Sonntag, 31. Juli 2005

SHOCK!

Eigentlich wollten wir ja Urlaub machen ---
-- aber nun ist unser Sohn ohne Vorwarnung ins Krankenhaus eingeliefert worden!!!
Im Urlaub! Ins Krankenhaus! Und keiner weiß nichts Genaues.
Die beste Ehefrau von allen ist sofort hingefahren, und ich halte hier die Stellung. Super.
Ich giere also die ganze Zeit aufs Telefon und führe ab und zu sinnvolle Gespräche wie:

    "Hier ist der Vater von Alexander, könneten Sie mir bitte sagen, wie es meinem Sohn nun geht."
    "Also, übers Telefon geben wir gewöhnlich keine Auskunft. Woher soll ich wissen, ob Sie wirklich der Vater sind?"

    "Bitte? heute morgen und heute mittag war das aber kein Problem."

(Was hätte ich sonst sagen sollen? "Ob ich wirklich der Vater bin? Tja, Schwester, ich fürchte, es wird etwas schwierig übers Telefon einen DNA-Test zu machen!"
Aber die Schwester wußte auch genau zu unterscheiden zwischen "Ihre Ehefrau" und "die Kindsmutter". Leute, vergesst mal Amtsdeutsch und lernt Menschlich sprechen.)

Freitag, 29. Juli 2005

Geschichten aus der Gruft [5] Eine Seite Appetitanregung

Und hier der versprochene andere One-Pager aus dem Jahre 1985: Kurz und knapp, mit dem sardonischen Humor zu geniessen, der viele solche Werke auszeichnet.
Kein Vier-Gänge-Menü, eher ein Cheeseburger für zwischendurch.
In diesem Sinne: Guten Appetit!


DIE ERBSCHAFT

Tief unter der Erde saß der große ZOPPO, und langweilte sich mit der wenigen Vehemenz, den die kleine Knolle, hervorbringen konnte, die sein Gehirn darstellte und sich irgendwo in seinem gewaltigen Körper verlor. ZOPPO unter der Erde wartete auf sein Herrchen oder das Essen, das ER ihm versprochen hatte, damals, bevor er ging.
* * *

"Der alte Geizkragen muß wohl vollkommen verblödet gewesen sein!"
Ralf nickte seinem Cousin zu. "Stimmt. Er hatte ein Rad ab. Erst jagt er uns durch Wald und Flur, immer schön der Karte nach, die er in seinem verfluchten Testament darlegte, und jetzt, am Ziel: Nix! Unsere Erbschaft! Ha! Der Alte war der größte Schwindler aller Zeiten!"
Tante Klara spuckte verärgert auf den lehmigen Boden der Höhle. "Er war schon als Kind so heimtückisch. Ich weiß noch genau..."
"Das interessiert mich 'nen Dreck. Ich will endlich meine Piepen!" Heribert, der Dicke lief langsam rot an.
Ralf lächelte. "Ich weiß gar nicht, was Du Dich aufregst. Schließlich stand in seinem Testament nur, wir sollen uns in diese Höhle begeben und den zweiten Umschlag öffnen. Von Piepen, die hier verbuddelt sind, stand gar nix."
"Klugscheißer", grollte der alte Johann und paffte ungeduldig auf seiner Maiskolbenpfeife. "Der Alte hat viel Geld gehabt - es müßte ja mit dem Teufel zugehen, wenn er alles in seine blöden Bücher und die idiotischen Studien gesteckt hätte..."
Heribert hustete. "So schleimig wie in einem Ochsenmaul", fluchte er und spuckte gegen die fast fleischig wirkende, von Schleim und Algen beschmierte Wand. "Was hat der Alte denn eigentlich getrieben?"
"Ach", grunzte Adalbert. "'Son Scheiß. Schleim in Retorten. Er nuschelte immer, er könne eine Knolle von gewaltiger Größe erschaffen. Hielt sich wohl für Gott. Meinte, er könne ein Maul mit genug Intelligenz zum Zuschnappen erschaffen."
"Was soll das heißen?"
"Irgendso'ne Idiotie. Hat zuviel Gelesen. War sowieso senil, der Alte."
"Egal. Wir wollen ja nix von IHM, wir wollen seine Penunse."
"Es ist Zeit, den Umschlag zu öffnen, Ralf. Mach schon!"
Ralf zerrte den Briefumschlag hervor und riß ihn hastig auf. Er las und runzelte die Stirn.
Er spuckte aus und las laut vor: LIEBE MEISTGEHASSTE VERWANDTEN! SO WEIT ICH ES MIR VORSTELLEN KANN, STEHT IHR JETZT IN DER BESAGTEN HÖHLE, FLUCHT ÜBER DEN ORT UND GEIERT AUF DIE ERBSCHAFT - DAS VIELE GELD, DAS ICH, DER VERRÜCKTE, DER SENILE, DER ALTE DURCHGEBRACHT HABE. ICH MUSS EUCH SEHR ENTTÄUSCHEN: ES GIBT KEINE SOLCHE...
"Dieses Sehwein!", kreischte Tante Klara, "schon als Kind war er so..."
"Halt's Maul, Alte", brüllte Johann.
ICH HABE ALLES FÜR MEINE STUDIEN UND DIE WISSENSCHAFTLICHEN VERSUCHE AUSGEGEBEN. UND ICH HABE MIR UND DER NACHWELT BEWIESEN, DAS ICH RECHT HATTE! ICH HABE EINE 'KNOLLE' ERSCHAFFEN, EIN MAUL, SCHLAU GENUG, ZUZUSCHNAPPEN. SEIN NAME IST ZOPPO. GRÜSST IHN VON MIR...
"Das ist alles" murmelte Ralf verwirrt und brüllte dann voller Wut auf: "Dieses Schwein! Dieses dreimalverfluchte Schwein!"
"Wir müssen sofort zurück in die Stadt. Das muß ein Irrtum sein!" Tante Klara keifte schrill auf ihren Bruder und rutschte auf den Höhleneingang zu.
Sie stockte.
"Warum wird es so dunkel? Warum wird es so dunkel? WARUM VERSCHLIESST SICH DER HÖHLENEINGANG?"
* * *

ZOPPO hatte sein Fressen gefunden, so wie es ihm sein Herrchen versprochen hatte, bevor er gegangen war.
ZOPPO schloß sein Maul und begann zu kauen...

