Dienstag, 30. August 2005

Ohne Stimme...

Gerade eben, auf dem Balkon, die Wohnzimmertür geschlossen...
Pantomimen auf dem Bildschirm. Öde, leere Gesichter, alte Gesichter, leere Augen, ekelhafte Münder, die sich ohne Stimme auf und zu bewegen...

Dann die Einblendungen von Textseiten:
- STARKE FRIEDENSMACHT
- WOHLSTAND UND BILDUNG
- VERTRAUEN IN DEUTSCHLAND

Alles klar! Es ist eine Satiresendung.
Schnell noch eine Zigarette, Schwester, und diesmal mach den Vorhang zu...

Sonntag, 28. August 2005

Fanboy :: Jack Kirby Netz Check


28. August 2005.
Der 88. Geburtstag von Jack Kirby.
Wenn er ihn nur erlebt hätte.


Jack Kirby wurde als Jacob Kurtzberg am 28. August 1917 in New York City geboren.
Er verstarb am 6. Februar 1994.
Seine ersten Werke wurden Anfang der 40er Jahre veröffentlicht, und prägten und gestalteten das neue Medium Comics bis heute hin merkbar.
Kirby erfand Anfang der 60er Jahre zusammen mit dem Schreiber Stan Lee fast alle Charaktere der moribunden Verlagsgruppe, die später unter dem Namen "Marvel" so berühmt werden sollte. Er war jedoch auch einer der ersten Künstler, die sich von den großen Verlagen unabhängig zu machen suchte.
Bereits früh wurde ihm der unwidersprochene Spitzname "King" (König) verliehen.
Seine hochgradig stilisierten, teils grotesken und teils visionären Grafiken haben große Teil der populären Kultur berührt oder verändert.
Der Autor dieser Blogseiten verbringt regelmäßig Stunden mit der Meditation über die Konstruktion und Philosophie von Kirbys Werken und hält ihn für den einflußreichsten Mythographen des 20. Jahrhunderts.


Für einen vollständigeren Überblick über
das Leben und Werk des Jacob Kurtzberg:


DIAL B for BLOG presents Jack Kirby Rarities Für einen (sehr) kurzen Einblick über Dekaden grafischer Werke. Eine Seite Raritäten, hübsch gemacht, wie immer. :: Erfrischend, wenn ein Blog EINE Seite Kirby veröffentlicht. Aber es gibt auch Blogs mit HUNDERTEN von Seiten Kirby:

Kirby Comics The Jack Kirby Comics Weblog :: Ein echtes Liebeswerk, wie es nur wirklich Verliebte schaffen würden: Scans von Titelbildern und Einzelseiten von fast allem, was Kirby jemals gezeichnet hat. Material für Stunden und Stunden scrollen, schauen und staunen. :: Besonders empfehlenwert auch die Chronologien, die innerhalb des Blogs angebracht sind.

Jack Kirby Collector : TwoMorrows, Bringing New Life To Comics Fandom Das Jack Kirby Fach- und Fanmagazin, mit Interviews, kritischen Würdigungen und unheimlich vielen zeichnungen - auch den Bleistiftzeichnungen, bevor sie nachgetuscht (und dabei manchmal unpassend verändert) wurden. Großformatig und einfach großartig. In Deutschland vielelicht schwierig zu bekommen. (Ich habe ein paar Ausgaben bei eBay bekommen, und die gehören inzwischen zum Kanon meiner Heiligen Schriften.) :: Herausgegeben von John Morrow

Jack Kirby Character Profile Index Und hier vielleicht der passende Abschluß, um sich ein vollständiges Bild vom OEvre des Meisters zu machen. Das Augenmerk gilt ja meist dem Großen udn Erhabenen... den Topsellern... den Superstars... Manchmal sind aber auch gerade die "Kleinen Leute" interessant. Auf dieser Unterabteilung des Anhanges zum Offiziellen Handbuches des Marvel-Universums finden sich Verweise auf die Profile aller möglichen (und unmöglichen) Nebenfiguren, die Kirby für Marvel kreiiert hat. Vom Seltsamen über das Obskuren bis zum Unglaublichen! :: Fanprojekt, d.h. nicht von Marvel beauftragt - dennoch finden sich durchaus auch persönliche Anmerkungen von beteiligten Autoren.


Und nun das Aktuellste:



Jack Kirby Museum & Research Center Das Jack Kirby Museum! Eröffnet heute! Hingehen und gucken!

Happy Kirby Day

Vor 88 Jahren wurde Jacob Kurtzberg geboren. Ein kleiner, mutiger Mann, der unter dem Namen Jack "The King" Kirby unsterblich werden sollte.
Weitere Posts und Bilder zum Kirbytag folgen im Laufe des Tages...
...aber ich wollte dem guten Mann schon einmal gratulieren.
Der König ist tot, lang lebe der König!

Freitag, 26. August 2005

Surfing the 80s

Was ich gerade mache:

Weitere wohlfeile Sätze in die Arullu-Novelle "Jephthas Sonne" einfügen. Anfang- und Endkapitel stehen schon, das einzige, woran ich (abgesehen von der Arbeitszeit) noch Probleme habe, ist die Handlungsstränge stilgerecht zu sortieren. Abwarten.

