Samstag, 11. November 2006

Fanboy :: Jack Kirby Netz Check (3)

Es gibt immer noch zu wenig Liebe & Verehrung für Jack Kirby in diesen Breiten. Vielleicht sollte man es deswegen mal mit einem audiovisuellen Angriff versuchen - für die nachzügler da draussen janz modern als kleiner Videoclip.


Jack Kirby & Marvel Comics


Jack Kirby Interview

Prototypen

Comics Should Be Good >> Proto-Friday von Greg Hatcher: "something that has always fascinated me — tracing the ancestry of pop culture figures. Where do these things COME from? Who ARE the ‘prototype’ characters for the marquee comics characters of today? Are any of them still around?"

Etwas, das mich auch interessiert, aber da ich zu faul bin, noch mehr Worte darüber zu verlieren, verweise ich einfach auf diesen netten Überblick über den Übergang vom Pulp zum Comic: The Shadow, Zorro, The Spider, The Black Bat, Gladiator als mögliche Vorbilder oder verwandte Figuren für die quintessentiellen Superhelden des Golden Age, Batman und Superman.

Donnerstag, 9. November 2006

Alle Macht dem Qunintenzirkel

Setzen Sie Ihr Vertrauen nicht in die Suchmaschine.
Setzen Sie Ihr Vertrauen nicht in den Autoren.
Am besten, Sie setzen Ihr Vertrauen nicht einmal in sich selbst...

Einer der Vorteile, die das Hypertexttransferprotokoll, und überhaupt die ganze Metatextualität des Internets hat, ist dass man selbst nachsehen kann, warum die Leute auf die Seiten gelangen, die man selbst anbietet. Deswegen ist mir z.B. längst klar, dass ein Eintrag wie "Magnus Schevings XXX Mediaporn" die Klicks nach oben schnellen lassen wird, und dass wenn man bei Suchmaschinen nicht Anführungszeichen benutzt - oder eine andere Art der verknüpfung - man nicht unbedingt das bekommt, was man sucht. Man bekommt allerdings auch nur das, was man selbst in die Suchmatrix eingibt.

Wer also einen nervösen Finger hat, und statt "Quintenzirkel" "Qunintenzirkel" eingibt, kommt wahrscheinlich nicht zu einer Seite über Musik, sondern gelangt auf eine Seite von NEMED HOUSE und darf einen meiner allseits vielgeschätzten Tippfehler bewundern:
Einen Augenblick lang mag man vielleicht glauben, diese Zahlen sind aus gängigen Monitorabmessungen abgeleitet, oder vielleicht aus dem 360°-Kreis, der unsere gesamte Weltsicht seit den Babyloniern prägt... oder aus dem Qunintenzirkel, dem Grundungsdatum der Freien Republik Katatonien... weit gefehlt... nichts erleuchtet diese Zahlen. Dunkel, sehr dunkel.
Ja, dunkel, sehr dunkel.
Also, seid vorsichtig, was ihr sucht...
...ihr könntet es vielleicht bekommen.

In der Zwischenzeit habe ich mir erlaubt, den Tippfehler schnell zu korrigieren. D.h., der nächste, der sich so vertippt, landet wahrscheinlich genau hier.

Wer war Goldorak?

Ich gebe es zu: Ich bin ein Nerd. Ich begeistere mich für Dinge, die kein vernünftiger Mensch cool findet. Und ich mache mir Gedanken um Sachen, die wahrscheinlich vollkommen irrelevant sind, statt mich um Dinge zu kümmern, die wahrscheinlich wichtiger sind. Tief in meinem Herzen bin ich – hinter all den Warzen und grauen Haaren – immer noch ein Fanboy.