Geschichten aus der Gruft [4] Einseitiges Vergnügen

In den guten alten Zeiten, als es soetwas wie DTP und Satzprogramme noch nicht gab, hatte man nicht viele Möglichkeiten, die erforderliche Seitenzahl zusammen zu kriegen, wenn die Hauptstory zu kurz war.

Sicher, ein paar Illustrationen halfen, aber die kosteten Geld. Und irgendwann waren auch alle möglichen Werbepartner erschöpft. Was also machen, wenn einem eine Seite fehlt? Man schreibt schnell noch eine Story, um die Seiten vollzukriegen!

Ein kurzer kreativer Erguß – nicht zuviel natürlich, damit alles auf eine Seite paßt! Dieses Tricks bedienten sich die Redaktionen so verdienstvoller Publikationen wie den "Blutigen Pulps" der 30er und den "Blutigen Comics" der 50er recht erfolgreich. Man könnte es schon fast ein Genre nennen – der arg begrenzte Platz gibt die Form vor. Kann man große literarische Wunder erwarten? Nein! Höchstens, daß die Seite mit einer Pointe endet. Meistens eine ironische. Kein Wunder also, daß sich diese Geschichten alle irgendwie ein wenig ähneln.

Ungefähr so ähnlich sollte der geneigte Leser auch den nachfolgenden One-Pager aus dem Jahre 1985 betrachten: Kein großes literarisches Wunder, endet mit einer Pointe, die auch kein großes Wunder ist – und man kriegt die Seiten voll. Wie bereits angekündigt, vollkommen unverändert (d.h. es ist nicht besser geworden), außer daß in dem Text jetzt Absätze gemacht wurden. Puh.



DER FORSCHER


Mein Name tut nichts zur Sache.

Aber das wichtige ist, daß ICH es war, der die GROSSE ENTDECKUNG machte.

Sicher, es klingt seltsam, wenn ich selbst es sage, aber niemand anderes hätte das Genie gehabt, das man brauchte, um diese wohl die Geschichte verändernde Entdeckung zu machen.

Nur ein Genie wie ich, mit der Hirnkapazität einer ganzen Universität, hätte ein solches Projekt überhaupt nur erahnen können.

Über den Aufbau der Apparatur will ich hier nichts verraten, denn Neider und Narren gibt es überall, und die Menschen hier sind sehr unfreundlich zu mir, denn ihre Spießergeister können nicht das Genie ermessen, das in meiner Entdeckung und in meinen Enthüllungen verborgen liegt.

Es geschah am 21.5. des Jahres 1939, als ich endlich meine GROSSE ENTDECKUNG in Betrieb nahm und mir den Mentalwellenprojektor über den Kopf stülpte und auf die Reise in ferne, zukünftige Gefilde ging. Schlicht gesagt funktioniert meine geniale Erfindung so: Der Geist des Zeitreisenden wird in das Unterbewusstsein eines anderen Wesens projiziert, das nicht einmal der gleichen Zeitstufe angehören muß.

Denn ich entdeckte, daß alle Bewusstseine auf mystische Weise verbunden sein müssen.

So reiste ich in die Zukunft, während 40.000 Volt in dem herrlichen von mir ersonnenen Helme summten. Um mich herum vergingen in endlosen, monotonen, grauen auf- und abschwappenden Wellen die Zeitalter. Summend und vibrierend führten die Energien meiner Entdeckung mich wie ein Vater sein Kind führt, durch die Äonen.

Und summend, und grau und auf- und abschwellend vergingen grau die Zeitalter. Und dann - ja, dann, in einem mir für alle Zeiten eingeprägten Moment, hatte ich Kontakt!

Johnathan MacCarwynn sprach zu mir, ein Magier des 26. Jahrhunderts, und er war verblüfft darüber, daß ich, ein fremder Geist, in seinem Geist existieren konnte. Doch hielt er mich für einen Dämon, bis ich ihn über meine Identität aufklären konnte. Da war er noch viel mehr erstaunt.

Doch als ich ihn nach seinem Zeitalter befragte, konnte er mir nur Kunde geben davon, daß ein großes brittanisches Reich zu seiner Zeit herrsche, nachdem im Jahre 2075 A.D, ein ungeheurer Krieg bisher ungekannten Ausmaßes die Erde mit brennenden Bomben verseucht hatte.

So floh ich das 26. Jahrhundert, immer weiter in die Ewigkeit fallend, und schon wenige Momente - Minuten - Äonen? hatte ich neuen Kontakt.

Und während ich Kontakt hatte, sog ich immer mehr Daten in mich auf, sog Daten und Namen in mich auf, die gesamte Geschichte der Menschheit erlebend.

Und immer wieder hatte ich Kontakt, fiel weiter nach vorne in die Zukunft hinein, äonenlang, und immer wieder hatte ich neuerlichen Kontakt, während um mich herum 40.000 Volt ihr summendes Hexenlied brausten und mich durch die Äonen jagten, durch Zeitalter, deren Existenz außer mir kein Mensch erahnen kann auf dieser Welt.

Der hundeschädelige Prinz Caeynyrr des 39. Jahrhunderts, wenn ein von Tiermenschen regiertes Kaiserreich ganz Eurasien umfassen wird - Der Arzt Haenkles Yuggalith, der gegen die außerirdischen Invasoren kämpft, die im Jahre 7252 vom Sirius herabfallen werden, einem weißen Regen formloser Schleimballungen gleich, Leukomorphen genannt - Der Krieger Aeridanus, der im 146. Jahrhundert gegen die Wikinger des Planeten Fafnir kämpfen wird - und der Meister der magischen Mächte, Khaekhan Erhkha, der im 218. Jahrhundert die Smaragdfürsten aus der Wüste von Texas anführen wird, sie alle waren Hirne, mit denen ich während meines Sturzes durch die Jahrtausende in Kontakt treten konnte. Herrliche, unnachahmliche Weisheiten wurden mir zuteil, während ich die Unendlichkeit erlebte.

ICH weiß, wie die Zukunft aussehen wird.

Aber wahrlich, eins stimmt mich traurig: Daß die hartblickenden Männer dieser abscheulichen Institution mich nun gepackt haben und in einen Raum geworfen haben, der keine Fenster hat und mit Gummi ausgelegt ist.

Schwester, warum muß ich, das GENIE, diese seltsame Jacke tragen?