Langfristige Meditationen über die Romanreihe "Karl Edwyn Rothner und die Pyropunks". Während die Stories selbst noch recht stark sind, verkörpert sich in ihnen doch sehr stark der Glanz und Untergang der 80er. Und seit Anfang der 90er habe ich von den Pyropunks auch nichts mehr gehört. Wie sie reaktivieren? Und verdammich, was haben die eigentlich die ganze Zeit gemacht?

Die gleiche Problematik habe ich auch mit anderen Figuren. Entweder müsste ich sie komplett reloaden, umschreiben, neu erfinden, oder einen eleganten Weg finden, sie in die Jetztzeit zu bringen. Tricky. Und partiell unbefriedigend. Denn wie ich in meinen Forschungen an den "Geschichten aus der Gruft" gesehen habe, taugt von dem Material früherer Jahrzehnte nicht mehr alles.


Was ich gerade lese:

An dem Tag, an dem ich alle meine alten Geschichten in die Gruft heruntergetragen habe, habe ich auch vier Kartons vorsortiert, in dem alle Comics etc. liegen, die den Weg aus meiner Aufmerksamkeit in mein Lager gefunden haben. All die, die nicht in edlen Holzboyen über meinem Bett schweben, und in die ich ab und zu einen Blick werfe. All die, die ich nicht in meinen Bücherregalen stehen haben möchte. Der Ausschuss. das nicht wirklich coole. Inzwischen habe ich sie alle sortiert und einen fetten Berg von Heften herumliegen, die ich final loswerden will. Aber bevor sie bei eBay landen (oder im Trashcontainer), schaue ich noch mal rein. Alles Hefte aus den 80ern.

Steve Engleheart an den Fantastic Four, so ab Band Nr. 300. Während der gute Mann vielleicht auch ein verkappter Thelemit ist, und einen Heidenspaß daran hatte, den Soapcharakter einer Serie anzuheben, finde ich diesen Run an den FF einfach unpassend. FF ist SF, und das in kosmischem Umfang.
Auch ist allzu auffällig, daß Marvel das kreative Team so sehr eingeengt hat, daß keine effektive Lösung der Storylines möglich war. (engleheart sagt dazu einige unschöne Dinge auf seiner Webseite). Alles sehr unbefriedigend, und es macht auch nicht wirklich Sinn, das Ding immer wieder hin und her mutieren zu lassen.
Wir alle wissen, daß es nur das eine wahre Ding gibt. Ein zweites Ding - oder ihn mal wieder, gähn, zum Menschen zu machen, bringt doch nichts. Das ist, wie Superman sterben lassen. Alle wissen, daß es so schnell wie möglich wieder rückgöngig gemacht wird.

New Universe! Psi Force! Je weniger man darüber sagt, desto besser. Mann, saugt das... da ich nicht glaube, daß es wirklich jemanden gibt, der den Müll haben will, überlege ich mir schon mal einen rituellen Opfertod für dies gilbende Vierfarbverbrechen...
Dazu später mehr...

Donnerstag, 25. August 2005

Ein steigender Stern...

...am Bloggerhimmel verspricht Notes Of The Dirty Young Men vom Künstlerkombinat Netzwerk KHK zu werden.

Erst ein Eintrag, und schon wärmt sich mein verhärtetes altes Herz.

Ist auch besser, Jungs, als lange Pdfs zu setzen.

Einfach denken und schreiben.

Am besten in der Reihenfolge...

...muss aber nicht.

I hate that sadness in your eyes...

Wie passend, dass die wie immer kosmopolitisch und progressiv denkende CDU ein Lied von Sir Mick Jagger und seiner chemognostisch konservierten Band, genannt "Die Rollenden Steine" als Hymne für ihre Kanzlerkandidatin, die stets verheult dreinblickende Angela "Angie" Merkel ausgewählt haben.
I still love you, remember all those nights we cried?
Fremde Sprache, schwere Sprache. Sicherlich sollte niemand Frau Merkel dafür rügen, dass nun Witze über ihre Englisch-Kenntnisse kursieren, oder vielleicht auch den Sinn, eine so larmoyante Hymne auszuwählen, die nicht wirklich von Siegeswillen kündet. Auch andere Lieder der Steine hätten hier vielleicht gepasst:
"Honky Tonk Woman"
"Brown Sugar"
"Midnight Rambler"
"Let It Bleed"

Wie man hört, hat die SPD schon Interesse daran bekundet, es den Schwarzen gleichzutun, und ein Lied der "Steine" auch zu Gunsten ihres Kandidaten, eines gewissen Herren Schröder, einzusetzen:
"Sympathy for the Devil".

