Mittwoch, 29. Juni 2005

Wold Newton :: Die Könige der Welt, 1. Teil

Der automobile Übermensch an der Wiege des 20. Jahrhunderts


"Es gibt nur zwei Menschen auf der Welt, welche die Tiefen des Abgrunds erforscht haben. Der eine ist Nemo. Der andere bin ich."
Es ist ein interessanter Menschentypus, der uns in der gas-erleuchteten Dämmerung der Moderne gegenübertritt. Er ist kein Held und kein Schurke, sondern eine Persönlichkeit, so herausragend, daß sie jenseits von Gut und Böse steht; ein Übermensch, der sich der Bewegung durch die Welt entzogen hat und sich aus eigener Kraft hinausbewegt, fort, weit fort von der Masse und all ihrer behaglichen Mittelmäßigkeit.
Dieser Mann hat keine Heimat; er hat einen Stützpunkt. Eine Festung der Einsamkeit. Einen nicht kartographierten Ort, der bestenfalls die Bezeichnung ‚X' trägt. Dieser Mann hat keine Freunde, er hat Gefährten. Männer, einsam wie er, die wie er dem Weg in den Untergang folgen, den das Schicksal für sie vorherbestimmt hat. An Bord seines anachronistischen Vehikels trotzt er den Elementen durch die erste Macht der Elektrizität. Er sät nicht und erntet doch: Er ist ein Pirat, ein Eroberer, ein König der Welt. Ein Blitz aus der dunklen Wolke Mensch.
In seiner Urform hat ihn Jules Verne in "20.000 Lieues sous les Mers" beschrieben: Es ist der Kapitän, der sich Nemo ("Niemand") nennt, der mit dem Unterseeboot Nautilus Furcht und Schrecken auf den Weltmeeren verbreitet, die Schätze der Meere plündert und sich dennoch die Zeit nimmt, in der Manier von Byron an den unterseeischen Ruinen von Atlantis zu philosophieren. Verne kehrt zu diesem Charakter in "Robur le Conquerant" zurück; doch Robur der Eroberer ist ein noch dunklerer Charakter als Nemo. Aus ihm spricht nur der Hochmut des Übermenschen, und der Betrachter ahnt bereits daß man die Welt nicht schmerzlose erobern kann, ohne Ungerechtigkeiten gegen jene zu begehen, die sich dem Fortschritt widersetzen. Roburs Schiff ist das erste Luftgefährt, das schwerer ist als Luft, ein mächtiger Helikopter ein Jahrhundert vor seiner Zeit. Albatross ist ihr Name, seit Coleridges ‚Reim des Alten Seemanns' ein düsteres Emblem, das der Welt bald am Halse baumeln soll. In späteren Jahren (in "Maitre du Monde") wird Robur eine deutlichere Sprache sprechen: sein zweites Schiff, das zu Land, zu Wasser und in der Luft agiert, heißt schlicht Terror. In der glorreichen Freiheit dieser anarchischen Könige der Welt ist bereits der Schrecken der Anarchie impliziert. Der übermenschliche Individualist ist auch ein Ahnherr des internationalen Terrorismus. Er ist das, was Monte-Cristo geworden wäre, hätte er die überlegene Technik besessen. Seine Namen sind viele. Seine vielleicht letzte Gestalt nimmt er in Kapitän Mors ("Tod"?) an, dessen Abenteuer von deutschen Autoren in der ersten utopischen Romanserie, "Der Luftpirat und Sein Lenkbares Luftschiff", beschrieben wurde. Und Kapitän Mors ist tatsächlich auch derjenige unter den Eroberern der Lüfte, der sich am längsten dem Zugriff durch die Welt entziehen kann, zuerst an Bord seines Proto-Zeppelins, und später an Bord des Weltenfahrzeugs Meteor.
Er ist der Willensmensch, der der Gesellschaft - jeder Art von Gesellschaft! - den Rücken kehrt und sich in die Regionen zurückzieht, die nicht vergesellschaftet worden sind. Mit jeder Generation geht er einen Schritt weiter. Nemo genügte es noch, sich in die Ozeane zurückzuziehen. "Hier allein ist Unabhängigkeit! Hier kenn' ich keine Herren. Hier bin ich frei!" Robur machte sich die Lüfte untertan. Immer weiter entfernt liegt der Horizont, das Verlangen richtet sich stets auf das Unerreichbare: Die weißen Flecken der Landkarte, die Polregionen, die unentdeckten Lande, Terra Incognita und Terra Arcana. Als Zeppeline beginnen, die Luftmeer zu bevölkern, zieht sich Kapitän Mors zwischen die Planeten zurück und verschwindet schließlich aus der Geschichte.
