Montag, 13. Mai 2019

Der Unheilige Croly

Teige, Fürst von Moylurg, aus einer Seitenlinie des Clan MacDermot, war vielleicht der erste, den man respektvoll den „Cruadhlaoich“ nannte – den „hard hero“, was heutzutage wohl als „tough motherfucker“ übersetzt werden würde. Ihm war sicherlich nicht bewusst, dass sein Beiname den Familiennamen ersetzen würde und sich in verschiedenen Formen von Irland über die britischen Inseln und Frankreich in der ganzen Welt verbreiten würde. Aus dem gälischen „O Cruadhlaoich“ oder „Ua Cruadhlaoich“ (Nachkomme des Großen Helden) wurde Crawley, Croly, Croaley, Croawley, Crowley, Crowly, O'Crowly, O'Crowley und ähnliches.

Zwei Sprosse dieses ruhmreichen Clans haben sich in der Literatur besonders hervorgetan. Der eine war ein religiöser Autor und Poet von zweifelhaftem Ruf, der unglaublich von der Apokalypse fasziniert war und seine eigene Version davon veröffentlichte; der andere war Aleister Crowley.


Mittwoch, 24. April 2019

Mythos :: Traumsucher [2]



Notizen aus dem Platinbuch

Von allen Welten, die ich im Traum besuchte, ist Pegāna die vollkommenste. Ich war in Andarra und Tothra, selbst Kuth vom Sternengürtel, doch ihre Wunder scheinen nur eine blasse Nachahmung zu sein, wenn ich die Tore von Pegāna erblicke, wo die Zwillingssterne Yum und Gothum Wache stehen.

Pegāna war vor allen anderen. Noch bevor es Götter auf dem Olymp gab, oder noch ehe Allah überhaupt Allah war, war Pegāna – so heißt es.

Sie ist so alt wie die Entstehung der Kontinente und Ozeane.

Sie ist kein Traum – sie ist das, wovon wir träumen.

Dienstag, 23. April 2019

Mythos :: Traumsucher [1]



Notizen aus dem Platinbuch

Neben seinen Geschichten über kosmische Monstrositäten und waffentaugliche kognitive Dissonanz verfasste H.P. Lovecraft (1890–1937) auch eine Reihe von Geschichten, die im sogenannten "Traumland" angesiedelt sind. Das wichtigste Werk in dieser Reihe ist wahrscheinlich "Die Katzen von Ulthar" (1920) und "Die Traumsuche nach dem Unbekannten Kadath" (1926). Ein wichtiger Aspekt des "Traumlandes" ist, dass es selbst nur eine vage, traumartige Realität darstellt - vielleicht jenseits der Wirklichkeit, vielleicht parallel dazu oder in fernster Vergangenheit oder alles zusammen. Es ist unklar, und wäre es klar, würde es wohl auch viel von seiner rätselhaften Faszination verlieren.

Lovecraft hat selbst darauf hingewiesen, dass er beim Verfassen dieser Geschichten stark von den Werken des irischen Lord Dunsany (1878–1957) inspiriert wurde, obwohl er die erste seiner Traumgeschichten geschrieben hatte, noch bevor er das erste Mal auf den Lord aufmerksam wurde. Aus den Geschichten von Dunsany (gesammelt z.B. in A Dreamer's Tales (1910), The Book of Wonder (1912) und Tales of Wonder (1916)) übernahm Lovecraft vor allem die wohlklingenden orientalischen Namen, die selbst Dunsanys Inspiration für seine innovative Fantasy in den "orientalischen Phantasien" des 19. Jahrhunderts verraten. Geschichten in der Art von 1001 Nacht, nur ohne den weltanschaulichen Hintergrund. Etwas, das Lovecraft, der als kleiner Junge von genau der gleichen Art von Geschichten fasziniert war und sich für seine Spiele das Pseudonym "Abdul Alhazred" ausdachte.

Sonntag, 14. April 2019

Nachtmusick :: Zeitgenössische Proteste

Helle dunkle Nächte im Glanz eines Flachbildschirmes, das Reformat der Realität.
Rendere Fraktale, um die Titelbilder frommer Schriften zu schmücken.
Copy und paste, ein Repost des Reboots*. Enjoy the silence...



* diese unzusammenhängenden Wortfetzen professionell irgendwo aus diesem Blog gezogen. So, als ob man mich für die Zeile bezahlen würde. Content, nicht Inhalt. Und was halten Sie davon, Mr. Wilson?

