Auch wenn es dem aufmerksamen Leser so scheint, als ob ich die meiste Zeit in der Sonne liege, mich am Bauch kratze oder meine Zeit mit der umfangreichen Okkult- und Groschenheftbibliothek vertändele, die unser Haus verstopft, vergeht doch kein Tag, wo ich mich nicht dem steten Streben nach Selbstvervollkommnung und dem Fortschritt der Menschheit widme. Also, ich schubse alte Ideen und Sätze vor mir her, und nicht nur die eigenen.
Arbeitsauftrag für mich selber ist "Ein Absatz täglich, oder dabei umkommen", und der für alle anderen "Alles was veröffentlichungswert ist, wird veröffentlicht". Manchmal muss man jedoch etwas daran feilen. So geht es momentan - seit einigen Monaten - dem halbfertigen Material, das unter dem Arbeitstitel "Der Klabautermann" angeboten worden ist. Um die Wahrheit zu sagen, war es nicht der Arbeitstitel, aber der Titel machte soviel Arbeit, dass eine Veröffentlichung immer weiter zurücksackte im Zeitplan. Geplant war eine Exkursion in die Gefilde des alten oder neuen Pulp, mit einem "Hauscharakter", den jeder interessierte Autor benutzen konnte. Aber... der Klabautermann? Man sah die guten Ansätze, aber nach dem fünften beißenden Kommentar über Pumuckl schlang ich ein Samtband um die Dateien und versteckte sie irgendwo auf der internen und externen Festplatte.
Heute habe ich das ganze nochmal abgeschliffen und neulackiert, und präsentiere einen New Pulp Hauscharakter, den jeder interessierte Autor benutzen könnte.
Charakterblatt Johnny Tengu
[erste Fassung]
...benannt nach den Berg- und Waldkobolden der japanischen Mythologie. Wie die Tengu der Mythologie scheint Johnny Tengu die Fähigkeit zu haben, von einem Moment zum anderen an jedem beliebigen Ort zu erscheinen, zu sprechen ohne den Mund zu bewegen oder in den Träumen derer aufzutreten, die er heimsucht. Es gibt auch solche, die behaupten, dass er die Fähigkeit besitzt, nach Belieben Menschen- oder Tiergestalt anzunehmen. All dies ist sowohl wahr als auch eine Lüge. Alle übernatürlichen Fähigkeiten, die man ihm zuschreibt, sind die Tricks eines erfahrenen Bühnenzauberers der Täuschung und Ablenkung, oder die Fähigkeiten, die er während seines Studiums unter einem der letzten lebenden Ninjameister erworben hat.
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Montag, 24. März 2014
Donnerstag, 12. Juli 2012
Zitat der Woche
Gespensterhaft schwimmen phantastische Nebelfetzen durch die stummen Straßen, die auf die lauten Schritte eines belebenden Menschen lauern. Grauer Himmel drückt auf die altersmüden winkligen Giebelhäuser, die wie verwitterte Schönheiten einer prunkvollen Vergangenheit nachtrauern. In den zahlreichen Kanälen, die sich wie riesenhafte Würmer durch die Stadt winden, fließt schiefergraues Wasser; es hat eine Melodie, als lägen Tote auf dem Grunde. Schlafende Kähne, die wie märchenhafte Riesenschwäne ihre Brust bespülen lassen, träumen leise vor sich hin. Unnütz und düster bohren sich die Masten der Schiffe gleich drohenden Fingern in den Himmel, und wenn man mitternachts an den Kais entlang wanderte, würde man sicherlich den unheilbringenden Klabautermann erblicken.
Und Glocken tönen von den einsamen Kapellen, und Glocken rufen von den Türmen der ernsten Kirchen ..., dumpf und schwer kommen die Töne über die schweigenden Gewässer ... warnend und drohend wie mitleidlose Engel ... keifend und schrill wie bösartige Nonnen ... hell und wimmernd wie das Armesünderglöckchen ... bang und tief wie die Märchenglocke, die im See liegt ... singend und klagend wie heiße Menschentränen. Und die Symphonie der Klänge schwimmt ineinander und wird zu einem dröhnenden Orgelgebraus, das die Seele mit wilden Ängsten füllt. Und dann wieder Stille ... Totenstille über knienden Menschen in kalten Kirchen, in denen noch der Ruch erloschener Kerzen steht und der Weihrauch von gestern, der nicht flüchten konnte.
Die Menschen gehen still ihres Weges, als triebe keinen ein Gewerbe oder ein Beruf, als kämen sie vielmehr vom Traumreich Thule, wo das Vergessen wohnt und die Schmerzlosigkeit, Versonnen schauen sie vor sich hin, uralten Blicks, von vagen Gedanken zu Boden gedrückt.
Alles ist leise und sanft ergeben; selbst die Möwen, die sich zuweilen auf vermorschten Giebeln niederlassen, um zu ruhen, scheinen verzauberte Jungfrauen; sie schreien nicht, und sie zanken nicht miteinander. Beten auch sie? ...
(Jakob Elias Poritzky, Geist und Schicksal)
Kontext für die im laufe des Jahres (?) erscheinenden Erzählungen um Martin Jungs "Klabautermann", der ersten Figur von etwas, was wir GermanPulp nennen möchten.
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