Freitag, 3. Februar 2006

Pulpkoan [1]



"Selbst der Schatten des Lebens muss sich irgendwann einmal in das Buch des Todes eintragen."


-------------------
Weitere Koans, die auf alten Pulptitelbildern u.ä. basieren, in Vorbereitung. Originalgemälde von George Rozen für "The Book of Death" (The Shadow Magazine, Januar 1942).

Fanboy :: Voller Furcht vor Dr. Domino

Ich bin ein schwacher Mensch.
ich lasse mich leicht verwundern.
Oder begeistern.
Scipio lässt mich immer wieder erstarren vor Ehrfurcht oder latenter Verliebtheit.
Ohne ihn würde es Dial B for Blog nicht geben.
Ohne ihn hätte mein Name nicht international an Ruhm gewonnen.


Und ohne ihn hätte ich nie begriffen, warum Dr. Domino der unheimlichste und besteste Superschurke aller Zeiten ist.

Donnerstag, 2. Februar 2006

Amadeus auf der Flusswelt (1)

Das nächste, an das er sich erinnern konnte, war das Schiff. Er kannte nicht den Namen des Flusses, noch die Ufer, die in der Ferne sichtbar waren. Als er das Fahrgeld bezahlt hatte, warf er einen forschenden Blick über das Deck. Die gut gekleideten Kajütenpassagiere schienen ihn nicht zu interessieren. Ihre Gesichter waren Seidenmasken, die die vollkommene Leere ihrer Züge verhüllten. Da fiel sein Auge auf die andern, welche vom Spiele aufgestanden waren, um die an Bord Steigenden zu betrachten. Er sah einen Mann in ihrer Mitte, hoch aufragend, ein hagerer Schatten von der Farbe von Knochen; sein Blick verließ denselben sofort wieder, als ob er ihn gar nicht bemerkt habe; aber er kicherte, indem er die heruntergerutschten Strümpfe wieder über die schmächtigen Waden heraufzog, leise vor sich hin:

„Duttelgefickt!“, murmelte er, „Wenn das nicht der, wo ich mein’, so mag’s man mich in Schokad’ rollen und vom Zopf bis zum Zipfel abschlecken! Der Zweck, zu welchem er sich eine solche Schar zusammengetrommelt hat, ist sicherlich kein guter. Hoffentlich kennt er mich nimmer.“

Derjenige, den er meinte, hatte auch ihn gesehen und gestutzt. Er wendete sich in leisem Tone an seine Gefährten: „Seht euch mal dies kleine schmächtige Wichterl an! Kennt ihn einer von euch?“

Die Frage wurde verneint.

„Nun, ich muß ihn schon einmal gesehen haben, und zwar unter Umständen, welche für mich nicht erfreulich gewesen sind. Es steckt in mir so eine dunkle Erinnerung davon.“

„Dann müßte er dich doch auch kennen,“ meinte einer. „Er hat uns angesehen, dich aber dabei gar nicht bemerkt.“

„Hm! Vielleicht fällt es mir noch ein. Oder noch besser, ich frage ihn nach seinem Namen. Wenn ich den höre, werde ich gleich wissen, woran ich bin. Gesichter kann ich wohl vergessen, Namen aber nicht. Machen wir ein Saufen mit ihm!“

„Wenn er mitthut!“

„Das wäre eine schandbare Beleidigung, wie ihr alle wißt. Wer nicht mitsäuft, den kamma abstechen, da kräht kein Hahn darüber.“

„Er sieht aber nicht so aus, als ob er zu etwas, was ihm nicht beliebt, zu zwingen sei.“

„Ja, der is’ a bisserl meschugge!“

„Schaut’s, wie er schaut, das Männderl!“

„Und nun kichert er – den hat der Leibhaftige am Zipfel gepackt!“

„Geschissen! Wettest du nun mit, Bischof?“

„Ja, wetten, wetten!“ ertönte es im Kreise. „Der Verlierer zahlt drei Glas für jeden.“

„Mir ist's recht,“ erklärte der Mann wie Knochen.

Montag, 30. Januar 2006

Fanboy :: Dr. Strange - bessere Cover

Ein nettes Fundstück für den eher esoterisch gesinnten Comicfan: Das Dr. Strange Custom Covers Project.
Dr. Strange, "Sorceror Supreme" im Marvel Universum tauchte das erste Mal, lang lang ist's her, in Strange Tales Nr. 110 (Juli 1963) auf. Das war eines der damals noch existierenden Anthologiehefte mit zwei Titelgeschichten pro Heft - damals bekam man noch etwas für sein Geld.

