Montag, 11. Februar 2008

Comics in Deutschland

An Rande erwähnt: Die Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main veranstaltet gerade (24. Januar bis 24. Mai 2008) eine Ausstellung mit dem Titel "Comics made in Germany - 60 Jahre Comics aus Deutschland". 60 Jahre kommt einem ein bisschen wenig vor, kann aber dennoch sein, wenn man einmal Wilhelm Busch und ähnliche Künstler der Bildergeschichte ausser acht lässt. Dass die deutschen Erzeugnisse dieser Medienart im grossen und ganzen eher traurig sind, kann man mit einem schnellen Blick auf die Titel feststellen. Groteskerweise wurde das Medium da, wo es von Bedeutung ist, nämlich in der multikulturellen urbanen Gesellschaft der Vereinigten Staaten, entscheidend und fast ausschliesslich von deutschstämmigen Künstlern zu dem gemacht, was es heute ist, nämlich nicht nur eine Großindustrie, sondern auch einer der wichtigsten Beiträge zur Mythographie des 20. und 21. Jahrhunderts.

OMAC :: Update

Der treue Leser erinnert sich vielleicht noch an meine vollmundigen Ankündigung zum hyperhoopy coolen Megaposting über Jack Kirbys OMAC (One Man Army Corps), das leider irgendwie unter den Tisch gefallen ist, weil ich in den letzten Wochen viele andere Sachen am Hals hatte, die zwar nicht so viel Spass machen wie Kampfbloggen, aber notwendiger sind. Whatever, die momentanen Veränderungen im DCUniversum haben Kirbys Kreationen wieder stärker in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt, und es gab ein paar Specials mit Kirby Karakteren, die den Kids von heute die ganze Pracht und Herrlichkeit von damals näher bringen sollen. 80-Seiten-Riesen, wie in den guten alten zeiten, nur mit besserem papier für deutlich mehr Dollars. Darunter auch ein OMAC Special, im Handel angeblich ab dem 6. Februar. Ich werde mal reinschauen, wenn ich es in die Finger bekomme und schon mal den Scanner anheizen.

Freitag, 8. Februar 2008

Mehr Hirn, oh Herr

"Meinungsfreiheit muss für alle gelten, auch für Religionskritiker", meldet der humanistische pressedienst und setzt einen grotesken Höhepunkt um die Aufregung, die ein "atheistisches", also sagen wir mal religionskritisches Kinderbuch verursacht. Es geht um ein kleines Schwein und einen Igel, die nach Gott suchen und von einem Rabbi, einem Mullah und einem Priester gleichermassen enttäuscht werden. Man könnte also sagen, eigentlich eher ein kirchenkritisches Buch.

Was für ein Wirbel nun um dieses Buch veranstaltet wird, komplett mit Geschrei nach nach Indizierung und Verbot, ist eiegntlich kaum glaublich, mitten im 21. Jahrhundert. Und dass man auf der Gegenseite sogar betonen muss, dass Meinungsfreiheit für alle gelten muss, selbst für Religionskritiker, lässt eigentlich doch nichts übrig, als rhythmisch mit dem Kopf auf die Tastatur zu hämmern. Herr, lass Hirn vom Himmel fallen.

Mittwoch, 6. Februar 2008

Amadeus auf der Flusswelt (11)

Amadeus lag mit gefesselten Armen und Beinen lang ausgestreckt auf dem Boden. Seinen Ohren entströmte noch immer Blut; sie mussten ihm großen Schmerz verursachen, er aber achtete nicht darauf. Seine ganze Aufmerksamkeit war auf den Monolog des alten Tramps gerichtet, der immer wieder zu der starren braunen Gestalt sprach, die am Feuer kauerte. Die kaleidoskopartige Weise, in der er in eine andere Phase der Flusswelt hineingeboren worden war, hatte ihn benommen gemacht, aber dennoch nicht so sehr, dass er nicht erkannte, dass es sich um eine Mumie handelte, ausgedörrt und starr, die in ihrer kauernden Haltung von dünnen Lederschnüren zusammengehalten wurde. Ein Fetisch? Ein Prophet?