Mittwoch, 24. August 2005

Never use the Babelfish :: Rock'n'roll

Automatische Übersetzung:

Rock'n'Roll is A hard life
You know the steam turbine and gas turbine systems more better than your wife
You pay your soul for at e-stringer
But now taking "E" is the only thing
chorus
you're burning out/ burning out
you're burning out/  burning out


O rock'n'roll hero OF the distant past
Acres you trying tons tell ME that fame wants read?
There's A neon glory on your balding head
You have A smiling face, but your eyes of acres sad
chorus
instrument valley


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Zwiefach übersetzt:
Rock'n'Roll ist A hartes Leben, das Sie die Dampfturbine- und Gasturbinesysteme kennen, die besser als Ihre Frau sind, Sie Ihre Seele für an Etragbalken zahlen, aber, "E" jetzt zu nehmen ist der einzige Sachechor Sie aus dem Ausbrennen Sie brennen aus dem Ausbrennen brennen O rock'n'roll Held der entfernten letzten Morgen erklären Sie versuchende Tonnen MIR, daß Ruhm gelesen wünscht? Es gibt A Neonruhm auf Ihrem balding Kopf, den Sie A lächelndes Gesicht haben, aber Ihre Augen des traurigen Chors der Morgen instrument Senke

Dienstag, 23. August 2005

Dirty Khafir

Alles Schweine...
Schräg gegenüber von dem Elfenbeinturm, in dem ich normal schreibenderweis' sitze, befanden sich noch bis vor kurzem zwei Rollcontainer für Altpapier.
Es hatte sich zu einer schönen Gewohnheit entwickelt, daß ich mindestens einmal pro Woche, meistens Sonntags, in Begleitung meiner Tochter zu ihnen herüberschlendere, den Deckel zurückschiebe und alles Altpapier und Datenmüll hineinwerfe, der sich auf meinem Schreibtisch so ansammelt. Werbung, Ausdrucke, Mahnschreiben vom Bund Deutscher Philologen, Geheimnachrichten der Illuminaten usw...
Gerade bei Sonnenschein keine schlechte Sache.
Schon meine Mutter, Gott hab' sie selig, hat mich oft damit aufgeheitert, daß sie mir die Frage stellte, wieviele Wälder noch für meine Schreibe sterben müssen. Da ist es natürlich selbstverständlich, daß ich die latente Biomasse wieder in den Kreislauf zurückführe, auf daß er als glorreicher Pulp wiedererstehe...

Und nun?
Weg, alle beide. Das einzige, was verblieb, sind die von der städtischen Müllabfuhr gemanagten ekligen dunkelgrünen viereckigen Behältnisse, die nur so schmale Öffnungen haben, daß man nicht mehr als drei Blatt Papier auf einmal in sie reinzaubern kann.

Mag kleinlich erscheinen, aber wütend macht mich das allemal. Weil so offensichtlich ist, warum die anderen Container verschwunden sind. Hatte ich mich doch selber manchesmal feststellen müssen, daß einige meiner geschätzten Mitbürger den Sinn und Zweck dieser Einrichtungen nicht zu verstehen schienen. Zuerst war es Altpapier in Plastiktüten, dann Plastiktüten mit Altpapier, dann Plastiktüten voller Müll.
Zuerst verspürte ich Verwunderung, dann Ekel, dann Zorn.
Der kalte, allumfassende Zorn Gottes.

Es ist ja auch zu schwierig, so kryptische Äusserungen zu verstehen wie: Nur für Papier und Pappe.
(Einen kurzen Moment fragte ich mich politisch korrekt, daß man das Problem vielleicht hätte vermeiden können, wenn mand ie Container besser beschriftet hätte. Aber dieser Gedanke war wohl ein übertoleranter Irrläufer. Was hätte da stehen sollen: Nur Papierski, nix Müllski?)
Wer ist so geisteskrank, bei einem mit Papier gefüllten Container nicht zu vertsehen, wofür er ist?
Na also.
Dann ist es natürlich auch kein Wunder, wenn sich die Container stillschweigend über das Versagen der Zivilisation zurückziehen. Wer von den Recyclingspezialisten hat schon Lust, beim Sortieren zwischen Werbung, Ausdrucken, Mahnschreiben der Illuminaten und fingerfleckigen Exemplaren der Super-Illu vollgeschissene Windeln hervorzuziehen?

Meine Tochter (4) verstand meinen Zorn nicht wirklich, dieser kalte Zorn Gottes, diese Verbitterung über den Zerfall der Gesellschaft und aller Tugenden, aber eines hat sie sehr gut verstanden:
"Papa, das sind aale Schweine."

Demnächst in jeder Fussgängerzone...

Freitag, 19. August 2005

Dienstag, 16. August 2005

Me Goof

Ähem...
...der einfachere und stilsichere Weg, an die heißbegerhrten Annotationen zu kommen, wäre natürlich, sie sich direkt auf der Webseite des Meisters anzusehen... (Keine Ahnung, warum ich daran nicht gedacht habe... vielleicht war ich einfach verblüfft, den Namen auf einer 'echten' Comicseite zu sehen... die Welt ist schon klein...)

>>> Jess Nevins' Comic Book Annotations

P.S. In "Forty Niners" tauchen mal wieder ein paar fremdsprachliche (= deutsche) Worte auf. Und wieder versagt die amerikanische Lexik. Dazu vielleicht später mehr. Wir müssen unseren Verbündeten helfen!!!

