Freitag, 19. Dezember 2014

Die Zukunft, rückwärtsgewandt


All die alten Leute sehen Gespenster:
In der Menge, im Gemenge -
die Ruinen ihrer Erinnerungen
     (Peinliche Photographien,
     Kodak, Super-8, verwackelt,
     degenerierte Pixel -
     Bikini oder Bombe?
     Undeutbar, ein Rätsel,
     gefroren im Anflug.)

All die alten Leute sehen Gespenster:
Sie träumen von ihren armseligen Kriegen,
der Revolution die es nicht gab
& dem Frieden, der nie kam.
Es ist immer noch 1984.

All die alten Leute sehen Gespenster:
jeden Morgen unten auf der Straße stehen
& wenn sie in den Spiegel sehen.
Die Toten, die Lebenden, ungeboren?
Bikini oder Bombe?
Wie kalt war der Krieg?
Wie heiss das Leben?
"Weisst Du noch ---?"

Das Bild hakt,
man kann es nicht deuten.
Es verblasst.
Und das Leben
mit ihm.

Samstag, 13. Dezember 2014

Cthulhu Ill-ustrated [2]

Darkwing Duck #12, Mai 2011, von Ian Brill und James Silvani


Ein Multiversum des Schreckens - eine beruhigende Idee, nciht wahr?

Egal, wo Du Dich hinwendest, sie sind bereits da.
Du kannst rennen, aber Dich nicht verstecken, in der Nacht gibt es viele Schrecken, die sie... ähem... durchflattern.

Selbst in Entenhausen hausen Enten, die die Großen Alten verehren... den mächtigen Duckthulhu... und dies ist keine Fanfiction, sondern Teil der regulären Kontinuität. Darkwing Duck als Cartoon war ein Spinn-off der unterschätzten DuckTales, sein Sidekick der Privatpilot von Scrooge McDuck (im deutschsprachigen Raum Dagobert Ohne-Mc Duck). Gab es da nicht auch mal eine Robocop-Ente?

Das Disney-Universum ist - wie schon immer vermutet - ein viel dunklerer Ort, als man es uns allgemein glauben macht. Duckthulhu erhebt sich ... wie bereits erwähnt.




Veröffentlicht von Kaboom! Studio, (c) Disney Enterprises

Happy Wold Newton Day!

Alles Gute zum Gedenken
an das mythische Gründungsdatum
des besten Universums nebenan!
Excelsior!

Freitag, 12. Dezember 2014

Cthulhu Ill-ustrated [1]

Darkwing Duck #11, April 2011, von Ian Brill und James Silvani


Zu den erstaunlichsten Eigenschaften der Cthulhu-Meme, auch kurz "Mythos" genannt, gehört ihre polymorphe Anpassungsfähigkeit. Und das ist auch der Grund, warum man sich vielleicht inzwischen schwertut, der ganzen Sache etwas Neues abzugewinnen. Selbst ein Perspektivewechsel hilft da wenig - des kosmsiche Schrecken ist inzwischen im  Mainstream angekommen und somit seine unverwechselbare Qualität, das intelektuelle Unbehagen, verloren. Cthulhupunk oder Tentakelporno, irgendwo war immer schon ein Shoggoth, selbst bei South Park. In den Universen von Marvel, DC, selbst Dr. Who, die Großen Alten haben sich in alle Winkel des Multiversums vermehrt.

Es ist nicht mehr eine Welt des Cthulhu, wie man sie in den 30ern erdachte, sondern inzwischen eine fast unbeschränkte Vielfalt an cthulhoiden Welten.

Im Grunde ist es dann nicht verwunderlich, wenn auch das Disney-Universum beginnt, die Meme zu assimilieren. Mit allen anderen hat es das auch gemacht oder erfolgreich die Originale aufgefressen und nur noch Übererste wieder ausgespien. Es ist vielleicht sogar eine eher ehrenwerte Art der Homage, wenn der Schrecken, der die Nacht durchflattert - selbst eine Homage an den alten Pulp-Helden The Shadow - gegen einen anderen Schrecken, der den Pulps entsprungen ist, antritt...
Duckthulhu erhebt sich!




Veröffentlicht von Kaboom! Studio, (c) Disney Enterprises

Sonntag, 23. November 2014

Dailyblog

Herbstzeit ist Idiotenzeit. Oder - um gerecht zu sein - die Herbstluft und der Geruch des fallenden Laubes, die Herbsttürme und das elegische Knurren der Zuggänse locken den Schmerz und die Unvernunft des ganzen Jahres hervor. Völlig überarbeitet, angefressen und müde liege ich auf der Couch und sehe meiner Frau, dem Hund und der Katze zu, wie sie geschwächt vom täglichen Allerlei es nicht schaffen, umzuschalten und stattdessen "Die Bergretter" ansehen. So tief sind die Mächtigen gefallen. Auf dem Klo finde ich eine dieser typischen Zeitungen, die Menschen nur lesen, wenn sie sich wirklich mies, müde oder krank fühlen.