Diese Gestalten, obwohl eine Klasse für sich, die immer wieder zur Nachahmung anregen wird, gehören zu einem Typus, der im 20. Jahrhundert immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. Hier ist der Mann der Handlung, der sich selbst durch gewalttätige Handlungen und den Kampf an sich verwirklicht. Hier ist der Krieg der Vater aller Dinge, und der verborgene Spiritus Rector des Schicksals. Dies ist nicht ein harter Bursche per se, der Held oder Anti-Held folgt der Logik seiner eigenen Verhaltensregeln bis zum bitteren Ende, selbst wenn dies zu seiner eigenen Zerstörung führen sollte.
Das psychologische Narbengewebe, das hinter einem solchen Kode verborgen liegen kann, wäre ein würdiges Thema für postmoderne literarische Strategien, aber wie antike Heroen entzieht sich der automobile Übermensch jeder Art von Vermenschlichung. Mit der Masse hat er nichts gemein, unerreichbar schwebt er über der brodelnden Menschenmasse, nicht nur vertikal, sondern auch emotional entrückt. Durch die Entfernung erscheinen sie ihm nicht nur so klein wie Ameisen, sondern auch ebenso unbedeutend. Die Relativierung der menschlichen Spezies im Zuge der Elektrifizierung: Die Industrialisierung, die Urbanisation, die explosive Entwicklung der Eisenbahn und die durch die Erfindung von Telegraf und Telefon allmählich vernetzte Welt: All dies lehrte, wie unwichtig menschlichen Interessen sind, wenn man sie unter den Aspekten betrachtete, die die Wissenschaft nach und nach über die Erde und uns selbst herausfand.
"Das Abbild des Fortschritts war ein vorwärts- und ein rückwärtsblickender Januskopf: Prometheus wendet sich der von Wundern erfüllten Zukunft zu und gibt uns das Werkzeug, mit dem wir uns voranarbeiten können, während das Monstrum rückwärts schaut, in den Abgrund, die Tiefen der Zeit - in eine noch größere Dunkelheit, die alle unsere Interessen begräbt." (John Clute, Science Fiction: Die illustrierte Enzyklopädie)
Dies ist das treffendste Bild des Fortschritts, an das sich der Mensch während des 20. Jahrhunderts gewöhnen mußte. Hat er es heute schon begriffen? Die Idee des Fortschritts, eine moderne, also falsche Idee, wie Nietzsche anmerkte, offenbarte sich als eine Doktrin, die kein Gegenargument zuzulassen scheint. Eine Doktrin, die auf irgendeine Weise gleichbedeutend sein soll mit einem Trend hin zu sozialer Gleichheit, eine zweifellos dem christlichen Glauben entlehnter Eschatologie, die uns einreden will, daß die technische Zukunft letztendlich gleichbedeutend mit dem Paradies sei. Und dennoch haben sich bereits im 19. Jahrhundert zwei Nationen gebildet, deren willentliche Nachfahren wir sind, die Reichen und die Besitzlosen. Die Nationen des 21. Jahrhunderts nennen sich anders, Reichtum und Armut messen sich jetzt an Informationen, aber dennoch: Wären wir so erfahrene Zeitreisende wie der von Wells Beschriebene, könnten wir jetzt schon sagen, ob wir zu den Eloy oder den Morlocks gehören. Für die Könige der Welt aber sind wir alle Morlocks, dampfbetriebene, gas-erleuchtete, rauchatmende Zerrgestalten, die auf dem dünnen Seil balancieren, der zu seinem Heim in einsamen Bergen führt. Mit kalten Augen beobachtet er uns, und weiß bereits, daß wir straucheln.
