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Sonntag, 22. Oktober 2017

Flash Fiction :: Halloween Pierrot

Weißes Gesicht, schwarzer Himmel….

Der mondbleiche Mann Pierrot stolpert durch den nachtdunklen Wald. Die Klinge in seiner Hand, scharf wie die Mondsichel, funkelt hell wo sie nicht feucht und schwarz glänzt.

Schwarz ist die Farbe von Blut im Mondenschein. Sein falsches Licht wandelt alle Farben zu Variationen von Grau; die Schatten sind Abgründe, die begierig darauf warten, dass man in sie stürzt.

(Sollte dies geschehen, ist es ein Sturz ohne Wiederkehr.)

Eine Beschwörung: hier der Kreis der Anrufung, dort das Dreieck der Manifestation. Pierrot wendet sein Gesicht dem fahlen Himmelskörper zu: eine weiße reglose Maske, die Augen Teiche absoluter Finsternis.

(Was die meisten vergessen, ist dass der Mond nur ein Spiegel ist, der das Licht der Sonne auf die Erde reflektiert, und wie jeder Spiegel gibt er nur das Antlitz des Betrachters wieder. Er reflektiert unser Licht auch zur Sonne, aber die Sonne sieht uns nicht.)

Pierrot, das Mondmesser in der Hand, ist verrückt vor Liebe. Irgendwo in diesem Wald ist der Schatz seiner Highschool-Tage. Ihr Name ist Colombine, ihr weißer Leib eine fahle Flamme in ihrem weißen Gewand. Ihr Liebhaber heißt Harlekin, und das einzige, was von ihm zu sehen ist, sind seine hellen Augen und das verächtliche Grinsen. Das kranke Mondlicht hat alle Farben seines Flickengewandes geschwärzt.

Pierrot will sie finden, um seine Liebesgeschichte zu erzählen.

(Eine Halloweengeschichte, von weißem Gesicht und weißer Klinge, und dem feuchten schwarzen Glanz im Mondenlicht.)

So stolpert er durch den nachtdunklen Wald, unklar, was sich in dem Dreieck ihrer Beziehung manifestieren wird. Er weiß nur, dass er diese Geschichte erzählen muss, bevor die Sonne aufgeht und die Welt wieder mit wilden Farben erfüllt.

(Manche Dreiecke haben Winkel, die so spitz sind, dass man sich an ihnen schneidet…)

Montag, 27. März 2017

Commedia die Harte



Im Foyer gibt es Rasierklingen am Stil
Heute reizen wir das Publikum bis aufs Blut.
Spot an - da steht der Pierrot in seinem Grab,
       die Mandoline unter'm Kinn -

       ohne Rhythmus, ohne Sinn.


       (Strophe, Refrain /
       heute hauen wir rein
)

Eine schwarze Träne rinnt:
Tätowiertes Fragezeichen
auf lepraweißer Haut



       (Strophe, Brücke, Refrain /
       Mann, wie sexy er ist
       im Bühnenlicht
)

Ein hohler Klang, die Stille bricht:
Jetzt haben wir's dem Krokodil gegeben.
      (Und einsam tickt die Zeit)
Das Publikum rast, kopuliert auf den Rängen
Pierrot ist längst gegangen,
Die Ausgänge sind zugemauert:
Da kommt keiner raus.





       (Fadeout)

Sonntag, 16. März 2014

Shortcuts 2014-03-16

Schreiben ist eine köstliche Sache; nicht mehr länger man selbst zu sein, sich aber in einem Universum zu bewegen, das man selbst erschaffen hat.

Die Harlekinade

Da steh' ich nun, ich armer Tor und bin genau so schlau wie zuvor. Abgesehen davon, dass ich der abwegigen Meinung bin, man sollte "Tor" definitiv wieder wie früher "Thor" schreiben. Verdammte Rechtschreibreform von 1900, früher war alles besser.
Man hat erfolglos versucht, mich als "New Weird" oder "New Pulp"-Autoren zu outen. ich hab es auch versucht, aber man kann halt nicht alles mit Rasierklingen und 4 Kilo Semtex richten. Jetzt ertappe ich mich dabei, wie ich alte Ideen einer eigenen Mythologie neu belebe, und stattdessen im 'Pierrot Lunaire' nachblättere als in meiner Taschenbuchausgabe des Nekronomicons.
Harlekin, Pierrot, Pulcinell und Brighella, die Zanni der Pyropunkzeiten, sie reinkarnieren vor meinen Augen in anderen Welten und drehen mir eine Nase.
Ätsch. (Das hättest Du wohl nicht gedacht, Herr Leandrowsky?)

I love my Duden


Fundstücke um den Wortschatz zu vergrößern:
  • glo­sen Wortart: schwaches Verb Bedeutung: schwach glühen, glimmen  
  • har­schig Wortart: Adjektiv Bedeutung: (vom Schnee) hart gefroren, vereist, krustig 
  • Järv Wortart: Substantiv, maskulin Bedeutung: Norwegischer Eigenname des Vielfraßes (Wolverine)  

Retro-Zeugs


works-in-progress:
Alles ist vernetzt. Was ich als gemeinfreien Text in den Archiven der Welt oder der Gutenberg-Galaxis finde, ist bereits 10 Minuten vorher als Kindle-Datei veröffentlicht worden, in den meisten Fällen für teuer Geld. Man kann sich natürlich aber auch die .txt oder .pub auf den Rechner oder ein anderes Gerät herunterladen und im Kindle als Dokument lesen.
Die Datacloud braucht dazu nur ein paar Augenblicke - es lohnt sich hier, auch international nach deutschsprachigen Texten zu suchen. Wer will nicht eine "utopische" Geschichte aus dem Jahre 1912 für lau lesen?
Dieselpunk, als man noch nicht wusste, was Diesel ist -
Damals hieß Science Fiction noch "Zukunftsliteratur", und man brauchte sich anscheinend um Wissenschaft nicht zu scheren. Und ein paar Straßen weiter bastelten Einstein und Heisenberg an einer ganz anderen Sicht der Dinge.
Klar, dass man da mals eine postmoderne Interpretation vorstellen sollte.
Mit Zeppelinen.