Die neue Bandwurmdiät... die Reichen und Siechen... backen zur Adventszeit... holla, was ist das? Der obligatorische anbiedernde editoriale Artikel? in welche Kerbe schlägt der unterbezahlte Journalist in seiner Wut, nur noch in einer Postille im untersten Farbton der Regenbogenpresse veröffentlichen zu dürfen, denn heute mal?

"Warum der Kunde nicht mehr König ist"? - war er das mal? Das muss ich lesen. Achso, der Kunde muss sich teilweise ums eine Sachen selber kümmern oder mal beim Servicecenter anrufen. Schrecklich.

Lieber Autor: Schreibe nie Callcenter, es geht nicht um den Call, der abgesetzt wird, sondern um den Service, den der Anrufende bekommt. "Service" ist tatsächlich ein Fremdwort, aus dem Englischen und basiert auf einem alten lateinischen Wort. Die beste Übersetzung ist hier Dienst oder Dienstleistung. Früher gab es den Wehrdienst, heute ist es der Dienst am Kunden. Das muss keiner mögen, aber ohne geht es nicht.

Und auch hier gilt: Höflichkeit regiert die Welt. Selbst ein geistig unterbemittelter Servicemitarbeiter ist ein menschliches Wesen, das eher bereit ist, mehr zu geben oder auch mal über seinen Schatten zu springen, wenn man ihn als solches behandelt und nicht nur als Hindernis, das es aus dem Weg zu räumen gilt.

Menschen als Gegenstände zu behandeln ist übrigens das Merkmal eines Soziopathen, meinetwegen auch einer degenerierten inzestuösen Aristokratie, die der Meinung ist, in ihren Adern fliesse anderes Blut als in denen des Pöbels, der ihnen ihr gottgegebenes Recht, ein Arschloch zu sein, strittig macht. Es macht irgendwie schon Sinn, dass wir in einer Demokratie leben und nicht in einer Monarchie, oder?

Samstag, 8. November 2014

Dailyblog

SATOR AREPO TENET OPERA ROTAS... Der Sämann Arepo hält mit Mühe die Räder... Es ist Herbst geworden, Erntezeit, und wieder vergangen. Das Laub ist golden und rot, Nüsse und Äpfel liegen in frostigem Gras, ein kühler Wind von Nord-Nord-Ost ist aufgekommen...

Ich frage mich manchmal, wer dieser Arepo sein soll, so dunkel und geheimnisvoll, der alle Werke beurteilen soll. Ist er wirklich nur der Sämann oder auch der Schnitter, der die Ernte einholt? Dies ist natürlich nichts anderes als eine Meditation über den Verfall gesitiger Werte, ein hervorragendes Thema, wenn der Herbstwind das rostrote Laub am Fenster vorbeiträgt. Das Haus, in dem ich wohne, ist über hundert Jahre alt, draußen vor dem Fenster springt ein schwarzes Eichhörnchen durch das Gras, beobachtet von zwei Krähen.

Wenn wir jedes Phänomen als direkte Kommunikation unseres Unbewußten/"der Götter" oder der Verborgenen Variablen, die diese Wirklichkeit definiert, interpretieren, dann ist auch dieser Herbst wieder ein Zeichen zur Einkehr, der inneren wie äußeren - und der Ernte. und mancher Baum, der jetzt verwelkt, wird den Frühling nicht erleben.

Montag, 3. November 2014

30 Jahre SF



1984 war nicht das erste Jahr, in dem ich geschrieben habe. Es war nur das erste Jahr, in dem ich den Planeten Arullu (Die Sterbende Erde) besucht habe. Wenn ich in meinem Katalog blättere, dem Verzeichnis aller bisher geschriebenen Texte, finde ich einige Ideen, Texte, Bruchstücke, die verloren gegangen sind, und auch einiges, das auf den Festplatten oder auch noch in Papierform seit bis zu 30 Jahren darauf wartet neu- oder erstveröffentlicht zu werden. Einiges davon ohne Prequel oder Sequel, ohne Serienbezug, eigenwillige Artefakte und Unikate, die weder zueinander noch zu anderen Werken passen. Die satanische Neuinterpretation von Mittelerde! Ein semiotischer Gangbang im Wunderland! Die Kröten tanzen!
One Hit Wonder... Singles... Wenn ich mich umschaue, habe ich bei dem einen oder anderen Stück versucht, etwas größeres daraus zu machen, oder das Material einem anderen Autoren unterzujubeln. Aber wer weiß, vielleicht macht das ja doch noch alles Sinn, und ich kann demnächst doch noch die Ernte von 30 Jahren Spekulativer Fiktion einfahren... Bringt eure Toten...