Positiv gesehen kann ich mich immer noch für Dinge begeistern, ohne in die lethargische Stasis des Alters abzurutschen. Und ich merke mir den ganzen Mist auch noch, je esoterischer desto besser. (Und ich rede hier nicht von Hermetica – sondern von den wirklich esoterischen Dingen, die nur Eingeweihte zu schätzen wissen: Die Trivia des Trivialen, Gimmicks, Gadgets, Eastereggs, der ganze glorreiche und lächerliche Kram, der aus dem Auge der Allgemeinheit schon längst verschwunden ist.)


Als ich ein kleiner Junge war, liebte ich Goldorak. Wer ist Goldorak? Kein Schwein kennt Goldorak. Selbst ich konnte eigentlich nie sagen, wer Goldorak war.


Mein Auge fiel auf ihn während der alljährlichen Sommerferientouren durch Frankreich mit meinen Eltern, und entzündete kindliche Besitzgier. Mindestens einen Sommer lang muss ich meine Eltern jeden Tag stundenlang in den Ohren mit Goldorak gelegen haben. (Sicherlich versicherte ich ihnen auch in den höchsten Tönen, wie cool Goldorak war, wenn ich das Wort ‚cool’ damals schon gekannt hätte.) Damals waren meine Sammlerinstinkte noch nicht ausgeprägt, und von der kulturellen Qualität des Objektes meiner Begierde waren meine Eltern sicherlich auch nicht so überzeugt. Heute, da ich selber Kinder habe, kann ich das gut nachvollziehen. Aber wie alle Eltern gaben auch meine irgendwann nach, damit man seine Ruhe hatte und kaufte dem Sprössling den Scheiß.


Ich kann nicht sagen, dass mich der Besitz einer 40 cm großen Plastikfigur mit relativ schwacher Beweglichkeit zum Besseren verändert hat. Immerhin konnte man die Schulterstücke herausziehen und in der grob perforierten Faust zu einer Art Doppelhacke zusammenstecken.


Und dass Goldorak ziemlich steif dastand, war auch erklärlich, schließlich handelte es sich ja um einen Roboter, oder so etwas ähnliches, der eine schwache Ähnlichkeit mit einem Samurai hatte. Um das Rätsel zu lösen, besorgte ich mir zusätzlich ein auf schlechtes Papier gedrucktes Heft mit ungewöhnlich großflächigen, simplifizierten Zeichnungen, die mich weitgehend aufklärten, dass es sich nicht nur um einen Roboter, sondern um einen von einem Piloten gesteuerten Riesenroboter handelte. Und Außerirdische. Mal etwas anderes als der ziselierte Ligne Claire-Stil, den ich bisher von franco-belgischen Comics wie Tim und Struppi kannte. Nicht, dass ich ein Wort von diesem französischen Exemplar eines der ersten in Europa erscheinenden Mangas verstanden hätte. Ich sagte ja: wirklich esoterische Dinge.

Ich denke, Goldorak ging den Weg allen Fleisches, bzw. den typischen Gang, den auch meine erste Comicsammlung gehen musste. Ich wurde zu alt für den Scheiss. Oder meine Eltern erklärten mir, dass ich zu alt für den Scheiss wäre und legten mir nahe, den Kram schnell beim nächsten Flohmarkt zu versilbern, sonst würde er bald die Mülltonne zieren, da er eh so wertlos sei.

Die Ironie, und eine Lektion an Eltern überall auf der Welt: Würde man seine alten Comics behalten und erst im Alter versilbern, könnte man davon bequem die Studiengebühren bezahlen. Und Goldorak hab ich gestern Nacht bei eBay wieder gesehen. So um die 70 € sollte er kosten. Einen Augenblick war ich wirklich in Versuchung.


Aber so ein großer Nerd bin ich dann doch nicht.

