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Montag, 27. März 2017

Commedia die Harte



Im Foyer gibt es Rasierklingen am Stil
Heute reizen wir das Publikum bis aufs Blut.
Spot an - da steht der Pierrot in seinem Grab,
       die Mandoline unter'm Kinn -

       ohne Rhythmus, ohne Sinn.


       (Strophe, Refrain /
       heute hauen wir rein
)

Eine schwarze Träne rinnt:
Tätowiertes Fragezeichen
auf lepraweißer Haut



       (Strophe, Brücke, Refrain /
       Mann, wie sexy er ist
       im Bühnenlicht
)

Ein hohler Klang, die Stille bricht:
Jetzt haben wir's dem Krokodil gegeben.
      (Und einsam tickt die Zeit)
Das Publikum rast, kopuliert auf den Rängen
Pierrot ist längst gegangen,
Die Ausgänge sind zugemauert:
Da kommt keiner raus.





       (Fadeout)

Samstag, 20. Juni 2015

Zitat der Woche

"Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit, und neues Leben blüht aus den Ruinen."
Schiller
Achja, diese alten Illuministen... *seufz*

Freitag, 12. Juni 2015

Zitat der Woche

„Es ist an der Zeit, dass der Mensch sich sein Ziel stecke. Es ist an der Zeit, dass der Mensch den Keim seiner höchsten Hoffnung pflanze.
Noch ist sein Boden dazu reich genug. Aber dieser Boden wird einst arm und zahm sein, und kein hoher Baum wird mehr aus ihm wachsen können.
Wehe! Es kommt die Zeit, wo der Mensch nicht mehr den Pfeil seiner Sehnsucht über den Menschen hinaus wirft, und die Sehne seines Bogens verlernt hat, zu schwirren!“
Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra

Sonntag, 3. August 2014

Shortcuts 2014-08-03

Ich komme gegen die Lesezeichen in meinen Browsern nicht mehr an.
Löschen? Wenn ich sie alle sortieren müsste, bräuchte ich wohl selbst ein, zwei Tage dafür.
Ich sollte mir angewöhnen, das wissenswerte oder interessante in eine Textdatei zu hauen. (Und diese eine Woche später zu löschen. Was man sich bis dahin nicht gemerkt hat, braucht eh sowieso kein Schwein...)
Wo wir gerade dabei sind:



Ich gehöre zu den Menschen, die mehr Farben unterscheiden können als andere.
Das ist kein großes Ding, sondern kann man lernen, wenn man Farbtabellen lernt oder die Mischverhältnisse, durch die spezifische Farbtöne zustande kommen. Schwierig wird es dann eher, jemand anderem diese Farbe zu beschreiben.
Manchmal gibt es schöne Namen für bestimmte Farben, traurig zu sagen, werden dennoch mehr Menschen etwas mit "Telecom-Magenta" anfangen können als mit "Luziferrot". Das sind beides definierte Farbtöne, aber der eine Name ist saucool, der andere... lassen wir das.
Bereits der Reichs-Ausschuss für Lieferbedingungen (RAL) hat in der Weimarer Republik diese Problematik erkannt und eine Farbpalette zur Verfügung gestellt, die auch heute noch Gültigkeit hat.
Andere Frage: Wußte der geneigte leser, dass es eine Deutsche Industrienorm gibt, die den Inhalt und die Farbpalette eines Schultuschkastens regelt? Vorsprung durch Technik, so sind wir halt.



Der großartige Philip José Farmer hat in seiner Biographie des fiktiven "Doc" Clark Savage Jr. eine kurze Übersicht darübergegeben, was er als apokalyptische Schriften des 20. Jahrhunderts erachtet - sicher eine der Millionen Ideen, die er nicht weiter verfolgt hat. Apokalyptische Schriften sind, so Farmer, all jene Schriften, die gem. des Wortes ursprünglicher Bedeutung das volle Ausmaß des menschlichen und psychologischen Universums enthüllen und entblößen. Er schließt hier auch Beispiele aus der Unterhaltungsliteratur ein - Visionen der Welt, wie sie wirklich ist oder sein könnte, ein Blick unter die Haut der Realität, und das volle Ausmaß menschlicher Vorstellungskraft.

