Samstag, 25. Februar 2006

Pulpkoan [3]



"Hilfe erstickt in der Faszination des Fleisches /
Dem grossen Mann ist es förderlich, sich seiner selbst zu versichern."


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Abgewandelter Coverscan (Abraham Merritt: Dwellers in the Mirage). Weitere Koans, die auf alten Pulptitelbildern u.ä. basieren, in Vorbereitung.

Freitag, 24. Februar 2006

Amadeus auf der Flusswelt (3)

Fortsetzung von Nemed House: Amadeus auf der Flusswelt (2)

Weit, wie der unermeßliche, endlose Ozean, breitete sich die Wüste aus; glühend brannte die Sonne hernieder, und über dem heißen Sande zitterte ein flackernder Schein, das darüber hinschweifende Auge schmerzend und blendend. Fünf lebende Wesen waren in der trostlosen Einöde sichtbar; ein Reiter, sein Pferd und drei Aasgeier, welche hoch in der Luft den beiden Ersteren folgten, als ob sie nur des Augenblicks warteten, an welchem beide vor Erschöpfung zusammensinken und ihnen zur willkommenen Beute werden sollten...
Der Wanderer war ein noch junger Mann von etwas mehr als dreißig Jahren, oder um genauer zu sein: von dem genauen biologischen Alter, indem er in seiner früheren Existenz gestorben war, an dem, was man zu seiner Zeit ein "hitziges Frieselfieber" genannt hatte.

Er trug die gewöhnliche Tracht der Prairiejäger, ein ledernes, ausgefranstes Jagdhemd, ebensolche Leggins und Mokkassins und auf dem Kopfe einen Filzhut, dessen Farbe und Gestalt erraten ließen, daß sein Besitzer schon seit geraumer Zeit nicht mit der Zivilisation in Berührung gekommen sei. Seine erschöpften Züge mit den Pockennarben, früher vielleicht geist- und lebensvoll, seine trüben, gläsernen Augen, seine kurzgeschnittenen, verschwitzten Haare und die krampfhaft um die Büchse geballte Hand ließen erraten, daß er kaum mehr vermöge, den Entbehrungen und Anstrengungen des Rittes Widerstand zu leisten.

Schon seit gestern früh hatten alle erkennbaren Pfade aufgehört, und er besaß keine anderen Wegweiser als den Kompaß und die Gestirne des Himmels. Je tiefer er in die Öde hineinritt, desto tiefer entfernte er sich auch von allen Zeichen menschlicher Existenz, und manchmal schien es ihm, als würde sich auch sein verstand immer weiter entfernen und in einer dunklen Ödnis und Leere versinken. Hier in der Wüste schienen die Sterne andere Konstellationen zu bilden, und des Nachts schienen sie über dem endlosen Ozean aus Sand zu tanzen, trügerisch und verwirrend. Manchmal glaubte er, hinter den eisigen Sternenfunken im dunklen Himmel zu erkennen, für was sie ein Abbild waren, und dann erwachte er schreiend aus seiner Betäubung, denn ihm war als sähen titanische Gesichter hinter dem Nachthimmel hervor.

Ebenso ermattet wie er war auch sein Pferd. Es war, das konnte man sofort erkennen, ein aus der Herde gefangener Mustang, vor wenigen Tagen jedenfalls noch voll Mut, Kraft und Ausdauer, jetzt aber gebrochen und bis auf den letzten Rest seiner Kräfte abgetrieben. Die Zunge hing ihm trocken zwischen den Zähnen hervor, die Augen schienen mit Blut unterlaufen, und nur mechanisch schleppte es sich Schritt um Schritt in dem tiefen Sande weiter.

Seit drei Tagen war kein Tropfen Wassers über seine glühenden Lippen gekommen und mit einem trostlosen Blicke beobachtete er die Geier, welche sich immer weiter niedersenkten, je langsamer und strauchelnder die Bewegungen seines erschöpften Pferdes wurden. Sie ruhten nicht, sie aßen nicht. Unberührt von Wüste und Mensch folgten sie ihm hoch in der Luft und warteten. Warteten.

