Sonntag, 12. Juni 2016

3rd Mind :: Keine Fahne, kein Signet, kein Gesicht

Das Verlagssignet in Kurzfassung: Ein Erkennungszeichen, auf dem Titel und vorzugsweise auch auf dem Buchrücken angebracht. Ein Kennzeichen der publizistischen und ästhetischen Einheit der Produkte. Im besten Fall das Siegel und der Abschluss auf einem gestalterischen Konzept, dem auch die Typographie und weitere Gestaltung aller Titel unterliegen.

Ein Gegenbeispiel zu einem Eintrag der letzten Zeit. Während der als Entität fast vergessene Zauberkreis-Verlag mit einem schlichten, grotesken und deswegen so effektiven Design eine starke Identität aufbauen konnte, die seine Produkte von denen anderer Groschenhefte der damaligen Zeit abhob, hier ein Beispiel einer noch früheren Zeit, als man im dumpfen Design der Nachkriegszeit überhaupt keine Identität aufbauen konnte. Aus dem Archiv "German Pulp" (geerbt von meinem Vater zusammen mit noch eigenartigeren Relikten):



Hier haben wir überhaupt nichts, was hervorragt. nichts marktschreierisches. Nichts, was das Auge fesselt und den 3rd Mind inspiriert. Ebenso steif wie die Anatomie und Mimik der Protagonisten das Layout - der Romantitel ist bewegter und somit auch interessanter als der Titel der Reihe. nichts, das darauf hinweist, wer oder was dies hervorgebracht hat. Ein Blick ins Impressum verrät, 1955 im Uta-Verlag erschienen - einem von vielen Kleinverlagen, die später in einem der größeren Konglomerate aufgingen. Es gibt wenig, was mich anregt, diese Hefte zu lesen - eigentlich schade, so übel müssen sie gar nicht sein, wenn sie über 60 Jahre überlebt haben. Aber...

...sie schreien halt nicht nach Aufmerksamkeit.

Tom Prox - zusammen mit Billy Jenkins im gleichen Verlag - muss zur Zeit meines Vaters eine große Nummer gewesen sein, die Einzelhefte bringen jetzt noch ab 13 Euro im freien Handel, aber in der visuellen Sprache hat er keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Freitag, 10. Juni 2016

Werkstattbericht 2016-06-10



Herzliche Grüße von der Nordseeküste, aus den mythischen Gefilden von Zollern am Meer, nur kurz hinter dem Blanken Hans, einen Gruß weit entfernt von den Sieben Seelanden, wo man lieber tot ist als ein Sklav' und immer noch das hochherrschaftliche Wappen des Jungfrauenadlers zu finden ist. Es ist wahr! Meine Freunde, die Friesen, sind die wahren Söhne der Harpyie. Diesem Symbol für den Nordwind jedoch die stattliche Oberweite zu zensieren, ist eine moderne Idee, oder wie Nietzsche sagen würde, eine falsche Idee. Das ist doch mal ein unglaublich prätentiöser Anfang für etwas ganz Unprätentiöses:
Der wöchentliche Statusupdate.



Abgeschlossen:
Die Litaneien des Untergangs (5.400 Wörter) , Kurzgeschichte aus der Arullu-Serie, eine komplett umgearbeitete und erweiterte Neufassung der 3. Geschichte aus dieser Serie, die je geschrieben wurde [1984]. Etwas komplexer und stylisierter, als eigentlich geplant war. Das Geschnitze am Satzbau hat dabei mindestens genauso viel Material abgeworfen, die anderen Verwendungszwecken zugeführt werden können - die Bonus-Tracks dieser Single. Außerdem: Easter Eggs. Für den, der sie finden kann.
Haben sich die 32 Jahre Redaktion gelohnt? Man wird sehen.
Eine Zwischenversion des Anfanges findet der geduldige Leser HIER.