Freitag, 12. April 2019

Pegāna :: Der Fluß


Lord Dunsany:
The River


Dann sah ich auf dem Fluss das traumerbaute Schiff des Gottes Yoharneth-Lahai, dessen großer Bug grau in die Luft über dem Fluss der Stille stieg.
Seine Balken waren alte Träume, die vor langer Zeit geträumt wurden, und die Vorstellungen der Dichter schufen ihm große, gerade Masten, und seine Takelage war aus den Hoffnungen der Menschen gewirkt.
Auf ihrem Deck befanden sich Ruderer mit traumgefertigten Rudern, und die Ruderer waren Leute aus den Phantasien der Menschen, Prinzen der alten Geschichte und Menschen, die gestorben waren, und Menschen, die noch nie gewesen waren.

Diese schwangen nach vorne und schwenkten zurück, um Yoharneth-Lahai durch die Welten zu rudern, ganz ohne Rudergeräusch. Auf ewig treibt bei jedem Wind die Hoffnung und die Phantasien der Menschen, die in den Welten kein Zuhause haben, nach Pegāna empor, und Yoharneth-Lahai webt sie zu Träumen, um sie den Menschen wieder zu bringen.
Und jede Nacht zieht Yoharneth-Lahai aus in seinem traumhaft gebauten Schiff mit all seinen Träumen an Bord zurück, um wieder die alten Hoffnungen und all den vergessenen Phantasien den Menschen zurückzubringen.

Aber bevor der Tag wieder zu sich kommt und alle erobernden Armeen der Morgenröte ihre roten Lanzen in das Gesicht der Nacht schleudern, verlässt Yoharneth-Lahai die schlafenden Welten und rudert den Fluss der Stille zurück, der fließt von Pegāna in die See der Stille, die jenseits der Welten liegt.
Und der Name des Flusses ist Imrana der Fluss der Stille. Alle, die den Geräuschen der Städte überdrüssig sind und sehr müde von Lärm sind, schleichen sich in der Nacht zu Yoharneth-Lahais Schiff hinab und gehen an Bord, zwischen den Träumen und den Phantasien früherer Zeiten, legen sich nieder auf dem Deck und scheiden vom Schlaf zum Fluss, während Mung hinter ihnen das Zeichen von Mung macht, weil sie es so haben wollen. Und sie liegen dort auf dem Deck zwischen ihren eigenen, in Erinnerung gebrachten Phantasien, und Liedern, die niemals gesungen wurden, und sie treiben Imrana herauf vor dem Sonnenaufgang, wohin der Klang der Städte nicht kommt, noch die Stimme des Donners zu hören ist, noch das Mitternachtsheulen des Schmerzes, wenn er an den Körpern der Menschen nagt, und weit weg und vergessen blöken die kleinen Leiden, die alle Welten plagen.

Übersetzung Axel M. Gruner 2019 e.v.

Dienstag, 5. März 2019

Unmögliche Helden :: Unterirdisch unter dem Neptun


Helden, die mehr als nur ein Stirnrunzeln hervorrufen: Erfindungslust, die Amok läuft.
Eine lose Serie von Kurzartikeln.



Die Geburtsstunde einer Idee ist hart umlagert. Wir haben nur sechs Stunden, um die Welt zu retten, und jede Geschichte ist schon einmal erzählt worden. Schlimmer: es gibt für alles ein großes, unübertreffbares Vorbild, und egal was man sich ausdenken wird, du wirst immer an deinem Vorbild gemessen werden: Deine Geschichte ist eine Kopie. Deine Idee ist eine Kopie. Du bist die Kopie.

"Schwert & Planet" oder "Interplanetare Romanze" nennt sich eine Version der Spekulativen Fiktion, ein Seitenarm der ScienceFiction, der früher einmal enorm beliebt war: Die Abenteuer eines Erdenmenschen auf einem fremden Planeten, in den meisten Fällen nur durch eine phallische Weltraumrakete und eine Photonenpistole von schierer "Schwert & Zauberei"-Fantasy getrennt. Populär gemacht wurde diese Art vergnüglichen Eskapismus vor allem durch Edgar Rice Burroughs und seine Serien um John Carter auf dem Mars und Carson Napier auf der Venus.