Das Pferd stand endlich still und war nicht weiter fortzubringen; es zitterte an allen Gliedern und drohte, bei der ersten erzwungenen Anstrengung umzusinken.
„Also bis hierher und – jedenfalls – nicht weiter!“ murmelte der Fremde. „Gibt's denn keine Rettung für mich und Dich, mein braves Tier?“

Das Pferd schnaubte und verhielt dann, das rollende Auge den drei Schattenrissen zugewandt, die gnadenlos und ohne zu ermüden über ihren Häuptern kreisten, kreisten, kreisten ---

Mittwoch, 22. Februar 2006

Fanboy :: Die vielleicht beste Geschichte aller Zeiten

Orson Welles, gekleidet in die mystischen Roben von Cagliostro, kämpft Seite an Seite mit Superman gegen ausserirdische Nazis!




(Muss man da noch mehr sagen?)


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[Ursprünglich veröffentlicht in: Superman No. 62, Januar/Februar 1950, DC Comics, unter dem Titel "Black Magic On Mars", nachgedruckt in: Superman From the Thirties to the Seventies, 1971, Crown Publishers]

Montag, 20. Februar 2006

Scharlach Ende

So, mit diesem Posting, das ich geschickt nacheditieren werde, damit niemand merkt, dass ich es erst Mittwoch geschrieben habe... moment... ach, ist ja auch egal... beenden wir die glorreiche SCHARLACHWOCHE auf NEMEDHOUSE.
Ich hoffe, der eine oder andere wird etwas Interessantes, das mit dieser Meme verbunden wurde, gefunden haben, und wenn es auch nur die RGB-Werte für Scharlach waren.
Das eine oder andere Faktbit fliegt hier noch rum, aber der Scharlach ist aus meinen Adern verflogen, und das heisst wieder reguläre Arbeit, und das heisst natürlich wieder weniger Zeit für das Erforschen der eher ungewöhnlichen und unnützen Seitenaspekte der menschlichen Existenz.
Aber meine Hymne auf die Scharlachhexe werde ich sicher noch nachreichen... oder so geschickt nacheditieren, dass niemand merkt, dass ich sie erst eine Woche später geschrieben habe...

Sonntag, 19. Februar 2006

Wold Newton :: Im Zeichen der Scharlachroten Pimpernelle

Eine Weiterführung von Wold Newton :: Prämisse

An der Basis des „Wold Newton Universums“ liegt der wohldokumentierte Meteoriteneinschlag, der sich im Jahre 1795 in der Nähe des englischen Dorfes Wold Newton ereignete. Dabei freiwerdende Strahlung verursachte eine Mutation in den Genen der beim Absturz Anwesenden, die sich jedoch vor allem in den hervorragenden körperlichen und/oder geistigen Leistungen späterer Generationen bemerkbar machen sollte…

Der dabei freiwerdenden (ionischen?) Strahlung wurden vermutlich zwei Kutschen ausgesetzt, die ihre Passagiere, vor allem Angehörige des britischen Hochadels, zu einem nicht näher vermerkten Geheimtreffen bringen sollten. Die Passagiere der ersten Kutsche waren John Clayton, der dritte Herzog von Greystoke, und seine Ehefrau Alicia, neéRutherford, und ihr Bruder, der 11. Baron von Tennington, seine Ehefrau, Elizabeth Cavendish; Honore Delagardie und seine Frau, Philippa Drummond; sowie Fitzwilliam Darcy und seine Frau, Elizabeth Bennett. In der zweiten Kutsche waren Sir Percy Blakeney, auch bekannt als der Scharlachrote Pimpernell, und seine zweite Frau, Alice Clarke Raffles; Sir Hugh Drummond, Philippas Bruder, und seine Ehefrau Georgia Dewhurst; Dr. Siger Holmes und seine Frau, Violet Clarke Raffles, Alice’ Schwester. Ein Freund von Dr. Holmes', ein junger Medizinstudent mit Namen Sebastian Noel, folgte zu Pferde. Ebenso anwesend waren die vier Kutscher Louis Lupin, Albert Lecoq, Arthur Blake und Simon MacNichols.