Bonus-Track:
"Es heißt, für die Zauberer von Arullu, diesem letzten Kontinent der Menschheit, haben die Hölle und selbst der Himmel ihren Schrecken verloren. Sie haben sich alle Geister des Firmamentes und der Elemente, auf der Erde und unter der Erde, untertan gemacht, und verachten die Götter der Menschen. Denn sie wissen, dass selbst der mächtigste unter ihnen nur ein Staubkorn in der Unendlichkeit des Universums ist; so wie die sterbende Erde, die sie bewohnen – ein kurzer Missklang in der ewigen Harmonie der Sphären, der noch vor der letzten Kadenz verklingen wird. Zu fürchten, so heißt es bei ihnen, sei nur die Furcht selbst, denn Furcht ist Versagen, wie es ihr heiligstes Buch lehrt.
Demjenigen, der keine Furcht kennt, sind keine Grenzen gesetzt, und so sind jene Hexer von Arullu vielleicht die mächtigsten Zauberer, die der Planet Erde je gekannt hat. Die eher zahmen Lehren ihrer Ahnen und Meister haben sie überwunden und wirken eine fremdartige Magie, die sie den Intelligenzen der bleichen Monde des Saturn abgerungen haben. Grimoires von den Leichen toter Welten benutzen sie, eine Million Jahre alt und für die Sinnesorgane des materiellen Universums nicht wahrnehmbar, und Zaubersprüche aus gefalteten Dimensionen, mit denen man erschreckende Perspektiven der Wirklichkeit bereisen konnte, die gewöhnliche Seelen in den Wahnsinn treiben würden – das Unmögliche ist ihnen längst gewöhnlich geworden, und da ist kein Gesetz mehr. Mitleidlos haben sie es überschrieben, die mächtigen Zauberer; sie bewerten nichts, und sind sich nur noch selbst gerecht."




Auf dem Schreibtisch:
(...tatsächlich seit unserem Umzug...)
(...und eigentlich unter dem Schreibtisch...)
German Pulp... das was man früher Groschenhefte nannte. Eine stattliche Sammlung, im Laufe der Zeit wegen Platzgründen extrem zusammengeschmolzen. Aber einiges wirft man einfach nicht weg. Hölle, die Mythor-Serie bewahre ich schon seit Jahrzehnten in eigenen Schmuckkästlein auf.
Alte Hefte von der besten Ehefrau von allen...
Und ganz alte Hefte von meinem Vater. Der hat wohl auch als junger Mensch eine leichte Vorliebe für Trash gehabt.
Tempus fugit, aber nicht ganz.



Soundtreck des Tages:
Highway 61 Revisited [Vinyl LP]
Und heute Abend krame ich mal in den ganzen CDs von Musikern, die es nie in den öffentlichen Handel geschafft haben.
So richtig independent. Was bin ich für ein Schelm.

Donnerstag, 9. Juni 2016

Wieder einmal die Stimme des Feuers

"When thou shalt behold that holy and formless Fire shining flashingly through the depths of the Universe: Hear thou the Voice of Fire."
....und wieder einmal die Chaldäischen Orakel

Freitag, 3. Juni 2016

Werkstattbericht 2016-06-03




Herzliche Grüße von der Nordseeküste, aus den mythischen Gefilden von Zollern am Meer, wo das Wetter innerhalb von wenigen Tagen (oder Stunden) immer wieder neue interessante Einblicke in den Klimawandel offenbart. Zu meinem Geburtstag hat es noch geschneit, momentan stehen große Teile des Niederrheins unter Wasser und schwimmen davon, während man in meinem Studio am besten nur Bermudashorts tragen sollte, und man sich überlegen könnte, ob man sich einen eigenen Sandstrand für später in der Nacht zulegen sollte. Der Friese an sich bevorzugt herbes Bier, aber von der Stimmung her sieht es momentan eher aus nach bunten Getränken mit merkwürdigen Schirmchen.
Ah, Tempus fugit!
(Nehmen wir das als Wort des Tages. Ein Five-Letter-Word, das man mal so zwischen durch mit Verve und Ironie einwerfen kann, Dude...)



Sinnloses Trivia des Tages:
Habe heute morgen zum Wachwerden eine Binderune entworfen und aus ihr das (erste) Runen-Vévè gemacht.
Demnächst auf diesem Kanal: Anglo-friesisches Runen-Voodoo!
Nimm das, Flowers!



Revolution!
Zitat des Tages.
"Our computers rock harder than yours."