Donnerstag, 28. Juli 2005

Geschichten aus der Gruft [3] 3.600°

"Wir hätten uns wenigstens davon überzeugen können, ob dieser Bursche wirklich tot ist oder nur als blinder Passagier in seinem Zinksarg liegt und sich heimlich ins Fäustchen lacht." (Der seltsame Fall der 'Periphéron', 1986)


Da bin ich wieder! Meine Kinder machen Urlaub – nämlich mir und meiner Frau. Mal sehen, was wir ohne sie so alles anstellen können, derweil sie bei Omma an der Nordsee den Rest der Verwandtschaft entzücken. Ich sitze also hier am Schreibtisch und starre Löcher in die Wand, weil es so ruhig und still ist. Dammich! Und meine Frau kommt erst morgen wieder hier an, bis dahin habe ich wahrscheinlich schon den Durchbruch ins Wohnzimmer unserer Nachbarn geschafft.

Und weil ich ja nun gar nicht schlafen konnte, habe ich gestern bis morgens um Viere noch die letzten Aktenordner mit Manuskripten durchgeforstet. Ihr fragt euch sicherlich, warum ich denn nur so wenig veröffentliche, wenn es doch sooooo viele Manuskripte sein sollen. Fragt nicht, oh wahrhaft Gläubige. Das meiste davon wollt ihr gar nicht sehen. Um die Wahrheit zu sagen, will nicht mal ich das meiste davon wirklich sehen.

"Er schrie auf, als die klamme kühle Gestalt an seiner Kehle entlangkroch. (Rot – Rot – Rot!, 1984)


Ich habe in den letzten Tagen natürlich einen Haufen Stories eingescannt, aber die meisten davon sind schlicht und einfach auch zu lang, als daß man sie im Blog mal so zwischendurch lesen könnte. Der perfekte Umfang für so einen Text scheint ein Bogen zu sein, aber wer schreibt schon Geschichten, die GENAU ein DinA4-Blatt lang sind?

Und ich habe beim Durchschauen der alten Texte gemerkt, daß ich schon immer ein unglaublich cleverer Hund gewesen bin. So clever, daß man manche Texte erst nach dem dritten Lesen versteht – wenn man eines der nicht gerade reich gesäten Lexika des Grunoversums zur Hand haben sollte. Manchmal würde es ja schon eine Landkarte tun, um den komplexen und farbenprächtigen Hintergrund einer jeden Serie zu entschlüsseln, den ich mit soviel Liebe und Hingabe komponiert habe.

"Der Fremde war hochgewachsen, von einer Aura der Düsternis umgeben. Master Hon Yl Loupas bemerkte gleich beim Eintreten des Fremden in das kleine und etwas stickige Geschäft, daß der Fremde gewiß reich sein mußte, denn Schwert und Maske waren exquisite Arbeiten der hammparkhschen Edelstein-Schneider. Allein die schimmernde Klinge aus yemestrischem Smaragd mußte an die tausend Sklaven wert sein." (Die Geschäfte des Master Hon Yl Loupas, 1984)


Und das ist sogar noch ein verständlicher Satz. Schlimmer die, mit denen ich mein intuitives Verständnis der Nebensatzkonstruktion beweisen wollte, in dem ich sie sich über eine halbe Seite winden ließ. Bloß nichts verschwenden, habe ich mir damals gesagt, Papier ist teuer!

Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich in den ersten Jahren fast nie Absätze gemacht habe. Stellen wir uns ein Blatt mit 60 Zeilen á 60 Zeichen vor, die fast alle ausgenutzt wurden. Keine Absätze. Kein Raum. Gott, ich kriege keine Luft mehr. Das einzige Positive, daß ich an diesen schrecklichen Zetteln finden kann, ist daß man recht gut den Umfang jedes Textes abschätzen kann. Pro Blatt 3.600 Zeichen. Ein perfekter Kreis. Der Umfang meiner Phantasie.

Oyvey.

"Die drei anderen Mobster hielten bestürzt inne, dann feuerten sie erneut, als Licht durch die wandernden Wolken fiel und eine von einem im Nachtwind wirbelnden schwarzen Cape umhüllte Gestalt offenbarte, sie sich nun aus dem seltsamen Gefährt beugte. Dreimal blitzte Gold auf, und die drei Gangster erstarrten und fielen neben ihren Gefährten zu Boden, ohne noch einmal zu zucken."(Der Schwarze Skorpion, 1989)


Ein Gutes hat's, dieses Durchforsten der Vergangenheit. Es ist ein kleiner, aber gefahrloser Ringkampf mit den Gespenstern der Vergangenheit, bevor sie wieder ruhig und sicher in der Gruft eingesperrt werden. Manche Dinge muß man einfach immer mal wieder betrachten, damit man begreift, wieviel Zeit innerhalb eines einzigen Lebens verstreicht. Man sagt ja, der Körper wechselt innerhalb von sieben Jahren alle seine Zellen aus.

Vielleicht auch die Gedanken?

" Denn der Stachel des Schwarzen Skorpions stak tief in seinem Herzen.

DEMNÄCHST:

Wer schreibt schon Geschichten, die GENAU ein DinA4-Blatt lang sind?

Ich natürlich! Spannung bis zum letzten Wort der letzten Zeile!

Die erlösende Pointe, kurz bevor die Schreibmaschine den Bogen verliert!

Einige dieser unvergesslichen One-Pager demnächst in diesem Blog. Unverändert, Warzen und alles.

(Nur ein paar Absätze mache ich noch rein. Sonst kann das ja kein Schwein lesen...)

Dienstag, 26. Juli 2005

Holiday, holy day

Heute gibt's mal nix aus der Gruft, denn heute hat die beste Ehefrau von allen Geburtstag.
Und derweil ich versuche die Kinder zu bändigen, und ihr die Arbeit abzunehmen, die so entsteht, wenn man Verwandte und Bekannte einlädt, damit sie dementsprechend huldigen, freue ich mich schon auf den heutigen Grillabend.
Mal sehen, ob ich das Sixpack alleine schaffe und trotzdem noch eine schlanke Figur mache. Die Geschenke liegen schon bereit, der Countdown läuft....