Fanboy :: 49ers Angemerkt

Etwas, was natürlich nur einen manischen Fanboy erfreuen wird, den aber bis kurz vor dem vorzeitigen... äh... was auch immer...

In der Tradition seiner hervorragenden Anmerkungen und Fußnoten zu gleichfalls hervorragenden Comics hat Jess Nevins die Fortsetzung zu Alan Moores Top 10, "The Forty Niners" bearbeitet.

Aaaah....
Ja, mir versüßt es die Nacht...

>>> Notes on Top 10: the Forty Niners by Jess Nevins

Sonntag, 14. August 2005

Unmögliche Helden :: Weiß das der Dalai Lama?

Helden, die mehr als nur ein Stirnrunzeln hervorrufen. Kein Traum! Keine Täuschung! Erfindungslust, die Amok läuft. / Eine lose Serie von Kurzartikeln.



Die Geburtsstunde eines Helden ist hart umlagert. Die Geschichten innerhalb einer Serie laufen immer gleich ab, und doch muss es Entwicklungen und Veränderungen geben. Wie in einer Bach-Fuge werden die gleichen Bestandteile immer wieder rhythmisch variiert und mit ihren Beziehungen gespielt. Manchmal gelingt eine geniale Komposition, mal missglückt es zur Kakophonie. Die Instrumente, auf denen diese Melodien gespielt werden, sind meist die gleichen: Konventionen. Klischees. Prototypen. Der Millionärsplayboy, der in seiner Freizeit Verbrecher jagt. Der verstoßene Sohn, der in der Maske des Gesetzlosen der Gerechtigkeit zum Sieg verhilft. Der Abgesandte einer höheren Macht, der in die Unterwelt herabsteigt, um die Ungeheuer zu bändigen. Oder etwas Vergleichbares. Oder eine Kombination dieser Ideen. Und dann gibt es natürlich noch die klischeehaften Elemente, ohne die keine dieser Gestalten auszukommen scheint: Die unverkennbare Tracht. Das ikonische Erkennungszeichen. Der Nom de guerre oder Codename. Das Geheimversteck oder Festung der Einsamkeit. Der jugendliche Gehilfe. Der treue Butler. Die Zauberwaffe.
Nicht jede Gestalt ist reich genug, sich all diese Statussymbole leisten zu können, aber man trifft sie von Robin Hood bis Captain Future.


Zu den immer wieder gerne bemühten Klischees gehört, dass man etwaige übernatürliche Fähigkeiten irgendwo in Asien erwirbt. Ob es Telepathie ist, oder die Fähigkeit sich unsichtbar zu machen, anderer Menschen Gedanken zu bewölken - am besten lernt man dies beim letzten überlebenden Meister dieser Kunst, in verborgenen Städten oder abgelegenen Lamaklöstern. Das ist mal ein eher positives Beispiel für ein rassisches oder nationales Klischees, wie sie gerade im 20. Jahrhundert so sehr verbreitet waren (dazu mehr in späteren Artikeln!).
Merke: in der Genreliteratur ist jeder Asiat, der nicht komplexe Foltermethoden ersinnt, um als ‚Gelbe Gefahr' weißhäutige Jungfrauen zu bedrohen, ein Weiser Meister!
Halten wir nicht inne, um uns die Frage zu stellen, woher diese diabolischen gelbhäutigen Weltverbrecher ihre geheimen Künste erlernten - der Weise Meister sitzt erhaben und geduldig auf der Spitze seines verschneiten Himalajagipfels und wartet auf den Tag, da sich ihm ein zukünftiger Verbrechensbekämpfer bescheiden vorstellt.
Initiiert werden nur idealistische Abendländer.
Was sollen die schlitzäugigen Untermenschen, die direkt nebenan wohnen, auch mit diesen Fähigkeiten anfangen? (Weiß eigentlich der Dalai Lama davon? Der hätte, als die Rotchinesen Tibet überrannten, vielleicht doch gerne ein paar Leute mit Superkräften auf seiner Seite gehabt...)

Ah, der geheimnisvolle Orient! Die hintergründige asiatische Seele! Dim Mak! Sashimi! Bukake! Ja, es klingt ein wenig wie der schlechte Samstagabend-Kungfu-Film, Sie wissen schon - VanDamme kriegt ordentlich auf die Nuß und findet dann den Weisen Meister, der ihn solange coacht, bis auch ein belgisches Weißbrot den allasiatischen Champ knacken kann. Oder Karate Kid. Aber auf diese Weise haben seit den 30er Jahren eine ganze Anzahl von Heroen die übermenschlichen Fähigkeiten bekommen, die sie auszeichnen. Der Populärmythos vom Magischen Wissen Asiens ist recht alt, und fand einen weiteren Höhepunkt mit James Hiltons "Lost Horizon" - sie wissen schon, die unsterblichen Meister von Shangri-La...

