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Mittwoch, 1. November 2017

Weird Fiction Ill-ustrated [6]

"Pickman's Model" (Tower of Shadows #9 Jan. 1971), adaptiert von Roy Thomas und Tom Palmer
Was könnte schöner sein, als Halloween ausklingen zu lassen mit einer doppelten Ladung der Dinge, die einen Silberrücken-Fanboy entzücken. "Pickman's Modell" ist eine der bekanntesten und effektivsten Geschichten von H.P.Lovecraft, selbst wenn es stilistisch und in der Auflösung ein wenig hölzern erscheint.
Dennoch, die meisten vergessen den letzten Satz nie wieder, dies atemlose "Verstehst du, Eliot – es war die Fotografie eines lebenden Wesens!"

Wir sind wieder im Turm der Schatten, dieser kurzlebigen pulporientierten Anthologie aus Marvels Silbernen Jahren - wieder Silber - und die Geschichte um den Maler Pickman und sein merkwürdiges Model beginnt wie gewohnt... mit der ungewöhnlich Angst eines Mannes vor dem Untergrund... nicht dem samtenen Untergrund, sondern dem schwarzen Untergrund der Tunnel und Bahnen und Keller und Löcher unterhalb von Boston, MA.
"NIEMALS!", sagt er... Stan Lee hatte damit nichts zu tun.


In Lovecrafts Geschichte werden detailiert die Werke des Malers Pickman vorgestellt, und der Leser begreift nur zu schnell, dass irgendwas mit diesem Mann nicht stimmt... der Realismus seiner grotesken Werke ist unmenschlich, und deswegen noch erschreckender. Und ist somit der Künstler nicht auch bereits mit dem Keim des Unmenschlichen behaftet?
Pickman begegnet einige Jahre später unserem alten Bekannten Randolph Carter von den Unheimlichen Carters aus Arkham und um zu... da ist er bereits zu einem vollständigen Emissär der Ghouls geworden und ist selbst ein Bewohner der Löcher zwischen der Wachen und der Schlafenden Welt geworden.

In der Comic-Adaption ist dies mehr oder weniger identisch. Ordentlich egmacht, sauberer Stil, die Konfrontation, die unheimlichen Kellergewölbe und die verräterische Fotographie, die der Erzähler an sich nimmt und eine lebenslange Angst auslöst. (Und vergessen wir nicht, seine Angst war begründet, denn Pickman selbst, Wechselbald der Kunst wurde zu einem Emissär der Ghoulwelten...)
"Verstehst du, Eliot – es war die Fotografie eines lebenden Wesens!"
Und hier ist das Foto:


Was???
Kermit, bist Du das?
Roy Thomas wird bittere Tränen geweint haben.
War es Zensur, oder ein böser Scherz?
War der Ghoul mit seinen gummihaften Lefzen zu hart für die damalige Zeit?
Oder war es Stan Lee mit einer weiteren Superidee für die Kiddies?
Man weiss es nicht. Wir schließen die Seiten und schleichen langsam nach Hause.
Gute Nacht da draußen, was auch immer ihr seid.

H.P.Lovecrafts Stories visualisiert © by Marvel Comics. 

Montag, 30. Oktober 2017

Weird Fiction Ill-ustrated [5]

"The Terrible Old Man" (Tower of Shadows #3, Jan. 1970), adaptiert von Roy Thomas, Barry Smith, Dan Adkins und John Verpoorten
Es ist ein schuldiges Vergnügen, in alten Horrorcomics von DC und Marvel zu blättern... heimlich unter der Bettdecke oder in der Abgeschiedenheit eines weihrauchverhangenen Tempelraums. In diesem vielelicht flüchtigsten aller Medien sind sie die flüchtigsten, und auch die esoterischsten. Sie haben Titel, von denen die wenigsten gehört haben und keine wiedererkennbaren Charaktere. Und dennoch (und gerade deswegen) sind sie vielleicht der reinste Ausdruck des nicht-seriellen Charakters von Mystery, Horror... Weird Fiction.
Und natürlich ist echte Weird Fiction nicht wirklich serientauglich, denn es gibt keine Garantie, dass der Protagonist (oder der Erzähler) zum Ende Geschichte noch am Leben oder bei Verstand ist. Diese alten Hefte, modrig im Geruch und matschig im Druck sind deswegen alle Anthologie, mit drei, vier in sich abgeschlossenen Geschichten, schnell erzählt und schnell vergessen. Aber gerade das macht die etwas esoterische Faszination an diesen Relikten aus, dass die Künstler es trotz all der Ähnlichkeiten und Wiederholungen, trotz der Einschränkungen in Format und Formel es immer wieder geschafft haben, etwas erstaunliches, fesselndes und wundersames zu erzählen...
Da gab es Häuser der Geheimnisse und Mysterien, Gespenster und Ungeheuer in jeder Form und Grösse...Ein erprobtes Format, und doch immer wieder für Überraschungen gut. Ende der 60er Jahre war auch in der Comicbranche eine experimentierfreudige Zeit und der damalige de facto Chefredakteuer von Marvel, Roy Thomas, versuchte in einigen Titeln, Comic-Adaptionen klassischer Weird Fiction-Geschichten unterzubringen - was von seinem abwesenden Vorgesetzten Stan Lee nicht immer mit Gegenliebe erwidert wurde.
In einer der ersten Ausgaben von  "Tower of Shadows" erschien die Adaption von H.P.Lovecrafts "Der schreckliche alte Mann", illustriert von Barry Smith... wie weitere Adaptionen und neue Werke ein finanzieller Misserfolg, weswegen "Tower of Shadows" nach neun Ausgaben den Titel in "Creatures on the Loose" änderte und statdessen begann, Fantasystories zu veröffentlichen... "Gullivar Jones, Warrior of Mars" (ein Vorläufer von John Carter) und "Thongor" (ein Conan-Klon). Die Rechte an Conan selbst konnte man sich kurz darauf sichern und er wurde von Roy Thomas und Barry Smith sehr erfolgreich in Comics umgesetzt...


