Posts mit dem Label Pegana werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Pegana werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 1. Mai 2020

Mythos :: Traumsucher [3]



Notizen aus dem Platinbuch

Ist YOG-SOTHOTH der Erlöser? Σωτήρ (Erlöser, Heiland) ist im Gnostizismus derjenige, der die Seele aus der Gefangenschaft des irdischen Archonten und Demiurgen Jaldabaoth befreien wird.

Die Götter von Pegāna erscheinen weniger unerbittlich als manchmal eifersüchtig, neidisch oder hochnäsig - menschlich, allzu menschlich. Und auch wenn die Bewohner der Welten tatsächlich Spielfiguren oder Teil eines der Spiele der Götter sind, so sind diese Spiele gleichzeitig auch die Bedeutung des Lebens und des Äons. Aber es klingt sehr nach dem "Mythos", Sie entspricht dem, was die Leser von Lovecraft irgendwann den "Cthulhu-Mythos" nannten - er selbst tendierte zu "Yog-Sothotherie". (Und dies ist zweifellos korrekt, denn der Große Cthulhu ist nur ein in einer Art invertierter Gnosis auf der Erde gefangener Außerirdischer... der Hohepriester einer radikal fremdartigen Religion, der nur darauf wartet, erlöst zu werden und ins Pleroma der Leere zurückzukehren...) Dies klingt wenig In Dunsanys Mythos werden die Welt und die Götter erschaffen von MĀNA-YOOD-SUSHĀĪ, der solange schläft, wie SKARL der Trommler spielt. Und wenn SKARL aufhört zu spielen, dann wird MĀNA-YOOD-SUSHĀĪ erwachen und neue Welten und neue Götter erschaffen. In Lovecrafts Mythos hat dieser große Allerälteste die Form des Dämonen-Sultans AZATHOTH angenommen, das nukleare Chaos im Zentrum der Universums, das jenseits der Zeit inmitten des gedämpften, rasendmachenden Schlags nichtswürdiger Trommeln und des dünnen, monotonen Gewinsels verwünschter Flöten brodelt und lästert.


AZATHOTH ist wie MĀNA-YOOD-SUSHĀĪ, alle Existenz ist in ihm enthalten und von ihm abhängig. Er ist "GOTT" - der wahre "gute" Gott des Pleromas, der jenseits der Existenz ewiglich herrscht und zu dem die befreiten Seelen zurückkehren werden.

MĀNA-YOOD-SUSHĀĪ kann so sein, aber er schläft.

AZATHOTH jedoch ist nicht nur "grenzenlos", er ist auch "hirnlos".


Das ist die Quintessenz von Lovecrafts "Mythos" - der ultimative Gott ist ein sabbernder Idiot. Zu ihm reichen keine Träume, so werden wir versichert, und er herrscht in Leere und völliger Verwirrung. Im Gegensatz zum gnostischen Weltbild gibt es hier kein Entkommen. Genauso wie in der realen Welt.


(Ist es da ein Wunder, dass manche ihr Heil in Traumwelten suchen?)

Mittwoch, 24. April 2019

Mythos :: Traumsucher [2]



Notizen aus dem Platinbuch

Von allen Welten, die ich im Traum besuchte, ist Pegāna die vollkommenste. Ich war in Andarra und Tothra, selbst Kuth vom Sternengürtel, doch ihre Wunder scheinen nur eine blasse Nachahmung zu sein, wenn ich die Tore von Pegāna erblicke, wo die Zwillingssterne Yum und Gothum Wache stehen.

Pegāna war vor allen anderen. Noch bevor es Götter auf dem Olymp gab, oder noch ehe Allah überhaupt Allah war, war Pegāna – so heißt es.

Sie ist so alt wie die Entstehung der Kontinente und Ozeane.

Sie ist kein Traum – sie ist das, wovon wir träumen.