Besonders hervorzuheben ist hier Sir Percy Blakeney, der als antirevolutionärer Vigilant in bis dahin ungekannter Kühnheit unter der Maske des Dandy und Schwächlings gegen durch die Französische Revolution initiierten gesellschaftlichen Wandel vorging und sich dabei als Meister der Verwandlung und überlegener Fechter bewies. Besonders hervorzuheben deswegen, weil er einer der ersten war, der unter einem farbenprächtigen nom-de-guerre bekannt wurde und ebenso eine doppelte Identität pflegte wie einige Nachkommen derer, die in der Forschung inzwischen als die „Wold Newton Familien“ bekannt sind.
„Scarlet Pimpernel, Mademoiselle“, erklärte er schließlich. „ist der Name einer einfachen englischen Blume, die an Wegrändern blüht; aber es ist auch der Name, den sich ein Mann, einer der besten und tapfersten Männer der Welt, ausgesucht hat, um sich dahinter zu verbergen, damit er um so sicherer der Aufgabe nachgehen kann, die er sich gestellt hat.“
(Die hier erwähnte Blume ist die sanguisorba minor, in Deutschland auch als Pimpinelle oder Bibinelle bekannt.)
Vielleicht sind die geheimen Tätigkeiten Sir Percys auch der Grund für die aussergewöhnliche Reise nach Wold Newton gewesen, und erklären die Heimlichkeit, die die dortigen Ereignisse ergeben. Es ist inzwischen allgemein bekannt geworden, dass Sir Percy sich für seine konterrevolutionären Rettungsaktionen eines grossflächigen Netzes von Agenten und Verbindungsmännern bediente, eine Geheimorganisation, die jedoch auch Verbindungen bis in die höchsten Stellen hatte und allgemeinhin nur als „die Liga“ bekannt war. (vide Baroness Orczy:„The League of the Scarlet Pimpernel“; Dennis Wheatley: „The Man Who Killed the King“)

Auch hier kann man einen Beginn dessen sehen, was wir die „Geheime Geschichte Europas“ nennen können. Denn es ist nie publiziert worden, wann und ob „die Liga“ ihre Arbeit eingestellt hat. Dies und die mathematische Unwahrscheinlichkeit, dass die Passagiere von Sir Percys Konvoi gerade in dem Moment jene schicksalshafte Ortschaft bei Wold Newton passierten, als jeder geheimnisvolle Himmelskörper einschlug, sollten Raum für weitere Überlegungen und Forschungen geben.

In den Verbindungen, die diese Familien in den folgenden Generationen eingingen, trat das mutierte Gen immer deutlicher zutage und produzierte das, was Farmer eine „Nova genetischer Pracht“ nannte, „diesen Ausbruch grosser Detektive, Wisssenschaftler und Erforscher exotischer Welten, dies letzte Aufblühen wahrer Helden in einem ansonsten degenerierten Zeitalter.“: John Clayton („Tarzan“), Sherlock Holmes, Doc Savage und sein Gehilfe Monk Mayfair, Nero Wolfe, James Bond, Bulldog Drummond, Kent Allard-Lupin („The Shadow“), „G-8“, Richard Wentworth („The Spider“), Lord Peter Wimsey, Philip Marlowe, Sam Spade, Phileas Fogg, Professor Challenger, Arsene Lupin, Richard Hannay, Denis Nayland Smith, C. Auguste Dupin, Sam Spade, Charlie Chan, und John Shaft.

Wie die Dokumentierung der Staumbäume dieser Familien belegt, brachte die Saat des Wold Newton-Gens jedoch auch verdorbene Früchte hervor, Männer und Frauen, die in der Verbreitung des Bösen ebenso hervorragend und genial waren wie andere in seiner Bekämpfung: Darunter fallen berühmte Personen wie Dr. Fu Manchu, Professor Moriarty, Carl Peterson, und der enigmatische Ernst Stavro Blofeld.

Donnerstag, 16. Februar 2006

Pulpkoan [2]



"Das Blut einer einzigen Nacht kann die ganze Welt bedecken."