Es muss eine Zeit lang einen richtigen Touristikboom von Helden-in-Ausbildung in diesen abgelegenen Himalayatälern gegeben haben, und wahrscheinlich haben sich abends Bruce Wayne, Dr. Stephen Strange und Lamont Cranston bei einer Tasse Tee mit Yakbutter getroffen und gemeinsam ihre Dorjes poliert.
Auffällig ist, dass die Weisen Lehrer ihren Schülern wenig weltanschaulichen Hintergrund mitgegeben haben. Es geht auch nicht um eine vollständige ethische oder spirituelle Erziehung. Der Lehrer existiert nur als genretypische Konvention. Er dient als selbstbezügliche Erklärung für das Magische oder Unwahrscheinliche einer Ursprungsgeschichte. Aber schließlich weiß man ja, dass diese Asiaten seltsame Fähigkeiten haben. Punkt. Seltsamerweise wird dieses Klischee nie weiter ausgereizt, es ist ein bunter Fleck in der Legende verschiedener Helden, aber kaum ein bestimmender Faktor. Außer in einem Fall, einer Geschichte, die gleichsam merkwürdig wie unmöglich erscheint.

Es soll ja schon vorgekommen sein, dass Weiße zu Lamas geweiht wurden. Für gewöhnlich fahren sie dann Harley Davidson und brüsten sich damit, wie cool sie sind, weil sie schon mit sovielen Schülerinnen geschlafen haben. Der wohlhabende amerikanische Abenteurer Jethro Dumont wurde zum Lama geweiht und kehrte in seine Heimat zurück, um mit Hilfe seiner magischen Kräfte Verbrecher zu bekämpfen - wie cool ist das?

GREEN LAMA, der "Grüne Lama" erschien zuerst in mehreren Novellen in dem Munsey-Pulp DOUBLE DETECTIVE MAGAZINE in den Jahren 1940-43, die von Ken Crossen unter dem Hausnamen Richard Foster verfaßt wurden. Er ist aber auch eine der wenigen Pulpcharakter, die erfolgreich den Sprung von einem Medium in ein anderes schaffte: Im Dezember 1940 wurde er für die Comics adaptiert (Prize Comics No. 7). Weitere Auftritte hatte er in PRIZE COMICS bis zur Ausgabe 34, und in seinem eigenen Heft, GREEN LAMA No. 1-8. Im März 1946 erschien das letzte Heft dieser Serie. Und ab 1949 erschien sogar für drei Jahre eine Radio-Show mit den Abenteuern dieses ungewöhnlichen Charakters!

Während seine Pulpherkunft ihn in eine Reihe stellt mit anderen unheimlichen bzw. übermenschlichen Vigilanten wie Shadow oder Spider, die verkleidet oder unsichtbar blutige Rache an den Missetätern der Gesellschaft nahmen, trat er relativ offen auf. Er trug nie eine Maske, sondern stattdessen ein schlichtes dunkelgrünes Mönchsgewand. (Nicht unbedingt die liturgische Kleidung eines buddhistischen Geistlichen, aber immerhin konnte er darin wenigstens gut meditieren.) Auch ihm stand ein treuer Diener asiatischer Herkunft zur Seite, wie es bei den besonders reichen Vigilanten wohl Mode zu sein schien. Jethro Dumonts Diener, sowohl in seiner Park Avenue-Villa, wie auch bei seinen nächtlichen Exkursionen war jedoch stilgerecht ein Tibeter namens Tsarong.

In den Stories wurde Dumonts spirituelle Herkunft mit der gleichen Glaubwürdigkeit behandelt wie z.B. die Geheimnisse des alten Ägypten. Sie ist nur eine triviale Hülse oberflächlichen Wissens über eine fremdartige Kultur. Obgleich ein Lama natürlich ein geweihter Priester einer überlieferten Lehre ist, erscheint er eher wie der typische Magier der Genreliteratur. Exotisches Äußeres und besondere Fähigkeiten täuschen nicht darüber hinweg, daß hinter der ungewöhnlichen Verpackung eine relativ durchschnittliche Detektivgestalt verborgen liegt, der recht gewöhnliche Gegner bekämpfte. Braucht man wirklich die Macht des Grünen Lamas, um den Krösus des Verbrechens zu bekämpfen? Den Mann mit dem Totenkopfgesicht? Den Clown, der lachte? Falstaff?? Vielleicht die Wahnsinnigen Magi - aber den Hollywood Geist?
Jethro Dumonts übernatürlichen Fähigkeiten (Stärke, Unverwundbarkeit und die Fähigkeit der Levitation) erscheinen durch das Rezitieren eines Zauberspruchs - eines Mantram, um genau zu sein, nämlich das gleiche "Om mani padme hum", das von Millionen von Buddhisten tagtäglich rezitiert wird, ohne dass sie sich in einen okkulten Übermenschen verwandeln. Schade auch. Vielleicht erinnern sie sich allerdings auch daran, daß die magischen Fähigkeiten, die sich auf dem Weg der Vollendung einstellen mögen (siddhis) Ablenkungen bzw. Hindernisse sind, die es abzulehnen gilt.