Diese Männer gehören nicht zu der Zeit, der sie entstammen. Sie gebieten über die Elektrik in der Zeit des Dampfes. Sie sind Weltenbürger in der Zeit des aufstrebenden Nationalismus. Sie sind Individualisten, während die Menschheit vermasst wird. Diese Männer sind erste Vertreter des Helden vom Schlag ‚Einsamer Wolf', der in den 30er und 40er Jahren so populär werden sollte, aber dunkler, da ihnen der Bezug zum Menschen fehlt. Der Detektiv, der Flieger, der Superheld mag alleine sein und sich dem gewöhnlichen Hickhack der Welt entzogen haben, aber er arbeitet nach einem eigenen Ehrenkodex, und dieser reguliert seine Beziehungen zum Mitmenschen. Der Übermensch hat keine Mitmenschen, keine Nachbarn, keine Familie und keine Erben. Er lebt in einem zeitlosen Punkt zwischen allen Dimensionen; ohne Vergangenheit, ohne Zukunft, ohne Grenzen und ohne Bestimmung. Er ist ein Mann des Schicksals, und deswegen muß das Schicksal ihn zerstören; das heißt, er muß sich selbst zerstören, in dem er seinem Gesetz bis zum letzten Buchstaben des letzten Satzes folgt. Dieser Impuls treibt die mächtigen Maschinen an, über die er gebietet. In einer Welt, die sich beständig wandelt, bleibt er mobilis in mobili, "beweglich im Bewegten", wie das Motto der Nautilus lautete.
Moral ist diesem Mann ein Fremdwort. Er ist der absolute Herrscher seines automobilen Universums, einer hermetischen Welt, in sich abgeschlossen und erfüllt vom diskreten Charme der Bourgeoisie, komlett mit poliertem Messing und Privatbibliothek, Beides, Maschinen und ihre Erbauer, existieren glücklich außerhalb jeder Gesellschaft, und da ist kein Gesetz, das er anerkennt außer dem seines Willens. Er ist unverwundbar, unbesiegbar. "Gott, wenn er an ihn glaubte, und sein Gewissen, wenn er eines besaß, waren seine einzigen Richter." Wenn er es für richtig erachtet, hilft er vielleicht sogar dem Menschen, ohne daß dies seine Verachtung mindern würde. Die unzivilisierten Wilden müssen sich dem Überlegenen beugen, aber zu unserem Erschrecken müssen wir feststellen, daß wir in seinen Augen allesamt Wilde sind. Sie nehmen die Schätze der Welt an sich und verteilen sie an den Pöbel, aber die Bewunderung der Menschen verhallt unter dem Dröhnen sich schnell entfernender Propeller.
Die Gaslaternen sind verloschen, die Zeppeline von den Himmeln verschwunden. Die gaserleuchteten Visionen des 19. Jahrhunderts gingen in den Giftgas-Kriegen des 20. Jahrhunderts unter, aber der unausgeglichene Druck des Fortschritts bleibt erhalten, heute mehr als früher. Die Versprechungen, die die Technik für uns bereitgehalten hat, die Utopie der Gleichheit, die Prophezeiung des artifiziellen Paradieses, wurden nicht eingehalten. Der Kreislauf ist vollkommen, an der Wiege des 21. Jahrhunderts steht der gleiche vorwärts- und ein rückwärtsblickender Januskopf wie an der Wiege des 20. Die zweite Industrialisierung, die Globalisierung, die explosive Entwicklung der Datenhighways und die durch die Vernetzung allmählich raumlose Welt.
Die Zukunft birgt nur noch wenig materiellen Vorteil, stattdessen eine noch viel größere Dunkelheit, die alle unsere Interessen begräbt. Da ist kein Raum mehr, und selbst die Zeit ist vergesellschaftet worden. Keine Eroberung ohne Ungerechtigkeiten gegen jene, die sich dem Fortschritt widersetzen. Das elektrische Licht weicht dem virtuellen, unsere Träume von der Zukunft wurden zu den Nachtmahren des Gestern.
Wieder schauen zwei Nationen zu den Himmeln empor und warten auf ein Zeichen.
Wann taucht er wieder aus den Tiefen des Abgrundes auf?
Der Pirat und Eroberer, der König der Welt.
Ein Blitz aus der dunklen Wolke Mensch.