So wie sich das Wetter wandelt und die Zeit verfliegt, verfliegen auch die Termine und sind voller Wandel und Schrecken. Ende April saß ich noch mit einem eiskalten Caipirinha in der Küche und tat so, als ob ich mit der besten Gastautorin aller Zeiten eine Nemed House-Redaktionssitzung zelebriere, und kurz danach habe ich schon das volle Manuskript auf dem Tisch. Die Flasche Caipirinha ist immer noch halbvoll, das werde ich wohl erst heute ändern.
Wie Warren Ellis bin ich inzwischen dazu übergegangen, allen Projekten Codenamen zuzuordnen, wie beim Militär oder Geheimdienst, vor allem auch, weil man sich selbst ja auch mal überraschen will, aus welcher dunklen Gasse das nächste Meisterwerk herausspaziert.



Momentan auf meinem Schreibtisch:
Außer den anderen verdächtigen... (ich muss mal meine Karteikärtchen sortieren...)
Projekt "Belle du jour" - eine Anthologie, die wir vor einiger Zeit einfach mal so als eBook raushauen wollten, das aber langsam anfängt, nach immer mehr Gehirn und Umfang zu stöhnen, so wie ein Zombie in einer Modelshow. - momentan in Redaktion.
Projekt "Jungfrauenadler" - was ganz bizarres, das aber in unglaublich kurzer Zeit die Vorbereitungszeit hinter sich gelassen hat und bereits die Flügel spreizt.

(Ehrlich gesagt klingt dies alles vage bedrohlich und bedrohlich vage. Ob solche konspirativen Ankündigungen von echten Terroristen auch zusammengetippt werden...?  Der Fachmann wundert sich...)

Projekt "Lahmfinger" - ist genau das, nach was es aussieht. Der stete Kampf des Künstlers gegen den Perfektionismus. Logophobie, Hebephrenie, die neueste Single von Black Sabbath. Manchmal haste echt lahme Finger. Du solltest den Rest der halben Flasche Caipirinha schlörfen.
Ja, Meister.
Arullu wartet, und die malvenfarbene Zone.



Soundtreck des Tages:
Sun God: "Erzulie" (wegen dem hervorragenden Refrain an Yemaya).
Kein Link, kein Video - kaufen, ihr Nasen.

Majik! Majik!






Sonntag, 29. Mai 2016

3rd Mind :: Die Fahnen hoch (3)

Das Verlagssignet in Kurzfassung: Ein Erkennungszeichen, auf dem Titel und vorzugsweise auch auf dem Buchrücken angebracht. Ein Kennzeichen der publizistischen und ästhetischen Einheit der Produkte. Im besten Fall das Siegel und der Abschluss auf einem gestalterischen Konzept, dem auch die Typographie und weitere Gestaltung aller Titel unterliegen.

Auch wenn die Befassung mit diesem Thema schon ein paar Tage zurückliegt, haben wir hier noch ein weiteres Beispiel, das in seiner Schlichtheit vielleicht umso überzeugender ist. Die bisherigen Ausschnitte aus dem Archiv (Thema: Deutscher Pulp) sind bislang unkommentiert geblieben, aber tatsächlich sind es nicht die grotesken Titelbilder, die den Leser damals angezogen haben, sondern die brutalstmögliche Typographie der 70 Jahre, die bereits von weitem den Inhalt des Drehregals outete.

Das ist doch mal eindeutig. Selbst wenn man nicht wusste, was es war, man wusste schon auf 30 Meter Entfernung, worauf man sich einließ. Kein Titelbild konnte so grotesk sein wie die Typographie, oder sagen wir mal: der Trade Dress. Der designerische Baseballschläger des Zauberkreis-Verlages ist kaum zu übertreffen, und dies ist durchaus als Kompliment zu nehmen. Nicht schön, aber effektiv. Unverkennbar. Das literarische Death Metal der 70er Jahre. Nimm das, Schlaghose!

Geradezu verspielt nimmt sich dabei das Verlagssignet. Ein Kreis mit Krone, ein gekröntes 'Z'. Vielleicht ein magisches Siegel? Hier tritt tatsächlich die Serie, der Autor, der Held hinter dem Trade Dress des Verlages zurück. Ob es wirklich eine real existierende Person mit dem Namen 'Dan Shocker' gibt, ist hier tatsächlich nebensächlich. Ein interessantes Paralleluniversum, in dem Feinheiten des Stils sich einer unbändigen, wenn auch etwas groben Schöpfungskraft unterordnen müssen.


Verlagssignets (TM) und (C) by ihren jeweiligen Eignern