Die vier Wahrheiten des Buddhismus sind wohl Leiden, die Entstehung des Leidens, die Aufhebung des Leidens und der Weg, der zur Aufhebung des Leidens führt. Aber ich dachte immer, daß dieser Weg der edle Achtfache Pfad ist, rechtes Erkennen, rechte Entschlüsse fassen, rechtes reden, rechtes Handeln, rechter Lebenserwerb, rechtes Bemühen, rechte Achtsamkeit und rechte Meditation - und nicht als Mönch vermummt in New Yorker Hinterhöfen Verbrecher zusammenzuschlagen! Das mag vielleicht durchaus einiges an Leiden verhindern, aber ist das wirklich die angemessene Art und Weise für einen heiligen Mann, sich zu verhalten? Andererseits haben ja auch Mönche und Nonnen die meisten der waffenlosen Kampfkünste Chinas erfunden. Also was weiß ich schon. Vielleicht weiß es ja der Dalai Lama.
Und vielleicht hat der ja auch eine grüne Robe bei sich im Schrank hängen.

Donnerstag, 11. August 2005

Songbook :: Hindenburg (Death Of An Airship)

The last morning cometh for the german bird
Soaring on the seas, soaring on the skies
Adorned with swastikas on the fin
(You dress tough, but you'll never win!)

A special day in Lakehurst
New Jersey's bright, full of light
couples meet for something to see
(This day will go down in history!)

the first spark burns deep in her heart
New Jersey's bright, full of light
Kissed by fire the captain dies
mixed with flames fall his cries

chorus
Here she comes!
Dressed in flames
What a beauty!
Death of an Airship


Every second grows her impending doom
Burning on the seas, burning in the skies
Hydrogenium flows thar she blows
Spectators staring, full of woes

Oh the humanity the radio blares
sending to the east, sending to the west
All over America the people sigh
But they will never never never know why

Wantonly she strips her skeletton
bursting into light, burning like a sun
glowing in exploding glance
Never forget her funeral dance

chorus
Here she comes!
Dressed in flames
What a beauty!
Death of an airship
Here she comes!
Dressed in flames
An airship dies --
There's fire in the skies!

Songbook :: You Sold Your Soul For An E-String (Rock'n'Roll Is A Hard Life)

Rock'n'Roll is a hard life
You know the stage better than your wife
You sold your soul for an e-string
But now taking "E" is the only thing
chorus
you're burning out/ burning out
you're burning out/  burning out


O rock'n'roll hero of the distant past
Are you trying to tell me that fame will last?
There's a neon glory on your balding head
You have a smiling face, but your eyes are sad
chorus
instrumental


You gotta play all night & loose the day
and in the afternoon there's hell to pay
Get on with working your way up to the top
Being an immortal is a tough job!
chorus

You met your old lady when she was a fan
Now she can't stand you - but nobody can
She had a baby boy some years ago
Maybe it's yours - well, what do you know?
chorus
instrumental
You know you're burning out, burning out,
Without a doubt you're burning out
There is a cloud upon your head
Your balding head & soon you be dead
You're burning out, burning out,
Without a doubt you're burning out
You're out!


Rock'n'roll is a hard life
But still it all hurts like a knife
You sold your soul for an e-string
Being your own legend is the only thing
chorus
left for you/ left for you
'cause you're burning out/  burning out

Songbook :: Barmbek South (Barmbek Süd)

I had a nice wife now I hate that bitch
Each time I see I get an evil twitch
I think about hitting her in the mouth
I better move out to - Barmbek South

I had a future now I'm sweating for dimes
From the early morning to the midnight chimes
It's enough to make you wanna freak out
I better move on to - Barmbek South

I life in a shack that's priced like gold
There's cracks in the ceiling & it's always cold
I hate this place, my landlord's a louse
I better move out to - Barmbek South

If you see me on the street you better run
Tonight I have a temper, tomorrow a gun
And if you cross me, I'll burn down your house
And than I will go to - Barmbek South

My girlfriend's a slut - I like it that way
Sex is my religion, what else can I say?
Not only prayers can come in your mouth
Especially if you're down & out in - Barmbek South
Especially if you're down & out in - Barmbek South
Especially if you're down & out in - Barmbek South

Sonntag, 7. August 2005

Liliput :: Der Mensch schrumpft – das Insekt wächst.

"And crawling on the planet's face
some insects, called the human race"

(Richard O'Brien: The Rocky Horror Show)


