Sonntag, 15. Februar 2009

Five tracks from the Gun Club


Es ist ein erhebendes Gefühl.
Draussen hat sich die mitternächtliche Dunkelheit dem Nebel vermählt, der den ganzen tag lang Hamburg gefangen hält. Ich sitze im Hellen, um mich herum ist Finsternis. Ein frisches Bier wartete darauf, geöffnet zu werden, die Familie schläft.

Und neben mir liegt die erste Ausgabe der ersten CD des Baltimore Gun Club. Die Erregung, die ich bei diesem Anblick fühle, kann in einfachen Worten kaum beschrieben werden. Kein Hochglanz, kein Vierfarbdruck. Das Papier des Covers dezent verfärbt und strukturiert, beidseitig in einfachem, aber kunstvoll gealtertem Schwarzweißdruck bedruckt. Dazwischen expressiv und eindringlich das bekannte Emblem des Gun Clubs:
Ein Stern, geziert von einer Faustfeuerwaffe aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg.

Dies ist keine große Produktion, keine Selbstbeweihräucherung, kein Niedergehen in die Knie, um den Produzenten und den Labels zu Willen zu sein. Nur ein kleines sauberes Album, eine Momentaufnahme des musikalischen und moralischen Bestandes des Baltimore Gun Clubs, Hamburg. Das Album hat noch nicht mal einen Namen. Ich nenne es einfach mal „Five Tracks“, denn das sind es: Five tracks of Vintage Rock Music, as performed by the Baltimore Gun Club.
Kein Lohn, kein Gewinn, nur Liebe und deswegen ein größerer Gewinn.
Ich schieb es rein und stell es so ein, wie es vorgegeben ist: Best enjoyed at full volume.

Mittwoch, 21. Januar 2009

2012 :: Deltochilum valgum

US-Forschung : Mistkäfer frisst Riesen-Tausendfüssler: "Deltochilum valgum sieht aus wie ein typischer Mistkäfer, hat das bekannte Dungkugel-Rollen seiner Verwandten jedoch völlig aufgegeben. In Fallenexperimenten zeigte sich, dass die Tiere stark von Tausendfüßlern als Köder angelockt wurden. Sie stürzten sich vor allem auf lebende, verletzte Exemplare, selbst wenn diese größer waren als sie selbst."

Klingt geradezu mythisch, oder? Immerhin diente der Mistkäfer, der getreulich seine Mistkugel vor sich her schiebt, den alten Ägyptern als Bild des Chephra, der die Sonne über den Horizont rollt. (Ja, meine Lieben, anscheinend hatten diese Leute kein Problem damit, die gute Sonne als Äquivalent einer Mistkugel zu sehen...)

Tausendfüssler auf der anderen hand sind einfach widerlich, und man findet sie eigentlich nur in Horrorfilmen oder Texten von Über-Weirdo William Burroughs, wo irre Mayapriester mit ihrer Hilfe irgendwelche armen Schweine foltern. Bah.

Na, wollen wir mal hoffen, dass der Deltochilum valgum gute Arbeit leistet. Vielleicht können wir ja so verhindern, dass diese irren Mayapriester 2012 das Eschaton immanentisieren. Immerhin, sind ja nur noch drei Jahre...

Donnerstag, 18. Dezember 2008

Einige Minuten vor der Offlinezeit

So, das Ende naht mit großen Schritten. Während die beste Ehefrau von allen nebenan jetzt noch die letzten Teller und Pfannen in die Umzugskartons packt, schließe ich jetzt alle Seiten im Internet leise hinter mir zu. Für absehbare Zeit wird das hier die letzte Nachricht von und aus dem Nemed House sein, oder dem Schreiberling hier. Da noch nicht abzusehen ist, wann wir wieder Internetzugang haben, mache ich auch lieber keine Versprechungen, das hatten wir dieses Jahr schon zu viel. Hoffentlich kann ich die Netzfreie Zeit sinnvoll nutzen, einige der bereits angekündigten Projekten abzuschließen, oder auch anders. Ein wenig Zeit werden wir sicherlich brauchen, uns an die neue Umgebung einzugewöhnen. Ich hoffe, wir sehen uns in alter Frische im nächsten Jahr wieder...
Bis dahin geniesst die Schneeflöckchen, die lautlos über diese Seiten rieseln wie die Schuppen aus dem Haar eines vergrämten Bibliothekars...


