegenstände können recht originell eingesetzt werden, um die Liste der Opfer nach und nach abzuhaken. Hier sollte die Phantasie auch uninteressante Möglichkeiten ins Mythische überhöhen. Eine zusätzliche Zahnreihe kann hier schon überzeugen, oder Klauen, an die noch zusätzliche Klingen geschweisst wurden.
Und selbst wenn es nur ein gewöhnliches Messer ist, ist es sicherlich ein besonders großes. Und sicherlich ist es auch kein gewöhnlicher Stich oder Schnitt, der diese Fragen abschließt, sondern eine originelle Komposition aus verschiedenen Verletzungen und Verstümmelungen. Enthauptungen eignen sich hierbei immer gut ab abschließendes Argument und sorgen unter den bis jetzt Überlebenden für regen Gesprächsstoff. Natürlich kann man auch den kompletten Körper entsprechend vorbereitet auf der Bühne aufgespießt zurücklassen, am besten dort, wo man ihn nur nach einem entsprechenden Shockmoment entdeckt und das Werk würdigen kann.
Wie gesagt, dies ist eine einfache Formel für so eine Geschichte. Jeder kann sich seinen Film selbst ausdenken, wann immer ihm danach ist. Ein reines intellektuelles Spiel, eine unschuldige Entladung des Schuldgefühles, am Leben zu sein. Da muß man sich nichts bei denken, wann immer er das Verlangen spürt... das Küchenmesser!
Matt im Licht des zunehmenden Mondes.
Wie man sieht, ist es recht einfach, ein ausreichendes Personal für Splatter zu versammeln. Mischen wir also die Karteikarten, schauen wir in die Innereien, und schicken wir unsere kleinen Puppen hinein in ihre Welt, aus der es kein Entkommen gibt.
Wie sie strampeln! Welch lustige Gesichter sie machen! Und tief in uns sind wir erleichtert, dass wir es nicht waren, die man in die Höhe gezogen hat, oder?
Das Spiel beginnt. Es wird eine dunkle und stürmische Nacht sein.
Vielleicht scheint der Mond und wird den See oder den Wald erhellen, an dem sich eine der vielen Jagdszenen abspielen wird. Das sind gute Bilder, und hier wird rein visuell erzählt. Im Mondlicht soll Blut fast schwarz aussehen...
Vielleicht werden unsere Püppchen sich in ein Haus retten können oder sich sogar in einem versammeln, in der irrigen Meinung, dort sicher zu sein. Aber sie irren, sie kennen das Drehbuch nicht, sonst wüssten sie, dass der Strom in dem Moment ausgehen wird, und alle Leitungen tot sein werden, in dem der Henker das Haus betreten hat.
Sie können rennen, aber sich nicht verstecken.
Es wird auch mindestens eine Szene geben, in der sich alle erschrecken werden, auch der Zuschauer, wo aber absolut nichts Schlimmes geschehen ist.
Eine Katze springt aus einem Schrank, etwas fällt runter, jemand kommt überraschend zur Tür herein.
Täuscht euch nicht. In dem Moment, wo ihr erleichtert aufatmet, steht der Henker bereits hinter euch.
Matt im Licht des zunehmenden Mondes.
Sonntag, 9. Oktober 2005
Splatter 101 :: Formel und Figur
Man hat mich darauf hingewiesen, daß es vielleicht nicht die beste Idee ist, einen kompletten Teenie Splatter über ein Blog zu veröffentlichen. Die Vorstellung, daß jemand in regelmäßigen Abständen hier vorbeischaut, um zu sehen, ob ein neues Kapitel online ist, erscheint mir nun auch grotesk. Wo bleibt da der Funfaktor? Ausserdem kann man den Blog nicht abschliessen – wissen SIE, was ihre Kinder gerade lesen? Also keine Geschichten von abgerissenen Gliedern und baumelnden Eingeweiden, abgesehen davon – wer liest sowas schon, wenn es sowieso viel leichter im TV zu finden ist – oder draussen vor der Tür...Konstruieren wir uns gemeinsam eine Formel für so eine Geschichte, dann kann sich jeder seinen Film selbst ausdenken, zu Hause... wann immer ihm danach ist... wann immer er das Verlangen spürt... und die Stimme des Blogs verstummt ist... niemand mehr Dir sagt, was der Sinn des Lebens ist... und das Küchenmesser matt im Licht des zunehmenden Mondes schimmert... und...