Der alte Mann hatte eine verstaubte Flasche Madeira in den Ruinen des Saloons aufgetan und süffelte nun an ihr, während er der Mumie in das lederne Ohr raunte: „By Jove, Sir, ich schwöre es! Eine Mutter mit zwei Söhnen ermordet, totgepeitscht, geschändet und aufgefressen, dieser Kerl war es! Der Bleiche Mann mit seinen bleichen Haaren, all devils!“ Er trank erneut und kam schwankend hoch. „Lustige Weihnachten waren das damals… aus der Finsternis der Berge kamen sie, diese bleichen Reiter und an ihrer Spitze dieser Teufel. Eine Mutter mit zwei Söhnen ermordet in Zeplepplin, totgepeitscht. Glauben Sie, ich könnte das vergessen, Sir? Diese Nacht, dieses Gesicht?“

Hatte Amadeus erst ziemlich trostlos darein geschaut, so war der Ausdruck seines Gesichtes jetzt ein ganz andrer geworden. Der alte Tramp machte sich nun an ihm zu schaffen. „Der Bleiche Mann mit seinen bleichen Haaren!“, heulte sein madeiraduftender Mund. Er richtete Amadeus in sitzende Stellung auf, ergriff ihn beim Haare und zog an demselben, um die Perücke vom Kopfe zu reißen. Zu seinem größten Erstaunen wollte das nicht gelingen, das Haar hielt fest, es war wirklich eignes Haar.

„All devils, der Halunke hat wirklich Haare auf seiner Glatze!“ rief er erstaunt aus und machte dabei ein so bestürztes Gesicht, dass die andern gewiss über dasselbe gelacht hätten, wenn die Situation nicht eine so ernste gewesen wäre.

Amadeus Gesicht verzog sich zu einem höhnischen Grinsen, und er rief im Tone grenzenlosen Hasses: „Drauf geschissen, Duttelficker! Wo ist denn die Perücke? Es ist leicht, einen Menschen wegen einer Ähnlichkeit, die er mit einem andern hat, falsch anzuschuldigen. Beweise doch, daß ich derjenige bin, für den du mich ausgeben willst!“

Der alte Tramp blickte bald auf ihn, bald auf die Mumie des Indianers, die neben dem Feuer kauerte, und sagte ratlos: „Sagt mir doch, Sir, was Ihr davon denkt! Derjenige, den ich meine, war wirklich weißhaarig; dieser hier aber ist dunkel. Und dennoch will ich tausend Eide schwören, daß er es ist. Ich habe ihn gesehen, in jener Nacht in Yugioh City! Meine Augen können mich unmöglich täuschen.“

Die Mumie starrte in die lodernden Flammen; unverändert, starr, der Ewigkeit zugewandt.

„Ihr könnt' Euch dennoch irren“, schrie Amadeus. „Sacra! Natürlich gibt es Ähnlichkeit in dieser Welt wechselnder Identität und schmelzender Berge. Nichts ist fest, alles ist im Fluss! Der Himmel ist pink, die Sonne heisst Ashley, Eure Devisen sind Konzertkarten für Led Zeppelin, seltsam nach Jasmin duftend und mit dem geheimen Zeichen von Hoi Guy gekennzeichnet! Bettelstar, Battlestar! Galactica Catilacga! Alles ist im Wandel, alles ist im Fluss! Habt Ihr immer noch nicht begriffen, dass wir verdammt hier sind in der Flusswelt der Zeit! Das sind meine 50 Cent dazu, und dabei bleibe ich!“