Ich weiß nicht, ob der Monomythos von Doc Savage genauso apokalyptisch ist wie das sexuelle Universum eines Henry Miller, aber ich denke, wir können hier ohne Probleme Farmer's eigenes Wold Newton Universum oder das "Leben, das nicht funktioniert" eines Charles Bukowski hinzufügen. Und sicher anderes. Eine Arbeitshypothese. Willkommen in ihren Alpträumen.



Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehen, daß er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein. (Nietzsche)

Sonntag, 13. April 2014

Zitat der Woche

"Das Einzige, das Gott davon abhält, eine zweite Sintflut zu schicken, ist die Tatsache, daß die erste nutzlos war."

Sonntag, 23. Februar 2014

Zitat der Woche

"In einem Theater brach hinter den Kulissen Feuer aus. Der Pierrot trat an die Rampe, um das Publikum davon zu unterrichten. Man glaubte, es sei ein Witz und applaudierte. Er wiederholte seine Mitteilung; man jubelte noch mehr. So, denke ich mir, wird die Welt eines Tages untergehen."
Kierkegaard

Samstag, 1. Februar 2014

Studien in Apokalypse



"Wenn des Elias’ Blut auf die Erde träufelt,
so entbrennen die Berge, kein Baum steht mehr,
nicht einer auf Erden, das Meer ausgetrocknet,
das Moor vertrocknet, der Himmel löst sich in Flammen auf,
der Mond fällt, Mittgart brennt,

Kein Stein steht mehr, denn der Gerichtstag fährt ins Land,
Fährt mit dem Feuer, die Frevler zu richten:
Da kann kein Verwandter helfen vor dem Weltenbrand.
denn die ganze Breite der Erde – alles verbrennt,
und das Feuer und die Luft - alles ist gereinigt."

Neulich wollte sich wieder einmal jemand über Gott unterhalten, an der Tür, derweil ich Schnee schaufelte. Wird die Welt in Feuer enden oder im Eis?, lag mir eigentlich auf der Zunge, Robert Frost zitierend. ich war zu müde, es so zu machen wie sonst und den gottesfürchtigen Mann mit meiner fünf Kilo schweren King James-Freimaurerbibel unter dem Arm schreiend um den Block zu jagen. Es war auch zu kalt. Also Plan B.

"Alle Propheten haben Recht gehabt", sagte ich weise, "aber sie haben nicht alles verstanden."

"Ach, fürchten Sie nicht das Harmageddon?", wisperte mein Gegenüber mit einem kalten Funkeln in seinen Schweineäuglein - sich somit als Anhänger einer ganz besonderen Art von Sektierertum outend. "Die Letzte Schlacht, die Apokalypse, das Ende der Welt in Flammen?"

Ich zuckte mit den Achseln. "Die Apokalypse fand längst statt, eure Leute haben sie nur verpasst. Die Welt endete in Flammen im April des Jahres 1904, und eine neue Erde trinkt aus den Urwassern erste Kraft." Ich lächelte milde und deutete auf die baulichen Scheußlichkeiten der letzten hundert Jahre. "Das alles hier sind bloß die Ruinen eines Zeitalters, das schon lange vergessen ist."

So kann man natürlich nicht der auswendig gelernten Argumentationskette folgen. "Aber, aber...", stammelte er und kam mit irgendetwas von Seelen, die errettet werden müssen, oder andersherum. Der Schnee unter meiner Schaufel war besonders hartnäckig, deswegen achtete ich nicht mehr auf ihn. Ich blickte wieder auf, als ihm ein dissonantes "Sohn Gottes" entfuhr.

"Genau", sagte ich, "es ist das Zeitalter des Kindes, und weil wir alle Gottes Kinder sind, ist der Mensch Gott geworden."

"Äh... Adventist?", murmelte er.

"Post-Adventist?", half ich ihm auf die Sprünge.

"Achso..." War es Ekel oder nacktes Grauen in seinen Augen?

"Hey!", rief ich ihm noch hinterher. "Nicht vergessen - Ton, Steine, Scherben: 'Die Letzte Schlacht gewinnen wir!'"