Ähhh... Wo waren wir gerade?
Achja, Wissenschaft.
Zum Plotten benutze ich neben orangenen Karteikarten und den Innereien eines schwarzen Hahnes etwas, das sich der „Standard Horror Plot Grab Bag“ nennt. Ich habe ihn irgendwo in einer Hintergasse des Internet blutend am Boden liegen gefunden... seitdem klopft er von Innen gegen die Kofferraumtür... wollen wir ihn mal rauslassen...
Mischen wir die Karteikarten, schauen wir in die Innereien – ein anderes System der Divination als „Chaosfaktor“ tut es übrigens auch – und brauen wir uns was zusammen.
Was brauchen wir denn?
Der „Standard Horror Plot Grab Bag“ nennt 14 Punkte, die jedoch nicht alle in der gleichen Kategorie angesiedelt sind, aber was soll’s. Wir reden hier ja nicht von Kunst, sondern von Standard Splatter, flott heruntergedreht, wann immer man das Verlangen spürt, und das Küchenmesser matt im Licht des zunehmenden Mondes...
Wie auch immer...
Wir wollen uns nicht täuschen, Splatter ist wie Porno, und dient nur einem: der Entladung eines primitiven Reptilieninstinktes... Es geht um Furcht, es geht ums Sterben... es geht um Verschwörung und Mord...
Als erstes brauchen wir Opfer... am besten die standardmässigen notgeilen Teens oder Twens... niemand kreischt so schön wie High School Tucken...
Und nicht nur einer, sondern eine kleine Gruppe. Man soll nicht geizen, interessant wird es erst ab einer Gruppe von fünfen...
Und damit wir wenigstens die rudimentären Überreste von etwas wie Handlung haben, brauchen wir auch einen oder zwei Heldengestalten, am besten ein Männlein und ein Weiblein, die vielleicht sogar das Ende unseres Filmes erleben werden.
Die anderen drei von den mindestens fünf potentiellen Opfern (seien wir ehrlich, bei diesen drei kann man sich das ‚potentiell’ auch sparen) bekommen ebenfalls ehrenvolle Aufgaben. Sie bringen die Handlung vielleicht sogar noch mehr voran als die Helden. Vor allem indem sie möglichst melodramatisch und blutreich sterben.
Wir brauchen mindestens ein dummes, zickiges oder nervendes Mädchen, das bereits recht früh zum Opfer fällt... am besten mit deutlichen körperlichen Vorzügen, und erst am Ende einer nervenzerreissenden Hetzjagd erlegt, bei der sie mindestens einmal stürzt. Sollte ihre Bekleidung dabei zerreissen, unterstreicht dies natürlich auch die ethische Grundaussage dieser Figur, dass manche Leute einfach zu blöd für diese Welt sind. Und niemand mag Hollywood-Bimbos.
Neben der Zicke fällt als nächstes derjenige zum Opfer, den wir den Nörgler nennen wollen... Sie wissen schon, der klugscheisserische Dummschwätzer, der an allem etwas auszusetzen hat, der immer nach einer ‚rationalen’ Erklärung sucht und tatsächlich glaubt, dass er ungeschoren aus der ganzen Sache herauskommt. Hahaha! Nicht in diesem Film, Du Narr! Stirb! Stirb! Küchenmesser matt im Licht...
Eine angemessene Variante dieses Klingenfutters ist der hilflose Warner, der vielleicht sogar mehr weiss, als die anderen, dem aber natürlich erst dann geglaubt wird, wenn die Körper beginnen, ihm vor die Füsse zu rollen. Und auch dass ist nicht Garant dafür, dass er es überleben wird. Nicht nur Bimbos und Klugscheisser müssen sterben, sondern auch die, die es eigentlich hätten besser wissen müssen...
Merken diese armen Seelen denn nicht, dass sie sich in einem Film befinden?
Der Textcursor auf dem Bildschirm, wo das Drehbuch entsteht, ist wie die Klinge, die sie hetzt.
Können sie denn nicht aus diesem Albtraum erwachen!?
Im Zweiten Teil: Set und Setting.
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