Wenn man den Schrecklichen Alten Mann sieht, wie er mit den Seelen der toten Piraten in Flaschen spricht, wer hätte das gedacht? (Ehrlich gesagt, sieht er mehr wie Agatha Harkness aus als wie ein schrecklicher alter Mann...) Und wer hätte gedacht, dass aus den eckigen, stark von Kirby geprägten Zeichnungen eines Barry Smith mal die eleganten Zeichnungen von Barry Windsor-Smith werden sollten?

H.P.Lovecrafts Stories visualisiert © by Marvel Comics. 

Samstag, 13. Dezember 2014

Cthulhu Ill-ustrated [2]

Darkwing Duck #12, Mai 2011, von Ian Brill und James Silvani


Ein Multiversum des Schreckens - eine beruhigende Idee, nciht wahr?

Egal, wo Du Dich hinwendest, sie sind bereits da.
Du kannst rennen, aber Dich nicht verstecken, in der Nacht gibt es viele Schrecken, die sie... ähem... durchflattern.

Selbst in Entenhausen hausen Enten, die die Großen Alten verehren... den mächtigen Duckthulhu... und dies ist keine Fanfiction, sondern Teil der regulären Kontinuität. Darkwing Duck als Cartoon war ein Spinn-off der unterschätzten DuckTales, sein Sidekick der Privatpilot von Scrooge McDuck (im deutschsprachigen Raum Dagobert Ohne-Mc Duck). Gab es da nicht auch mal eine Robocop-Ente?

Das Disney-Universum ist - wie schon immer vermutet - ein viel dunklerer Ort, als man es uns allgemein glauben macht. Duckthulhu erhebt sich ... wie bereits erwähnt.




Veröffentlicht von Kaboom! Studio, (c) Disney Enterprises

Freitag, 12. Dezember 2014

Cthulhu Ill-ustrated [1]

Darkwing Duck #11, April 2011, von Ian Brill und James Silvani


Zu den erstaunlichsten Eigenschaften der Cthulhu-Meme, auch kurz "Mythos" genannt, gehört ihre polymorphe Anpassungsfähigkeit. Und das ist auch der Grund, warum man sich vielleicht inzwischen schwertut, der ganzen Sache etwas Neues abzugewinnen. Selbst ein Perspektivewechsel hilft da wenig - des kosmsiche Schrecken ist inzwischen im  Mainstream angekommen und somit seine unverwechselbare Qualität, das intelektuelle Unbehagen, verloren. Cthulhupunk oder Tentakelporno, irgendwo war immer schon ein Shoggoth, selbst bei South Park. In den Universen von Marvel, DC, selbst Dr. Who, die Großen Alten haben sich in alle Winkel des Multiversums vermehrt.

Es ist nicht mehr eine Welt des Cthulhu, wie man sie in den 30ern erdachte, sondern inzwischen eine fast unbeschränkte Vielfalt an cthulhoiden Welten.

Im Grunde ist es dann nicht verwunderlich, wenn auch das Disney-Universum beginnt, die Meme zu assimilieren. Mit allen anderen hat es das auch gemacht oder erfolgreich die Originale aufgefressen und nur noch Übererste wieder ausgespien. Es ist vielleicht sogar eine eher ehrenwerte Art der Homage, wenn der Schrecken, der die Nacht durchflattert - selbst eine Homage an den alten Pulp-Helden The Shadow - gegen einen anderen Schrecken, der den Pulps entsprungen ist, antritt...
Duckthulhu erhebt sich!