Montag, 27. Juni 2005

Songbook :: Lied der Pikten

Rome never looks where she treads.
Always her heavy hooves fall,
On our stomachs, our hearts or our heads;
And Rome never heeds when we bawl.
Her sentries pass on—that is all,
And we gather behind them in hordes,
And plot to reconquer the Wall,
With only our tongues for our swords.

We are the Little Folk—we!
Too little to love or to hate.
Leave us alone and you’ll see
How we can drag down the State!
We are the worm in the wood!
We are the rot at the root!
We are the taint in the blood!
We are the thorn in the foot!

Mistletoe killing an oak—
Rats gnawing cables in two—
Moths making holes in a cloak—
How they must love what they do!.
Yes—and we Little Folk too,
We are busy as they—
Working our works out of view—
Watch, and you’ll see it some day!

No indeed! We are not strong,
But we know Peoples that are.
Yes, and we’ll guide them along,
To smash and destroy you in War!
We shall be slaves just the same?
Yes, we have always been slaves,
But you—you will die of the shame,
And then we shall dance on your graves!

We are the Little Folk—we!
Too little to love or to hate.
Leave us alone and you’ll see
How we can drag down the State!
We are the worm in the wood!
We are the rot at the root!
We are the taint in the blood!
We are the thorn in the foot!

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Rudyard Kipling: "A Pict Song" ist wohl das beeindruckendste, was ich von meiner Reise in die Hitze des Südens mitgebracht habe. Bis hierher war es mir nicht bekannt, aber es spricht eine Ader in mir an, die älter ist als viele andere - ich erinnere mich an Bran Mak Morn, den großen König, und wie wir im Heidekraut verborgen auf den stampfenden Schritt der Legionäre warteten...

Mittwoch, 22. Juni 2005

Denkpause bis nächste Woche

denk... denk... denk...

Ich bin für ein paar Tage on the road, deswegen erstmal keine Neuigkeiten. Aber das ist ja auch schon eine Neuigkeit, gelle?

Montag, 20. Juni 2005

Frater Achad: "Die Beschwörung des Kronos"

(3 Klopfzeichen)

Procul, O procul este profani!

Ich rufe Kronos an: Den Herr der Zeitalter!
Heil Dir, Oh Kronos.
Und gleichsam Dir, Oh Du Mächtiger aus der Nacht der Zeit!
Du, Furchtbarer und Altersgrauer, Bewohner der Ewigkeit:
Der seine Kinder verschlungen hat!
Du, der auf dem Thron von Jehova Elohim sitzt:
Und Dessen Dunkelheit in den Himmeln der Erkenntnis verborgen bleibt!!

Höre mich: Oh Du mächtiger Gott des Sabbaths!
Du, der sich in den vier Winkeln des Universums niedergelassen hat!
Du, der Du die Welt mit Deiner Sichel durchfegst:
Und mit Deinem Tau-Kreuz die Pforten der Materie spaltest!

Höre mich: Oh Du mächtiger Herr von Khem!
Du, der die schrecklichen Hörner des Bockes trägt:
Und vor den Menschen Deine heiligen Mysterien verbirgst!
Du, der Maat preist, versteckt in einem Kleid aus Kummer
Und dessen Freude jene sind, die ausdauern und gerecht sind unter den Menschen!
Ich bin Enoch dein Prophet:
Dem Du Deine Geheimnisse anvertraut hast:
Die Feinheiten der Heiligen Kabbalah!