Dienstag, 23. April 2019

Mythos :: Traumsucher [1]



Notizen aus dem Platinbuch

Neben seinen Geschichten über kosmische Monstrositäten und waffentaugliche kognitive Dissonanz verfasste H.P. Lovecraft (1890–1937) auch eine Reihe von Geschichten, die im sogenannten "Traumland" angesiedelt sind. Das wichtigste Werk in dieser Reihe ist wahrscheinlich "Die Katzen von Ulthar" (1920) und "Die Traumsuche nach dem Unbekannten Kadath" (1926). Ein wichtiger Aspekt des "Traumlandes" ist, dass es selbst nur eine vage, traumartige Realität darstellt - vielleicht jenseits der Wirklichkeit, vielleicht parallel dazu oder in fernster Vergangenheit oder alles zusammen. Es ist unklar, und wäre es klar, würde es wohl auch viel von seiner rätselhaften Faszination verlieren.

Lovecraft hat selbst darauf hingewiesen, dass er beim Verfassen dieser Geschichten stark von den Werken des irischen Lord Dunsany (1878–1957) inspiriert wurde, obwohl er die erste seiner Traumgeschichten geschrieben hatte, noch bevor er das erste Mal auf den Lord aufmerksam wurde. Aus den Geschichten von Dunsany (gesammelt z.B. in A Dreamer's Tales (1910), The Book of Wonder (1912) und Tales of Wonder (1916)) übernahm Lovecraft vor allem die wohlklingenden orientalischen Namen, die selbst Dunsanys Inspiration für seine innovative Fantasy in den "orientalischen Phantasien" des 19. Jahrhunderts verraten. Geschichten in der Art von 1001 Nacht, nur ohne den weltanschaulichen Hintergrund. Etwas, das Lovecraft, der als kleiner Junge von genau der gleichen Art von Geschichten fasziniert war und sich für seine Spiele das Pseudonym "Abdul Alhazred" ausdachte.

Freitag, 12. April 2019

Pegāna :: Der Fluß


Lord Dunsany:
The River


Dann sah ich auf dem Fluss das traumerbaute Schiff des Gottes Yoharneth-Lahai, dessen großer Bug grau in die Luft über dem Fluss der Stille stieg.
Seine Balken waren alte Träume, die vor langer Zeit geträumt wurden, und die Vorstellungen der Dichter schufen ihm große, gerade Masten, und seine Takelage war aus den Hoffnungen der Menschen gewirkt.
Auf ihrem Deck befanden sich Ruderer mit traumgefertigten Rudern, und die Ruderer waren Leute aus den Phantasien der Menschen, Prinzen der alten Geschichte und Menschen, die gestorben waren, und Menschen, die noch nie gewesen waren.

Diese schwangen nach vorne und schwenkten zurück, um Yoharneth-Lahai durch die Welten zu rudern, ganz ohne Rudergeräusch. Auf ewig treibt bei jedem Wind die Hoffnung und die Phantasien der Menschen, die in den Welten kein Zuhause haben, nach Pegāna empor, und Yoharneth-Lahai webt sie zu Träumen, um sie den Menschen wieder zu bringen.
Und jede Nacht zieht Yoharneth-Lahai aus in seinem traumhaft gebauten Schiff mit all seinen Träumen an Bord zurück, um wieder die alten Hoffnungen und all den vergessenen Phantasien den Menschen zurückzubringen.

Aber bevor der Tag wieder zu sich kommt und alle erobernden Armeen der Morgenröte ihre roten Lanzen in das Gesicht der Nacht schleudern, verlässt Yoharneth-Lahai die schlafenden Welten und rudert den Fluss der Stille zurück, der fließt von Pegāna in die See der Stille, die jenseits der Welten liegt.
Und der Name des Flusses ist Imrana der Fluss der Stille. Alle, die den Geräuschen der Städte überdrüssig sind und sehr müde von Lärm sind, schleichen sich in der Nacht zu Yoharneth-Lahais Schiff hinab und gehen an Bord, zwischen den Träumen und den Phantasien früherer Zeiten, legen sich nieder auf dem Deck und scheiden vom Schlaf zum Fluss, während Mung hinter ihnen das Zeichen von Mung macht, weil sie es so haben wollen. Und sie liegen dort auf dem Deck zwischen ihren eigenen, in Erinnerung gebrachten Phantasien, und Liedern, die niemals gesungen wurden, und sie treiben Imrana herauf vor dem Sonnenaufgang, wohin der Klang der Städte nicht kommt, noch die Stimme des Donners zu hören ist, noch das Mitternachtsheulen des Schmerzes, wenn er an den Körpern der Menschen nagt, und weit weg und vergessen blöken die kleinen Leiden, die alle Welten plagen.