"Earthstop Icon" © by Studiomx
Homepage: http://studiomx.eu

Sonntag, 14. Dezember 2008

Kognitive Dissonanz

Du stehst auf dem kleinsten und dümmsten Weihnachtsmarkt der Stadt. Jeder riecht nach Glühwein.
Deine Tochter mit roten Wangen singt gleich mit anderen rotwangigen Kindern Weihnachtslieder.
Aus der Glühweinbude neben an tönt das volle Programm:
  • "Summertime Blues"
  • "Summer Wine"
  • "San Francisco (Be Sure to Wear Some Flowers in Your Hair)"
Ladies and Gentlemen, ich brauche mehr zu trinken...

Nemed House am 3. Advent

Die Weihnachtszeit naht mit strengen Stiefelschritten, und da wir pünktlich zur Wintersonnenwende umziehen und wohl auch erst nächstes Jahr wieder ins Netz kommen können, lassen Sie mich Ihnen, geneigter Leser, einige Dinge erwähnen, die erst in den kommenden Wochen an Wichtigkeit gewinnen werden, ihnen aber jetzt schon zur gütigen Kenntnisnahme vorgelegt werden sollen. (Die Deutschlehrer mögen den vorstehenden Satz entschuldigen, es ist schließlich der 3. Advent, und der übermässige Konsum von Weihnachtsliedern von Nat "Kind" Cole und Dean Martin tut sein übriges...)

Die letzten Wochen standen hier vor allem im Zeichen des bevorstehenden Umzugs mit dem Transport unzähliger Bücherkisten; der mehrmonatige Renovierungsprozess steht kurz vor dem Abschluss. Zeit für einen Augenblick, innezuhalten und nachzusehen, was an anderen "auf andere Art wichtigen" Projekten liegengeblieben ist.

  • Derweil REDMASK No.1 von den Lesern und auch den strengen Kritikern des Genres sehr wohlwollend aufgenommen wurde, bleibt der bittere Geschmack eines erschwerten und unnötig komplizierten Vertriebes. Zudem musste ich inzwischen feststellen, dass der Farbdruck des Titelbogens beträchtlich dunkler ausgefallen ist, als es eigentlich sein sollte. Um dies auszugleichen, habe ich eine verbesserte Version des Titelbildes mit leicht geänderten Proportionen (besserer Kontrast und Intensität) vorbereitet. Zum Jahresanfang geht die verbesserte Version von REDMASK No. 1 dann online, zudem erarbeite ich weitere Wege, zu einem vernünftigen Preis an die Bücher zu kommen.
    Avisiertes Veröffentlichungsdatum von REDMASK No.2 ist der 1. Mai (Beltane) 2009.
    Ein deutlich "pulpigeres" Titelbild liegt bereits vor, Manuskripte können noch eingereicht werden.


  • Die erste (Promo-)CD des Baltimore Gun Clubs steht ebenfalls kurz vor der Veröffentlichung. Das Aussteigen eines Gitarristens und "Anlernen" des neuen hat den ganzen Prozess verzögert, andererseits hat die Band daran musikalisch wohl durchaus gewonnen. Unter diesen veränderten Voraussetzungen war es jedoch auch erforderlich, fast alle bisher aufgenommenen Spuren noch einmal zu überarbeiten oder gar komplett neu aufzunehmen. Momentan stehen für mich noch drei Gesangsspuren aus, die ich hoffe, morgen aufzunehmen. Mit ein wenig übermenschlicher Anstrengung unseres Producers und Mastermixers könnte die CD sogar dieses Jahr noch fertig werden. (Überanstreng' Dich nicht, Henning...)
    Vorgesehener Titel für die Debüt-CD ist "Bulletride", das Album umfasst 6 bis 8 Songs.