Nachtrag:
Ich denke, der Abend hat dem ganzen Tag ein versöhnliches Ende gegeben. Ein Bier habe ich noch heir stehen, die beste Ehefrau von allen liegt schon schlafen, und ich schlürfe einen kalten Kaffee, um meine Sicht zu fokusieren.
Ach, Verwandte sind schon anstrengend.
Aber trotzdem lustig.
Vor allem, wenn sie wieder verschwunden sind, wenn die Party erst richtig beginnt.
Meiner Frau habe ich unter anderem einen Doppelpack Romane von Dion Fortune geschenkt, und meine Tochter weiß jetzt ganz genau, wie man effektiv einen Grill oder eine andere Art von Großflächenbrand entzündet.
Achja.
Und das letzte Bier blinzelt mir schon zu.
Na dann. Gute Nacht, meine Lieben.

Montag, 25. Juli 2005

Geschichten aus der Gruft [2] Hi and lo

Bei meinem nächsten Fundstück handelt es sich um eine Art Textmeditation aus dem Jahre 1989. Ich kann jetzt wirklich nicht mehr sagen, was mich dazu gebracht hat, sie zu tippen, außer daß sie auf dem Manuskript den unspektakulären Titel "Hi" trägt, so wie "she gets hi..."

Für die Veröffentlichung hier habe ich ihr einen etwas spektakuläreren Titel gegeben, was der ganzen Geschichte auch gleich noch geschickterweise einen tieferen Sinn gibt... Ach, was bin ich für ein schlauer Hund...



DIE LIEBE LUZIFERS


Sie standen am Ende der Welt, Arm in Arm, die Gesichter zu einem verschlossen. Seine Zunge erforschte ihr Innerstes, seine Kühlen Finger betasteten zögernd und gierig zu gleich das geschwollene Silber ihrer bleichen Haut, fuhren durch das dichte Netzwerk des zerzausten braunen Haares, krampften sich in die geschwungenen Konturen ihres Körpers. Seine blasse Zunge drang tief in ihren Gaumen, fuhr über ihre blinzelnden Augen, bohrte sich in das Rosa ihrer Ohrmuschel. Sie weinte.

Sie standen am Ende der Welt, und der Regen fiel in ihre Gesichter.

Er verstärkte den Druck, presste ihren langen, aber irgendwie zerbrechlich erscheinenden Körper an sich und in dem Maße, wie er sie gegen seine Brust drückte, klammerte sie sich an ihn, versuchte ihr Gesicht in seiner Halsbeuge zu verstecken. Das weiche Wasser ihrer hervorquellenden Tränen sickerte langsam über seine erhitzte Haut, verlor sich in dem Gekräusel seiner Brustbehaarung und zerschmolz, bevor es seine Lenden erreichen konnte.

Weit im Westen verfärbte sich der Horizont blutrot. Die Wolken sahen plötzlich so aus, als ob sie zu brennen beginnen würden. Blendendes Scharlachrot mit ein paar Tropfen zufiel Blau, irgendwo dazwischen grelle Lichtspeere von giftigem Neongrün. Ein großer Wind kam auf und brachte den Geruch des Todes mit sich.

Er schüttelte den Kopf, um die Tränen aus seinen Wimpern zu vertreiben, presste die Lippen zusammen und barg ihr kleines Gesicht in seiner Hand, ihre Augen vor dem Ansturm des roten Lichts schützend. Die Schmerzen begannen sich in seinem ganzen Körper auszubreiten, sein Blut brannte, aber er ließ es nicht den verschwindenden Zauber dieses Augenblickes zerstören.

Mit einer matten Bewegung unter ihrem Kinn hob er ihr Gesicht zu seinem empor und legte seine zitternden Lippen auf das blasse Rosa ihres sterbenden Mundes. Ihr Herz schlug noch gegen seine Brust, aber sie hatte längst schon zu atmen aufgehört.

Er liebte sie. Er würde sie immer lieben.

Sie standen am Ende der Welt, und der Regen fiel in ihre Gesichter. Aber sie ließen es sich nicht nehmen, diesen letzten Kuss, bevor der Boden unter ihren Füßen zu brennen begann und der donnernd herankreischende Sturm mit seinen Eisfingern zupackte und sie mit sich nahm, in die Leere fegend.

Ihr Haar vermischte sich mit dem schwelenden Himmel, als sie in das Nichts stürzten, rot, Scharlach, flammenfarben, aber selbst das irrlichternde Inferno ihres Untergangs vermochte sie nicht schöner zu machen als in dem Augenblick, da sie zuletzt in seinen Armen gelegen hatte.

Er schloß die Augen und legte die Flügel an.

Die Leere umfing ihn mit blinden, warmen Kiefern.


Sonntag, 24. Juli 2005

Geschichten aus der Gruft [1] Slum Poetry 1982-84

Ich habe eine neue Beschäftigung gefunden für die Nachtstunden. Kein wirkliches Hobby, aber immer gut für einen verstohlenen oder verschämten Lacher. Momentan arbeite mich durch die sieben Aktenordner durch, in denen ich meine alten Manuskripte abgeheftet habe, bevor sie alle in den Keller kommen. („Die Gruft“) Und jedesmal, wenn ich etwas finde, was unter Umständen noch brauchbar ist, oder so merkwürdig, daß man es nicht wegwerfen sollte, werfe ich es auf meinen Scanner und lasse mein OCR-Programm laufen. Ich denke, ich werde das eine oder andere Fundstück hier mal veröffentlichen, wenn mich niemand daran hindert...

Versucht, mich aufzuhalten!

Das erste Fundstück sind vier Bögen mit Gedichten, die ich in den Jahren 1982 bis 1984 zu Papier brachte. Ich glaube, eines von ihnen habe ich sogar in unserer Schülerzeitung veröffentlicht, zum allgemeinen Unverständnis der Leserschaft. (Wer will es ihnen verübeln...) Das Manuskript ist aus dem Jahre 1993, noch auf meinem allerallerersten Computer getippt, denke ich. Ein Atari ST. Mönsch, war das ‘ne Zeit... Und mit dieser herrlich gefaketen Nostalgie heran an die „Gedichte“... Zeug aus der Abteilung „So schlecht, daß es schon wieder lustig ist...“



EIN SCHERZ

"Einst zu Khaimas-Sotten
Sah ich 'nen König verrotten
Unter 'nem kleinen Menhirchen
Beknabberte ihn ein Tierchen:
An dem goldenen Flügelhelm
Erkannte ich den toten Schelm
Yol Dirgh, der Kaiser von Yand
Verfaulte hier im Nebelland
Steckte einst in schlimmen Nöten
- Wollte gar 'nen Hexer töten -"

"War dumm von ihm gewesen!"

"Und deshalb muss er nun verwesen!
Armer Kerl, hatte hundert Weibchen
In niedlichen kleinen Leibchen."