Übersetzung Axel M. Gruner 2019 e.v.

Dienstag, 26. Dezember 2017

Shortcuts 2017-12-25


Es ist wieder an der Zeit, ein paar Seiten aus dem Notizbuch zu reissen, oder darüber nachzudenken, ob es sich lohnt, sie ins nächste Jahr mitzunehmen... [Und Werbung... ein Haufen Werbung. Aber es ist schon nach Weihnachten, also ist es okay...]



Von mehreren Titeln mit den Hits (und Fehlschüssen) der letzten 35 Jahre "Spekulative Fiktion" (ist sie das nicht immer), ist inzwischen "Verlorene Welten" veröffentlicht, aber bislang noch nicht in den internationalen Buchhandel gelangt; dies wahrscheinlich dann wenn die anderen Titel gedruckt wurden.
Insgesamt eine schicke kleine Sammlung von ungewöhnlichen und merkwürdigen Geschichten - alte Bekannte, vergessene Freunde und Auson Mazant, der Ewige Held. Ein bischen Nostalgie für Terra Fantasy. Und ein neuer Besuch in Pegana. Denn: Pegana ist die Beste.

Verlorene Welten

Sonntag, 26. November 2017

Werkstattbericht 2017-11-26



Hallo von der Nordwestküste des Jadebusens.
Normalerweise grüße ich aus Zollern am Meer, aber das ist leider nur ein mythisches Gefilde; ein Name, der nie verwendet wurde... man könnte auch sagen, eine Idee, die sich nicht durchgesetzt hat.
Zollern am Meer ist nie entstanden, es ist ein Ort, den es nur in einem besser geschriebenen Paralleluniversum als diesem gibt, eine halbmythische Stadt wie Tanelorn, Lankhmar oder Brigadoon. Die graue Realität sieht anders aus, eine dieser typischen norddeutschen Hafenstädte, irgendwie grau, irgendwie schmuddelig, kein übler Ort, aber die Sonne scheint manchmal nur in der Nacht.
Immerhin, Jadebusen klingt ja ganz interessant. Meine Freunde aus dem Reich der Mitte versichern mir, dass "Jade" immer etwas Erhabenes und Wertvolles ist. Konfuzius hat da ein paar schöne Worte für gefunden. Ein "Jadebusen" ist also ein besonders erhabener oder schön geformter Busen.
Das ist doch schon mal was.

Sonntag, 5. November 2017

Pegāna online



F
ür den zielsicheren Leser religiöser Schriften und trockenen Sarkasmus (in diesem Falle aus der Feder eines agnostischen irischen Lords...)

Wikisource
The Gods of Pegāna (1905)
Time and the Gods (1906)

Freitag, 13. Oktober 2017

Pegāna :: ...erneut

Lord Dunsany:
Pegāna


"Und von den drei großen Bergen, die abseits stehen, und über allen anderen - Grimbol, Zeebol und Trehagobol - wird der Wind des Morgens und der Wind des ganzen Tages blasen, getragen auf den Flügeln aller Schmetterlinge, die gestorben sind auf den Welten, um die Götter und Pegāna abzukühlen.“

Freitag, 29. September 2017

Pegāna :: Als die Götter schliefen

Lord Dunsany:
When the Gods slept


"Aber als die Götter schliefen, kamen vom Rande, aus dem Dunklen und Unbekannten, drei Yozis, Geister des Bösen, die den Fluss des Schweigens in Galeeren mit silbernen Segeln herauf segelten. Von weit entfernt hatten sie Yum und Gothum, die Sterne, die Wache über Pegānas Tor hielten, blinzeln und einschlafen gesehen, und als sie sich Pegāna näherten, fanden sie eine Stille vor, in der die Götter tief schliefen."

Übersetzung Axel M. Gruner 2017 e.v.

