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Freitag, 22. Mai 2020

Werkstattbericht 2020-05-21



Herzliche Grüße von der Nordseeküste, aus den mythischen Gefilden von Zollern am Meer, in strahlendem Sonnenschein und strahlender Laune. Es sind jetzt fast drei Wochen her seit dem Tag der Arbeit und somit dem Tag, an dem wir hier unser alltägliches Geschäft wieder aufgenommen haben. Lohnt sich nicht für einen Newsletter, reicht aber für einen Blogeintrag. Versprochen, sobald ich die ganzen Preise abgesahnt habe und wieder vom Schreiben alleine leben kann, mache ich auch einen coolen Newsletter wie Warren Ellis, damit wenigstens einmal pro Woche was Spannendes in der InBox landet.


Datencheck:
Momentan in der Bearbeitung (Dinge, die aktuell ganz oben auf dem Stapel liegen, die anderen sachen ignorieren wir bis zum nächsten Check)
  1. Projekt ROADHOUSE - Rock'n'Roll Novelle, basierend auf Cut-Ups, der Biographie von Jim Morrison und den Werken von J.G.Ballard, vor allem The Atrocity Exhibition.
  2. Projekt ZAUBERFLÖTE - SF-Stück, basierend auf Cut-Ups wie HIER
  3. Projekt THUNDERSTRUCK - Wahrscheinlich das haarsträubenste Projekt, das ich trotz wieder besseres Wissen angenommen habe - eine Novelle in englischer Sprache für einen amerikanischen Kleinverlag, den ich sehr schätze. Über einen halbvergessenen Pulphelden der 40er Jahre! Fanboy Madness! (Ich bin mir nicht sicher, ob ich momentan schon etwas darüber erzählen darf, aber wenn, dann. Momentan bin ich vor allem noch dabei, gründlichst alle Aspekte der Figur zu recherchieren, damit er unverkennbar bleibt. Woof!)
Realitätscheck:
Eine Woche sind vergangen, hier bei uns sind immer noch keine marsianischen Tripods oder andere Anzeichen der Neuen Weltordnung zu sehen. Enttäuschend. Wieder Beschiss, so wie die letzten elf Mal.
Moment... elf? 11? Elf zu Elf? Fabelwesenficken?
Oder sind es schon wieder die Smegma-Sammler vom Sirius?

Wie gesagt, es ist ein strahlend schöner Tag.
Am besten einfach wieder hinlegen...



Samstag, 2. Mai 2020

Werkstattbericht 2020-05-01



Herzliche Grüße von der Nordseeküste, aus den mythischen Gefilden von Zollern am Meer, wo wir gerade eben den Tag der Arbeit so richtig zünftig gefeiert haben.Nein, war nur Spaß. Tatsächlich hat es ein wenig gehagelt, deswegen sind wohl alle zu Hause geblieben und haben wahrscheinlich in manchen Fällen sogar gearbeitet. Ich fürchte, es ist etwas still geworden im Äther, und wirklich Interessantes scheint es auch kaum noch zu geben. Früher... ja, früher... da war Bloggen eine richtige Kultsache, heutzutage sehen wir atemlos den verwackelten Handyvideos von Leuten beim Toastessen zu.

Helden des Alltags, Helden der Arbeit. Und da es nichts Langweiligeres gibt, als Leuten zuzusehen, die noch dümmer als man selber ist, oder es vielleicht sogar solchen Leuten nachzumachen, habe ich - weil ich inzwischen weise und erwachsen bin (*kicher*) - in letzter Zeit die Klappe gehalten. Bringt ja doch nichts. 2020 sollte ein großes Jahr werden, und nun...

Und mit dem unheimlichen Timing, die man mir in meinem Illuminaten-Basistraining beigebracht hat, hatte ich das Jahr schon sinnvoll verplant, bevor der böse Coronamann aus China kam und Pustelblumen säte. Erstaunlicherweise habe ich in den ersten drei Monaten des Jahres alle Projekte und Manuskripte noch einmal angeschaut und Präferenzen gesetzt, und dann alles mit einem Seidenband zusammengeschnürt und beschlossen, beginnend mit dem 01.04.2020 vorerst keine neuen Sachen anzufangen, sondern brutalstmöglich die vorliegenden Fälle zu bearbeiten.

Da hängt jetzt eine fette weiße Tafel am Bücherregal, die bunten Zettelchen an der Pinnwand habe ich als erstes entsorgt. Feste Regeln, feste Zeiten, erstaunlich, was man da alles schafft. Und nicht Neues mehr, Brüder und Schwestern, erstmal das Fundament reparieren. (Soviel auch zu den Anfragen wegen neuer Publikationen von Nemed House und Mirkruna Press.

Ich bin da ganz hart...

...ja, und momentan arbeite ich für einen englischsprachigen Verlag an einer Novelle über einen Public Domain Charakter, weil mich auf Facebook ein Bekannter angesprochen hat. Und ich blogge wieder. Wahrscheinlich kommen auch noch andere alte Sachen wieder zum Vorschein.

Sag mal, wie war das eigentlich Amadeus und seiner Flußwelt..?

Sonntag, 29. März 2020

Fanboy :: Neues aus der Pulp Domain

Helden, die mehr als nur ein Stirnrunzeln hervorrufen. Kein Traum! Keine Täuschung! Erfindungslust, die Amok läuft. / Eine lose Serie von Kurzartikeln.

Beim Herumspielen im Blogarchiv stieß ich auf diesen Eintrag, der sich mit einem "unmöglichen Helden" aus der Public Domain namens ZONGAR (the Miracle Man) bezog...
"Ich reserviere hier ausdrücklich folgenden Charakter für später", hatte ich geschrieben: Zu diesem zeitpunkt war ich der Meinung, dass es ja wohl kein Problem wäre, einen derartig schrägen und okulten Charakter für die eigenen Zwecke zu missbrauchen.

Achja, aber wie immer war jemand anderes schneller, und das heisst, wie einer dieser Pläne, der zu Boden geht und ausgezählt wird. Dennoch, und gerade deswegen, gratuliere ich dem geschätzten Kollegen Tommy Hancock von Pro Se Productions zu Nr. 5 von 80 geplanten Stories aus der Pulp Domain:

"Demons of Manhattan"!