"Jetzt hat Sie ein anderer -"

"Drum gehn wir, Wand'rer,
Lassen wir den alten Knaben
Das fiese Tierchen laben!"



DER DUNKLE MANN

Von meines Schlosses Fenster
Erahnte ich die fahlen Gespenster
Bevor ich sie schaudernd sah
- In jenem kalten, bösen Jahr.

Ein schrecklicher dunkler Mann
Führte die grausige Horde an,
Wie sie tanzten über die Äcker,
Mich verhöhnten mit ihrem Gemecker.

Mit fahlen Leibern, bleichen Gliedern
Zuckten sie zu alten Liedern
- Spotteten mir in meinem Gemach,
Wo ich stand, vor Angst des Lebens brach.

Mit kühlem Grinsen hielt der dunkle Mann
Fingerdeutend unter dem Fenster an,
deutete auf an meinem Finger die Ringe
Und spricht herauf zu mir ghoulische Dinge.

Schreckend fuhr ich von ihm zurück
Vielleicht zu meinem letzten Glück
Doch in Erinnerung an des Mannes Antlitz
Durchfuhr's mich wie ein heller Blitz

Erinnernd die alte Familiengruft
Jenen Schoß modriger ekler Luft
wo sie schlummernd liegen - die Toten
Die einst über dies Schloss geboten.
Des ersten Herren Grab
Des ersten meines Bluts, den's je gab -
Versiegelt eine Platte von großem Gewicht
Geschmückt mit des Ahnen Gesicht.

Und erkennend brach ich zusammen
Vor des Kamins prasselnden Flammen
Die die verfluchten Ringe verschlangen
Die einst am Finger des Ersten geklungen.

Auch meiner Freunde eilende Silhouetten
Können mich nicht mehr retten,
Denn ich erkannte im Gesicht des Vorfahrs
Den dunklen Mann jenes kalten, alten Jahrs...



DER SCHATZSUCHER

Als der Graf vom Schatze hörte
Aus dem Mund einer Alten
Die selbst der Tod nicht mehr störte
Ließ Gier ihn Vorsicht walten
Leis', bewehrt und dunkel vermummt '
Schlich er hin zu jenem Ort
Anbei der Diener, längst verstummt,
Gelähmt wie bei grausigem Mord...
Verstohlen macht er sich zu schaffen
Vom Licht der verhüllten Latern verzerrt
Zum Schatten eines grauen Affen
Der sich etwas Namenlosem erwehrt.

Erschreckt öffnet der Diener den Mund
Als sein Herr herabsteigt in den
Schlund Unter des Hügels stiller Wölbung
Die atmet, wankt, voll stummer Drohung
Und der Diener: Wie still er steht
Inmitten des kalten Winds, der weht
Über welche alten Könige mag er sinnen?
Welcher Gedanke lässt sein Blut gerinnen?
Dumpfe Worte durchbrausten sein Hirn
Die Sagen und Mythen der Alten
Archaisches erwachte hinter der Stirn
Ein Fluch schwarzer Welten:
Als man die Könige begrub
Erschlug man seine Mannen
Warf sie herab in des Grabes Grub'
Und machte sich still von dannen.

Da: Ein Schrei tötete das Schweigen
Und aus der Gruft heraus wankt es
Brabbelnd, kichernd, dann fällt es
Ein grausiges Ding
Von Erde schwarz und dunkel von Blut
Um den Hals den würgenden Ring
Der schimmert in goldener Glut
Zurückfahrend erkennt der Diener
Das Symbol der verfluchten Alten
In den Händen des leichenkalten,
Des Grafen, der nimmer mehr...



NOCH EIN SCHERZ...

Ein Krämer aus der Stadt aus Jade
Kam einmal vom silbernen Gestade
Kehrte ein in die lausige Herberge
Am Fuß der verrufnen Kannibalenberge
Ein Völkchen grüner knorriger Zwerge
Warnt ihn: "Gä nischt inne Berge!"
Doch der Krämer lehnt ab ohne Rast
- Deshalb haben die Fresser ihn auch gefaßt

Und als sie ihn stecken ins heiße Kupferkleid
Erkennt er mit unangenehmer Klarheit
- Bevor sie ihn schmunzelnd verspeisten -
Wie teuer die Strecke für alle, die hier reisten.

Und die Moral der traur'gen Geschicht':
Pass auf, wer Dich zum Dinner lädt,
sonst bist Du's vielleicht, der brät!
(Und misstrau dem Gnome nicht!)

Freitag, 22. Juli 2005

Mirkrunar :: Al-Runa

Unglaublich, was für Dinge man bereits vergessen hat und die dennoch sofort wieder präsent sind. Ich staune immer wieder, was für Textbruchstücke und Kosmogonien ich beim Rumstöbern in meinen alten Aktenordnern wiederfinde...

Aus einem Brief an den Wicca-Hohepriester von Hamburg (ca. 1991):

Ein interessantes, wenn auch auf den ersten Blick sehr willkürliches Experiment in der Übertragung der Runen in einen anderen Rahmen wurde vor einiger Zeit von einer Arbeitsgruppe hamburgischer Okkultisten durchgeführt. Sie verwarfen dafür die Vorstellung von "den Runen" als un-bewusster und unbeseelter magisch aufgeladener Ideenkomplexe und entwickelten den zeremonialmagischen Ansatz von Runen als Siegeln korrespondierender Mächte ("Intelligenzen" beziehungsweise "Engeln"), die durch eine angemessene Zeremonie und die Handhabung dieser Siegel beschworen werden können.
Erste Versuche der Umwandlung von Runen in solche, vorzugsweise in einem Zug zu zeichnenden Symbole verliefen zwar vielversprechend, konnten die Teilnehmer der Arbeitsgruppe aber nicht von der Vorteilshaftigkeit einer solchen Vorgehensweise zu überzeugen.