Veröffentlicht von Kaboom! Studio, (c) Disney Enterprises

Samstag, 22. Oktober 2011

Mythos :: The Hound

Gerade auf meinen Schreibtisch geflattert: Die erste Ausgabe der bei IDW Publishing erschienenen Mini-Serie "H.P.Lovecraft's The Dunnwich Horror", adaptiert von Joe Lansdale. Große Freude! Jedenfalls, bis ich die ersten Seiten hinter mir hatte... es handelt sich nicht um eine Adaption des Mythos-Klassikers, sondern um ein Sequel (?), anscheinend in der Moderne angesiedelt und bis jetzt hat man nur das unsichtbare Monster... nicht... gesehen. Sehr schön, sagt der Kritiker und zupft an seinem Bärtchen, aber was soll das?
Gelungener ist da die nicht einmal auf der Titelseite erwähnte "Zweitgeschichte", eine stimmungsvolle Adaption von "The Hound", ohne Sprechblasen und komplett im Dunklen gehalten. Das soll man sich auf jeden Fall ziehen. Künstler ist der mir bis lang unbekannte menton3, der die Geschichte auch kalligraphisch gelettert hat. Man schaue bitte auf das Kabinett der ghoulischen Kuriositäten...

Sonntag, 27. Februar 2011

Weird Fiction Ill-ustrated [4]

Auch in weiteren Ausgaben von "H.P. Lovecrafts Haunt of Horror" treffen wir auf alte Bekannte, und muss das etwas Gutes sein? Wie bereits vorher erwähnt, ist die Wahl von Richard Corben als Illustrator von H.P.Lovecrafts steifer, geschlechtsloser Prosa (eine Wahl, die der Zeichner selbst getroffen hat) gewöhnungsbedürftig... faszinierend... oder vielelicht auch nur konsequent. Ist das der postmoderne Lovecraft, nach dem wir alle suchen? Es ist noch kein Cthulhupunk, aber vielleicht geht es in die Richtung.

Warum auch immer, musste ich bei den Adaptionen, die in den Heften gesammelt wurden (hierbei auch einige von Lovecrafts Sonetten, die natürlich eine größere Freiheit zur Interpretation geben... somit Corben als Ko-Autoren hervorheben... "The Canal" zum Beispiel, oder "The Well") immer wieder an diese anderen Sammlungen von Kurzgeschichten denken, die Clive Barker als seine Bücher des Blutes herausgegeben hat. Lovecraft? Na klar, sehr schön in Szene gesetzt in Heft #2 zum Beispiel, in "The Music of Erich Zann" die baufällige Absteige in der Rue d'Auseil... Richtig gut wird es aber, wenn Corbens eigene Vorlieben mit dem Shcrecken/ Grauen/ Horror / Ekel des Gentlemans aus Providence so richtig im Clinch liegen. Ein feines Beispiel ist hier in Heft #3 zu finden, mit der Adaption der Geschichte von "Arthur Jermyn", der wie wir alle wissen auf schmerzhafte Weise herausfinden musste, warum er ein unvorteilhaftes Äußeres besitzt und wenn sein Urahn dereinst aus dem Kongo als Gemahlin entführte.

Seien wir ehrlich, schon bei der ersten Lektüre dieser Geschichte wußte man, dass dies weit über Tarzans Familiengeschichte herausgeht, und der eine oder andere hat sich sicherlich gefragt, was Arthur Jermyns Urahn dazu bewog, eine Familie zu gründen. Nun weiß man es endlich: Das Gesicht mag vielleicht nicht so toll sein, aber was für eine Mörderfigur (und vielleicht hatte sie ja auch eine ansprende Persönlichkeit?)
.
Man sollte nicht so hart über andere urteilen. Ich meine, Michael Jackson durfte sich doch auch fortpflanzen, oder?

H.P.Lovecrafts Stories visualisiert by Richard Corben, © by Marvel Comics. 

Montag, 21. Februar 2011

Weird Fiction Ill-ustrated [3]

Nichts hat sich in den vergangenen Jahren unter den Blogreinträgen von NEMED HOUSE so großer Beliebtheit erfreut wie Richard Corbens Werwolf bzw. das dickbusige Mädchen, dass dieser gleich verschlingen wird. Ein treuer Korrespondent hat mich darauf hingewiesen, dass ich besagtem Corben schon einmal auch einen weiteren Eintrag gewidmet habe, nämlich zu seinen Adaptionen von Geschichten des unvergesslichen Clark Ashton Smith. Dass Mr. Corben trotz fortgeschrittenen Alters immer noch vital daherkommt, hat in den letzten Jahren auch schon seine Mitarbeit an den Fortsetzungen der Hellboy-Reihe gezeigt. Das ist aber noch nicht alles, unlängst flatterten mir einige Hefte des Marvel-Verlages auf den Schreibtisch, von einem treuen Freund der Trashbox des Comichändlers unseres Unvertrauens abgerungen. Der vielsagende Titel: "H.P. Lovecrafts Haunt of Horror", illustriert von Richard Corben.

