Sonntag, 27. Februar 2011

Der okkulte Detektiv

Ein unbeachtetes Subgenre der Weird Fiction...
Notiz zur Recherche: Bitte die Erzählungen über folgende Personen prüfen:
  1. Dr Martin Hesselius (Sheridan LeFanu)
  2. Dr. John Silence (Algernon Blackwood)
  3. Dr. Occult (Siegel und Schuster)
  4. Dr. Taverner (Dion Fortune)
  5. Flaxman Low (E. und H. Heron)
  6. John Kirowan (Robert E. Howard)
  7. John Thunstone (Manly Wade Wellman)
  8. Jules de Gradin (Seabury Quinn)
  9. Moris Klaw (Sax Rohmer) - Der Traumdetektiv
  10. Simon Iff (Aleister Crowley)
  11. Steve Harrison (Robert E. Howard)
  12. Thomas Carnacki (William Hope Hodgson) - der Geisterfinder

Weird Fiction Ill-ustrated [4]

Auch in weiteren Ausgaben von "H.P. Lovecrafts Haunt of Horror" treffen wir auf alte Bekannte, und muss das etwas Gutes sein? Wie bereits vorher erwähnt, ist die Wahl von Richard Corben als Illustrator von H.P.Lovecrafts steifer, geschlechtsloser Prosa (eine Wahl, die der Zeichner selbst getroffen hat) gewöhnungsbedürftig... faszinierend... oder vielelicht auch nur konsequent. Ist das der postmoderne Lovecraft, nach dem wir alle suchen? Es ist noch kein Cthulhupunk, aber vielleicht geht es in die Richtung.

Warum auch immer, musste ich bei den Adaptionen, die in den Heften gesammelt wurden (hierbei auch einige von Lovecrafts Sonetten, die natürlich eine größere Freiheit zur Interpretation geben... somit Corben als Ko-Autoren hervorheben... "The Canal" zum Beispiel, oder "The Well") immer wieder an diese anderen Sammlungen von Kurzgeschichten denken, die Clive Barker als seine Bücher des Blutes herausgegeben hat. Lovecraft? Na klar, sehr schön in Szene gesetzt in Heft #2 zum Beispiel, in "The Music of Erich Zann" die baufällige Absteige in der Rue d'Auseil... Richtig gut wird es aber, wenn Corbens eigene Vorlieben mit dem Shcrecken/ Grauen/ Horror / Ekel des Gentlemans aus Providence so richtig im Clinch liegen. Ein feines Beispiel ist hier in Heft #3 zu finden, mit der Adaption der Geschichte von "Arthur Jermyn", der wie wir alle wissen auf schmerzhafte Weise herausfinden musste, warum er ein unvorteilhaftes Äußeres besitzt und wenn sein Urahn dereinst aus dem Kongo als Gemahlin entführte.

Seien wir ehrlich, schon bei der ersten Lektüre dieser Geschichte wußte man, dass dies weit über Tarzans Familiengeschichte herausgeht, und der eine oder andere hat sich sicherlich gefragt, was Arthur Jermyns Urahn dazu bewog, eine Familie zu gründen. Nun weiß man es endlich: Das Gesicht mag vielleicht nicht so toll sein, aber was für eine Mörderfigur (und vielleicht hatte sie ja auch eine ansprende Persönlichkeit?)
.
Man sollte nicht so hart über andere urteilen. Ich meine, Michael Jackson durfte sich doch auch fortpflanzen, oder?

H.P.Lovecrafts Stories visualisiert by Richard Corben, © by Marvel Comics. 

Samstag, 26. Februar 2011

work progress

Seit Dezember im Rechner, und noch nicht abgeschlossen: Geschichten aus dem Lovecraft Country, oder wie Simon sagen würde, dem „Mythischen Massachusetts“. Als Hintergrundmaterial haben wir neben einigen Details zur Ortschaft Stotham, MA, auch noch eine mehr oder weniger komplette Geschichte der Weird Fiction im Lovecraft-Universum, vor allem des Magazines „Whispers“ erarbeitet, in dem so Große wie Philip Hastane und Randolph Carter veröffentlichten.