Ein immer wieder auftauchendes Thema – selbst in diesem Blog – ist Liliput, und das, was man vielleicht "Ungeziefer Mensch" nennen könnte. Der Mensch und seine Umwelt außer Proportion, entweder ins Riesenhafte verzerrte oder zur Unbedeutenheit verkleinert. Dies ist nicht nur der Horror des Atomaren Zeitalters, sondern eine Erfahrung und ein Gleichnis, das in unserer modernen (Städte-)gesellschaft immer wieder auftaucht.
Unsere Städte sind inzwischen sooft mit einem Ameisenhaufen verglichen worden, daß dieses Bild in das kollektive Unbewußte geschlichen ist. Das Insekt hat unsere Wahrnehmung des Mitmenschen und des Selbst infiziert.
Sind wir Menschen, die davon träumen, Ameisen zu sein – oder sind wir Ameisen, die davon träumen, Menschen zu sein?
Die Städte sind summende Haufen hektischer Betriebsamkeit geworden. Datenverwertung in den Fütterkammern der heranwachsenden Maden, das Individuum aufgesogen in der Masse der marschierenden Kolonnen, unbedeutende Zwerge im Schatten gigantischer Mächte. Und manchem mag es scheinen, daß er dem Druck der Großen Welt hilflos ausgeliefert ist, und lebt in Furcht davor, daß er eines Tages vom Schicksal zermalmt wird wie eine Ameise unter der Schuhsohle...
Dies ist eine Wahrnehmung der Wirklichkeit, deren Horror wir gewöhnlich erfolgreich verdrängen.
Aber können wir sie verdrängen, wenn uns Horror die Wirklichkeit wahrnehmen läßt?
„Die 50er Jahre sind hervorzuheben durch ihre Manifestation kollektiver Existenzangst. Einerseits sind die geprägt von geheimen Invasionen, Infiltrationen und Infektionen gesichtsloser fremdartiger Systeme – das außerirdische Äquivalent der kommunistischen Fünften Kolonne – andererseits wird weltweit die Angst vor der Ausrottung und Verseuchung durch die Atombombe in einer Flut von immer destruktiven und oft gigantischen Mutationen manifestiert. Wir sehen hier in einer scheinbar heilen Norman Rockwell-Gesellschaft die existentielle Angst vor der Realität immanenter Versklavung und Ausrottung. Eine Existenzkrise, die jedoch nur über Stellvertreter (wie in Stellvertreterkrieg) ausgetragen wird. Die globale und doch persönliche Bedrohung durch feindliche Supermächte gebiert den Daikaiju, das gewaltige Ungeheuer, das blind alles zertrümmert, das in seinem Weg liegt.“ (Die Terra Arcana-Papiere)

Das scheint nicht nur eine Formel des Horrorfilmes der 50er zu sein, sondern liegt auch einem Großteil der Fantasy und der Comics Anfang der 60er zugrunde (und so verraten sie wiederum eine ihrer Hauptquellen): Hier wimmelt es von gefährlicher, aber nicht näher definierter „Strahlung“, die Menschen verändern, verzerren und ins Groteske mutieren lassen.
Gerade Marvel hat diese Formel bis zur völligen Abnutzung gebraucht, und es ist vielleicht nicht verwunderlich, daß ein stattlicher Anteil der ersten Generation ihrer Superhelden dem sexuellen Fiebertraum eines Lepidopterologen entsprungen zu sein scheint...
Der Ameisenmann...
Die Wespenfrau...
Der Spinnenmann...
Der Hornissenmann...

Doch halt! Dies sind Helden! Wie können so winzig kleine Personen das Normalgroße besiegen, das für sie natürlich ebenso riesenhaft sein muß, wie für uns Normalsterbliche das Monströse und Abseitige, das unsere Welt zu beherrschen scheint... oder die gigantischen Insekten und Spinnen, die die rücksichtslos aus dem Ruder laufende Wissenschaft unaufhaltsam erzeugen zu müssen scheint?
Das, meine Lieben, ist die Botschaft der Hoffnung, der metaphysische Optimismus, der dem (Super)Helden zugrundeliegt.
David fällt Goliath.
Und wird zum König gesalbt.

Samstag, 6. August 2005

Käfer!

Franz Kafkas Erzählung "Die Verwandlung" schildert Gregor Samsas Verwandlung in einen Käfer. Eine nicht unbedingt beruhigende Vorstellung, und wie so vieles bei Kafka extrem verstörend. Parabel? Gleichnis? Infomercial aus der Hyperzeit?

Würg! Ich habe diese Geschichte damals in der Schule das erste Mal gelesen, und mir ist die "Menschlichkeit" des Käfers und die "Unmenschlichkeit" seiner unverwandelten Familie nicht entgangen. Irgendetwas an dieser Geschichte greift tief in die Archetypen. Wer mag schon Krabbeltiere?

Der neueste Eintrag in Robby Reeds "Dial B for Blog" stellt dem Text der "Verwandlung" eine Anzahl alter Comiccover gegenüber, deren Shockwert sicherlich in Vergleich zu der Erzählung relativ abgedämpft ist, die jedoch zeigen, daß das zugrundeliegende Bild - die Vermengung von Mensch und Insekt - ein Horror ist, der immer wieder aus den Tiefen des kollektiven Unbewußten aufsteigt...

Demnächst mehr zu diesem Thema!

Geschichten aus der Gruft [7] Channeling Bukowski (2)

Ohne weitere Erklärungen... Nur soviel: damals war das höchste der Gefühle ein Atari ST, und von Windows hatte noch niemand gehört...