Sonntag, 10. November 2019

Merkwürdige Äonen [5]



Das Zeitalter der Namenlosen Stadt


The Nameless City“ ist keine große oder vielleicht auch nur besonders gut bekannte Geschichte von H. P. Lovecraft – vielleicht gerade, weil hier viele der Bausteine und Elemente, die er in späteren Werken viel effektiver einsetzte, das erste Mal auftauchen. Die Namenlose Stadt steht noch knapp auf der Schwele zur Imitation größerer Autoren – die Dimensionen und Proportionen sind noch bescheidener und unverzerrter, als sie sich in der Zukunft anbieten mögen. Wurde deswegen die Namenlose Stadt in der weiteren Entwicklung des Mythos nicht weiter berücksichtigt, außer halbherzigen Erwähnungen am Rande? Das Volk, das sie erbaute – „haßverzerrt, grotesk herausgeputzt, halb durchsichtige Teufel einer Rasse, die niemand verwechseln kann – taucht im Mythos nie wieder auf. In der größeren Architektur von Lovecrafts Werk und seinen Epigonen spielt sie, „die über die Welt herrschte, bevor Afrika aus den Wogen auftauchte“ keine Rolle.

Dennoch ist der Gedanke verlockend, vielleicht auch quälend, sich einen Mythos vorzustellen, der sich von hier aus weiterentwickelt hätte, mit dem gleichen Duktus und der Geschwindigkeit, die Lovecraft zu jenen Ruinen tief im Inneren der Arabischen Wüste geführt hatte. Kein Cthulhu-Mythos, nicht mal ein cthulhoider, sondern der Mythos von den Echsen-Königen, die Millionen jahre über diesen Planeten herrschten, bis die Wüste ihre ehemalige Küstenmetropole erstickte; der Mythos von der Alten Rasse, die Meilen unter der Menschenwelt im astralen Lichtmeer der Innenwelt darauf lauert, zurückzukehren.

Wie fremdartig müssen diese Wesen für uns sein, wenn wir ihnen einmal gegenüberstehen – Wesen, die aus einer Zeit stammen, in der sich noch nicht einmal die höheren Teile unseres Gehirns entwickelt hatten?

Der einzelne flüchtige Blick in seltsame Äonen: Welt und Natur sind hilflos gegen solche Angriffe aus den aufgebrochenen Brunnen der Nacht, auch kann kein Zeichen oder Gebet den Walpurgisaufstand des Grauen aufhalten. Und schon sind wir unsicher, wer oder was es ist, was ewig lügen kann.

Sonntag, 3. November 2019

Merkwürdige Äonen [4]



Das Zeitalter der Namenlosen Stadt


Anklänge finden sich auch an das sagenhafte Ägypten aus „The Cats of Ulthar“ (1920), ebenfalls eine Dunsany-Imitation, in der Lovecraft fulminant die Katze als „die Seele des alten Aigyptos“ identifiziert. „Die Sphinx ist ihre Cousine“, preist sie der Autor, „und sie spricht ihre Sprache; aber sie ist viel älter als die Sphinx und erinnert sich an das, was jene vergessen hat.“

An einer anderen Stelle werden die sagenhaften Kolosse des Memnon erwähnt, die Statuen des Amenophis III. beim Luxor, und das Geräusch, das das Öffnen und Schließen der Bronzetür in die „Innere Welt“ verursacht, wird mit dem klagenden Ton verglichen, den die Kolosse einst bei Sonnenaufgang ausstießen. (Erstaunlicherweise ist dieses Phänomen der einzige von Lovecrafts Verweisen, der wissenschaftlich belegbar und nicht einer Traumwelt oder Legende entstammt.) Die Katze mag „älter als die Sphinx“ sein, die Namenlose Stadt aber ist „Urahne der ältesten Pyramide“ – bedrohlich und rätselhaft wie die Frage nach ihren Erbauern. „Furcht sprach aus den zeitbenagten Steinen dieses altersgrauen Überbleibsels der Sintflut“, so heißt es. Es ist offensichtlich – die Namenlose Stadt entstammt seltsamen Äonen.

Ein Detail am Rande, leider nicht von Lovecraft angewandt: Der schreckliche ägyptische Fruchtbarkeitsgott Sobek, er mit dem Krokodilskopf, trug als Beinamen den Titel Djedi, der Dauernde. Wie lang mag er wohl gedauert – und gewartet haben? „Die Altertümlichkeit des Ortes war unerträglich“, so heißt es weiter, „und ich sehnte mich danach, irgendein Zeichen oder eine Vorrichtung aufzufinden, um zu beweisen, daß die Stadt wirklich von menschlichen Wesen errichtet wurde. Es gab in den Ruinen gewisse Proportionen und Dimensionen, die mir nicht behagten.“ Ähnlich werden auch die Hinterlassenschaften anderer außermenschlicher Kulturen in den Folgegeschichten des Mythos beschrieben; hier ist diese Beschreibung aber auch noch ein zartes Echo der Faszination, mit der man früher den Hinterlassenschaften der Pharaonen begegnet ist.

Sonntag, 27. Oktober 2019

Merkwürdige Äonen [3]



Das Zeitalter der Namenlosen Stadt


Das ist nicht tot, was ewig lügen/liegen kann.
Und mit seltsamen Äonen kann sogar der Tod sterben.“


Das berühmte Zitat bezieht sich hier augenscheinlich auf die Bewohner der Namenlosen Stadt im Inneren der Arabischen Wüste, die in den Tiefen ihrer „Inneren Lichtwelt“ überdauert haben – in „The Call of Cthulhu“ wird dieselbe Stelle mehr oder weniger unverändert wieder verwendet, bezieht sich jedoch plötzlich auf den außerirdischen Titelhelden. „In seinem Haus in R’lyeh wartet träumend der tote Cthulhu“ auf die Zeit, da die Sterne richtig stehen und er wieder erwachen wird. In diesem Zusammenhang wird aus dieser Sentenz die Quintessenz des Mythos, und der ekstatische arabische Dichter zu seinem Propheten.

„The Nameless City“ wird aus diesen Details heraus – wie erwähnt – oft als die erste Geschichte des „Cthulhu Mythos“ angesehen. Dies ist nicht richtig. Sie ist Proto-Mythos, und liefert einige Bausteine, die Lovecraft in späteren Geschichten zitiert, um die Illusion eines Kontinuums zu suggerieren. Erst dies ist der vielbeschworene Mythos, „The Nameless City“ liegt davor und greift auf andere Quellen zurück.

Zum einen bildet sie die Faszination ab, die Lovecraft als junger Mensch für die Geschichten aus „1001 Nacht“ empfand. Der unbekannte Erzähler selbst erwähnt „Sarnath die Verdammte im Lande Mnar, als die Menschheit jung war, und an Ib, das aus grauem Stein gehauen wurde, ehe die Menschheit bestand“ aus „The Doom that Came to Sarnath“ (1920), und verbindet so „The Nameless City“ mit den Traumweltgeschichten, die Lovecraft in Imitation von Lord Dunsany verfasste.