In Arbeit:

„Die Sekte der Unsichtbaren“ (Arbeitstitel): Worin ein streng der Logik verpflichteter Misanthrop sich endlich von den Beschränkungen der Wirklichkeit befreien kann und in die vierdimensionale Welt entflieht, oder auch direkt in das Chaos, auf dessen schwarzem Thron Azathot herrscht. Oder etwas Ähnliches. Enthält Material aus „Diana“, aber auch aus den Recherchen zu Hexen in Lovecrafts Erzählungen.

„Schwarzer Freitag“ (Arbeitstitel): Worin ein Bücherfreund und Sammler von Weird Fiction auf einen der letzten Überlebenden von „Whispers“ trifft, einen Maler, der nicht nur nach lebenden Modellen malt, sondern vielleicht auch das eine oder andere Modell ins Leben gemalt hat. Enthält einen Haufen Anspielungen und Details zu Autoren und Lokalkolorit aus den Mythos-Erzählungen.

„Hexenlicht“ / „Hexen im Traumhaus“: Bereits erwähnt, eine umfangreichere Novelle, in der Inkarnation und Re-inkarnation eine Rolle spielen wird. Außerdem die Wahrheit über edgar Allan Poes „Schwarze Katze“ (die wir auch mit veröffentlichen werden, wenn das Ding endlich fertig wird.) Enthält viel Lokalkolorit, Zitate und ähnliches, vor allem auch Recherchen zu Hexen in Lovecrafts Erzählungen.

Montag, 21. Februar 2011

Weird Fiction Ill-ustrated [3]

Nichts hat sich in den vergangenen Jahren unter den Blogreinträgen von NEMED HOUSE so großer Beliebtheit erfreut wie Richard Corbens Werwolf bzw. das dickbusige Mädchen, dass dieser gleich verschlingen wird. Ein treuer Korrespondent hat mich darauf hingewiesen, dass ich besagtem Corben schon einmal auch einen weiteren Eintrag gewidmet habe, nämlich zu seinen Adaptionen von Geschichten des unvergesslichen Clark Ashton Smith. Dass Mr. Corben trotz fortgeschrittenen Alters immer noch vital daherkommt, hat in den letzten Jahren auch schon seine Mitarbeit an den Fortsetzungen der Hellboy-Reihe gezeigt. Das ist aber noch nicht alles, unlängst flatterten mir einige Hefte des Marvel-Verlages auf den Schreibtisch, von einem treuen Freund der Trashbox des Comichändlers unseres Unvertrauens abgerungen. Der vielsagende Titel: "H.P. Lovecrafts Haunt of Horror", illustriert von Richard Corben.

Die in den Heften vorgestellten Adaptionen sind klar den Originalgeschichten von Lovecraft nachempfunden (zur Sicherheit werden sie sogar teilweise nachgedruckt, um dem Leser den vergleich zu erleichtern - eine nette Geste in Zeiten des kollektiven Analphabetentums...), dennoch schwingt in den Illustrationen auch immer etwas eigenes, Fremdartigeres mit...


Schon bei der Lektüre des ersten Heftes wird klar, dass man sich hier weniger kognitive Dissonanz als vielleicht eine praeterhumane Geschlechtskrankheit zuziehen wird... Richard Corben kann in keiner seiner Adaptionen seine lebenslange Faszination mit dem Fleischlichen verleugnen, was den geschlechtslosen, klinischen Strukturen von H.P.Lovecraft eine ganz andere, fast unangemessene Morbidität á la Clive Barker verleiht. Es ist eine Sache, dass Corben seine Adaption von "Dagon" versaut, indem er statt Fischmenschen gleich den Großen Cthulhu in Szene setzt... die Geschichte "The Scar" jedoch ist noch unangenehmer. Tatsächlich weiß man nicht so genau, was es da ist, was in den Wäldern spukt... Baummenschen? Kannibalistische Ents? Die Fungi vom Yuggoth? Aber seht selbst:


Die Mistviecher haben Titten!