Alles in allem, 2008 ist weniger fertig geworden als geplant, aber was fertig geworden ist, ist schon recht gut. Raum für Verbesserungen und weitere Vielfalt ist für's Frühjahr 2009 vorbehalten. Und da bis jetzt alles so geworden ist, wie ich es mir vorgenommen habe, bin ich guten Mutes - auch was den Geheimen Meisterplan 2009 betrifft.

Ach übrigens... wussten Sie, dass das Weihnachtslied "God rest ye merry gentlemen" eine Basis der Komposition des kryptischen Rockklassikers "In-A-Gadda-Da-Vida" ist?
Wieder was Nützliches dazugelernt, um lästige Pausen im Small Talk zu überbrücken.
In diesem Sinne: eine besinnliche Vorweihnachtszeit und Bona Saturnalia. Mazel Tov!

Samstag, 13. Dezember 2008

Shortcuts Dezember

Mit Bedauern müssen wir das Ableben der notorischen Mrs. Bettie Page feststellen, was zum völligen Unverständnis der jüngeren (und der meisten älteren) Leser sogar der Hamburger Morgenpost eine Meldung wert war.
Achja, immerhin sind es nicht die Legenden, die sterben, sondern nur ihre sterblichen Hüllen. Immerhin, sehr bedauerlich, Drinks in memoriam werden bei der nächsten Bandprobe des Baltimore Gun Clubs ausgeschenkt.
Eintritt frei für Mit-Glieder.



Immer wieder interessant: Eine Übersicht über die inenrhalb eines Jahres veröffentlichten bzw vorgestellten Logos und die Trends, die sich daraus abzuleiten schienen. Darüber hatte ich mich schon die letzten Jahre erfreut und einigen Kunden die daraus gewonnenen Erkenntnisse als hyper hoopy trendy verkaufen können.
Während die letzten Jahre viel von dem, was man an Handydisplays verabscheut, im Vordergrund stand, scheinen jetzt andere visuelle Richtungen nach vorne zu drängen, wie immer treffsicher in Stichwörter gefasst wie "Farbenblind", "Krakel" oder "Amöbe".
Ich bin mir nicht sicher, ob ich einen Kunden für ein amöbiges Logo begeistern kann, aber schauen wir mal. Ansonsten gibt es ja immer noch die Möglichkeit, aus der globalen Vermassung auszubrechen und Hardcore Retro zu werden. Ich steig mal in den Keller runter und gucke, ob ich noch meine alten Bleisatztypen finde. William Morris, wo bist Du?



Quicklinks
  • Während der Recherche zu weiteren Projekten im Zusammenhang mit REDMASK und dem "New German Pulp" (Code: Callisto‽) immer wieder gerne eingesehen: Planeten in populärer Fiction im englischsprachigen Wikipedia. Irgendwie lustig, oder?
  • Wollten Sie schon mal wissen, warum die Logos der grossen Hollywoodstudios so eigentümlich aussehen, wie sie es tun? Nun, darin liegt ein Stückchen Geschichte, wie man so sagt: Anschaulich dargestellt wird dies bei Neatorama.
  • In dem Zusammenhang: Glauben Sie nicht, dass die großen Filme der Weltgeschichte immer so toll waren, wenn sie es denn sind. Manchmal entstanden die Ideen zu diesen Werken in kreativen Tobsuchtsanfällen, und es ist gut, dass manche Drehbücher noch einmal vorsichtig umgeschrieben wurden. via Cracked.com
  • Wie, Sie wissen nicht, was ein Interrobang ist? Haha, nein, mal im Ernst, wer soll schon wissen, dass besonders geniale (oder gestörte) Typographen in Eigeninitiative neue Satzzeichen erfunden haben, die außer ihnen wohl auch niemand verwendet. Egal, mehr Macht der Willkür, und hier ist also der Interrobang: ‽
  • Ein nettes Spielzeug angewandter Vituelltypographie: Wordle - macht aus einer belibigen Webseite oder einkopiertem Text eine Wortwolke. Mit einn wenig Farbwahl und der richtigen Schriftart sieht das ganz gut aus, wenn man nachts um drei nichts anderes mehr hinkriegt.