Sonntag, 20. Oktober 2019

Merkwürdige Äonen [2]



Das Zeitalter der Namenlosen Stadt


Als der namenlose Erzähler in Gewölbe unter der Namenlosen Stadt eindringt, „tief unten im Grab ungezählter, seit Äonen vergangener Altertümer, Meilen unterhalb der von Morgendämmerung erhellten Menschenwelt“ präsentieren sich ihm die bizarren, doch beeindruckenden Hinterlassenschaften der alten Rasse, die diese Stadt vor zehn Millionen Jahren erbaut hatte. Er findet groteske Mumien, in der Beschreibung nicht unähnlich dem Brauchtum des späten ägyptischen Reiches, und Reliefs an den Korridorwänden, die die Geschichte der Alten wiedergeben. Viele Jahre später stellte er auf gleiche Weise die sternköpfigen Alten Wesen seiner Meistererzählung „At the Mountains of Madness“ (1931, veröffentlicht Februar-April 1936 in „Astounding Stories“) vor. Auch der Plot einer der letzten Erzählungen Lovecrafts, „The Shadow Out of Time“ (1934/5, veröffentlicht Juni 1936 ebenfalls in „Astounding Stories“), hat in seiner zweiten Hälfte Ähnlichkeiten mit dem von „The Nameless City“.

Doch dies sind nicht die einzigen Elemente, die Lovecraft in späteren Erzählungen wieder verwendete, die zusammen den dunklen Mythos ergeben, der ihn so populär werden ließ. In „The Nameless City“ wird auch das erste Mal der Name Abdul Alhazred erwähnt. Es ist die Namenlose Stadt, so heißt es in der Geschichte, von der „der wahnsinnige Dichter in den Nächten träumte, ehe er seinen rätselvollen Zweizeiler sang“:

„That is not dead which can eternal lie.
And with strange aeons even death may die.“

Sonntag, 13. Oktober 2019

Merkwürdige Äonen [1]



Das Zeitalter der Namenlosen Stadt


„The Nameless City“ (Die Namenlose Stadt) ist eine Horrorgeschichte des amerikanischen Schriftstellers H. P. Lovecraft (* 20. August 1890; † 15. März 1937) aus dem Januar 1921, die erstmals in der Novemberausgabe 1921 der Amateurzeitschrift „The Wolverine“ veröffentlicht wurde. Es wird oft als die erste Geschichte des „Cthulhu Mythos“ angesehen. Dies ist ein Begriff, den Lovecraft selbst so nie benutzt hat, aber dazu dient, den Handlungsrahmen, die Stilmittel und Überlieferung zu identifizieren, die von Lovecraft und seinen literarischen Nachfolgern eingesetzt wurden. Einige der Themen dieses Mythos, wie zum Beispiel das Überleben nicht-menschlicher Wesen, die in „seltsamen Äonen“ die Erde beherrschten und die relative Bedeutungslosigkeit der menschlichen Rasse, kommen bereits in „The Nameless City“ vor, wurden in späteren Erzählungen jedoch effektiver eingesetzt.

Freitag, 12. April 2019

Pegāna :: Der Fluß


Lord Dunsany:
The River


Dann sah ich auf dem Fluss das traumerbaute Schiff des Gottes Yoharneth-Lahai, dessen großer Bug grau in die Luft über dem Fluss der Stille stieg.
Seine Balken waren alte Träume, die vor langer Zeit geträumt wurden, und die Vorstellungen der Dichter schufen ihm große, gerade Masten, und seine Takelage war aus den Hoffnungen der Menschen gewirkt.
Auf ihrem Deck befanden sich Ruderer mit traumgefertigten Rudern, und die Ruderer waren Leute aus den Phantasien der Menschen, Prinzen der alten Geschichte und Menschen, die gestorben waren, und Menschen, die noch nie gewesen waren.

Diese schwangen nach vorne und schwenkten zurück, um Yoharneth-Lahai durch die Welten zu rudern, ganz ohne Rudergeräusch. Auf ewig treibt bei jedem Wind die Hoffnung und die Phantasien der Menschen, die in den Welten kein Zuhause haben, nach Pegāna empor, und Yoharneth-Lahai webt sie zu Träumen, um sie den Menschen wieder zu bringen.
Und jede Nacht zieht Yoharneth-Lahai aus in seinem traumhaft gebauten Schiff mit all seinen Träumen an Bord zurück, um wieder die alten Hoffnungen und all den vergessenen Phantasien den Menschen zurückzubringen.

Aber bevor der Tag wieder zu sich kommt und alle erobernden Armeen der Morgenröte ihre roten Lanzen in das Gesicht der Nacht schleudern, verlässt Yoharneth-Lahai die schlafenden Welten und rudert den Fluss der Stille zurück, der fließt von Pegāna in die See der Stille, die jenseits der Welten liegt.
Und der Name des Flusses ist Imrana der Fluss der Stille. Alle, die den Geräuschen der Städte überdrüssig sind und sehr müde von Lärm sind, schleichen sich in der Nacht zu Yoharneth-Lahais Schiff hinab und gehen an Bord, zwischen den Träumen und den Phantasien früherer Zeiten, legen sich nieder auf dem Deck und scheiden vom Schlaf zum Fluss, während Mung hinter ihnen das Zeichen von Mung macht, weil sie es so haben wollen. Und sie liegen dort auf dem Deck zwischen ihren eigenen, in Erinnerung gebrachten Phantasien, und Liedern, die niemals gesungen wurden, und sie treiben Imrana herauf vor dem Sonnenaufgang, wohin der Klang der Städte nicht kommt, noch die Stimme des Donners zu hören ist, noch das Mitternachtsheulen des Schmerzes, wenn er an den Körpern der Menschen nagt, und weit weg und vergessen blöken die kleinen Leiden, die alle Welten plagen.

Übersetzung Axel M. Gruner 2019 e.v.

Dienstag, 5. März 2019

Unmögliche Helden :: Unterirdisch unter dem Neptun

Helden, die mehr als nur ein Stirnrunzeln hervorrufen: Erfindungslust, die Amok läuft.
Eine lose Serie von Kurzartikeln.



Die Geburtsstunde einer Idee ist hart umlagert. Wir haben nur sechs Stunden, um die Welt zu retten, und jede Geschichte ist schon einmal erzählt worden. Schlimmer: es gibt für alles ein großes, unübertreffbares Vorbild, und egal was man sich ausdenken wird, du wirst immer an deinem Vorbild gemessen werden: Deine Geschichte ist eine Kopie. Deine Idee ist eine Kopie. Du bist die Kopie.

"Schwert & Planet" oder "Interplanetare Romanze" nennt sich eine Version der Spekulativen Fiktion, ein Seitenarm der ScienceFiction, der früher einmal enorm beliebt war: Die Abenteuer eines Erdenmenschen auf einem fremden Planeten, in den meisten Fällen nur durch eine phallische Weltraumrakete und eine Photonenpistole von schierer "Schwert & Zauberei"-Fantasy getrennt. Populär gemacht wurde diese Art vergnüglichen Eskapismus vor allem durch Edgar Rice Burroughs und seine Serien um John Carter auf dem Mars und Carson Napier auf der Venus.

