Mittwoch, 23. Oktober 2024

Der Werwolf von Arkadien

Es ist zu beachten, dass der Hauptsitz der Lykanthropie Arkadien war, und es wurde sehr plausibel vermutet, dass die Ursache auf den folgenden Umstand zurückgeführt werden könnte: – Die Eingeborenen waren ein Hirtenvolk und würden daher sehr schwer unter den Angriffen und Plünderungen leiden von Wölfen. Sie würden natürlich ein Opfer bringen, um Befreiung von dieser Plage und Sicherheit für ihre Herden zu erlangen. Dieses Opfer bestand aus der Opferung eines Kindes und wurde von Lykaon [einem arkadischen König, der seinen Sohn Zeus verfütterte und anschließend wegen seiner Perversität in einen Wolf verwandelt wurde] eingeführt. Aus dem Umstand, dass es sich bei dem Opfer um einen Menschen handelte, und aus der Besonderheit des Namens seines Urhebers entstand der Mythos. 

Aber der Lykanthrop weist auch darauf hin, dass die gewalttätige Raubtierjagd des Wolfs niemals ausgerottet werden kann, egal wie viele Bestien getötet oder Kinder den Göttern übergeben werden, da es sich auch um ein unterdrücktes Verhalten von Menschen handelt, die nur darauf warten, zyklisch in der Phase des Mondes aufzutauchen . Wenn wir den Rahmen auf allgemeine Überlegungen zu „Metempsychose, angeborener Grausamkeit, Halluzination usw.“ erweitern, wie es unser Autor tut, ist die „Verwandlung in Tiere ein integraler Bestandteil aller mythologischen Systeme“.

Quelle: Hunter Dukes: "Sabine Baring-Gould’s Book of Were-Wolves (1865)" auf publicdomainreview.org

 

Samstag, 19. Oktober 2024

Nachtmusick :: The Keeper of the Cities

Liebe Gemeinde, die Zeit vergeht, die Hälfte des unheimlichen Oktobers ist schon vergangen... inzwischen kriecht der Herbstnebel bedrohlich nahe ans haus... der Nebel... der Nebel. Währenddessen jongliere ich mit Bildern von Asphaltengeln und paramentalen Dämonen (die Geister der Großstädte, frei nach Fritz Leiber)... es ist wieder soweit... Hier ein kleines Liedchen, das ich während meiner natürlichen Prokrastination zusammengeschrieben habe...

Montag, 14. Oktober 2024

Auf Saturn, in Lemurien [Teil 2]

 

Tief in der Erde von Lemurien, wo die Steine noch die alten Lieder singen, erwachen jene, die lange vergessen waren. Vielleicht, eines Tages, wenn die Monde wieder in Einklang stehen, werden die Tore geöffnet, und wir werden zurückkehren – nicht als Helden, sondern als Schatten dessen, was wir einst waren. Die Meister der Urzeit hatten Siegelringe geschnitten, aus Karfunkeln und dem lebenden Karneol, jeder Ring das Abbild eines längst vergessenen Lebens. Diese Schmuckstücke, so erzählte man, könnten die Träger zurückführen – nicht in die lebendige Gegenwart, sondern zu den Erinnerungen, die tief in den Seelen ruhten, wie Wasser, das sich unter der Oberfläche stiller Seen verbarg.


Wenn die Monde am höchsten standen und das Licht des Saturn in einem schwachen, doch beständigen Flackern durch die Nebel brach, können die Träger dieser Siegel einen Funken Offenbarung erfahren –ein Schimmer des Lebens, das einst war. Und so lebten die Schatten der Urzeit weiter, nicht als Geister, sondern als Gedanken, die in den Erinnerungen an das, was sie einst waren, gefangen blieben, bis die Zeit erneut das Tor öffnete.

Sonntag, 13. Oktober 2024

Auf Saturn, in Lemurien [Teil 1]

 

Ich bin auf den Meeren des Saturns gesegelt, zu Inseln aus hohem, urzeitlichem Amarant, wo die flammenzüngigen, klangvollen Blumen die Brandung zum Schweigen bringen. Ganz mit rubinfarbenen Perlen besetzt lockte mich die goldene Küste; doch wie jemand, den Zauber zurückhalten, machte ich mich mit meinem Gesang auf den Weg zu den blinden Horizonten der düsteren Meere und nie gekannten Häfen. Aus Feuer und Messing geformt und von Monden gewölbt, öffneten sich gewaltige, tiefe Himmel – bis über dem dunklen Schaum schwarze Gipfel aus Reichen emporstiegen, die so unaussprechlich sind wie der Schlaf! Kuppel türmte sich auf wolkenlose, adamantene Kuppel, und kein spähender Seraph glaubte an ihnen vorbeizukommen. Furcht auf der See, und Furcht unter der See, und schwarze Furcht jenseits des Schicksals herrschte – dann Schweigen, als die Welt sich wandte.