Begonnen hatte Strange Tales als reine Anthologie "seltsamer Geschichten" - vergleichbar mit den Horror- und SF-Comics der 50er wie z.B. Tales from the Crypt.
Ah, die goldenen Zeiten komprimierter Erzählung und blitzartiger Plottwists.
Dies sind die definitiven Dr. Strange-Stories, von Steve Ditko (Spider Man). Seltsame Posen, seltsame feinde, groteske Welten und Dimensionen der Magie...
Für die damalige Zeit ziemlich abgefahren, weswegen die drogenkippenden Hippies dieser Jahre den guten Doktor auch instinktiv als einen der ihren erkannten... ja, Mann...

Dr. Strange teilte sich mit der Menschlichen Fackel (von den Fantastischen Vier - solo) und Nick Fury, Agent von S.H.I.E.L.D. das Heft - und die Titelbilder, wenn er denn üebrhaupt erschien.
Der begabte Grafiker Howard Hallis hat dieses Manko jetzt behoben und für alle in Frage kommenden Hefte Titelbilder rekreiert, auf denen der gute Doctor im Mittelpunkt steht. Aus den Originalzeichnungen von Ditko.
Strange, Mann...

Neue Magie, alter Lümmel

Zuerst die gute Nachricht: Magie funktioniert! (Entweder das oder Hypnose kombiniert mit Drohungen, Lügen und Tränengas…)
Jetzt die schlechte Nachricht: Anscheinend nur für einen durchgeknallten älteren Herren in Tokio. Und sie macht dumm.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters >>hier meldete, wurde in dieser schönen Stadt ein älterer Herr verhaftet, der elf (11!) jüngere Frauen durch die Rezitation eines Zauberspruches dazu verleitete, mit ihm zusammenzuleben. (Bei einer nachfolgenden Hausdurchsuchung stellte man auch eine Waffe, Tränengas und einige Bücher über Hypnose sicher, aber das nur am Rande… wir wollen den Mythos nicht überkomplizieren…)
Bevor wir aber Herren Hirohito Shibuya (57) zum neuen Messias des Tantra und grössten Eingeweihten in die phallischen Kulte nach Aleister Crowley und Dieter Bohlen preisen, wollen wir seine Technik kritisch hinterfragen. Können wir sie auch anwenden?

Ja, wenn wir Waffengewalt benutzen, um die eingefangenen Gespielinnen daran zu hindern, wegzulaufen, wenn sie am nächsten Morgen unser überaltertes, kahles Haupt auf dem Kopfkissen unseres Futons vorfinden.

Nein, wenn wir auch noch etwas anderes vom Leben haben wollen.
Elf Frauen?

Wann sind die abends denn mit dem Schminken fertig, wenn man auf eine Party will.
Und… was, wenn diese seltsamen Tage kommen, in denen Frauen irgendwie miesgelaunt, zickig und empfindlich sind. (Ich meine nicht jeden gewöhnlichen Tag, sondern, na, diese Tage.) Hat Hirohito Shibuya Tampons in der Zentnertüte eingekauft? Oder ist das irgendeine andere merkwürdige japanische Sexsache, á la Unterhosenautomaten, Blow Job-Bars und Puppenhotels?

Auf das Geheimnis seines Erfolges angesprochen, verriet der enigmatische Lustgreis über seine Zauberformel, daß sie ausgesprochen auch unattraktive Männer attraktiv machen würde… (lautstarkes Jubilieren auf allen Bänken, geballte Fäuste, Geschrei: „Yesss!“ „Strike!“), aber wenn er sie verraten würde, müsse er sterben. (lautstarkes Pfeifen, Tumulte: „Mist!“, „Lusche!“, „Laaaaaaaaangweilig!“)

Insgesamt eine wenig überzeugende Technik.
Immerhin, die Neugier bleibt: Was mag das für eine Formel gewesen sein?
„Eine Million Yen?“
„Die Privattelefonnummer von Brad Pitt?“
„Wolle Rose kaufe?“
„Tokio Hotel?“

Samstag, 28. Januar 2006

Das Grossmaul schlägt wieder zu

Es war ein schöner Morgen. Die Luft eisig klar, die Strassen übersät mit den zerbrochenen Träumen frühmorgendlicher Jogger, die versäumt hatten, auf die Warnungen ob überfrierender Nässe zu hören. Und ich wieder in meinem Reich. Gerade hatte ich auf der einen Leitung ein leckeres 16jähriges Gothicmädchen davor bewahrt, an einer Spermizid-Vergiftung zu kollabieren, und auf einer anderen den Rat der Bewaffneten Rabbis über die esoterische Bedeutung der Justice League of America aufgeklärt, als sich ein Kollege per Kurznachricht aus dem benachbarten Forum meldete. Als ich bei ihm nachschaute, wurde ich von der Seite angelabert. Von einem Forenjunkie namens Der vollkommene.