Die bekannteste Kopie ist Flash Gordon, aber auch viele andere Gestalten bedienten sich recht freizügig bei ERBs SF-Konzepten, genauso wie bei seinen Tarzan-Romanen oder den Geschichten aus Pellucidar, der Welt im Inneren der Erde. Du bist die Kopie: diese Art der Story war eine zeitlang so beliebt, dass es ganze Magazine gab, die sich darauf spezialisiert hatten, die größtenteils ähnlichen Abenteuer von größtenteils ähnlichen Helden auf Planet X, Y oder Z zu veröffentlichen. Planetenstories. Es gab sogar Planetencomics.


Montag, 29. Oktober 2018

Pulp :: Die Verlorene Welt der Zeit! [2]



CRADLE OF THE WORLD


Fighting the power-drag of the time-warp Capt. Ames’ space ship Discoverer is again smashed back to Earth – this time into the dangerous days of the hard-clouting Cave Men.


By LIN DAVIES

THE space ship Discoverer hummed and groaned from the force of the shock. Half stunned, Captain Dexter Ames picked himself off the deck of the control cabin. Sprawled in the corner, Doctor Phillips, his second in command, was rising with a face distorted by alarm.
„It can’t be a meteor!“ cried Ames.
Phillips shook his head, as much as to clear his thoughts as to answer the captain’s question. „We weren’t able to break out of the time-warp,“ he muttered gloomily.
Ames set his teeth. „Let’s see what the damage is.“ He leaned against the speaking aperture. „Morgan! Are the motors dead?“ „As a door-nail, sir.“ came the muffled voice of Morgan. „We’re dropping, but slow – the gravity-resistors are still working.”
„That’s luck!“ breathed Ames, and hurried to the great telescope. He peered down steadily and gave a cry. „Doctor! It’s Earth again or am I wrong?“
The little scientist took his place and peered through the great quartzite lenses. He blinked. „Yes, that’s Europe and yet the land outlines don’t seem just right! Do you know, Dexter, I have a feeling that we’re journeying back into an older age!“
„Not the Ice Age, I hope,“ grinned Arnes with a dubious grin.
„Decidedly not the Ice Age,“ reproved the scientist. „You should remember that in those times no such land configuration was possible.“
Ames nodded. „Well, whatever it is, we’re stuck with it.“

THE Discoverer, battered and bent, sank into a long, narrow valley hedged in by snow-capped mountains. Engineer Morgan and his experts began their work at once.
Ames told off a scouting party, hoping to replenish the ship’s dwindling food supply. „Remember,“ he warned. „Keep together, and each man in communication by space phone with the ship.“ The twenty, led by Gunner Hatch, trooped out of the great door.
They climbed a gentle slope above a winding river. No man or beast appeared, and the scouts disappeared from Ames’ view.
Two hours later a lookout cried out. Men of the scouting party had appeared on the brow of the hill. They were moving fast, as if in retreat. Another appeared, and then two who were helping an injured man. Hatch ran up as Ames stepped from the ship.
„We were attacked,“ he gasped. „By giants! Cavemen!“
Ames and Phillips exchanged a glance. „Centuries!“ cried the scientist. „We’ve slipped past centuries of time.“
Ames had been counting heads. „You’re two men short,“ he rapped.
Hatch nodded. „And one man hurt. He was hit by a great rock thrown by a giant. The others are dead.“
„How were they killed? Hit by rocks?”
Hatch’s face bore a strange look as he spread his hands. „Nothing hit them. They just dropped after we shot one of the giants. Nothing hit them!“
„Nonsense!“ cried Ames, but as he saw the stubborn lines in the Chief Gunner’s face he wondered. „Come on, Doctor, you and I will do a scout.“
He picked six men of proved daring and discretion, and the eight followed the tracks of the food hunters. One man sighted a goat, but Ames shook his head. He wanted to see those bodies – the two slain shipmates and the giant – if they had not been dragged away.

FIRST they found the airmen. Doctor Phillips studied the unmarked still faces with pursed lips, then bade the men strip both. There was not a mark on them. The doctor, shuttling his hand through his thinning hair, said not a word.
A little farther away lay the giant. His death was no mystery. The ray of a ship man’s pistol had caught him fairly in the face.
„We’ll pick up our men on our way back,“ decided Ames. „Now for food.“
They had caught four goats before the giants appeared. One, the nearest, seemed to be a sort of leader: He carried a great club, swung on his shoulder above a craggy. scowling face framed with a mat of long hair. His only garment was a bear hide hung off one shoulder and caught at the loins with a piece of bone. He came on slowly, teeth bared, club balanced for a crushing blow.
Ames gripped his pistol. At that instant another giant leaped from underbrush to make a flank attack on the party. The menaced ship man fired his ray pistol. The giant’s arms fell, the great body slumped.
And then a stratling thing happened. The ship-man beside Ames gave a little sigh and sank to the ground. Ames and Phillips knelt by him and saw that he was dead.
„Ah!“ cried the doctor, his face working. his eyes gleaming. „Captain. I –“

THE leading giant had paused, astonished by the sudden death of two men. His scowl had left his face, and a thrill coursed through Ames’ whole being. Why, this Caveman’s face resembled his own! His pistol wavered from its target as he marveled.
Two giants leaped forward then from a fringe of woods. Three ray pistols spat, and they fell. And as if by magnetism, three of Ames’ party slumped and lay still.
„Ames!“ cried the little scientist in anguish. „Stop them! Stop the firing! And don’t shoot that big leader!“
„Cease firing!“ roared Ames. He turned wildly to the Doctor. „He looks like me, that Cave Man.“
„Of course,“ babbled the doctor. „Don’t you see? The time-warp! These are the First Men! That’s why our men died!“
Ames passed a hand over his brow, half lifting his pistol as the giants slowly advanced. „You mean–“ he cried incredulously.
„Our men shot their own ancestors!“ cried the doctor. „And so, without ancestors, how could they be alive? They died!“
„It’s crazy!“ cried Ames.
„It’s the law of time!“ retortcd Phillips.
„And that big fellow–“
„Is your ancestor!“
Shuddering, Ames holstered his pistol. „Fall back!“ he ordered his men. They paused only to lift their dead, and retreated toward the ship. Ames looked back. The big leader had stopped, and stood, leaning on his club, staring stupidly after Ames.



Erstveröffentlichung in "Planet Comics" #8, August 1940, Verlag Fiction House (defunkt)

Montag, 22. Oktober 2018

Pulp :: Die Verlorene Welt der Zeit! [1]



LOST WORLD OF TIME


Caught in a terrific time-warp. Capt. Dexter Ames and his gallant spare-ship crew turn their ray-rifles on the shaggy Hun-hordes of Attila.