Die bekannteste Kopie ist Flash Gordon, aber auch viele andere Gestalten bedienten sich recht freizügig bei ERBs SF-Konzepten, genauso wie bei seinen Tarzan-Romanen oder den Geschichten aus Pellucidar, der Welt im Inneren der Erde. Du bist die Kopie: diese Art der Story war eine zeitlang so beliebt, dass es ganze Magazine gab, die sich darauf spezialisiert hatten, die größtenteils ähnlichen Abenteuer von größtenteils ähnlichen Helden auf Planet X, Y oder Z zu veröffentlichen. Planetenstories. Es gab sogar Planetencomics.


Dienstag, 26. Februar 2019

Zitat der Woche

"Other nights, depending on how swanky the function and fashionable the gown, there might also be observed, tattooed in exquisite symmetry below Madame Eskimoff's bared nape, the Kabbalist Tree of Life, with the names of the Sephiroth spelled out in Hebrew, which had brought her more than enough of that uniquely snot-nosed British anti-Semitism."
Thomas Pynchon, Against the Day

Dienstag, 12. Februar 2019

Mythos :: Die unheimlichen Carters [3]



Notizen aus dem Schwarzen Buch

Linwood Vrooman Carter (9. Juni 1930 – 7. Februar 1988)
"Die Berge hinter Arkham sind voll von unheimlicher Magie – von etwas, das vielleicht der alte Hexenmeister Edmund Carter von den Sternen herabrief oder aus den Krypten der innersten Erde heraufbeschwor, als er 1692 aus Salem dorthin floh."
H.P. Lovecraft & E. Hoffmann Price: "Durch die Tore des Silberschlüssels"

"Der graue, alte Gelehrte, munter wie zu Lebzeiten, sprach lange und eindringlich von ihrem alten Geschlecht und von den sonderbaren Visionen der delikaten und sensitiven Männer, die es bestimmten. Er sprach von dem flammäugigen Kreuzfahrer, der den Sarazenen, die ihn gefangen hielten, wahnsinnige Geheimnisse ablauschte; und von dem ersten Sir Randolph Carter, der die Magie studierte, als Elizabeth Königin war. Er sprach auch von jenem Edmund Carter, der während des Salemer Hexengerichts dem Strang nur knapp entkommen war, und der in einem antiken Kasten einen großen, silbernen Schlüssel verwahrt hatte, der von seinen Ahnen auf ihn gekommen war."
H.P.Lovecraft: "Der Silberschlüssel"

In dem cthulhoiden Universum, das ich entwerfe, würde ich den Stammbaum der unheimlichen Carters um einige Personen ergänzen. Da gibt es die rätselhafte Eileen Carter aus Hanns Heinz Ewers gleichnamiger Geschichte, die auch noch aus Lovecrafts Heimatstadt Providence stammt. Zufall? (Eine in diese Richtung erweiterte Fassung ist bereits in Arbeit.)
Und natürlich, in einem cthulhoiden Universum hat es die Mythosautoren der ersten Stunde nie gegeben, denn hier ist der Mythos real.
Wenn in diesem Universum ein Randolph Carter in einem Magazin für Weird Tales namens Whispers veröffentlichen kann, und in Providence stattdessen ein Mystiker und Träumer namens Ward Phillips existiert, was spräche dagegen, dass in diesem Universum ein Linwood Vrooman Carter existiert, der vor allem als Herausgeber esoterischer und exotischer Dokumente in Erscheinung trat? Die Mythosforscher kennen die Forschungsergebnisse über die Vorgeschichte des Pazifikraumes durch Professor Harold Hadley Copeland, die er vor dem Vergessen bewahrte. Und seine - teils freie, teils akribische - Bearbeitung der Nemedischen Chroniken und der Folklore der Averoigne.
Im Umkehrschluss entsteht hierdurch ein "erweitertes chthulhoides Universum", denn Carters Veröffentlichungen sind real, weil der Mythos real ist, d.h. dass auch seine anderen Veröffentlichungen real sein müssen.
In diesem Universum gibt es einen Grünen Stern, den man durch Astralprojektion (wie einst ein anderer Carter den Mars) erreichen kann. Jupiters Mond Callisto ist bewohnbar und durch rätselhafte Zeitbrunnen mit anderen Welten, darunter dieser Erde, verbunden. Und es gibt eine geheime, zeitlose Höhlenwelt unterhalb der Sahara namens Zanthodon.
(All das miteinander zu verbinden und weiter zu entwickeln wäre ein interessantes Projekt, man müsste sich nur die Rechte sichern.)

Zitat der Woche

"Theorie des Buches: toter Buchstabe? Ein Sack Samenkörner."