Höre mich: SET: KRONOS: SATURNUS:
Unter welchem Namen auch immer ich Dich rufe:
Bis zur Ewigkeit schweigst Du weiter,
Denn Niemand hat je Deinen Namen erkannt!

Du, der an den Grenzen des Abgrundes steht:
Dich: Dich: Dich rufe ich an!
Du, der in der Stadt der Pyramiden sitzt
Dich: Dich: Dich rufe ich an!
Du, der sein Lager am Grossen Meer aufgeschlagen hat:
Dich: Dich: Dich rufe ich an!
SHABBATHAI!

Zur Unausprechlichen Stille:
Zur Nacht von Pan:
Zu den Geheimnissen von N.O.X.
Dorthin erhebe ich meine Augen!
Heilig, Heilig, Heilig bist Du, oh Babalon:
Herrin der Stadt der Pyramiden:
Du, die den Kelch des Sakraments trägt!
Heilig, Heilig, Heilig bist Du, oh Chaos:
Frieden der Ewigkeit: Woraus der Kosmos entstand
Und wohin er zurückkehren muss!
Heilig, Heilig, Heilig bist Du, oh Du Einziger:
Krone unaussprechlicher Wahrheit,
Deren weißer Glanz an den Gipfeln des Höchsten Himmels strahlt!

Dich suche ich: Deiner Einheit sind meine Augen immer zugewandt:
Obgleich sie durch meine eigene Blindheit vor mir verborgen bleiben mag!
Doch so steht geschrieben:
"Beim ausharrenden Sterblichen sind geschwind die gesegneten Unsterblichen."
So rufe ich Aima, die helle und fruchtbare Mutter - durch das Ritual der Stille.

(Pause)

Ich schreite herab vom Palast des Verstehens.
Ich grüsse euch, ich umarme euch, o Kinder der Erde,
Die ihr nach dem Licht strebt, wie die kleinen Blumen,
Die sich zum Sonnenschein wenden im lieblichen Garten des Lebens ---.
Die Beständige des Himmels.
Die Wasser des Flusses von Amrit.
Der Kelch des Rausches!
Der Tau der Unsterblichkeit.
Die Beständigkeit des Daseins.
Die Liebe, die kein Zeichen kennt.
Die Vollkommenheit des Universums.
Die Quadratur des Kreises.
Der Eintritt in den Palast der Tochter des Königs:
Und im Herzen der Sphinx tanzt Adonai der Herr
In Seinen Kränzen aus Rosen und Perlen.
Froh macht er das Zusammentreffen der Dinge;
Ja, froh macht er das Zusammentreffen der Dinge.
AMEN.

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Normalerweise verzichte ich darauf, Übersetzungen selber zu machen, da es manchmal länger dauert, die richtigen Worte zu finden, als Texte selber zu schreiben. Die "Beschwörung des Kronos" (The Conjuration of Kronos) existiert bereits in deutscher Übersetzung - irritierenderweise als "Beschwörung von Chronos". Vom Poetischen ist die Übersetzung des Chevalier de Monte sicherlich geeigneter, Ekstase und Andacht zu erzeugen; die künstlerische Freiheit kollidiert jedoch leicht mit den Wortgenauigkeit. Das ist kein Wunder, denn manchmal ist eine freie Übersetzung besser - manchmal sogar schöner als das Original. Bei einigen Punkten jedoch kann die Freiheit so groß werden, daß der ursprüngliche Sinn entstellt oder mißverständlich oder gar falsch wird. Die obige Übersetzung läßt die Leichtigkeit des Ausdruckes missen, die man gewohnt ist, beleuchtet aber vielleicht einige der mythologischen und sexualmagischen Anspielungen, die in Frater Achads Text verborgen liegen.

Samstag, 18. Juni 2005

Sonnabendliche Meditation :: Wus?