By LIN DAVIES

CAPTAIN DEXTER AMES, biting his lip, stood spraddle-legged in the control cabin of the space ship Discoverer, facing his chief engineer. Beside him, pale of face, the second in command of the Earth expedition, little Doctor Phillips, ran a trembling hand over his brow.
„You are sure.” Ames asked Engineer Morgan, „that our motors must be repaired before we can try to return to Earth.“
The engineer nodded. „The pirate’s blasting shells wrecked our batteries. We can reach a planet by careful use of the motors, and if the atmosphere is favorable we can soon make repairs.“
Ames nodded. „Give us what speed you can.“ Another nod dismissed the engineer, and Ames turned to Phillips. The little scientist was already poring over the stellar chart. He looked up suddenly.
„This is strange,” he exclaimed „The chart is vague about this corner of the heavens. But the asteroid Medona lies yonder.“
„Let us make for it, then.“ Ames spoke through the tube, and heard Morgan’s grunt. He gave the course to the helmsman, and the space ship swung, awkwardly, like a crippled thing, on her new course.
As it hurtled through space a strange feeling came over Ames. Halfway to Medona, he began to sense a mystery in their surroundings. He was pacing the deck when the lookout cried out in alarm. „Planet ahead, Sir!”
„It isn’t Medona, sir,” stammmered the lookout, stupified. It’s Earth!“
„Earth!” repeated Ames. „Why, man, Earth is two million miles away!”
For answer the lookout stepped away from the great telescope, and Ames took his place. He took one look, gasped, and shouted to Morgan. „Reduce speed!”
Phillips ran up. Ames waved him to the telescope. The scientist squinted through the great quartzite lenses, and his jaw fell.
„Earth!” he muttered.
„Are we all drunk, Doctor?“ asked Ames, smiling for the benefit of the terrified lookout. Panic would sweep the ship, he knew, if this evidence of some strange doom were to be followed by similar disclosures.
Phillips was blinking rapidly, thinking hard. „Ames“, he said solemly, „can you stand a shock?“
„Try me.“ grinned Ames. He winked at Phillips, indicating that the lookout should not hear.
Phillips lowered his voice, but the lowered tones could not hide his excitement. „It is Earth, Ames, but not the Earth of our time! It is Earth of some other day! We have slipped past a time-warp!“

AMES nodded slowly, his eyes widening. „So that’s it!“ He glanced ahead where the planet was still invisible to the naked eye. „What time period, then?”
„Ah, that we’ll know when we land,“ countered Phillips. „If,“ he added hopefully, „we are to land.“
They swept down to see a vast range of mountains, snow-peaked. The Alps, Phillips thought. They turned south, and found the land stretching away in a plain, cut by winding rivers. They swept lower, and could make out a vast army, moving southward.
„There are beasts, and men,“ murmured Phillips.
„An army“ prompted Ames.
Phillips nodded.
„No need to land among them. Ames declared. „We’ll go farther south.“
„But as they cruised, more armed columns appeared. Then they saw the first sign of pitched battle. The army streaming south was overwhelming the defenders of the land. They swept still farther south, and Ames gave the order to land.
The Discoverer slid to a landing in a flat valley, where a bright sun gleamed on white walls. A fort lay at the far end of the valley, and scattered houses dotted the ground near them.
„Italy!“ cried Phillips. „The Roman Empire!“ added Ames. He ordered a landing party to arm. The great doors rolled back, and he stepped forth from the hull of the Discoverer. Behind him came Gunner Hatch and twenty Earth-men armed with ray-rifles. They moved to a well-paved road, and cautiously moved toward the town under the fort’s walls.
Suddenly from a declivity in the land a javelin whistled. It struck Ames’ helmet, and glanced off. The Earth-men raised their rifles.
„Don’t fire!” Ames warned. He raised his voice, first in English, then in Latin, the tongue of the old Romans. „Ho! We come in friendship!“
Instantly a head appeared above the stonework. Sun glinted on a bronze helmet of the sort that Cesar’s Centurions wore. „Speak, if you are a friend!“ the strange officer growled.
Hatch muttered a warning. But Ames stepped forward alone. He saw the centurion was supported by a mere score of soldiers, all in the helmet and breastplate of the old Romans. Short swords and spears and shields were their armament.
„Who attacks you?” asked Ames.
The centurion growled. and his men muttered in astonishment. „All the world knows,” cried the centurion, „that Attila the Hun rides on Rome.“
Then Ames knew. This was the time into which the Discoverer had flown!

„LET us aid you against Attila,“ he urged.
The centurion looked doubtfully at the space ship. „You are demons?” he asked at last.
„Not we,“ Ames assured him. He made no effort to explain the magic of flight to this grizzled veteran ol old Rome. „Where is the Hun advance guard?“
„Not more than a league away,” responded the centurion. He pointed. „They will march into sight in one turn of the hour-glass. We cannot hope to hold the valley but we must fight to the last.”
„Then,“ decided Ames, „we shall help you.” He wheeled and shouted orders to Morgan to begin repairs.
The Romans marveled as more men poured out of the great hull and began to bore into the motor compartment. In an hour the sound of trumpets was heard. The centurion was looking askance at Ames, as if to remind him of his promise.
Ames pointed to his men. „Let us march ahead,“ he proposed. „We will meet Attila’s scouts.“
The centurion nodded. „Let there be no treachery,” he warned darkly.
Ames nodded, gave a command, and the twenty men of the Earth of the new day set out to battle for the Earth of an ancient century. They met Attila’s advance in full view of the fort and town.

FIRST came shaggy ponies, carrying bearded giants in helmets crowned with cow’s horns. They spurred when they sighted the little party. The Earth-men waited, undismayed by marveling at the long swords high in air, and listening to the wild cries. The Huns charged.
The ray-rifles spoke. The Huns tumbled from their saddles, five, ten at a time. Twenty fell as if struck with one blow. The rearmost Hun pulled up. They retreated.
„By Jove!“ cried the centurion when he had run up. „You fight like demons, whoever you may be!“ He embraced Ames. „The Emperor will surely make you a prince. Look! – the commander is coming to give you thanks!“
Sure enough, a glittering procession was issuing from the fort. But at that moment Morgan came up. „Repairs are made, sir,” he said simply.
So Ames turned with regret to the centurion. „We must go.“
„How now? Go?“ the centurion was offended.
„It is duty,“ Ames explained.
„Oho! That is another thing,“ the centurion admitted. And he stepped aside to permit Ames and his men to embark once again for Earth.



