Freitag, 31. Oktober 2008

Weird Fiction Ill-ustrated [2]

The Seed from the Sepulchre von Clark Ashton Smith, illustriert von Richard Corben

Schon irgendwie eklig, nicht? Aber auch "The Seed from the Sepulchre" (dt. "Saat aus dem Grabe") könnte als Vorbild für die beliebteren Schockelemente der Alien-Filme dienen. Diesmal ist es jedoch eine andere Vorliebe von Clark Ashton Smith, die diese klassische Weird Fiction-Story zum Thema hat.
Es ist das vegetative Grauen, die Schlingen und Ranken diabolischer Pflanzen, in denen er sich austobt, parallel zu den Arabesken seiner Sprache. Chaotische Wucherungen. die mit einem unheimlichen Halbleben ausgestattet sind.
Nur sind es keine Bäume, die von diesen Schmarotzerpflanzen befallen werden...
Auch dies wieder illustriert von dem unnachahmlichen Richard Corben... wir beginnen soetwas wie ein Thema zu erkennen...

all Images vom Den Saga No. 1, Fantagor Press, 1992

Happy Halloween


Eine fröhliche Monsterparty für alle Ghouls da draussen!

Weird Tales Covers

Rechtzeitig zu Halloween erreicht uns ein Verweis auf eine neue Web-Veröffentlichung der Titelbilder von Weird Tales in recht guter Qualität und Auflösung. Ein gefundener Mitternachssnack für Freunde der Retro-Typography und der Kunst von C.C. Senf, Hugh Rankin, J Allen St John, Margaret Brundage, Virgil Finlay, Hannes Bok, Boris Dolgov, John Guinta, Matt Fox, Lee Brown Coye etc.

Via Golden Age Comic Book Stories von Mr. Door Tree

Donnerstag, 30. Oktober 2008

Neues von der Front

Pünktlich zu Halloween erreichen uns neue Zeilen unseres allseits geschätzten Korrespondenten, Herren D. aus H., der zu passender Zeit von einem langmonatigen Auslandseinsatz mit nur minderen Blessuren zurückgekehrt ist. Herzlichen Dank von hier aus nochmal, dass ich ungefragt seine Informationen wiedergebe und dass er wieder da ist. Wir haben ihn vermisst, den Grauen Mahatma.

Nachdem ich in den letzten Tagen mal wieder auf nemedhouse vorbeigeschaut habe, ist mir aufgefallen, dass du nicht nur wieder Neues über HPL geschrieben hast, sondern wohl auch einige interessante Neuheiten noch nicht kennst.
Da ist zunächst das Buch "The Lurker in the Lobby - A guide to the cinema of H. P. Lovecraft". Schau hier: nightshadebooks.com
Ich besitze es bereits und finde es sehr interessant...
Die m. E. erste wirklich adäquate Adaption einer Lovecraft-Erzählung ist - mal abgesehen von Stuart Gordons DAGON - der 2005 gedrehte Stummfilm THE CALL OF CTHULHU der H. P. Lovecraft Historical Society, welchen ich seit Montag mein Eigen nenne. Herrlicher Film mit Anklängen an den deutschen Expressionismus wie in DAS CABINETT DES DR. CALIGARI und ein sehr schöner, stopmotion-animierter Cthulhu. Da hätten Willis O´Brien (KING KONG) und Ray Harryhausen (JASON UND DIE ARGONAUTEN) ihre wahre Freude gehabt. Jeder HPL-Fan sowieso.
Zu weiteren Projekten (u. a. eine mir noch nicht bekannte Verfilmung von "Whisperer in the Darkness" sowie der lovecraftesken ANATEVKA-Adaption THE SHOGGOTH ON THE ROOF) und tollem Merchandise (ich schätze, eine Büste des Mannes aus Rhode Island hätte wohl jeder gern auf seinem Schreibtisch!) hier die Seite der HPLHS (inkl. Trailer zu CALL):
Grüße

Weird Fiction Ill-ustrated [1]

The Vaults of Yoh-Vombis von Clark Ashton Smith, illustriert von Richard Corben

"The Vaults of Yoh-Vombis" (dt.:"Die Grabgewölbe von Yoh-Vombis") ist eine der klassischen Erzählungen der Weird Fiction, interessanterweise vielleicht sogar eines der Vorbilder für die in den Alien-Filmen auftretenden und höchst populären "Facehugger". Ja, es geht um ausserirdisches Leben, aber Clark Ashton Smith wäre nicht Clark Ashton Smith, wenn seine interplanetaren Romanzen nicht nur höchst unromantisch wären und einen deutlichen Hang zu morbidem Grauen hätten. Erstaunlicherweise wurde diese Geschichte von Richard Corben illustriert, der ja eigentlich vor allem für bulligen Glatzköpfe und Frauen mit unwahrscheinlicher Oberweite bekannt ist...