Montag, 18. September 2017

Pegāna :: Der Scherz der Götter


Lord Dunsany:
The Jest of the Gods


"Einmal hatten die Alten Götter etwas zu lachen nötig. Darum machten sie die Seele eines Königs und setzten in sie Ehrgeiz, größer als Könige haben sollten, und Lust nach Ländereien jenseits der Lust der anderen Könige, und in diese Seele setzten Sie Kraft jenseits der Kraft der anderen und heftiges Verlangen nach Macht und starken Stolz. Dann deuteten die Götter erdwärts und sandten diese Seele in die Felder der Menschen, um im Leib eines Sklaven zu leben. Und der Sklave wuchs, und der Stolz und die Machtgier begannen in seinem Herzen zu erwachsen, und er trug Fesseln an seinen Armen. Da machten sich die Götter in den Feldern der Dämmerung bereit zu lachen.

Aber der Sklave ging hinunter zum Ufer des großen Meeres und warf seinen Körper fortund die Fesseln, die daran waren, und schritt zurück zu den Feldern der Dämmerung und stand vor den Göttern und sah ihnen in die Gesichter. Dies hatten die Götetr, als sie sich bereit machten zu lachen, nicht vorausgesehen. Machtgier brannte stark in der Seele des Königs, und es war all die Kraft und Stolz darin, die die Götter darin hineingelegt hatten, und er war zu stark für die Alten Götter. Er, dessen Körper die Schläge der Menschen getragen hatte, konnte nicht mehr die Herrschaft der Götter dulden und vor ihnen stehend bat er sie zu gehen. Bis zu ihren Lippen sprang der ganze Zorn der Alten Götter, denen zum ersten Mal befohlen wurde, aber die Seele des Königs stand ihnen immer noch gegenüber, und ihr Zorn verstummte und sie wandten ihre Augen ab. Dann wurden Ihre Throne leer, und die Felder der Dämmerung kahl, als die Götter fort schlichen. Aber die Seele wählte neue Begleiter."

Übersetzung Axel M. Gruner 2017 e.v.

Dienstag, 12. September 2017

Die Götter von Pegāna



Beim Aufräumen sind mir ein paar Notizen in die Hand gefallen, die ich mir irgendwann beim Recherchieren älterer Fantasygeschichten gemacht habe. Und zwar bei den bewunderungswerten Geschichten von Lord Dunsany, den älteren Zuhörern vielleicht als das große Vorbild von H.P.Lovecraft bekannt. (Und dabei hat Drax, Lord von Dunsany, den "alten Mann" HPL lange überlebt.) Neben den wundervollen Traumgeschichten aus den komischen Ländern jenseits des Yann, elagant und dahingleitend wie eine Barke auf dem Nil, hat es mir vor allem ein extremes Unikat angetan, das irgendwann einmal (unvollständig?) in einer hervorragenden deutschen Anthologie abgedruckt wurde, wo es mich völlig unerwartet überfiel und fesselte:
Die Götter von Pegāna!
Eine komplette Mythologie, ein komplettes Universum.
Ein Unikat, relativ abgeschlossen.
Nicht zu kopieren, obwohl der eine oder andere Autor gerne ein paar Ideen dort abgezweigt hat.

  • Hier ein Link zu einer Version der Originalausgabe von 1911 bei archive.org: >>>
  • Hier der vollständige Text bei wikisource: >>>
  • Die deutsche Anthologie, die mich damals so überrascht hat, gibt es auch noch unter der Hand, zu einem Spottpreis. >>>
  • Und für die Komplementisten, alle Geschichten, die mit dem fabelhaften Reich Pegāna zusammenhängen, gesammelt in einem schicken cthulhoiden Band: >>>
Aber wer ist schon Cthulhu? Wenn er aufwacht, gibt es vielleicht ein wenig Chaos und Zerstörung, aber wenn Skarl zu trommeln aufhört und Māna-Yood-Sushāī erwacht, endet das gesamte Universum. Und deswegen ist er der eine, zu dem nur die Götter selbst beten dürfen.
Achja, eine der Notizen, die ich mir gemacht habe, war: Konvertieren? Oder Weglaufen?
Das war ja schon immer die Frage.