Erstveröffentlichung in "Planet Comics" #7, Juli 1940, Verlag Fiction House (defunkt)

Samstag, 20. Oktober 2018

Fanboy :: Alte Welten

Im Goldenen Zeitalter der populären Unterhaltungsliteratur mit all seinen Hochglanz- und Pulp-Magazinen erfreute sich ein ganz spezielles Subgenre der Science Fantasy großer Beliebtheit, das man heutzutage als Schwert & Planet (Sword & Planet) kennzeichnen würde: die vielleicht reinste und gesündeste Form eskapistischer Fiktion, die je ersonnen wurde. In diesen Jahren wurde eine Unmenge von Novellen verfasst, die phantastische Abenteuer auf anderen Welten zum Thema hatten. Weltraumromantik im eigentlichen Sinne des Wortes , aber dennoch werden diese Geschichten nicht der eigentlichen Science Fiction zugeordnet, sondern der Fantasy; die fremden Welten dienen für den von der Erde stammenden Protagonisten nur als exotischer Hintergrund, und selbst die Ureinwohner jener fremden Welten sind in den meisten Fällen von „normalen“ Menschen kaum zu unterscheiden...

So fängt ein Artikel an, den ich während einiger Jahre zu meinem dunklen Selbstvergnügen zusammengestellt habe. Es hat etwas befreiendes und befriedigendes, über Abenteuer auf anderen Planeten zu lesen. Kolonialromanzen ohne den Rassismus: einen echten Kerl scheint es nicht zu stören, wenn die schöne Marsprinzessin scharlachrote Haut hat und Eier legt. (Respekt, Mr. Carter!) Es ist vielleicht nicht verwunderlich, dass selbst unter den Esoterikern es einige gibt, die ihr Heil auf fremden Welten suchen, jenseits des drögen Alltags und der Kleinlichkeit ihrer Mitmenschen. Leider sind auch diese alten Welten entzaubert werden, genau wie Mutter Erde hat man ihnen den Schleier des Mysteriums heruntergerissen und nur noch der Intellekt, kühl und unsympathisch, betrachtet den Himmel mit neidischen Augen. Derweil ich also die skurrilen und höchst fragwürdigen pulpabenteuer von Captain Dexter Ames vor mir herschiebe und mich frage, was für Leute diese diabolischen Piraten vom Neptun wohl waren, mit denen er es momentan zu tun hat, lese ich in zwei feinen Anthologien, die von den honorigen Altfans George R.R. Martin und Gardner Dozois herausgegeben wurden: Old Mars und Old Venus.
Und ich wünsche mir, es gäbe auch noch eine Anthologie Old Neptune. Vielleicht wäre sie nicht so amüsant geworden wie die vorliegenden - immerhin, Neptun gilt als Seelenplanet und kommt auch irgendwie immer ein wenig neurotisch rüber mit seinem Gerede von Mystik und Geheimnissen. Wahrscheinlich wäre auch nicht eine vollkommen neue Story von Michael Moorcock enthalten, in der er eine seiner alten Serien wieder aufgreift, wie in Old Mars. Aber ich bräuchte mir nichts zu überlegen, was es mit diesen Piraten vom Neptun auf sich hat. Wenn es nach mir geht, hätten sie das Schiff von Dexter Ames mit dem "Kriechenden Tod" angegriffen... oder es wären Haimenschen gewesen, oder eines von den Halbwesen, die die sagenhafte Hohlwelt unterhalb des halbgefrorenen Neptunmeeres heimsucht... grüne Zwerge von Xalan, oder philosophische Fledermausmenschen, die in den von inzwischen ausgestorbenen Titanenameisen gebohrten Tunneln hausen... sadistische Wissenschafter des Landes Noom...

Das wäre ein Alter Neptun, der interessanter wäre als dieser öde Eisriese, der beständig von einer dichten Decke kalter anästhetischer Gase umweht wird...

Schön, wenn man nur solche Probleme hat...

Montag, 15. Oktober 2018

Pulp :: Raumpiraten des Neptun!



THE STAR PIRATES


Homeward-bound with his vital secret of Sun control, Captain Dexter Ames of the Space-Ship Discoverer runs into pirate trouble!


By LIN DAVIES

YES, there were three specks in the stratosphere, far off to the right. The quartzite lenses did not lie. Captain Dexter Ames of the Earth-ship Discoverer drew hack from the squat telescope with worry furrowing his forehead.
Three space ships! Where did they come from? Were they friends or enemies of the exploring craft hurrying home wilh fateful news? He pressed a button to summon his second in command, and in a moment Doctor Phillips was at his side.
„What is it, Captain?”
Ames focused the telescope and gestured. „Take a look.“
The little scientist squinted through the space-revealing tube and exclaimed in alarm. „What are they?“
„They’re not Earth-ships,” said Ames grimly.
„Perhaps they’re Inter-Planet patrol craft,“ suggested the doctor hopefully.
Ames shook his head. „They don’t cruise in threes.“
The little doctor glanced worriedly about him, as though seeking the cause of their trouble. His eyes fell on the great figure sprawled upon a bench in the wing of the control cabin. Ames, too, glanced that way, his eyes running over the ten-foot giant. and suddenly his eyes gleamed.
„I’ve got an idea, Doc!“ He gestured to the helmet, made of metallic coils, on the doctor’s head. „Let’s show the Prince the ships in the scope, and you test his thought-reaction!“
The doctor rubbed his hands. Quickly he led their amiable guest-hostage, the Prince of Alpha Astra, to the glass. The big fellow stared while the doctor fiddled with the tubes of his though-transference helmet. When the giant straightened there was a glitter of hostility in his eyes that made Ames’ pulse beat faster.
The doctor’s eyes were halfclosed, his lips parted as he strained to catch the drift of the giant’s thoughts. Then, „Ames! Ames!“ he cried excitedly. „I’ve got it! The Prince identifies – apparently with some doubt in his mind – those ships as pirates from Neptune!“
„Pirates!” whistled Ames. „We’ve had no word of pirates in these parts!“
The doctor pushed the helmet of his wrinkled brow. „You think they’ll attack us?“
Ames shook his head. „Don’t know. But they certainly will if they’ve any idea how much they could win by blasting us to dust.“ He turned to the speaking tube and his voice roared with clear command „Attention! Battle stations!“