Die Geschichte beginnt auf dem Alten Mars, dem Schauplatz einiger von CAS' interplanetaren Horrorstories. Hier sehen wir schon mal die Ureinwohner, die eine wissenschaftliche Expedition in abgelegenes und übel beleumundetes Territorium führen...

Es dauert nicht lange, und in Yoh-Vombis erwacht lange vergessenes Grauen zu neuem Leben. Und... es ist hungrig!

Und Überraschung: Es will gar nichts von Dir, nur Dein GEHIRN!


all Images vom Den Saga No. 2, Fantagor Press, 1993

Halloween in der Vorstadt

H.P. Lovecraft
HALLOWE'EN IN A SUBURB

The steeples are white in the wild moonlight,
And the trees have a silver glare;
Past the chimneys high see the vampires fly,
And the harpies of upper air,
That flutter and laugh and stare.

For the village dead to the moon outspread
Never shone in the sunset’s gleam,
But grew out of the deep that the dead years keep
Where the rivers of madness stream
Down the gulfs to a pit of dream.

A chill wind blows through the rows of sheaves
In the meadows that shimmer pale,
And comes to twine where the headstones shine
And the ghouls of the churchyard wail
For harvests that fly and fail.

Not a breath of the strange grey gods of change
That tore from the past its own
Can quicken this hour, when a spectral power
Spreads sleep o’er the cosmic throne,
And looses the vast unknown.

So here again stretch the vale and plain
That moons long-forgotten saw,
And the dead leap gay in the pallid ray,
Sprung out of the tomb’s black maw
To shake all the world with awe.

And all that the morn shall greet forlorn,
The ugliness and the pest
Of rows where thick rise the stones and brick,
Shall some day be with the rest,
And brood with the shades unblest.

Then wild in the dark let the lemurs bark,
And the leprous spires ascend;
For new and old alike in the fold
Of horror and death are penned,
For the hounds of Time to rend.

gefunden via Dan Harms' papers falling from an attic window

Montag, 27. Oktober 2008

Redmask 1 :: Veröffentlichung

Endlich! Rechtzeitig zu Halloween ist die erste Ausgabe von REDMASK Magazine erhältlich!
Hier schon mal ein Überblick über den Inhalt (Bild gibt die Rückseite des Buches wieder)



An diesem Platz auch ein Dankeschön an die gewitzten Leser, die das Buch in unserem LuluShop schon vor ein paar Tagen entdeckt und schon bestellt haben. Ich hoffe, ein jeder findet in diesem Buch etwas, das ihn fesselt.

Aus Lovecrafts Notizbuch [2]

Abscheuliches altes Buch wird entdeckt - Anweisungen für schockierende Beschwörungen.
Buch oder MS, das zu entsetzlich ist, als daß man es lesen könnte - Warnung vor seiner Lektüre. Jemand liest es und wird tot aufgefunden.
Buch, das beim Lesen einschläfernd wirkt - man kann es nicht lesen. Ein Entschlossener liest es - wird verrückt. Von betagtem Eingeweihten werden Vorsichtsmaßnahmen getroffen, der als Autor und Übersetzer weiß, wie er sich durch Beschwörung schützt.
Die Lektüre eines entsetzlichen Buches oder der Besitz eines abscheulichen Talismans bringt jemanden in Berührung mit schockierenden Träumen oder einer Welt der Erinnerung, die ihm schließlich den Untergang bringt.
Eigenartiger Geruch von Buch aus Kindheit führt zur Wiederholung kindlicher Phantasie.
Eine abscheuliche Welt überlagert die sichtbare. Durchgang - eine Macht führt den Erzähler zu einem uralten und verbotenen Buch, das Anweisungen für den Zutritt enthält.
Entsetzliches Buch wird flüchtig in uraltem Laden erblickt - dann nie mehr gesehen.
Etwas Entsetzliches in einem vielleicht vertrauten Buch zu finden und es dann nicht mehr finden zu können.