Man wählte schliesslich einen Weg, der weit von der nordischen Herkunft der Runen fortführte, sich aber eng an die kabbalistischen Wurzeln der Westlichen Zeremonialmagie anschloss, indem man parallel zu den bekannten Namen "engelshafter Mächte" wie GABRIEL, MICHAEL, BARTZABEL, KEDEMEL u.a. durch die Hinzufügung der semitischen Silbe "El" die Namen von scherzhaft "Runen-Engeln" genannten Intelligenzen bildete: TIWAZEL, ODALAEL, ANSUZEL, BERKANAEL usw. Die so gebildeten Namen wurden dann in Hebräisch niedergeschrieben.
Wohlgemerkt, das angewandte Verfahren wurde nicht als "Rekonstruktion" begriffen - die Verquickung von kabbalistischem und runischem Gut kann nur als ein neuschöpfender Synkretismus begriffen werden, der zwei Strömungen von Überlieferung vereint und aus den gegenseitigen Beeinflussungen und Interpretationen zu gewinnen sucht.
Von einer kabbalistischen Sichtweise her sind die so neugewonnenen "Engelsnamen" bereits vorher existente Permutationen der durch die 22 Buchstaben des hebräischen Alephbeths bestimmten Schöpfung, und die Nennung dieser Namen kann mit ihnen korrespondierende Geistwesen aus den Heerscharen Gottes herbeirufen. Die äußere Gestalt dieser Wesen kann durch die klassischen Korrespondenzen, die einen jeden der Buchstaben begleiten, die ihre Namen formen, erschlossen werden.
ALUDie runische Sichtweise begreift "EL" (das heisst "AlephLamed") als eine Transposition der Klangfolge "A-L", die im Runischen als Ansuz-Laukaz geschrieben würde, eine Runenfolge, deren esoterische Bedeutung "Göttlichkeit-Lebenskraft" ist. "ALU" z.B. ist eine der bekanntesten und mächtigsten Runenformeln, die generell magische Macht und göttliche Inspiration bedeutet. (Von dieser Formel stammt der alte Name für Starkbier - Ale!) Ein Name, der aus dem klassischen Namen einer Rune und dieser Endung besteht, kann also auch in der Runenmagie als eine Identität und Leben besitzende Materialisation dieser Rune interpretiert werden.
Runenkundige werden schnell darauf hinweisen, dass die kabbalistischen Korrespondenzen der Namen mitnichten denen der runischen entsprechen, die auf eine andere Gestalt des gleichen Wesens hindeuten. Sie haben recht: Die "wirkliche" Gestalt engelshafter Mächte kann auch nicht von menschlichen Augen wahrgenommen werden. In unserem Falle steht sie zwischen den beiden Interpretationen ihrer Namen. Eine Anwendung dieser Methode stellt vor allem eine weitere Vertiefung der Beschäftigung mit Runen auf allen Ebenen der Existenz dar.


Heutzutage würde man dies vielleicht sogar genau andersherum betrachten. Von den ko(s)mischen Krakeln, die durch die Sigillisation von Runenamen entstanden sind, ist mir nicht mehr viel in Erinnerung geblieben. Aber über den Ausdruck, den ich hier eingescannt habe, war mit grüner Tinte eine Binderune gekritzelt, mit deren Hilfe ich eine weitere Vertiefung in die Bedeutungen der Runen auf allen Ebenen erlangt habe, ganz ohne die Heilige Kabbala bemühen zu müssen. Soviel zu den Verdiensten des Synkretismus.
Sicher ist AL, das Monogramm Gottes unter der Zahl 31, eine Formel, die auch in der Kabbala und selbst unter den Anhängern des geheimen Gesetzes, Macht und Wissen verleiht, man braucht aber nicht auf diese Sinnzusammenhänge zusammenzugreifen, um sie im runischen Sinne zu erschliessen.
AL ist eine Formel, die unmittelbar mit ALU (s.o.) zusammenhängt - der Ochse (U) ist der Unterschied, ein Zeichen, das für Materialisation, das Tiefgründige und das Element der Erde steht. Das Göttliche (A) fließt (L) zur Erde (U) herab.
AL ist nichts anderes als die Rune der Gnade und Verzückung - das Herabfließen des Göttlichen - die Inspiration - göttliche Ekstase - das Andere, das den irdischen Verstand berührt, ohne eingefangen und in tönernen Krügen verschlossen werden zu müssen.

Wenn man diese Formel, zusammengefasst zu einer Binderune der Stäbe A und L (siehe unten), neben ein anderes Zeichen schreibt, erweist sie sich als effektiver Schlüssel, um auch in tiefere Bedeutungsebenen der Runen einzudringen.
Durch Meditation über das Zeichenpaar, oder auch durch einen einfachen Trankzauber, bei dem man die Zeichen in ein Holztäfelchen einritzt, auflädt und dann in den bereitstehenden Asen-Met schabt oder tropfen lässt.
Dabei raunt man die weiter oben als "Runen-Engel" bezeichnete Formel: Der Name des Stabes, den man zu erforschen sucht + die AL-Formel. TIWAZ-ÄL, ODALA-ÄL, ANSUZ-ÄL, BERKANA-ÄL... Der Begriff des Engels ist nicht so sinnlos, wie es auf den ersten Blick scheint... Ein Engel ist schließlich nichts anderes als ein Botschafter oder Abgesandter des Göttlichen... die Inspiration, mit derer Hilfe sich die Dunkelheit der Rune erschliessen soll, jedoch stammt auch aus himmlischer Höhe... Soviel zu den Verdiensten des Synkretismus!

Einfach mal ausprobieren... vor vielen Jahren haben mir diese Experimente immer sehr viel Freude gemacht...