„Dann darf ich meinen alten, guten Augen nicht mehr trauen!“

„Mach sie besser auf!“ höhnte Amadeus. „Ich bin gerde eben in diesem Moment in diese Welt hineingeboren worden, ohne Vergangenheit, ohne Zukunft! Der Teufel soll mich holen, wenn ich etwas davon weiß, was Du raisonnierst!“

Da drang es wispernd aus der starren braunen Form der Mumie: „Dafür können wir sorgen, Manitou!“


Die heutige Folge von "Amadeus auf der Flusswelt", anstelle eines Abendessens, wurde ihnen präsentiert unter tätiger Mithilfe von Karl May und Google Zeitgeist. Mögen die Klicks hereinströmen!

Nicht vergessen...


Image from "Shazam! The Monster Society of Evil" #3, © 2007 DC Comics, Art by Jeff Smith, Color by Steve Hamaker

Samstag, 26. Januar 2008

Shortcuts Januar

Ich sammle schon seit ein paar Monaten Beispiele dafür, wie Logos in immer schnelleren Abständen "modernisiert" und "relevanter" gemacht werden. Nichts wirklich interessantes, eigentlich, ich glaube inzwischen, das Neuerfinden der Corporate Identity usw. geschieht weniger für die Kunden als für die Chefetage. Der einzelne Mann am Computer - ob freischaffend oder fest angestellt - wird davon wohl nicht viel haben. Oder erwartet man wirklich, dass die Arbeit und der Absatz nach oben schnellt, nur weil das Logo auf der Verpackung oder auf dem Briefbogen plötzlich hipper wird?

(Interessanter Nebengedanke: Alle Redesigns haben teil am Zeitgeist der Epoche, in der sie entstehen. Das bedeutet auch, dass alle Redesigns einer Epoche den gleichen Zeitgeist füttern und spätestens bei der nächsten Neuerfindung des Zeitgeistes bereits veraltet und deutlich un-hip sein müssen.)

Ein Beispiel dafür, wie einem so ein unnötiger Anfall von Kreativität auch in der Freizeit aufstossen kann, ist das propagierte Redesign des Fernsehsenders Kabel1, vor allem bekannt durch das Re-Selling alter Fernsehserien u.ä. Bisher mit einem runden Icon und sauberen Serifenlosen ausgestattet, was ganz gut zu dem Feelgood-Retro-Programm passte (Motto "Good Times"), kommt Kabel1 ab Februar mit eckiger Schrift und eckig beschnittenem Icon daher, stilistisch so aufregend wie die Beschriftung eines Taschenrechners oder Handys. (Diesen Trend zur Handyästhetik sieht man inzwischen öfters...)

Ich weiss nicht... Gähn... In ein paar Jahren nennt man diese Art von Design wahrscheinlich MillenniumHandy-Look. Und kann es auch nicht mehr sehen.



Auf der anderen Hand hat der Meister aller Logos, Mr. Todd Klein, mal wieder eine Studie zum Design und den Variationen eines Logos einer klassischen Comicserie veröffentlicht. Diesmal hat er sich Prinzessin Diana (der Amazonen) selbst vorgenommen, was so geschrieben unglaublich mutig klingt.

Logo Study: Wonder Woman part 1
Logo Study: Wonder Woman part 2
Logo Study: Wonder Woman part 3
Logo Study: Wonder Woman part 4
Logo Study: Wonder Woman part 5 and final

Dienstag, 22. Januar 2008

Ein würdiger Auftrag...



Update: Während die erste kommentarlose Veröffentlichung des obigen Banners für die Kampagne, J'onn J'onnz zu retten, bei den meisten Lesern von NEMED HOUSE viele bunte Fragezeichen verursachte - andererseits sind sie sowas wohl schon gewohnt, hat sich das Bestreben, dem sinnlosen Töten von langbewährten Charakteren entgegenzuwirken, zu einem internationalen Phänomen ausgeweitet. Da ist dieser Einbtrag hier noch der bescheidenste - demnächst mehr.)