Eine erstaunliche Anzahl von Einträgen in Lovecrafts Notizbuch befasst sich mit dem Schrecken, die auf den Seiten eines Buches verborgen liegen. Es ist nicht so sehr das geheime und arkane Wissen, das hier vielleicht verschlüsselt liegen mag, das das Grauen darstellt, sondern bereits der schiere Akt des Lesens, der einen unvorsichtigen Leser in Welten entführen kann, die fremd und unbekannt sind. Etwas, das eigentlich einem jedem Leser irgendwie bekannt vorkommen sollte. Hatte Lovecraft bei der fast paranoiden Xeno- und Neophobie, die ihn zeit Lebens plagte, etwa auch Angst vor den Neuen und Fremden Ideen, denen man auf den Seiten eines Buches begegnen kann? Um wie viel ironischer müsste dies dann aus heutiger Sicht erscheinen, die Lovecraft selbst vor allem als Schöpfer eines der erfolgreichsten Neo-Mythen der letzten Jahrhunderte kennt!

Seltsames Buch des Grauens wird in alter Bibliothek entdeckt. Abschnitte von entsetzlicher Bedeutung werden abgeschrieben. Später unmöglich, Buch zu finden und Text zu verifizieren. Vielleicht entdeckt man einen Körper oder ein Bild oder ein Zaubermittel unter dem Boden, in einem Geheimfach oder sonstwo. Einfall, daß das Buch lediglich eine hypnotische Täuschung war, herbeigeführt durch totes Gehirn oder uralten Zauber.
Verlust der Erinnerung und Eintritt in eine bewölkte Welt seltsamer Anblicke und Erlebnisse nach einem Schock, Unfall, der Lektüre eines merkwürdigen Buches, der Teilnahme an einer merkwürdigen Zeremonie, dem Trinken eines seltsamen Gebräus usw. Das Gesehene wirkt auf vage und beunruhigende Weise vertraut. Auftauchen. Unfähigkeit, den Weg zurück zu verfolgen.
Vision, die sich durch ein übles Buch auftut.


Natürlich kann die Lektüre eines Buches etwas Schreckliches sein. Sie kann verzaubern, verstören, schockieren, wie Lovecraft es nennt, und im besten Fall ernüchtern. Dann nämlich, wenn das Wissen, das der Leser aufnimmt, die Illusionen und Selbsttäuschungen zunichte macht, denen man sich wohlig hingegeben hat. Nur der Autor oder Übersetzer weiß, wie er sich schützen kann – der Leser jedoch fällt der zerstörerischen Wirkung der Lektüre zum Opfer und wird verwandelt. Und wie schrecklich: Dieses Wissen kann nicht mehr genommen werden, es sei denn durch einen bewussten Akt der Verleugnung, die in diesem Fall gleichbedeutend mit einer milden Form des Wahnsinnes wäre. Unfähigkeit, den Weg zurück zu verfolgen. Der Autor als semiotischer Horrorist und Hexenmeister, der mit Bewusstseinen und Seelen sein satanisches Glasperlenspiel abzieht. 23 Skiddo!

Mancher Leser mag in diesem Fall in der wenig beneidenswerten Situation jenes Mannes wieder finden, der lieber in der Matrix geblieben wäre und bewusst versucht, die Illusion wieder zur Realität zu erklären, auch wenn dazu Verrat und Mord notwendig sind. Und das ist vielleicht der größte Schrecken von allen, die Logophobie, die panische Angst vor dem Wort und der damit verbundenen Erkenntnis. Natürlich, manche Menschen werden schon wahnsinnig, wenn sie begreifen, dass es schon wieder Montagmorgen ist und die nächste Arbeitswoche direkt vor ihnen liegt. Der tentakelbewehrte Horror, der in diesem Moment aus den Seiten eines wurmstichigen Folianten sickert, kann sich kaum damit vergleichen.

Mittwoch, 22. Oktober 2008

Samedi


Er ist ein stattlicher Kerl, dieser Loa des Samstags und der Friedhöfe. Baron Samedi! Fesch ausgestattet, den Spazierstock unter der knochigen Achsel tanzt er die Strasse herab zum Marktplatz, der die Welt ist, um den Frauen unter den Rock zu schielen und allen anderen in die Suppe zu spucken. Genau - er trägt Sonnenbrillen in der Nacht, denn er kann in diese und die andere Welt sehen. Und unter seinen Füssen rocken und rollen die toten Leute wie schon lange nicht mehr.