Moment, dachte ich mir. Du laberst mich an? Du laberst MICH an?

„Dude“, sandte ich eine Kurznachricht an meinen Kollegen. „Wer ist Der vollkommene? Darf soetwas in den ätherischen Weiten des wetzweiten Netzes überleben? Soll ich ihn zerknüllen? Wie Kleenex? Wie ein Tempotaschentuch, in das sich gerade eben ein 16jähriges Gothicmädchen erbrochen hat?

„Ja mach mal, der labbert jeden blöd an“, rückantwortete mein Kollege. „Sollte sich Besserwisser nennen, sagt alles was ich sage und tue unterliegt meinen Genen, weil er mit meiner Vorstellung von Selbsterschaffung nicht klar kommt.“

Gute Vorlage, dachte ich mir. Und nachdem ich dem Der vollkommene dargelegt hatte, wie minderwertig seine Existenz ist und dass er keine Ahnung hat, wen er gerade eben gedisst hat, lege ich noch einen darauf. Ich meine, er hatte ziemlich stumpfsinnig und falsch meine deutschen und englischen Notizen in meinem Netzprofil überflogen und ebenso stumpfsinnig und falsch darauf losgelabert. Soll man mit sowas Mitleid haben?

„Scheiss Gene, was?“

Der vollkommene hat Dir am 23.01.2006 um 11:34 eine Kurznachricht geschickt: „gene sind GENE!“

„Geile Erkenntnis, werde ich mir gleich in mein Poesiealbum schreiben.“ Was soll man dazu sagen? rosen sind ROSEN! wird auch nicht besser, wenn man ein Ausrufezeichen dahinter pappt.

Der vollkommene hat Dir am 23.01.2006 um 11:46 eine Kurznachricht geschickt: „gene stammen von gaen ab,was erkenntnis bedeutet auf sanskrit,tiefste erkenntnis ist bereits in den wurzeln enthalten!! nicht tief forschen und erkennen ist scheisse!“

gaen? Seit wann gaen die Gene denn? Mit einem mitleidigen Seufzen dachte ich an mein leckeres 16jähriges Gothicmädchen und tackerte zurück:

„Halbwissen ist auch Scheisse, Du Nase. Schon mal was von Genesis gehört?“ Halbwissen rockt!, wie schon der edle Suariner sagte. Aber immerhin weiss man, dass Gene und Genesis vom gleichen Wort abstammen, das „werden“ oder so bedeutet. Aber nicht gähnen.

Der vollkommene hat Dir am 23.01.2006 um 11:53 eine Kurznachricht geschickt: „alle poesie ist bereits geschrieben! du kannst nur abschreiben oder überschreiben!“

„Hervorragende Ausrede, um immer wieder den Müll alter Äonen zu regurgitieren.“ Man weiss ja, Fremdworte verunsichern. Das hält natürlich niemanden davon ab, auf soetwas richtig abzufahren.

Der vollkommene hat Dir am 23.01.2006 um 11:57 eine Kurznachricht geschickt: „eine hervorragende schutzmassnahme! wie viele schreiben und finden keine ruhe! wie viele schweigen und finden keine ruhe? leben und sterben und finden keine ruhe?? warum das?“

Der vollkommene hat Dir am 23.01.2006 um 12:00 eine Kurznachricht geschickt: „ein rationaler mensch ist müll alter äonen!klar,lasst uns überrational werden! von genesis habe ich gehört,auch genesis hat von uns,dir und mir gehört weil alles seiende zusammenhängt!!!“

Um die Wahrheit zu sagen hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon das Interesse verloren. Wenn die Leute beginnen, drei Ausrufezeichen zu verwenden und ihre Interpunktion mit einer Ejakulation zu verwechseln, hilft meist nur das Weite suchen. Mit dem anderen Ohr war ich bereits in einem anderen Kanal des Absorbascons und belauschte die Kurznachrichten meines kleinen scharfen Gothicmädchens, die ihrer noch schärferen Freundin eine etwas entschärfte Version der Dinge berichtete. Währenddessen machte ich Waffengeschäfte mit dem Rat der Bewaffneten Rabbis – zwei Sidewinder XL mit Kryptonitkern und semitelepathischem Routefinder. Lässig griff ich ins Netz und zog eine Kritik zu einer Oper hervor, die im Konzentrationslager Theresienstadt geschrieben und uraufgeführt wurde: „Der Kaiser von Atlantis oder die Todesverweigerung“ von V. Ullmann.