THROUGH the listening tube came the sounds of quick movements, a swishing of soft-soled shoes on metal decks in the far recesses of the ship. Then came the responses. „Guns ready, sir!“ That was Chief Gunner Hatch’s clipped quick voice. „Engine-room standing by, sir,“ Chief Engineer Morgan drawled down in the bowels of the motor-room. Behind the captain a door popped open and the communications man poked his head out. „The board’s dead, sir, but we’re trying.”
The captain nodded. „Watch it carefully. Try to tune in on the Neptune band, and report instantly if the three ships off the starboard bow try to speak to us.“
„Three ships, sir!“ The communications man’s eyes popped wide. „Yes, sir!“ He vanished.
Ames watched the gunners in the shoulders of the control cabin at their job of ranging the big proton guns on the tiny targets ahead, calculating speed, debating projectile types. At the scope the little doctor fidgeted. „They’re bigger, Captain. You’d better take a look.“
Ames took one look and nodded to Doctor Phillips. „We’re in for it. Those are the Neptune pirates.“
The doctor paled. But he nodded matter-of-factly. „Perhaps we have the speed of them.“
Ames compressed his lips. „I doubt it. The Discoverer was built for a long cruise, not for fighting. However –“
He paced the bridge. The next few minutes might spell their safety or doom. Everything depended he fought his ship. Could he give the pirates the slip, or, failing that, trounce them in battle? It was three to one and those Neptune craft looked like war craft.
They came up fast, flying at a tangent that would put them on his starboard quarter. But no – they were crawling up, showing a speed that made the Discoverer look like a cripple. Ames barked into the speaking tube. „Morgan! Are you getting all the speed you can?“
Back came the answer, „The last gasp, Chief!“
The lean space-devils loomed larger. Ames could make out the ports where the muzzles of proton guns gleamed. Suddenly the leading ship fired.
Ames slammed the elevators hard down, and the Discoverer dived. As the great space ship slipped out of her course a dull boom sounded through her length, and she shivered. Ahead, a bright glow appeared. A shot across the bows – a warning to heave to!
Gunner Hatch’s voice sounded eager and quick. „We have the range, sir!“
„Not yet,” warned Ames. „Don’t fire. When you do, take that leading ship first.“

HE FLUNG the Discoverer of her course, seeking to elude the pirate trio. But the move gained only a few seconds. When he scanned the rearward air again, the third pirate ship had crept up on one side. „Hatch!“ he shouted. „Take that one – to port!“
„Aye, sir!“ And the port sternchaser spoke with a stunning concussion. Staggering, the pirate ship fell off, and Ames heard the gunners cheer. But in the next instant a crashing blow struck the Discoverer, hurling Ames to the deck, where he lay senseless.
He knew nothing of the motors’ futile thrumming as the Discoverer, her rudders jammed by the hit, swung into a giddy circle. Or of how the two unhurt pirate ships, matching the Discoverer’s speed, came alongside. He roused to see, dimly, the port and starboard bulkheads crashing in under the fire of the pirates’ protons, and a swarm of lean-faced hot-eyed Neptune men pouring through the breaches.
Four of them rushed into the control room, herding little Doctor Phillips before them. The leader surveyed the spacious control room.
„We can use her,“ he jeered in slurred Earth-language. „for cargo. And as for you–“ he jabbcd Ames with a ray pistol, „–you and your people will slave in our laboratories.” He gestured to the guards, and Ames and Phillips were jostled aft, into the half-empty cargo hold. The bulkhead slammed, and quiet fell in the big chamber.
Ames rubbed his throbbing head, and looked about him. The whole crew was gathered here, despair on their faces. In one corner sat the giant Prince, broodingly fingering a great gash on his forehead; evidently he had been stunned belore he was captured.
The ship rolled, and Ames knew that the course had been changed. The realization stirred him to frantic thought. „Once we’re on Neptune, we won’t have a chance,“ he told himself. „No, if we ever make the break, it must be now.“
But below him was a metal deck. Walls and ceiling were just as impregnable, and as for the door – he shook his head.
Then he sighted the giant again. Those broad shoulders –
Ames jumped to his feet. „Men!“ he cried. „Let’s try a break! If we can force that door, it’ll be split-second work to capture the prize crew. Are you ready?“
Morgan gave Ames an odd look, glancing sidewise at the ponderous door. But Hatch was on his feet. Ames tapped the giant on the shoulder. „It’s up to you. Prince.”
The giant of the First Star shook his head at the unfamiliar words. But his eyes gleamed when Ames rammed his shoulder at the door and then stood back. In a flash the ten-footer was on his feet. His first thrust made the stout door tremble, while he caromed off it as if he had been a cork on water. But his second try cracked a hinge, and the crew gave a suppressed yell. On the third plunge the giant Prince laid the door flat.
And over his sprawled body the Discoverer’s crew raced. In two minutes the ship was safe from stem to stern, with the prize crew of surly Neptune men in irons.
„Well, Doc!“ cried Ames. „Earth’s alliance with Alpha Astra is working already. Hey, Prince?“
The ten-foot Prince of the First Star grinned understandingly.


Erstveröffentlichung in "Planet Comics" #6, Juni 1940, Verlag Fiction House (defunkt)

Montag, 8. Oktober 2018

Pulp :: Echsenmenschen des Ersten Sternes! [2]



SLAVE OF THE LIZARD-MEN


Ravaged by quakes and floods, Earth send Captain Dexter Ames through outer space to discover the mysterious secret of Sun-control.


By DON VARICK

CAPTAIN DEXTER AMES, guiding the spaceship Discoverer out of gloomy canyon walls for a survey of the mystery planet Alpha Astra, wheeled eagerly when Doctor Phillips, his second in command, sputtered in amazement as he stared groundward through the powerful, squat telescope in the wing of the control cabin.
„Well, Doc?“
„There! Down there – among the Lizard-Men!“ stuttered the little scientist, staring.
„What!“ exclaimed Ames. „More of the scaly devils? Like the ones we fought off in the canyon?“
„Yes, yes,“ snapped the doctor. „But that’s not all!“ He fidgeted at the scope. „There he is! A giant, Captain, a giant!“
„A what?“
The bald little doctor danced a jig about the scope. „See for yourself! An amazing fellow! He might be an Earth-man like us, but for his size.“
„Sure the light hasn’t fooled you?“ asked Ames, stepping to the scope as Chief Gunner Hatch took over the controls.
„No! The Lizard-Men are all around him, rearing up to their six feet. You can judge his height hy them!“
It was so, Ames saw. Down on the level plain a horde of the scaly green Lizard-Men swarmed about a great plattform. And chained to the middle of the platform was the doctor’s giant.
Ames’ eyes sparkled. „A giant!“ he cried. „There’s other life, then, on the oldest star of them all! A giant! Perhaps it’s his people who know the secret of Sun-control – his people who just now are touching off quakes and floods on Earth!“
„If we can rescue him,“ the doctor began. „and take him aboard–“
„We’ll rescue him, all right,“ snapped Ames. „Our ray-guns can take care of those Lizard-Men. We proved that in the canyon.“


Montag, 1. Oktober 2018

Pulp :: Echsenmenschen des Ersten Sternes! [1]


THE LIZARD-MEN OF ALPHA ASTRA

Piloted by Capt. Dexter Ames, 21,000 A.D. outward-space Columbus, the rocket-ship lands on the mystery-planet of Astra, only to be overwhelmed by the rodent-faced Lizard Men.