Mittwoch, 8. November 2006

Kniescheibenrocken

Sonntag war die erste echte Bandprobe. Locker.
Ohne Rehearsal Area, nur so vier Typen in einem Wohnzimmer. Wir haben nicht mal ein Drumset gebraucht, eine tibetanische Handtrommel hat auch gereicht.
In weniger als drei Stunden haben wir erstmal das Set besprochen - erstmal ein Huafen Covers, damit man das miteinander spielen lernt, klar. So haben wohl alle Bands angefangen. McCartney ist bei den Beatles auch nur eingestiegen, weil er fehlerfrei, aber auf links ein Lied von Eddie Cochrane klampfen konnte. Mit allen Lyrics.

Stand der Dinge:
Drei Songs spielbar einstudiert.
"Ace of Spades" - Motörhead
"Sympathy for the Devil" - Rolling Stones
"The Crystal Ship" - The Doors (Zugabe, :-)

Ganz gut für den ersten Abend.

Samstag, 4. November 2006

Nemed House Online :: Schwarzer Herbst (2)

My-Lands - Parallel City Magazine: Kapitel 2 (November 2006): "Ich drehte das Notizbuch in meiner Hand, ein altes, abgegriffenes Exemplar, zerfleddert und eselsohrig. Die Bleistiftnotizen, die jede Seite bedeckten, waren in der Handschrift eines Mannes, den ich nicht mehr kannte. Es war schon lange her, dass ich Jacks Nummer angeschaut hatte, merkte ich. Er war Teil einer Vergangenheit geworden, von der ich gerade eben noch gedacht hatte, dass sie Gegenwart war."

Mittwoch, 1. November 2006

Ein Tag nach Halloween...

...ist glaube ich Allerheiligen. Das war auch, was ich mir am nächsten Morgen dachte: "Bei allen Heiligen, dieser Schmerzzzzz!"

Halloween war's, die dunkle Nacht, in der die Tore zur Anderswelt sich öffnen und die Schatten und Schemen der Verstorbenen umherstreifen. Gut, die meisten Schatten und Schemen, die umherstreiften, waren kleine bis mittlere Kinder in schlechten bis nichtvorhandenen Kostümen, die Schutzgeld von den Nachbarn in Form von Süßigkeiten erpressten. "Bis nächstes Jahr!", klingt nicht wirklich angenehm aus dem Mund kleiner Hexen und Gespenster. Wenn Dreijährige gegen Türen treten und krakeelen: "Komm raus, komm raus, ich weiss, dass ihr da seid!", klingt es auch nicht viel besser. Da drückt sich der kunstvoll als Pestleiche geschminkte Pappa doch unauffällig in die Schatten der Ligusterhecken und zündet sich schnell eine Kippe an. Der Mond hing fast voll in einer bleichen Wolke am Himmel, wie hineingebrannt in die Finsternis.

Und dann setzte ein eisiger Wind ein.

Etwa um 21:00 Uhr kamen die Kinder von ihrem Zuckerrausch soweit herunter, dass sie schlagartig einschliefen. Eine Stunde später konnte man sich dann auch mal ein Bier aufmachen, aber irgendwie war man doch müde. Die anschliessende Seance mit legasthenischen Geistern, die sich dem Ouija-Board komplett verweigerten, das morbide Kerzenlicht. das die Nachrichten aus der Zwischenwelt auch nicht gerade klarer machten, steigerte noch die Müdigkeit. Um 0:30 legte ich mich ins Bett. Das weiss ich noch, denn ich hab die Leuchtziffern der Uhr noch gesehen. Ungefähr zehn Sekunden später muss ich eingeschlafen sein, wie ein Toter.

Am nächsten Morgen steckte mir der Samhainwind in den Knochen, und ich humpelte herum wie eine Mischung aus Tattergreis und Knochengerüst, die tränenden Augen rot von übriggebliebener Schminke. Gut, die anderen Eltern, die ihre Kinder zur Schule brachten, sahen auch nicht viel besser aus. Der Morgen der lebenden Leichen... Jetzt weiss ich wenigstens, wie die Geschichten von den Geistern und Gespensern entstanden sind.

Alles in allem: ein gelungener Abend.