Passend zu Halloween veröffentlicht der Baltimore Gun Club eine Neuaufnahme ihres fetzigen Klassikers "Samedi" auf ihrer MySpace-Seite. Und wer's einfach mal anhören will, klickt einfach aus den Link zum PopUpPlayer. Have fun, hehehehehe.

Dienstag, 21. Oktober 2008

Endlich

Gerade sehe ich die neueste Schlagzeile aus dem Newsticker:

"Power-Rangers"-Darsteller droht Todesstrafe

...ich finde, das haben die auch wirklich verdient. Und wie steht es eigentlich mit den Darstellern aus "Lazy Town"?

Der Rabe

Mitternacht umgab mich schaurig, als ich einsam, trüb und traurig,
Sinnend saß und las von mancher längstverklung’nen Mähr’ und Lehr’ –
Als ich schon mit matten Blicken im Begriff, in Schlaf zu nicken,
Hörte plötzlich ich ein Ticken an die Zimmerthüre her;
„Ein Besuch wohl noch,“ so dacht’ ich, „den der Zufall führet her –
Ein Besuch und sonst Nichts mehr.“

Wohl hab’ ich’s im Sinn behalten, im Dezember war’s, im kalten,
Und gespenstige Gestalten warf des Feuers Schein umher.
Sehnlich wünscht’ ich mir den Morgen, keine Lind’rung war zu borgen
Aus den Büchern für die Sorgen – für die Sorgen tief und schwer
Um die Sel’ge, die Lenoren nennt der Engel heilig Heer –
Hier, ach, nennt sie Niemand mehr!

Jedes Rauschen der Gardinen, die mir wie Gespenster schienen,
Füllte nun mein Herz mit Schrecken – Schrecken nie gefühlt vorher;
Wie es bebte, wie es zagte, bis ich endlich wieder sagte:
„Ein Besuch wohl, der es wagte, in der Nacht zu kommen her –
Ein Besuch, der spät es wagte, in der Nacht zu kommen her;
Dies allein und sonst Nichts mehr.“

Und ermannt nach diesen Worten öffnete ich stracks die Pforten:
„Dame oder Herr,“ so sprach ich, „bitte um Verzeihung sehr!
Doch ich war mit matten Blicken im Begriff, in Schlaf zu nicken,
Und so leis scholl Euer Ticken an die Zimmerthüre her,
Daß ich kaum es recht vernommen; doch nun seid willkommen sehr!“ –
Dunkel da und sonst Nichts mehr.

Düster in das Dunkel schauend stand ich lange starr und grauend,
Träume träumend, die hienieden nie ein Mensch geträumt vorher;
Zweifel schwarz den Sinn bethörte, Nichts die Stille draußen störte,
Nur das eine Wort man hörte, nur „Lenore?“ klang es her;
Selber haucht’ ich’s, und „Lenore!“ trug das Echo trauernd her –
Einzig dies und sonst Nichts mehr.

Als ich nun mit tiefem Bangen wieder in’s Gemach gegangen,
Hört’ ich bald ein neues Pochen, etwas lauter als vorher.
„Sicher,“ sprach ich da mit Beben, „an das Fenster pocht’ es eben,
Nun wohlan, so laß mich streben, daß ich mir das Ding erklär’ –
Still, mein Herz, daß ich mit Ruhe dies Geheimniß mir erklär’
Wohl der Wind und sonst Nichts mehr.“

Riß das Fenster auf jetzunder, und herein stolzirt’ – o Wunder!
Ein gewalt’ger, hochbejahrter Rabe schwirrend zu mir her;
Flog mit mächt’gen Flügelstreichen, ohne Gruß und Dankeszeichen,
Stolz und stattlich sonder Gleichen, nach der Thüre hoch und hehr –
Flog nach einer Pallasbüste ob der Thüre hoch und hehr –
Setzte sich und sonst Nichts mehr.