Es scheint eine der schönen Verlässlichkeiten des Lebens zu sein, jedenfalls geht es mir so, daß man für jeden Schritt vorwärts auch noch zwei Schritte seitwärts machen muß. Wenigstens nicht zurück - wer will schon gerne ein Leben leben, wie es Grufties tanzen.
An gewissen Tagen im Monat beginne ich, mein spirituelles Leben zu organisieren, was eigentlich recht einfach wäre, müsste man nicht die Seitenbedingungen berücksichtigen: Wer ist da, warum ist er da, ist er wirklich da, und wo zum Teufel ist der verflixte Hammer?
Hektisches Blättern in den Logbüchern und in den alten Folianten... Bruder, hältst Du es wirklich für eine gute Idee, an diesem schönen Sommertag uns mit den Eisriesen vertraut machen zu wollen? Und dieses und jenes. Manchmal reicht schon der verstauchte Fuß eines Babysitters, um die spirituelle Entwicklung in ganz andere Richtungen umschlagen zu lassen. Wohl dem, der ein guter Pfadfinder und immer vorbereitet ist.

Derweil ich also mein Köfferchen packe, diesmal ohne den abgetrennten Kopf von Fe-, ach egal, habe ich noch ein wenig Zeit, mich meditativ einzustimmen auf die Tatsache, daß wiederum ein Monat umgegangen ist. Das wird mir noch bewusster, wenn ich mich durch die Seiten meines Weblogs klicke. Ohja, das virtuelle Äquivalent des Magischen Tagebuches. Auch hier für jeden Schritt vorwärts auch noch zwei Schritte seitwärts.
Einige Dinge schliessen sich schneller ab als andere, vor allem jene, die ohne Vorankündigung aus dem Neocortex auftauchen und sofort ihren Weg aufs Papier finden. Dafür lassen sich andere sehr bitten, und manche entwickeln sich durch ihre eigene Geschichte zu einem unentwirrbaren Wollknäul, in dem man den Faden nur finden kann, wenn man die Lehren des Großen Alexander befolgt und mit einem Schwertstreich alles auftrennt.

Eigentlich wollte ich eine alte Arullu-Geschichte umschreiben, mit dem klingenden Titel "Wenn die Götter rasen". Eine tolle Sache, nur befriedigt mich die Pointe dieser Story leider nicht mehr so wie vor zwanzig Jahren, und mehrere Versuche, es in die richtige Richtung zu drängen, haben auch nicht das hervorgebracht, was ich mir erhofft habe.
Die Frage zu stellen, was denn geschieht, wenn die Götter sterben, ist sicherlich keine schlechte. Aber zu versuchen, das Sodom und Gomorrah-Motiv hier einzubringen, wirkte doch eher verwirrend. Nach zwanzig Seiten habe ich also aufgehört und fing an nachzudenken, was an der Geschichte so nicht stimmt.
Und dann fiel es mir auf, abgesehen von stilistischen Unstimmigkeiten, die aus dem Frontalzusammenstoß von 20 Jahren Stilentwicklung entstanden: Ich kauf mir selber die Story nicht ab.
Selbst auf Arullu wandern die Götter nicht herum, und das Prinzip götterlicher Strafe (Sodom und Gomorrah) ist so alttestamentarisch, daß ich selbst nicht daran glauben kann - warum sollte es also der Leser?
Was bleibt mir also? Ich muß wohl nochmal von vorne anfangen. Und für jeden Schritt vorwärts sind zwei Schritte seitwärts entstanden. Statt einer Story sind es nun drei, die ich irgendwann mal beenden sollte...