AL :: Das Fliessen göttlicher Inspiration

Mittwoch, 20. Juli 2005

Another boring day in Hell

Ihr fragt euch wahrscheinlich, was ich den ganzen Tag mache. Das frage ich mich auch manchmal.. Vor allem, wenn ich auf das schaue, was ich veröffentliche, und auf das, was sich neben mir auf dem Schreibtisch türmt. Kaum sehe ich hin, sind schon wieder zwei Seiten dazugekommen. Gremlins, ich schwöre es.
Morgens werde ich gewöhnlich von den Kindern geweckt, es sei denn meine Frau ist so gnädig und läßt mich weiterschlafen. Bei den beiden wandernden Alarmweckern jedoch eher unwahrscheinlich. Ich habe also eine normale Weckzeit zwischen 6:30 und 7:30, kann aber auch schon mal 5:30 sein, wenn einem der Kinder langweilig ist oder ich in der Nacht erst nach 3:00 ins Bett gekommen bin. Irgendwie ist es ziemlich reziprok - je später die schlafen, desto früher stehen sie auf. Und ich auch.
Ich wanke an meinen Kaffee, wanke an meine Tastatur. Dazwischen Kinder füttern, anziehen, säubern, in jeder beliebigen Reihenfolge und oftmals mehrfach hintereinander. Ich checke meine eMails, was sich momentan etwas hinzieht, denn je nach Tagesform erfordert der Computer eine Firewall oder keine, eine besondere Einstellung im Browser oder nicht. Im endeffekt könnte ich auch ein totes Huhn über dem Apparat wedeln und hoffen, daß Legba mir die Tore öffnet. Mit HiTech hat es auf jeden Fall nichts zu tun. Später, Bruder...
Wieder drei Mails nicht gesendet, macht nicht, das Warten habe ich mir abgewöhnt. Vielleicht ist Legba ja nachher gnädiger.
Ein paar Foren gecheckt, ob irgendwas passiert, aber die Zeit ist wohl vorbei. Der einzige Lichtblick ist das allmorgendliche Checken ein paar cooler Blogs, die mir helfen, wachzuwerden... jackkirbycomics.blogspot.com ... dialbforblog.com ... newsfromme.com... und ein paar andere...
Inzwischen habe ich am Grundlayout einer neuen Pdf-Zeitung gebastelt, die ich demnächst an diesem Ort veröffentlichen werde - der VISIONAUT. (Bitte weitere Ankündigungen beachten!) Und weil ich gerade dabei bin, habe ich fünfzig Seiten in einem Buch über Außerkörperliche Erfahrungen korrekturgelesen bzw. die dreimalverdammichten Fußnoten in die richtige Form gebracht. Der Rest... später, Bruder...
Die Mails hängen immer noch in Warteschleife... inzwischen kennt der Server meine Adresse nicht mehr... probieren wir's gleich nochmal.
12:45, und noch nichts geschafft. Legba muß was gegen mich haben.
Moment, wo ist das Hühnchen?
Komm her, komm her... puputput... kooommm....

Montag, 18. Juli 2005

ioBLaG BRoMD ZBRiXo

SONDERMELDUNG! :: Atavistischer Dialekt durch Computerprogramm entdeckt! :: Linguobots durch "Suchen und Ersetzen"!

Vergesst Esperanto - Vergesst Klingonisch - Vergesst Henochisch! Kunstsprachen sind out! Gott ist Gaga, der Mensch ist Dada! Alle Mitteilungen aus den Interzonen und Dimensionen, deren Zahl höher als Pi sind, werden fortan nur noch in der neuen Universellen Chiffre verfasst. Erschaffen in den Bitstürmen des 21. Jahrhunderts, der Gossenslang der Engel des 31.! Lernen Sie auch heute noch MENTHUAL-BARBARISCH!

Die neue Chance für den Phantasisten und den Horroristen:
BRoMD ZBRiXo!
Nao ioLD!!!

Der Gebrauch von magischen Sprachen hat im Ritual oft ungeahnt trancefördernde Wirkung. Dr. Dee trug keine Strapse. Da ZBRiXo ZDiGD iNiiGoRLaX XaNiB aNZ BiRiDaGZaN iiXRoND MiN aN Da oGZDiZo oMBaRGoDRiGoN iaRD.

Die neue Chance für den Chaosmagier und den Surrealisten:
BRoMD ZBRiXo!
BiRBiRoN ZaGoN!!!

Die Sprache steigt unweigerlich hinab ins Paradoxon während man in die Ekstase emporgetragen wird. Das bannt die Gefahr einer falschen Romantik, die sich die Zauberkunst nur im Gewand vergangener Zeiten vorstellen kann und sich in altertümelnder Sprache in eine ach so urverbundene Vorzeit zurückträumt.

Das hauptsächliche Hindernis liegt im fremdartigen Erscheinungsbild der Wörter und in mangelnder Erfahrung mit den beschriebenen Regeln. Anfangs mögen sich die Worte wie bloßes Gelalle anhören. Bleibt er jedoch bei der Sache, so lernt der Studierende bald, die Klänge aus dem scheinbaren Chaos zu differenzieren.

Erschaffen Sie durch einfache Permutation der Vokale und Konsonsten eine zusätzliche semantische Dimension für ihre persönlichsten Gedanken! Suchen Sie ein magisches Wort? Wandeln Sie einfach die einfachsten Worte ihrer Geburtssprache in menthual-barbarische Powerwörter um! Wer braucht Wörterbücher - lassen Sie den Computer ihre Gedichte und Beschwörungen erzeugen!

GiN GoZoDZ!
GiNo GRoNZo!!


Zur Technischen Anwendung: Menthual-Barbarische erzeugt durch einen komplexen Ersetzungs- und Verdichtungsprozess von Zeichen und Lauten [auch implementierbar als Word-Makro] eine archaisch-atavistische Kunstsprache, deren indoeuropäische Wurzeln jedoch noch erkennbar sind. Eine virtuelle Sprache, die trotzdem vertraut klingt - eine Sprache, die man vielleicht im Traum gehört hat - oder die vielleicht in einer Million Jahren von den atomaren Mutationen gesprochen wird, die die Ruinen unserer heutigen Kultur bewohnen.

Da ZBRiXo ZDiGD iNiiGoRLaX XaNiB aNZ BiRiDaGZaN iiXRoND MiN aN Da oGZDiZo oMBaRGoDRiGoN iaRD.

Donnerstag, 14. Juli 2005

Fanboy :: Kirby an den Fantastischen Vier

Für alle diejenigen, die sich für das Werk und die Arbeitsweise von Jack Kirby interessieren, hat Dial B for Blog, der Welt bestes Blogazin, in der heutigen Ausgabe diverse unveröffentlichte Titelbilder der originalen Fantastischen Vier.
Es sind No. 3, Annual No. 1 und die Nos. 52, 64 und 65 - jedem der unveröffentlichten (sagen wir besser, nicht verwendeten) Titelbilder wird die veröffentlichte Version entgegengestellt. Vergleichen, wundern, bewundern!
>>> FF covers

Dienstag, 12. Juli 2005

Eine Karte aus Schottland

Ich habe den ganzen Morgen Verlagsseiten durchforstet und mir Notizen gemacht, warum welcher Verlag keine Manuskripte entgegennehmen will. Das alles bei ca. 30° C. Und dann bekomme ich eine Postkarte auf den Schreibtisch, mit einem kleinen Schloß an einem großen... blauen... kühlen... See... [Spring, Kilchurn Castle, Loch Awe, Argyll, Scotland.]

Seufz.

Und was schreibt mir der gute Mann?