Die in den Heften vorgestellten Adaptionen sind klar den Originalgeschichten von Lovecraft nachempfunden (zur Sicherheit werden sie sogar teilweise nachgedruckt, um dem Leser den vergleich zu erleichtern - eine nette Geste in Zeiten des kollektiven Analphabetentums...), dennoch schwingt in den Illustrationen auch immer etwas eigenes, Fremdartigeres mit...


Schon bei der Lektüre des ersten Heftes wird klar, dass man sich hier weniger kognitive Dissonanz als vielleicht eine praeterhumane Geschlechtskrankheit zuziehen wird... Richard Corben kann in keiner seiner Adaptionen seine lebenslange Faszination mit dem Fleischlichen verleugnen, was den geschlechtslosen, klinischen Strukturen von H.P.Lovecraft eine ganz andere, fast unangemessene Morbidität á la Clive Barker verleiht. Es ist eine Sache, dass Corben seine Adaption von "Dagon" versaut, indem er statt Fischmenschen gleich den Großen Cthulhu in Szene setzt... die Geschichte "The Scar" jedoch ist noch unangenehmer. Tatsächlich weiß man nicht so genau, was es da ist, was in den Wäldern spukt... Baummenschen? Kannibalistische Ents? Die Fungi vom Yuggoth? Aber seht selbst:


Die Mistviecher haben Titten!

"Dagon" und "Yuggoth" visualisiert by Richard Corben, © by Marvel Comics.

Freitag, 31. Oktober 2008

Weird Fiction Ill-ustrated [2]

The Seed from the Sepulchre von Clark Ashton Smith, illustriert von Richard Corben

Schon irgendwie eklig, nicht? Aber auch "The Seed from the Sepulchre" (dt. "Saat aus dem Grabe") könnte als Vorbild für die beliebteren Schockelemente der Alien-Filme dienen. Diesmal ist es jedoch eine andere Vorliebe von Clark Ashton Smith, die diese klassische Weird Fiction-Story zum Thema hat.
Es ist das vegetative Grauen, die Schlingen und Ranken diabolischer Pflanzen, in denen er sich austobt, parallel zu den Arabesken seiner Sprache. Chaotische Wucherungen. die mit einem unheimlichen Halbleben ausgestattet sind.
Nur sind es keine Bäume, die von diesen Schmarotzerpflanzen befallen werden...
Auch dies wieder illustriert von dem unnachahmlichen Richard Corben... wir beginnen soetwas wie ein Thema zu erkennen...

all Images vom Den Saga No. 1, Fantagor Press, 1992

Donnerstag, 30. Oktober 2008

Weird Fiction Ill-ustrated [1]

The Vaults of Yoh-Vombis von Clark Ashton Smith, illustriert von Richard Corben

"The Vaults of Yoh-Vombis" (dt.:"Die Grabgewölbe von Yoh-Vombis") ist eine der klassischen Erzählungen der Weird Fiction, interessanterweise vielleicht sogar eines der Vorbilder für die in den Alien-Filmen auftretenden und höchst populären "Facehugger". Ja, es geht um ausserirdisches Leben, aber Clark Ashton Smith wäre nicht Clark Ashton Smith, wenn seine interplanetaren Romanzen nicht nur höchst unromantisch wären und einen deutlichen Hang zu morbidem Grauen hätten. Erstaunlicherweise wurde diese Geschichte von Richard Corben illustriert, der ja eigentlich vor allem für bulligen Glatzköpfe und Frauen mit unwahrscheinlicher Oberweite bekannt ist...

Die Geschichte beginnt auf dem Alten Mars, dem Schauplatz einiger von CAS' interplanetaren Horrorstories. Hier sehen wir schon mal die Ureinwohner, die eine wissenschaftliche Expedition in abgelegenes und übel beleumundetes Territorium führen...

Es dauert nicht lange, und in Yoh-Vombis erwacht lange vergessenes Grauen zu neuem Leben. Und... es ist hungrig!

Und Überraschung: Es will gar nichts von Dir, nur Dein GEHIRN!


all Images vom Den Saga No. 2, Fantagor Press, 1993