Copypaste: „Symbolische Charaktere wie der Tod und das Leben spekulieren über den Stellenwert der modernen Zeit. Der Kaiser als Sinnbild der Macht versucht diese Charaktere seinem Zugriff zu unterwerfen, scheitert aber an der Weigerung des Todes, sich länger als Machtinstrument missbrauchen zu lassen.“

Na, da fährt der Der vollkommene aber darauf ab. Bildungsbürger? Hirnchauvinist? Nur mit der Homophilie liebäugelnde Theologen oder geborene Taschendiebe hätten sich freiwillig einen solchen Nickname gegeben.

Der vollkommene hat Dir am 23.01.2006 um 12:18 eine Kurznachricht geschickt: „der tod erretet diesen kaiser aus seinen illusionen,freiwillig würde er weiter machen! möge der tod uns retten!“

Der vollkommene hat Dir am 23.01.2006 um 12:19 eine Kurznachricht geschickt: „das sind menschenmasken die spekulieren,der tod spekuliert nie!“

OK, einen Absatz nehmen wir noch aus dem gleichen Text: „Die Welt ist aus den Fugen, so wie die Wände der Bühne auf expressionistische Weise schief sind und im Boden versinken.“

Der vollkommene hat Dir am 23.01.2006 um 12:32 eine Kurznachricht geschickt: „diese welt aus fugen ist auf groben wellen,so sind die fugen auf der welt! auf tiefen wellen sind tiefe wellen!!!tiefe welten!“

Da hat er wohl etwas länger drüber nachdenken müssen.

Diese Welt aus Fugen ist auf groben Wellen, so sind die Fugen auf der Welt! Auf tiefen Wellen sind tiefe Wellen!!! Tiefe Welten!

Faszinierend, was vollkommene Merkbefreiung beim Menschen anrichten kann, nicht?

Nagut, ich hab ihn inzwischen verstanden.

„Ah, jetzt verstehe ich Dich. Tourette-Syndrom, nicht?“

Als ich das nächste Mal in das Forum sah, hatte Der vollkommene seinen Nicknamen geändert und schlich lautlos an mir vorbei.

Ich hatte wieder mehr Zeit, auf dem anderen Kanal eine Topless-Videokonferenz mit meinem leckeren 16jährigen Gothicmädchen, ihrer scharfen Freundin und ihrer älteren Schwester zu veranstalten.

Freitag, 27. Januar 2006

Fanboy :: Marvel Comics direkt vor der Haustür



Neulich beim Durchforsten des Katalogs demnächst erscheinender Comics stolperte ich über den Preview einer Serie, in der zwei Nebenfiguren der Spider Man-Serien, die in den 90ern ihre letzte grosse Zeit hatten.
SABLE & FORTUNE #1
COVER BY: JOHN BURNS / WRITER: BRENDAN CAHILL / PENCILS: JOHN BURNS / COLORED BY: JOHN BURNS / LETTERED BY: DAVE SHARPE

Nun ist das ja nichts Bemerkenswertes. Eine schöne Burg, irgendwo in den Alpen... ist ja schön, wenn auch die spandexbewehrten Mitbürger mal etwas von Europa zu sehen bekommen und nicht nur die Betonschluchten Manhattans...
Und dann stolperte ich über folgendes Bild:


Für die Schwerverständlichen: Es gibt weder eine Vollmondburg in Hamburg, noch Berge, auf denen eine Vollmondburg stehen könnte. Die höchste Erhebung hier - direkt bei mir in Sichtweite - ist etwas über 200 Meter über NN hoch. Aber natürlich ist Deutschland schön, seine Landschaften weltberühmt...
In the Marvel Universe every German knows how to talk NaziNoch viel begeisterter war ich beim zweiten Blick. "But you know how Der Führer is..." Huh? Nein, das weisst Du nicht, dummbatziger Dialogschreiber. Der ist nämlich schon lange zerfallen. Und dann das lähmende Entsetzen: Es ist gar nicht die Rede von einem hysterischen österreichischen Postkartenmaler, sondern von einer grossbrüstigen Superagentin namens Silver Sable.
WHAT...
THE...
???
Ist es da ein Wunder, dass ich Marvel einfach nicht mehr kaufen mag?