Und trotz meiner Trauer brachte er dahin mich, daß ich lachte,
So gesetzt und gravitätisch herrscht’ auf meiner Büste er.
„Ob auch alt und nah dem Grabe,“ sprach ich, „bist kein feiger Knabe,
Grimmer, glattgeschor’ner Rabe, der Du kamst vom Schattenheer –
Sprich, welch’ stolzen Namen führst Du in der Nacht pluton’schem Heer?“
Sprach der Rabe: „Nimmermehr.“

Ganz erstaunt war ich, zu hören dies Geschöpf mich so belehren,
Schien auch wenig Sinn zu liegen in dem Wort bedeutungsleer;
Denn wohl Keiner könnte sagen, daß ihm je in seinen Tagen
Sonder Zier und sonder Zügen so ein Thier erschienen wär’,
Das auf seiner Marmorbüste ob der Thür gesessen wär’
Mit dem Namen „Nimmermehr.“

Dieses Wort nur sprach der Rabe dumpf und hohl, wie aus dem Grabe,
Als ob seine ganze Seele in dem einen Worte wär’.
Weiter Nichts ward dann gesprochen, nur mein Herz noch hört’ ich pochen,
Bis das Schweigen ich gebrochen: „Andre Freunde floh’n seither –
Morgen wird auch er mich fliehen, wie die Hoffnung floh seither.“
Sprach der Rabe: „Nimmermehr!“

Immer höher stieg mein Staunen bei des Raben dunklem Raunen,
Doch ich dachte: „Ohne Zweifel weiß er dies und sonst Nichts mehr;
Hat’s von seinem armen Meister, dem des Unglücks finstre Geister
Drohten dreist und drohten dreister, bis er trüb und trauerschwer –
Bis ihm schwand der Hoffnung Schimmer, und er fortan seufzte schwer:
‚O nimmer – nimmermehr!‘“

Trotz der Trauer wieder brachte er dahin mich, daß ich lachte;
Einen Armstuhl endlich rollte ich zu Thür und Vogel her.
In den sammt’nen Kissen liegend, in die Hand die Wange schmiegend,
Sann ich, hin und her mich wiegend, was des Wortes Deutung wär’ –
Was der grimme, finst’re Vogel aus dem nächt’gen Schattenheer
Wollt’ mit seinem „Nimmermehr.“

Dieses saß ich still ermessend, doch des Vogels nicht vergessend,
Dessen Feueraugen jetzo mir das Herz beklemmten sehr;
Und mit schmerzlichen Gefühlen ließ mein Haupt ich lange wühlen
In den veilchenfarb’nen Pfühlen, überstrahlt vom Lichte hehr –
Ach, in diesen sammtnen Pfühlen, überstrahlt vom Lichte hehr –
Ruhet sie jetzt nimmermehr!

Und ich wähnte, durch die Lüfte wallten süße Weihrauchdüfte,
Ausgestreut durch unsichtbare Seraphshände um mich her.
„Lethe,“ rief ich, „süße Spende schickt Dir Gott durch Engelshände,
Daß sich von Lenoren wende Deine Trauer tief und schwer!
Nimm, o nimm die süße Spende und vergiß der Trauer schwer!“
Sprach der Rabe: „Nimmermehr!“

Gramprophet!“ rief ich voll Zweifel, „ob Du Vogel oder Teufel!
Ob die Hölle Dich mir sandte, ob der Sturm Dich wehte her!
Du, der von des Orkus Strande – Du, der von dem Schreckenlande
Sich zu mir, dem Trüben, wandte – künde mir mein heiß Begehr:
Find’ ich Balsam noch in Gilead! ist noch Trost im Gnadenmeer?“
Sprach der Rabe: „Nimmermehr!“

Gramprophet!“ rief ich voll Zweifel, „ob Du Vogel oder Teufel!
Bei dem ew’gen Himmel droben, bei dem Gott, den ich verehr’ –
Künde mir, ob ich Lenoren, die hienieden ich verloren,
Wieder find’ an Edens Thoren – sie, die throhnt im Engelsheer –
Jene Sel’ge, die Lenoren nennt der Engel heilig Heer!“
Sprach der Rabe: „Nimmermehr!“

Sei dies Wort das Trennungszeichen! Vogel, Dämon, Du mußt weichen!
Fleuch zurück zum Sturmesgrauen, oder zum pluton’schen Heer!
Keine Feder laß zurücke mir als Zeichen Deiner Tücke;
Laß allein mich dem Geschicke – wage nie Dich wieder her!
Fort und laß mein Herz in Frieden, das gepeinigt Du so sehr!“
Sprach der Rabe: „Nimmermehr!“

Und der Rabe weichet nimmer – sitzt noch immer, sitzt noch immer
Auf der blassen Pallasbüste ob der Thüre hoch und hehr;
Sitzt mit geisterhaftem Munkeln, seine Feueraugen funkeln
Gar dämonisch aus dem dunkeln, düstern Schatten um ihn her;
Und mein Geist wird aus dem Schatten, den er breitet um mich her,
Sich erheben – nimmermehr!