Und doch, als die Stille sich senkte, schien alles Gewicht der Welt zu schwinden, wie in einem Atemzug, den die Ewigkeit hält. Die dunklen Meere des Saturn verschwammen vor meinem Auge, während Lemurien in einem fernen Glanz aus vergangenen Zeiten aufstieg – wie ein Traum, den man am Rande des Bewusstseins erahnt, aber nie ganz erfassen kann. In diesem Licht lebten die Reiche der Urzeit weiter, unberührt vom Verfall der Sterne, und ich, wandernd zwischen den Welten, suchte nach dem, was jenseits von Zeit und Raum lag; nach dir, meinem lieblichen Dämon.

Werkstattbericht 2024-10-13

Liebe Gemeinde, die Zeit vergeht, die Hälfte des unheimlichen Oktobers scheint schon vergangen... die ersten Herbststürme ziehen auf und zerren an den Blättern der riesigen Linde vor meinem Haus, die Katzen verbergen sich nachts und tagsüber verkriechen sie sich unter den Betten. Es wird dunkel, die Jahreszeit des Samhain naht, Zeit der Gespenster und der niemals Geborenen... Die Schleier werden dünner. Der Wind flüstert in einem unverständlcihen Code, während die Luft sich füllt mit dem Duft feuchten Laubs und dem Rauch der ersten Feuer. In der Ferne ein Vogel oder das Echo längst vergangener Stimmen. Die Nacht scheint tiefer, dichter, die Schatten kriechen näher an das Haus heran, gierig darauf, etwas zu erzählen, das in den langen Sommernächten verborgen geblieben ist.

Das ist, was der synthetische Verstand mir vorgibt, wenn ich das Orakel werfe; anscheinend will er mich zart darauf hinweisen, endlich einige der Dinge abzuschliessen, die in den letzten Monaten liegengeblieben sind. Das kommt jetzt nicht überraschend, schließlich ist es Erntezeit. Im unheimlichen Oktober haben wir schon immer gerne in Erinnerungen und den randnotizen unserer Geschichte(n) gewühlt.


AUF SATURN, IN LEMURIEN

Vor einigen Tagen hatte ich mir vorgenommen, zu sehen, was sich aus den Gedichten "In Saturn" und "In Lemuria" von Clark Ashton Smith ergeben könnte.  Schon beim ersten Lesen ist es offensichtlich, dass es sich bei beiden Monologen um Erinnerungen zu handeln scheint, Erinnerungen an vergangene Leben auf Welten, die es so nicht gegeben haben kann. Die Vorstellung, auf unserem Saturn zu leben, ist absurd, von welchem Saturn redet der Erzähler also? Und wir wissen auch, dass es ein Land namens Lemurien niemals gegeben hat außerhalb der hochtrabenden Spekulationen der Theosophie oder zweitklassiger Pulpautoren. [Ich habe dieses Jahr die meisten Thongor-Geschichten von Lin Carter (1965-1970) gelesen, und sie waren nicht so schlecht wie ihr Ruf. Auf jeden Fall besser als "Die Geheimlehre" (1888)]

Aber Erinnerungen sind immer subjektiv, egal wie wahr sie im Moment ihres Auftauchens erscheinen mögen. Sie sind eine Erscheinung, also ein Geist, aber auch Geister sind nicht real, sie existieren nur in unserem Kopf. Das ist nicht beruhigend, kann aber als Erklärung dienen; die phantastischen landschaften und Szenarien sind Teil des Imaginalen, des kollektiven Unbewußten, oder der kollektiven Erinnerung an das, was das menschliche Gehirn an Möglichkeiten zur Kombination und Rekombination hat.

Eine einfache Möglichkeit, die Irrealität als wirklich zu erklären, ist die Fremden Welten nicht als physische, sondern psychische wahrzunehmen, als Teile der Astralebene (wenn es diese gibt) oder als Zwischenzustände, ähnlich den Bardos des "tibetischen Totenbuches".


URBANE MAGIE

Bei den aktuellen Arbeiten an der 14. Ausgabe von "Schwert & Stab", dem legendären Kulturjournal für Moderne Magie, Angewandte Okkulte Lebenskunst und Psychonautik (in Buchform), mit dem Arbeitstitel "VRBAN VOODOO" tauchen wieder ältere Konzepte auf, wie das "Projekt Hammonia", "Städte als Magische Personen" und das, was in den immer noch unveröffentlichten "Schwarzen Papieren" des Ordens des Onyx-Dämmerung aufgeführt wird. Und es drängt sich wieder auf, noch einmal tiefgründig die Konzepte von Fritz Reuter Leiber zu studieren, die er in "Our Lady of Darkness" und einigen Kurzgeschichten entwickelte.

Titel/Illustration zu "Smoke Ghost" von Fritz Leiber


Samhain naht, das Tor zur Anderswelt steht offen, und die niemals Geborenen drängen heran, Sehnsucht in ihren schweigenden Augen.