"Dagon" und "Yuggoth" visualisiert by Richard Corben, © by Marvel Comics.

Dienstag, 15. Februar 2011

Links 2011-02-15

Linkdump zu verschiedenen Themen. Wie klingt das? Technisch genug, Simon?

MoneyBrainBooks (aus Texas!): "MonkeyBrain Books is an independent press specializing in science fiction and fantasy fiction and nonfiction genre studies." Robert E. Howard! Wold Newton! Michael Moorcock! Oder vielleicht doch nur ein T-Shirt mit Affenhirn auf Eis?

via Fantastic Metropolis: "Queen of the Martian Mysteries", Nachruf und Würdigung der großartigen (und unvergessenen) Leigh Brackett aus der Feder von Michael Moorcock. (Aber warum nur, warum, würdigt keiner ihren Ehemann? Hat er uns nicht Captain Future geschenkt?)

zur weiteren Info via Wikipedia: "Fictional planets of the Solar System", und hier dem Link folgen zu Leigh Bracketts Sonnensystem. Ja, sie hat ein eigenes!

Ebenfalls via Wikipedia: die Inventio Fortunata, oder glückliche Entdeckung des Nordpoles (der natürlich ein Magnetberg ist, umgeben von einem Mahlstrom und vier Kontinenten...) Urquelle sowohl phantastischer Erzählungen als auch durchgeknallter Kosmologien...

zum Abschluss:
mal eine alte Pulpstory anlesen? Unter pulpgen.com findet man ziemlich viele (freie) Kurzgeschichten aus allen Genres. Downloadbar, Pdf-Format. Enjoy!

Donnerstag, 10. Februar 2011

Kirby Thorsday / Bonus


Die Kolonisierer vom Rigel aus "The Mighty Thor" No.132
"Thor" und "Asgard" visualisiert by Jack Kirby, © by Marvel Comics.

Kirby Thorsday


Irgendwann endet die Reise ins Mysterium, und geht über in das komplett Phantastische. Götter gegen Außerirdische! Die Schwarze Galaxis! Der Lebende Planet! Zu diesem Zeitpunkt wurde die ursprüngliche Serie nach ihrem Helden umbenannt und hieß schlicht 'THOR'.
Ein Detail aus "The Mighty Thor" No.132
"Thor" und "Asgard" visualisiert by Jack Kirby, © by Marvel Comics.

Montag, 7. Februar 2011

Olympische Geister (ohne die Ringe)

# ARATRON præest prouinciis visibilibus XXXXIX. # BETHOR XXXII [XXXXII]. # PHALEG XXXV. # OCH XXVIII. # HAGITH XXI.# OPHIEL XIIII. # PHUL VII. 

What the F****? Ja, eigentlich ist es doch ganz einfach, wenn man einmal genau hinschaut. Oder: wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Vielleicht hätte der eine oder andere Zeremonialmagier der letzten hundert Jahre nicht das Arbatel der Magie angewidert in die Ecke gepfeffert, wenn er kurz nachgedacht hätte.
Olympic Spirits - Nick Farrell: "It seems that in looking at the names of the spirits, or becoming focused on their planetary nature we missed that by calling them Olympic, the Arbatel was implying they were the seven main Greek gods that dwelt on Mount Olympus."
Also, ich geh' dann mal und heb' es wieder auf.... *hüstel*

Sonntag, 6. Februar 2011

Sunday Pin-up


Und noch einmal Lord Odin, der das Kosmische Schiff der Götter auf sichere Reise schickt... aus "Journey into Mystery" No.120
"Thor" und "Asgard" visualisiert by Jack Kirby, © by Marvel Comics.

Mittwoch, 2. Februar 2011

R.I.P., Kenneth Grant

Und wieder ist einer der Helden unserer Jugend von uns gegangen.

via Starfire Publishing:
Kenneth Grant died on 15th January 2011 after a period of illness. Our condolences go first and foremost to his family, whose privacy is something which we all wish to respect at this difficult time.