* * *


Auf der Suche nach dem Weltuntergang, nachdem ich mich am Kamin aufgewärmt hatte, konnte ich nicht viel auftreiben. Schade für den armen Nachbaren mit der weltanschaulichen Einschränkung. Harmageddon ist nur eine unklare Ortsangabe, oder ein Berg in Israel; Apokalypse heißt nur "Offenbarung, Enthüllung", und hat somit keinen eschatologischen Bezug, solange sich nicht die richtige entblättert. Seufz...

Selbst als ich mich eher fortschrittlicheren Mythologien zuwandte, wurde ich enttäuscht - die Götterdämmerung hat nie existiert, es heißt wohl "das Schicksal der Götter" (rök) und nicht "das Zwielicht der Götter" (rökr). Immerhin gibt es eine Letzte Schlacht hier, in der sich die Mächte des Chaos und der Ordnung gegenseitig auslöschen, um ein Gleichgewicht herzustellen, auf dem eine neue Welt aufbauen kann. Na, das kann man auch bei Michael Moorcock nachlesen, aber mit mehr Schwertern. Selbst der Weltenbrand ist da nur eines der Vorzeichen, gleich nach dem Fimbulwinter.

Das einzige, was mich hier erheitert, ist eine größtenteils unbekannte, altdeutsche (altbayrische?) Stabreimdichtung mit dem Titel "Muspilli", eine eigenwillige Mischung aus biblischer und germanischer Mythologie, sozusagen eine christianisierte autochthone Actionversion der Apokalypse. "der Himmel löst sich in Flammen auf, der Mond fällt, Mittgart brennt..." Das klingt doch vielversprechend. Protagonist ist der durchaus umstrittene Supermagier und Prophet Elias. Soviel zum Thema "Deutsches Erbe". Ragnarok'n'Roll!

Ich bleibe dennoch bei meiner eigenen Version des Karmageddons und meditiere über das unausweichliche Kommen der Harpokalypse.


Weitere Links*

Text des Muspilli in der Bibliotheca Augustana
Gleichnamiger Roman von Arnold Hagenauer, den man bis auf die letzten Kapitel kürzen sollte.
Aus der Antike: Germania Magna, rekonstruiert nach Ptolemäus’ Atlas der Ökumene
Aus dem Gälischen: "dún", Plural "dúin": eine Festung, Zuflucht, Burg
Kunst: Bilder von John Charles Dollman
Kerker und Ruinen von Piranesi

* Inspiration und Recherche unter anderem für eine Meyrink-Anthologie und "Stadt des Elfenbeins, Stadt der Rosen"

Sonntag, 29. April 2012

Shortcuts 2012-04-31

Vor einiger Zeit hatte ich mich in einem persönlichen Gespräch, und natürlich auch eloquent in den so genannten sozialen Netzwerken, über die "weltanschauliche Wüste" Bundesrepublik Deutschland geäußert, die im Vergleich zu anderen zivilisierten Ländern doch recht provinziell daherkommt, vor allem, wenn es um den Umfang und die Mannigfaltigkeit an Weltanschauungen geht. Inzwischen muss ich meine Meinung revidieren.
Wenn ich mit einem Auge in die englischsprachige Welt schaue, muss man schon schlucken. Hier findet momentan nach einer Aufforderung an die Lehrplanbehörde von Cornwall, im Religionsunterricht auch 'pagane' Themen zu behandeln, in den Massenmedien und der Blogosphäre eine ungewöhnlich bissige Vermischung von Kategorien statt. Jetzt, wo sie in die Augen der Öffentlichkeit gerückt werden, werden plötzlich die bislang harmlosen Druidenkollegien und der Neo-Paganismus auf eine Stufe gestellt mit den öffentlickeitswirksamen Muti-Morden unter afrikanischen Einwanderern. Ekelhaft. Glücklicherweise sind solche Dinge bislang in Deutschland unbekannt.
Also, ist es ist gut, dass unser schönes Land in dieser Hinsicht so provinziell ist. Es ist gut, dass die Anhänger von 'ungewöhnlichen' Weltanschauungen höchstens als außergewöhnliche Spinner gelten. Es ist gut, dass selbst die traditionsreichsten Gruppen sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen und sich lieber mit sich selbst beschäftigen. Und es ist gut, dass die einzige Diskussion über solche Themen in den Tiefen der Sozialen Netzwerke stattfindet, wo es nun wirklich niemanden interessiert.
Wir können also beruhigt weiter schlafen.