Der Rabe; Ein Gedicht von Edgar Allan Poe. Metrisch aus dem Englischen übersetzt von Carl Theodor Eben. Philadelphia 1869 / Illustration von Ford aus "Edgar Allan Poe The Masque Of The Red Death And Other Stories", Eternity Comics 1988

Montag, 13. Oktober 2008

Und jeder klatscht

Der geneigte Leser wird sich noch daran erinnern, dass dieses Jahr der Tag der Einheit unter dem Motto "Kulturnation" stand. (Was haben wir gelacht!) So wie es aussieht, kann man sich diese Woche dieses Themas weiter annehmen, der größte Punk von allen hat es ja vorgemacht. >>>Reich-Ranicki macht den Handke.

Feiern wir also weiterhin die deutsche Kultur und Nation, die so hervorragende Formulierungen findet wie diese:

„Contergan“ gewinnt, und jeder klatscht

Dienstag, 7. Oktober 2008

Aus Lovecrafts Notizbuch [1]

Insekten oder andere Wesen aus dem Weltraum stürzen sich auf den Kopf eines Menschen und dringen in ihn ein, was dazu führt, daß er sich an fremdartige und exotische Dinge erinnert - mögliche Persönlichkeitsverdrängung.

Wie viele von Lovecrafts Ideen & Geschichten basiert dieser Eintrag in sein Notizbuch auf einem der lebhaften Träume, die ihn Zeit seines Lebens packten. Glücklicherweise erwähnte er eben jenen Traum in einem seiner zahllosen Briefe - eine viel vollständigere Vision als die nackte Notiz weiter oben. Wieviele andere packende Geschichten wären uns erhalten geblieben, wenn Lovecraft ein Traumtagebuch geführt hätte wie jeder andere anständige Magier?

"In meinem Traum wurde ich, während ich in vertrauter ländlicher Gegend spazierenging, plötzlich von einem Schwarm schnell aus dem Himmel herabschießender Insekten angegriffen. Sie waren winzig und stromlinienförmig und schienen imstande zu sein, meine Schädeldecke zu durchdringen und ins Gehirn einzudringen, als wäre ihre Substanz nicht völlig materiell. Kaum waren sie in meinen Kopf eingedrungen, schienen meine Identität und Lage höchst zweifelhaft zu werden. Ich erinnerte mich an außerirdische und unglaubliche Szenen - Klippen und Felsnadel, die von violetten Sonnen erhellt wurden, phantastische Säulen aus zyklopischem Mauerwerk, vielfarbige Pilzvegetation, halb formlose Gestalten, die über grenzenlose Ebenen scharwenzelten, bizarre Reihen von Wasserfallstaffeln, oben offene Steinzylinder, zu denen Strickleitern hinaufführten wie die Weberleinen von Schiffen, labyrinthische Korridore und geometrisch mit Fresken ausgemalte Räume, merkwürdige Gärten mit unerkennbaren Pflanzen, in Roben gekleidete amorphe Wesen, die mit einem nichtvokalen Pfeifen sprachen - und unzählige Vorfälle unbestimmter Natur und unnützlichen Wirkungen. Ich wußte überhaupt nicht, wo genau ich war - es gab jedoch die bedrückende Empfindung unendlicher Ferne und völliger Fremdartigkeit im Vergleich zur Erde und zum Menschengeschlecht. Zu keinem Zeitpunkt geschah wirklich etwas - und ich merkte, daß ich vor dem tatsächlichen Erwachen beträchtliche Zeit geträumt hatte."