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Abgewandelter Coverscan (Famous Fantastic Mysteries, Februar 1949). Weitere Koans, die auf alten Pulptitelbildern u.ä. basieren, in Vorbereitung.

Der diskrete Charme einer scharlachfarbenen Dame (2)


Das Weiblich-Dämonische in Kunst und Religion
- um Fussnoten und Anmerkungen gekürzte Version -

Es ist nur aus der persönlichen Vita von Edward Alexander Crowley (1875-1947) zu erklären, warum er eine der symbolhaften Figuren seiner persönlichen Theo-Mythologie, wie sie in „Liber Al vel Legis“, dem Buch des Gesetzes, zum Ausdruck kommt, mit dem Titel „Scharlachweib“ belegt. „Nun sollt ihr wissen, daß der erwählte Priester & Apostel des unendlichen Raumes der Prinz-Priester das Tier ist; und in seine Frau, Scharlach-Frau genannt, ist alle Macht gegeben“, heisst es, eine deutliche Homage an die Ikonographie des Johannes-Evangeliums, aus dem er sein Leben lang Inspiration bezog.

In den indischen Lehren, in denen er so überaus bewandt war, ist dies eine recht gute Umschreibung der Shakti, des weiblichen Aspektes, der Gefährtin und Macht der hinduistischen Götter. (Und tatsächlich ist ‚Kraft, Macht, Energie’ auch eine exakte Übersetzung für shakti) Dass er mehrere seiner Gefährtinnen bei magischen Experimenten mit diesem Titel belegte, ist eine klare Parallele zum Brauchtum bestimmter Tantra- und Nathschulen, bei denen dem Yogi auch immer eine Yogini zur rituellen Praxis beigesellt wird.

Dass Shakti die Macht, aber auch den passiven Aspekt versinnbildlicht – das Yin zum Yang des Magiers, muss nicht unbedingt bedeuten, dass sie selbst eine passive Kraft darstellt.

„Die Frau soll mit einem Schwert gegürtet vor mich treten“, heißt es in Al III:15, im Hinduismus selbst gibt es meist einen „lichten“ und einen „dunklen“ Aspekt der Shaktideva: Kalimatra zum Beispiel ist der „dunkle“ Aspekt derer, von der Parvati den „lichten“ darstellt.

In einer anderen, eher umstrittenen Stelle (III:44-45) kommt die moralische Ambivalenz des aus einem puritanischen Elternhaus stammenden Bonvivants Crowley deutlich zum Tragen. Seine Vorstellung einer Frau soll gleichzeitig sittenlos aber gleichzeitig seinem Werk so ergeben sein wie eine Nonne, sonst möge sie als Hure enden.

Ambivalent umschreibt diese Vorstellung wohl am besten, wenn man bedenkt, dass er in späteren Werken diese Vorstellung von Shakti mit einer Göttergestalt vermischt, die er selbst nach einem Wort aus Dr. John Dee’s und Edward Kellys katholischer Engelsmagie Babalon(d) benannte, was in dieser sogenannten „Enochischen Sprache“ schlicht ebenfalls ‚Hure’ bedeutet. Etwas, was sich sicherlich kein frommer Hindu als Titel für Shakti herausnehmen würde.

Die Irritation, die mit dieser Namensgebung Hand in Hand geht, löst sich nur zögerlich, wenn man sich die Grundaussage von Crowleys „Roter Magie“ – Magick mit einem „K“ – ins Gedächtnis ruft. Die Kunst der Vereinigung kann nur gelingen, wenn kein Vorbehalt besteht: das einzig Revolutionäre von Crowley als Magier wie als Künstler war ein gewisser „Mut zur Hässlichkeit“ – auch in der Wahl seiner spirituellen Betätigungsfelder.

Das Tabu und der Glamour mischen sich in einem Bild, und folgerichtig ist das „Gefäß“ Babalons nicht nur der Heilige Gral, sondern auch „die goldene Schale ihrer Unzucht“, wie es in einem weiteren Werk, „Liber Cheth“, heisst.