Ich enthalte mich gewöhnlich jedes politischen Kommentars, aber wo jetzt auch ein anderer bekannter Schriftsteller mit der respektlosen Charmanz des buckligen Hackers nebenan konfrontiert wurde, ungefragt seine Werke zu kopieren und im Internet zu verteilen, ein paar Worte hierzu:  
"Freiheit der Information bedeutet nicht, dass man sich einfach die Freiheit nimmt, Information zu stehlen." 
"Die Firma, die Informationen vermarktet, kann einen Einbruch im Gewinn leicht verkraften, indem sie einfach ein paar Stellen mehr streicht. Der Arbeiter, der die Informationen produziert, kann das nicht."
 Und noch zwei Worte:
"Fuck you."
 

War der "Rächer"-Film nach den Charakteren von Jack Kirby sehenswert, den ich am Donnerstag gesehen habe?
Er war, obwohl er Überlänge hatte, sehr kurzweilig.
Er ist eine direkte Fortsetzung von "Iron Man 2", "Captain America: The First Avenger" und "Thor".
Es gibt eine dichte Kontinuität, dennoch hat man es verstanden, unauffällig Elemente aus den Originalquellen einzumischen.
Kurz vor den Credits hatte ein weiterer Superschurke sein Cameo - jemand, mit dem ich wirklich nicht gerechnet hatte.
Ich erhob mich also und rief mit deutlich vernehmbarer Stimme: "Oh Fuck!!!!"
Ich war offensichtlich der einzige, der diesen Charakter kannte.
Ach ja, und Stan Lee war nur seeeeehr kurz zu sehen.
Sehr gut. Sie lernen dazu.

Soundtrek (während ich das neue Blogger-Interface verfluche...):

Montag, 14. Januar 2008

Hinter den Tasten

So kommen wir denn wieder zum feierlichen Moment, wo alles klar ist und man sich mit Erschrecken feststellen muss, dass die Arbeit einiger Abende zu nicht mehr taugt als für den virtuellen Papierkorb, das Archiv... oder einen halbherzigen Blogeintrag. (Das Internet kann auch Fehlleistungen unsterblich machen...) Hier ein kleiner Blick auf verschiedene Titelbilder, die zum einen oder anderen Zeitpunkt für KARMAGEDDON entstanden sind, aber für HARPOKALYPSE nichts mehr taugen. (Joj, das klingt schon fast metaphysisch...)


(klick to super-size)

Freitag, 11. Januar 2008

An der Tastatur

Manchmal braucht es nicht mehr, als einen hektischen Vormittag auf der Straße, um das Hirn einmal so richtig frei zu bekommen. Es ist wohl der kalte Wind aus Norden, der den Unrat des Tagesgeschehens fortbläst. So jedenfalls ging es mir, als ich zwischen verschiedenen Ämtern und Filialen pendelte und so wirklich an gar nichts denken wollte, als endlich wieder nach Hause zu kommen. Und plopp... wäre ich ein alter Grieche, wäre ich wohl nackig die Straße heruntergerannt und hätte HEUREKA geschrien - aber da hätten die Leute in der S-Bahn wohl etwas dumm geguckt.

Wie auch immer, stattdessen registrierte ich meinen Geistesblitz kühl und wartete, bis ich wieder zu Hause war, um ihn festzuhalten. Ich hatte ja bereits erwähnt, dass ich den Folgeband von PUNKDAEMONIUM zurückhalten musste, weil mir aufgefallenw ar, dass der Titel doch nicht so originell war, wie ich dachte. ich mache mich jetzt mal virtuell nackig: ich wollte ihn KARMAGEDDON nennen, so eine Mischung aus Apokalypse und angewandtem Hinduismus. Tja. Da fiel mir auch nichts besseres als Ersatz ein. Wochenlang. Wo-chen-lang. Aber in der S-Bahn blitzte mir ein Wort vors Innere Auge, das ich mal erfunden und bereits missbraucht hatte. So eine Mischung aus Apokalypse und angewandter Ägyptologie. HARPOKALYPSE.

So, hier habt ihr's als erstes gehört. Die Harpokalypse kommt.

Eigentlich ist sie schon da.