Zitate aus Lovecrafts Notizbüchern nach: H.P. Lovecraft: „Azathoth“ Vermischte Schriften, ausgewählt von Kalju Kirde. Übersetzung Frank Rottensteiner, Suhrkamp, Frankfurt a. Main 1989

Montag, 6. Oktober 2008

Aus Lovecrafts Notizbuch [0]

Wie viele Schriftsteller hatte auch H.P. Lovecraft sein "Ideenbuch" - ein Notizbuch, in dem er Einfälle, Bilder und Zitate niederschrieb, die er in Zukunft vielleicht einmal für eine seiner Geschichten verwenden wollte. Ich glaube, die meisten Schriftsteller haben so etwas in irgendeiner Form - als Sammlung von Karteikarten, magsiche Tagebücher oder Datenwust am Ende der Festplatte. Bemerkenswert bei Lovecraft ist, dass die in seinem "Schwarzen Buch" festgehaltenen Ideen ziemlich genau den Umfang und die Grenzen des Subgenres definieren, für das er bekannt geworden ist. Es ist immer das Grauen vor dem Fremden, das ihn fesselt. Das Grauen aus einer fremden Welt, oder das Grauen aus einer Fremden Zeit - die Pathologie seines Mythos ist recht fest umrissen. Gerade die Variationen jedoch sind recht spannend - tatsächlich wäre es mit den in Lovecrafts Notizen enthaltenen Fingerzeigen überhaupt kein Problem, eine neue beliebige Geschichte zu verfassen, die sich nahtlos in den Mythos einfügt.

Schauen wir diesen Oktober mal auf einige dieser Ideen, schauen wir auf die rudimentäre Grundordnung eines Neo-Mythos, auf das Skelett des Skelettlosen, auf Cthulhus blankes Fleisch... in Lovecrafts Notizbuch - nackt!

Samstag, 4. Oktober 2008

Freitag, 3. Oktober 2008

Der Untergang

Dieses, meine Damen und Herren, war also wohl der Tag der Deutschen Einheit. Und da haben wir schon das erste Malheur: Was fängt man eigentlich damit an? Wie erkläre ich's dem Kind? War jetzt nicht doch Volkstrauertag? Und was wünschen wir uns jetzt? Fröhe Weihnacht ja wohl nicht - frohe Einheit? Fröhliches Vereinheiten? Alles Gute? Augen zu und durch?
"Zu Hamburg frug ich: warum so sehr
Die Straßen stinken thäten?
Doch Juden und Christen versicherten mir
Das käme von den Fleeten."
Als geborener Hamburger hätte der Tag eigentlich von ganz besonderem Interesse für mich sein sollen: Schließlich sind die Feierlichkeiten zur Vereinheitlichung dieses Jahr ja an der Elbe gewesen. Ja, selbst die Kanzlerin war anwesend, wieder eine verpasste Gelegenheit. In Hamburg also, dieser unheimlich nationalistischen Stadt, von der selbst der grosse Heinrich Heine zu berichten wußte, hat man heute die Einheit unter dem Schlagwort "Kulturnation" hochleben lassen. Was sind wir doch für schlaue Kerlchen.

Ich denke mal mit dem Zauberwort 'Kultur' kann man heutzutage so ziemlich alles rausreissen. Da brauchen wir auch nicht mehr zu jammern, wie schlecht es uns allen geht, wie brutal die Arbeitslosengeld II-Mafia ist oder wie geil die RAF eigentlich war. Oder wie brutal geil mein neues Jamba-Klingel-Komplettpaket ist. Mhhhhhmmm... Kulturnation... Nicht, dass Kultur und Nation einander nicht irgendwie ausschliessen, bzw das eine eigentlich vor dem anderen liegt. Kultur gibt es immer, Nation ist eine Idee des 19. Jahrhunderts, das heißt eine falsche. Statt "Kulturnation" hätte man ja auch das alte Bonmot vom Land der Dichter und Denker bemühen können, aber mit dem Denken haben wir's ja nicht mehr so sehr. Unser geschätzter Bundespräsident fasste die letzten zwanzig Jahren mit herzergreifenden Worten zusammen:
"Sicher: Manches dauert länger als gedacht, es gab und gibt Härten und Enttäuschungen. Doch wer die Augen aufmacht, der sieht: Wir haben viel erreicht. Vielleicht ist es weniger, als manche in der ersten Euphorie erhofft haben. In Wirklichkeit ist es sehr viel mehr, als manche sehen - oder sehen wollen."
Ja, wir haben viel erreicht. Die großen Deutschen der letzten zwanzig Jahre waren Claudia Schiffer, Michael Schuhmacher und Dieter Bohlen. Wirklich herausragende Kennzeichen einer Kulturnation. Vielleicht ist es weniger, in Wirklichkeit ist es sehr viel mehr. Oder andersherum. Warum nur erinnert mich das nur an ein paar Zeilen aus Saul Aschers "Germanomanie" (sollte man auch mal wieder lesen), die eigentlich genausogut passen würden?
"Es darf nicht befremden, wenn in diesem fieberhaften Zustande, in welchem die Menschheit ein Vierteljahrhundert vegetierte, denkende Köpfe, vorzüglich in Deutschland, wo bisher immer mehr gedacht als gehandelt worden, in dem chaotischen Zustand der Dinge bald das Heil der Welt erblickten, bald aber wieder den Untergang der Weltordnung ahneten."