Statt der Geschichte von den Hexenjägern Mazulibaliphos und Santakosi (das ist der Clark Ashton Smith-Faktor der Story), die in die Verfluchte Stadt kommen, um zu erfahren, was geschieht, wenn die Götter sterben, habe ich also...
- die Geschichte von Ishbánel Sphannizhbo, Herr von Schwert und Stab, der in Gashnech (vor den Toren von Belvairogonn, ehemals Bel Air) erfährt, was geschieht, wenn die Götter sterben...
- die Geschichte von den Hexenjägern Mazulibaliphos und Santakosi, von denen ich annehme, daß sie wohl auf einem anderen Planeten spielt und vielleicht eine Homage an Andre Norton werden wird (ich hätte nicht soviele Hexenweltbücher lesen sollen, als sie gestorben ist...)
- die Geschichte von der Verfluchten Stadt und der Strafe, die über sie kommen wird. (Merkwürdigerweise drängt sich hier der Earendil auf, der am Ende seiner langen Reise wieder zur Erde zurückkehrt... Er hat sich in meinem Kopf unauslöschlich mit dem Sternenreiter vermischt, den wir vor 20 Jahren in unserem Magazin STAR RIDER vorstellen wollten...)

Man sieht schon, wie sehr alle Themen, mit denen ich mich gerade beschäftigen, in meine Phantasie einfallen. Invasion der Mythogenen Zone! Aaaaah!
Schauen wir mal, wieviele Stories es nächsten Monat geworden sind...

Dienstag, 14. Juni 2005

Gott strafe die Technik

Ich habe mir eben eine Stunde die Zeit damit vertrieben, letzte Glitches und Grafikkorrekturen in SCHWERT+STAB # 10 zu beseitigen. Öffnete mein Dokument mit der korrekten Seiten-Reihenfolge zum Erstellen von Druckvorlagen.
Mein treuer Drucker summte.
Die Probeseite kam.
Superqualität, es geht doch nichts über Laserdrucker. Besonders charmant unser neuer Cartoon "AL UND SEIN DAEMON", eine eklatante Homage/Rip-Off von CALVIN UND HOBBES.
Und dann?

Und dann?

Dann ging dem Drucker das Papier aus.
Und ich hab nur noch ein halbes Ries in Altgold.
Nagut, dann muß ich das wohl morgen machen.
Ich mach Schluß für heute, "Desperate Housewives" fängt an.

Aus Schwert+Stab #10 :: Nachtbus Dr. West (Anagrammatik)

Was für ein Sommer! TV und Frauenzeitschriften haben mich davon überzeugt, daß die beste Methode der Zukunftsvorhersage die "kabbalistische Namensanalyse" ist - ein komplexer Vorgang, der anscheinend darin besteht, lateinische Buchstaben herumzuschubsen und aus Namen und Geburtsdatum eine Quersumme zu ziehen. Supie! Wenn alles "im Namen enthalten" ist, brauchen wir uns auch gar nicht mit konservativer Pseudomathematik abzugeben. Werfen wir gleich die alte Anagrammaschine an und schauen, was sie uns aus der Zeichenfolge SCHWERTUNDSTAB über die die Zukunft der menschlichen Rasse (und vor allem dieser Zeitung) offenbart. Und das sieht alles andere als gut aus.

"Stab Schund wert" und "Abt wusch Trends" sind nur einige Anzeichen dafür, daß hier eine dreckige Verschwörung am Laufen ist. Aber welche Abteilung steckt dahinter? "Arsch webt Dunst?" Ich wußte es! Aber wer steckt dahinter? Ist es die Hochfinanz? "Wachsen - BRD tuts"? Sollte es mit der Wirtschaft doch noch mal aufwärts gehen? Wir müssen vorsichtig sein - falls jemand herausbekommt, daß wir IHNEN auf der Spur sind, könnte das ungeahnte Konsequenzen haben. Auf jeden Fall müssen wir unsere Spuren verwischen. Alle Körperausscheidungen, Haare aufbewahren, vergraben - Gefahr von Kloning. "Bartwuchs DNS et"

Verbirgt sich hinter dem deutschen Bundestag die Schwarze Loge? "Nacht wusste BRD"? "Brandt wusch Set"!!! Set? SET? SET mal wer da kommt!
Weitere Nachforschungen laufen...