By LIN DAVIES

CAPTAIN DEXTER AMES caught his breath. The swirling vapors, miles in depth, had blown clear, and through the magnifying transparent shield of the space ship’s control room he could see the feared mystery planet straight ahead. He turned exultantly to the white-haired man beside him.
„There she is, Doctor! Just where the Observatory plotted her!”
Doctor Phillips smiled wistfully. „And you think we can succeed in finding the secret of Alpha Astra’s control over the Sun?“
Ames clapped a hand affectionately on the older man’s shoulder. „I hope so, for all our sakes.“ There was meaning in his voice, and unconsciously his gaze shifted to the slim figure of the girl who stood a few paces away; staring at the strange newly-discovered Alpha Astra, First of the Stars.
„There may be great danger ahead – dangers that we of Earth have never known,“ Dr. Phillips reminded the captain.
„We’ll have to take our chances,“ said Ames soberly.
The doctor turned to join Ames in an avid survey of the great star, whose form grew in size – even though the space ship was coasting through the heavens. Now that they were getting close, young Captain Ames wished that Cara Phillips, the doctor’s daughter, was back on Earth, for the landing on Alpha Astra bade fair to be a memorable one.
He sounded the alert. „Stations!“ he called through the control tube. „Prepare to land!“
As he adjusted his ray pistol the girl moved to his side. „Good luck, Captain“
„And to you, Cara,“ Ames rejoined. „Stay with the ship.“
She nodded, her eyes troubled. Then Ames turned and took the controls himself for the landing. He shot the rocket ship into a narrow but straight canyon and set her down with hardly a jar.


3rd Mind :: Textstücke des Goldenen Zeitalters

Die Stimme aus der Vergangenheit: Jeder Buchstabe ist heilig; macht keinen Unterschied zwischen dem einen und einem anderen. Komm und siehe!

Wenn man die dicken Comicmagazine des „Goldenen Zeitalters“ durchblättert, kommt man irgendwann zu der Seite, die für ein Textstück serviert war, eine Kurzgeschichte, 1.000 Wörter lang, die wahrscheinlich im Stil genauso schnell, roh und unreflektiert ist, wie die Comic Features davor und danach. Keine große Literatur, auch keine kleine – wahrscheinlich das, was in der Rangordnung der Fiktioneere auf dem untersten Platz landen würde.

Ja, es gab auch Autoren, die noch weniger angesehen wurden als die Pulp- und Comic-Schreiber. Diese Textstücke waren während der 1930er und 40er Jahre üblich, die als "Goldenes Zeitalter der Comics" bekannt waren. Zu dieser Zeit verlangte der United States Postal Service von Comic-Heften, mindestens zwei Seiten Text zu haben, um als Zeitschrift zu gelten und sich für die günstigeren Zeitschriften-Portotarife zu qualifizieren. Das Schreiben der Textstücke muss den Machern der Comics als lästige Aufgabe erschienen sein, wenn sie erschienen, dann meistens unter einem Hausnamen, oder man wälzte die lästige Aufgabe an jemanden wie den lokalen Laufburschen ab.

Tatsächlich, Stan Lees erste Arbeit in Comics, noch bevor Marvel Comics „Marvel Comics“ hieß, und noch bevor Stan Lee „Stan Lee“ war, war so ein Textstück in Captain America Comics. Wie alt war er damals? Man mag es nicht glauben, aber damals war er der junge Laufbursche, der den alten Profis wie Jack Kirby auf die Nerven ging.

Mit nur zwei Seiten war ein Autor auf etwa 1.000 Wörter beschränkt, in denen er seine Geschichte gestalten konnten – oder wenigstens irgendeine Geschichte. Es ist deswegen kein Wunder, dass diese 1.000 Wörter größtenteils klingen, als ob ein 14-Jähriger sie geschrieben hätte. Und Geschichten von 14-Jährigen sind meistens nicht sehr gut, auch wenn sie vielleicht eine eigene Energie haben, die ungefilterte Phantasie des geborenen Eskapisten ohne moralische oder stylistische Hemmungen. Das war vielleicht auch gut so, denn die Leser haben die Textstücke wahrscheinlich sowieso nicht gelesen. Sowohl Kinder als auch Erwachsene kauften Comics für die Comics, für Prosa-Fiktion gab es die dicken Pulpmagazine, meistens von den gleichen Verlagen. Von den Textstücken wurde nur erwartet, dass sie existierten, damit die Postbeamten zufrieden waren.

Irgendwie traurig, irgendwie einsam – all diese armen Menschen produzierten Ideen, von denen sie genau wussten, dass sie noch weniger galten als der schlechteste Strip oder die schlechteste Serie des Magazins, in dem sie veröffentlichten. Gesehen, nicht gelesen, sofort vergessen. Selbst in den historischen Reprintsammlungen sind sie meist nicht enthalten. Nicht einmal das Urheberrecht schützt sie noch* – diese vergessenen Helden, die niederste Form der niedersten Unterhaltung.


* Im Zuge der nächsten Wochen veröffentlicht THE SANCTUM jeden Montag ein Textstück aus dem Goldenen Zeitalter um den Weltraumhelden "Dexter Ames" aus PLANET COMICS. Bislang konnten 5 Textstücke gefunden werden, die Veröffentlichung erfolgt in englischsprachigen Original, eine deutsche Übersetzung liegt vor.

Sonntag, 5. November 2017

Pegāna online



F
ür den zielsicheren Leser religiöser Schriften und trockenen Sarkasmus (in diesem Falle aus der Feder eines agnostischen irischen Lords...)

Wikisource
The Gods of Pegāna (1905)
Time and the Gods (1906)

Freitag, 13. Oktober 2017

Pegāna :: ...erneut

Lord Dunsany:
Pegāna


"Und von den drei großen Bergen, die abseits stehen, und über allen anderen - Grimbol, Zeebol und Trehagobol - wird der Wind des Morgens und der Wind des ganzen Tages blasen, getragen auf den Flügeln aller Schmetterlinge, die gestorben sind auf den Welten, um die Götter und Pegāna abzukühlen.“

Freitag, 29. September 2017

Pegāna :: Als die Götter schliefen

Lord Dunsany:
When the Gods slept


"Aber als die Götter schliefen, kamen vom Rande, aus dem Dunklen und Unbekannten, drei Yozis, Geister des Bösen, die den Fluss des Schweigens in Galeeren mit silbernen Segeln herauf segelten. Von weit entfernt hatten sie Yum und Gothum, die Sterne, die Wache über Pegānas Tor hielten, blinzeln und einschlafen gesehen, und als sie sich Pegāna näherten, fanden sie eine Stille vor, in der die Götter tief schliefen."

Übersetzung Axel M. Gruner 2017 e.v.