Donnerstag, 2. Oktober 2008

Counting...

Und so beginnt es in diesem unheimlichen Oktober, wo bleiern brennende Wolken über einen unsteten Himmel hetzen und ein eisiger Wind die erste Gänsehaut hervorruft, der noch viele folgen sollen... Gibt es etwas gruseligeres als einen konfessionslosen Feiertag, der ganz ohne den Segen der Kirche auskommt? Ja, meine Brüde rund Schwestern, nach dem 1. Mai, dem alten keltischen Feuerfest des Bel und noch vor Halloween, dem alten keltischen Samhain, kommt... der Tag der deutschen Einheit. Wollen wir mal sehen, was sich hier für relevante Dinge ergeben, bevor wir mit voller Wucht den Countdown bis Halloween beginnen...
Themen dieses Jahr (soweit vorbereitet):
  • Klassische Horrorstories von Robert E. Howard und Clark Ashton Smith - und ihre Comicversionen!
  • Das Buch der Schwarzen Venus!!
  • Lovecrafts Notizbuch - nackt!
  • Gibt es den typisch deutschen Horror?!
Und natürlich...
  • Der Große Kürbis!
Bwahahahahahahaha.

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Countdown to Halloween!

In der glorreichen Tradition der letzten Jahre stelle ich den gesamten Monat Oktober unter das Motto HALLOWEEN.

Seid also gespannt auf einen eher unheimlichen Blick unter die Haut der Wirklichkeit... Macht euch gefasst auf eine Zeit ohne buntgekleidete Kostümträger und das sarkastische Grinsen des Bloggerprinzen...

Es wird dunkel um uns, Samhain naht... die Zeit der Gespenster.

Im Gegensatz zur allgemeinen Meinung ist Halloween nämlich nicht nur eine einzige Nacht, sondern eigentlich eine ganze Jahreszeit. Nun, so genau wollen wir es nicht nehmen, aber ich denke, jeder der an einem frühen düsteren Morgen aus dem Fenster schaut und sieht, wie die Frühnebel sich zögernd aus dem vergilbten Laub verkrümmter Äste lösen, wird erahnen, dass irgendetwas vor sich geht. Der Herbst hat begonnen, unaufhaltsam verringert sich das Licht. Die dunkle Jahreszeit hat begonnen, die Hexenkönigin regiert...

Kein Kiddiekram, und ganz sicher keine Kürbisse, weder Rezepte für Kürbissuppe noch drollige Grafiken von Kürbislaternen, es sei denn, ich finde eine von einem, der zubeißt. Ja, es soll hier mal ein bisschen unheimlicher zugehen. Immerhin endet die Zeit, und die Tore der Unterwelt schwingen weit auf...

Verwandeln wir den Oktober in vier Wochen Magie und Schrecken. Keine bunten Bilder mehr, sondern stattdessen alles, was in der dunklen Jahreszeit zuhause sein könnte. Ich habe noch keine Endauswahl getroffen. Vielleicht versuche ich auch innerhalb dieser vier Wochen einen archetypischen Teenie-Splatter-Roman zu schreiben... ansonsten machen wir uns gefasst auf Gespenster, Hexen, schwarze Magie, Wiedergänger, Zombies und Vampire... Dinge die mitten in der Nacht herumpoltern... und die eisige Hand des Grauens.

Ich lass also mal alle anderen genretypischen Bezüge und beschränke mich mal auf Horror und Mystery. Sie müssen keine Angst haben, dass meine Hand plötzlich aus ihrem Bildschirm herausgreift und ihnen die Kehle zuschnürt.

Ist alles nur Spaß!

Obwohl, manchmal...
hehehehehehe...

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Ich gebe gerne zu, dass ich alles Obenstehende verbatim von den Einträgen der letzten Jahres gestohlen habe. Aber deswegen nennt man es ja auch Tradition, oder?