Aber ist 'Held' das richtige Wort? Warum sollte uns das Ableben dieses zugegebenermassen doch eher esoterischen Autoren interessieren, von dem die meisten noch nie etwas gehört haben? Schauen wir in die Bibliographie von Mr. Grant, so ist diese karg, sinnverwirrend und voll absurden, phantasmagorischen Titeln: "The Nightside of Eden", "Beyond the Mauve Zone", "Hecate's Fountain" etc. Seine Prosa ist dicht, aber streckenweise unverständlich, selbst wenn sie sich nicht mit schwer wichtigen magischen Paradigmata befasst: Bereits Alan Moore hat darauf hingewiesen, dass es bei Grants Büchern nicht unbedingt um den Sinngehalt gehen mag, sondern um die düsterliche Wortmagie des Schreibers, der bei einem guten Schluck Whisky neue Dimensionen kreierte. Meeting God in exciting new ways, sozusagen. Und warum nicht in der Malvenfarbigen Zone, oder den Tunneln des Seth?

Warum nicht mal ein wenig esoterischer Voodoo der besonderen Art, oder lykanthropische Kablabla? Auf eine männliche Art, natürlich, Mr. Grant war nicht so für Uranus als höchstes Geheimnis seines Orientalischen Templer-Ordens. Happiness is a warm cunt... Grant war auch der erste, der Lovecraft als Propheten oder visionären Oneiromanten darstellte. Und Generationen aufstrebender pickelgesichtiger Magusse zogen los, die Originalausgabe des Necronomicons zu erstehen. Ja, Mann! Was meinste, wie ich geguckt hab, als im Headshop umme Ecke ein schwarzes Buch mit eben diesem Titel auftauchte... Und wahrscheinlich hätte sich nie jemand für die Werke von Austin Osman Spare interessiert, wenn Mr. Grant seine Vision nicht gepusht hätte. Zos Kia, irgendjemand da draußen?

Man mag vielleicht erahnen, dass diese Art von Neo-Gnostizismus, gewürzt mit eienr guten Prise UFO, LAM und Weird Fiction genau die Leute ansprechen wird, die auf der Suche nach etwas neuen, wunderbar und fremdartig sind. Man mag sicher sein, dass es vielelicht nicht wirklich so aussieht, wie Mr. Grant schilderte, und während seiner Logensitzungen wurde wahrscheinlich vielleicht doch nicht eine fischäugige Akolythin von den Tentakeln eines Großen Alten verschlungen. (Der Geruch des Bösen...)

Man mag auch über seine Hühnerkabbalah lächeln, die immer das ergibt, was sie ergeben soll (tun sie das nicht alle?), über seine Volksetymologie und seine Liebe zu abseitigen ethnologsichen oder esoterischen Theorien, die schon in seiner Jungend ad absurdum geführt wurden. Aber dennoch, eine ungewisse, kranke Faszination bleibt - der gute Mann kannte Crowley, oder? In den 50er Jahren gab es wohl sowenig in der Richtung, dass selbst die olle Fraternitas Grants Manifesto seines Nu-Isis Neo-OTO veröffentlichte - in einer grausamen Übersetzung, die ebenso verworren herüberkommt wie die Offenbarungen der transyuggothischen Entitäten, mit denen Mr. Grant jonglierte.

Mhhhmmm, transyuggothisch...

Wer ein solches Wort erfinden kann, kann nicht schlecht gewesen sein, oder? Es lohnt sich tatsächlich, auch einen Blick auf Kennth Grants erzählende Prosa zu werfen, die unzweifelhaft in der literarischen Tradition der Weird Fiction steht, genau genommen sogar mit einem Fuß (oder Tentakel) in der großartigen Tradition der unheimlichen Geschichte der viktorianischen Autoren. Mixen wir dazu noch Grants eigene Liebe zu abseitigen ethnologsichen oder esoterischen Theorien, die schon in seiner Jungend ad absurdum geführt wurden, und wir haben eine unterhaltsame Mischung, in der das factoide mit dem fiktiven Hand in Hand im malvenfarbigen Licht eines Universums nebenan entschwindet.

Geht spielen, Kinder. Geht spielen.

Aufwachen!

Einer von damals...