REVOLUTION 9

Im frühen Morgen überraschten wir sie, als die blutige Sonne noch keinen Strom in ihre wunderbar geometrischen Körper mit Skeletten aus Stahl und singenden Adern aus Hitze, (blau wie Venen, schwarz wie Arterien), schicken konnte. Eine lachende Handgranate zerfetzte die Tore der Dresdener Bank und wir enterten die Lobby ihrer wundervollen hohen Gebäude, die schmutzigen Stiefel gruben schwarze Kerben in die roten Teppiche und wir erwischten sie in den Betten, wie sie gerade ihren Frauen die Rüssel aus Messing in die kleinen schwarzlackierten Diskettenschlitze schieben wollten. Sie waren noch nicht abgeschminkt, und am glänzenden Chrom ihrer DIN-Kanten klebte noch Dreck. Sie starrten immer noch, als wir sie alle auf dem Marktplatz zusammentrieben, die Taschenrechner und Bankcomputer, die Kontomaschinen und alle ihre Verwandten. Selbst die Getränkeautomaten hatten wir nicht vergessen.
Wir rissen ihnen die Kabel aus den Ohren und stellten sie an die Wand, Männer, Frauen, Kinder und alte Greise. "Scheiße!“, schrie unser Führer, "ihr habt wohl geglaubt, wir würden uns für immer verarschen lassen, wa?"
Dann zogen wir die Abzüge unserer Knarren durch und legten sie alle um.
„Yeah“, dachte ich, als ich auf den riesigen rauchenden Schrottberg starrte und an meiner Flasche nippte, „das ist die erste Revolution an der ich mitgemacht habe, die einen auf den ersten Blick erkennbaren Nutzen hat.“
Dann warf ich die Flasche weg, und sie zerschellte im Gesicht eines Buchungscomputers der mich noch vor drei Tagen in einem mit grünem Plüsch ausgelegtem Büro terrorisiert hatte. Natürlich ist das alles nicht wahr.
So was nennt man Industrieverdrossenheit.

Mittwoch, 3. August 2005

Geschichten aus der Gruft [6] Channeling Bukowski (1)

Extra! Nachdem ich mich durch alle Aktenordner 1982-91 hindurchgewurstelt habe – der treue Leser wird es bemerkt haben – stolperte ich noch über einige separat versteckte Manuskripthaufen. Jeder von ihnen eine komplette Serie von Texten. Dazu später mehr, wenn sich mein Entsetzen gelegt hat.

Für heute möchte ich damit beginnen, ein paar Bits’n’Pieces aus der Phase zu veröffentlichen, als ich Tag und Nacht Charles Bukowski las, schrieb und atmete. Natürlich hatte ich weder die Akne noch die Säuferleber, um diese Rolle würdig ausfüllen zu können, also habe ich es schnell wieder aufgegeben. Aber bis dahin hatte ich einige Zettel in Kneipen vollgekrakelt oder im Halbdelirium in die Tasten meiner treuen Olympia gehauen. Die relativ saubere Orthographie verrät leider, daß es nur eine Pose war. Wenn ich noch so nüchtern war, Groß- und Kleinschreibung unterscheiden zu können... Na gut.



SONNENTAG


Die Blumen vor

meinem Fenster

zeigen mir die Zähne

Sie sind hellrot

wie frisches Fleisch

Die Tannen

scheren sich nicht

darum. Wie eine

Kolonne gehirn-

toter Grennadiere

stehen sie da,

die Finger in der

Nase und fragen sich,

wie sie ihre

Wurzeln aus der

Erde zerren

können und auf

dem schleunigsten

Weg aus meinem

Sichtfeld abhauen

können.

Ich nehm's ihnen

nicht übel.

SCHWERE NOT

So, es ist jetzt Mittwochnachmittag, und langsam normalisiert sich das Leben wieder.
Es war tatsächlich nicht nur ein Kind, sondern beide, die betroffen waren - warum sollte soetwas auch einfacher statt komplizierter werden.
Fiebertemperaturen bis über 40°, Durchfall, Erbrechen... zum Kotzen, um es zusammenzufassen. Dazu ein Krankenhaus, das recht eifrig aber ohne viel Verstand Theorien und Vermutungen im stündlichen Turnus ausspuckte, die weder mich noch meine Frau erfreuten.
Das einzig Vernünftige war, die beiden Würmer auf eigene Gefahr in eigene Obhut zu bringen und so schnell es ging nach Hause zu bringen. Da hatten wir sie wenigstens unter ständiger Beobachtung, sie mussten sich nicht dauernd vor Schwester Walburga und Dr. Notnagel verstecken und entspannten sich in ziemlich kurzer Zeit.
Inzwischen ist das Fieber runter und alles andere wird wohl auch.
Die Kinder fangen sogar schon wieder an, zu nerven.

...also sind sie wohl schon wieder fast gesund.
Meine Frau tut mir leid.
Sie hat jetzt fast eine Woche nicht mehr richtig schlafen können. Bewundernswert, daß sie noch so tough ist. Ein paar Tage Schlafentzug am Wochenende liessen mich schon mit offenen Augen verbal halluzinieren.
Ich weiß immer noch nicht, was da teilweise für Ideen aus dem Nirwana angeschwirrt kamen.
Oder mit wem ich mich unterhalten habe.
Oder wozu diese Maschinen gut sein sollen.

Aber glücklicherweise ist ja jetzt wieder alles normal.
So normal man eben sein will.
:-)