"Der Baumeister hatte Berge, Grün, Meer und Schafe im Überfluß, als er dies schuf."

Abgeschickt Isle of Skye, Portree, Hebredies.
Muß man da nicht neidisch werden? Allein wegen der Namen?

Weiter an die Arbeit, das Thermometer ist schon wieder gestiegen...

Montag, 11. Juli 2005

Fanboy :: Savage Papa Doc

Wir, die wir der ehrenwerten und erhabenen Bruderschaft der Fanboys angehören, erheitern uns zu gerne über das Unwissen der Profanen. Wir sind es, die der Videoladenverkäuferin zuflüstern: "Das ist alles Mist, ich will keinen Keanu Reaves. Constantine muß aussehen wie Sting, und überhaupt, der Film sollte HELLBLAZER heissen..." Wir kichern verhalten über die kindliche Unschuld, in der Kinogänger bestimmte Elemente in Matrix als neu und originell bezeichnen, und wir knirschen mit den Zähnen, wenn im Vorspann nicht der Name unser aller geheiligten Rabbis Kurtzberg genannt wird.

Wir wissen. Was weisst Du denn schon, Baby?

Die meisten Menschen denken wahrscheinlich, daß ein Künstler sich die Figuren, über die er schreibt und zeichnet, aus dem Vakuum gesogen hat. Sozusagen eine Art Athenengeburt. Ein Axthieb und schon springt eine fertige Gestalt aus dem Hirn des Schöpfers. Den meisten Leuten ist nicht klar, daß der Inhalt dieses Hirnes ja nicht allein dem Künstler gehört, sondern auch Echos und Brückstücke seiner Umwelt und seiner Vorväter enthält. Meist unterliegt der schöpferischen Geburt ein unbewusster Synkretismus. (Das wollen wir wenigstens hoffen, denn ein bewusster Synkretismus heisst Plagiat.)

Ja, es ist wahr, viele Figuren haben ihre Vorväter und Ahnen. Und einer der fleißigsten Erzeuger von Nachkommen war Doc Savage. Oder, wie ihn die Presse nannte, Clark Savage Jr.
Die meisten unter den deutschsprachigen Lesern werden sich vielleicht noch an die schmalrückigen Taschenbücher erinnern, in denen Doc Savages Abenteuer mehr schlecht als recht übertragen worden waren. (Und wer ihn nicht mehr kennt: Arnold wollte ihn in einem Film spielen. Also muß er cool sein.) Doc Savage und seine treuen Helfer, die Fabelhaften Fünf, die ihr Büro im 86. Stockwerk des höchsten Gebäudes der Welt (NYC) hatten. Ein Team von Fünf Experten, an die man sich gerne erinnert - vor allem wegen der witzigen Haßliebe zwischen dem gorillahaften Monk und dem geckenhaften Ham.... Doc Savage, ein Riese an Gestalt, ein Titan des Geistes... jemand, den man gerne als Übermenschen bezeichnete. Als Supermann.
Oy.
Und da schlägt der Synkretismus zu.
Man weiß, daß Doc Savage nach dem damals extrem beliebten Schauspieler Clark Gable seinen Vornamen erhielt. Den gleichen Vornamen erhielt auch jener andere Supermann, der in seiner bürgerlichen Identität als Reporter beim Daily Star (später Planet) arbeitete. Clark Savage war als Man of Bronze bekannt. Clark Kent als Man of Steel.
Natürlich. Man muß sich schließlich steigern.
Clark Savage hatte seine "Festung der Einsamkeit" am Nordpol, ein Ort der Kontemplation, an dem er sicher war vor den Nachstellungen seiner Gegner. In der gängigen Kontinuität hatte Cark Kent einst seine "Festung der Einsamkeit" am Südpol errichtet.
Ein bißchen Abwechslung muß sein.

Superman ist nicht das einzige uneheliche Kind von Mr. Savage. Selbst Captain Future aka Curtis Newton ist ein Synkretismus mit den Genen des guten Doktors. Und sei es nur wegen der witzigen Haßliebe zwischen dem Androiden Otro und dem Roboter Greg...

Und warum die Fantastic Four, Marvels Vorzeigesuperhelden, ebenfalls nur ein synkretistischer Hybrid mit Savage-Genen sind, lesen sie am besten selber in It's Dial B for Blog... The World's Greatest Comic Blogazine.
48-Secret Origins of the FF - 1
49-Secret Origins of the FF - 2
50-Secret Origins of the FF - 3
51-Secret Origins of the FF - 4
Es ist englisch, es ist hip, und vor allem ist es hübsch übersichtlich illustriert. Wenn Sie also ein Fanboy sind, werfen Sie sich auf die Erde und öffnen Sie sich ganz dem Ansturm nostalgischer Schwingungen.
All die Helden sind verwandt, und da ist kein Unterschied...
Und hatte ich schon erwähnt, daß Doc Savage ein Cousin von Tarzan ist?

Sonntag, 10. Juli 2005

Technische Schwierigkeiten

Hallo, momentan scheint die Internetleitung, über die ich im Kontakt zur Aussenwelt stehe, gestört zu sein.
Entweder komme ich nur bis zu meinem Provider durch, was schon selten genug ist, oder gar nicht - eine Art virtuelles Puppentheater, bei dem sich nur das bewegt, was schon in der Cache vorhanden ist.
In dieser Sekunde bin ich wohl mit einem Fuß im Netzt, da schon Bruchteile von Seiten angezeigt werden. Aber das hat jetzt fast eine Stund gedauert, bis ich soweit gekommen bin, und vier Neustarts des Systems.
Das reicht mir. ich geh nach Hause.
Wollte es euch nur wissen lassen...
...gesetzt den Fall, dieser Text kommt überhaupt bei euch an.

Wie auch immer, demnächst mehr und euch allen noch ein Schönes Wochenen||||||

Freitag, 8. Juli 2005

Songbook :: Superhuman Blues

There's a rustle of capes in the air
    I know it's coming from somewhere
All the agents & the superhuman crew
    Are staring down at me & you
I know some alien is reading my mind
    Above us X-ray-vision shines
Another Crisis is coming tonite
    Won't somebody please send me some Kryptonite?

Chorus:
The style of the world has changed so much
    In 4 colors & a nuclear touch
Where's Jack Kirby to same me
    From the 21st century?

Little man I said enough
    When the gloves are off, the going gets rough
What chance 'gainst superpowers
    Who move planets & topple towers?
Men of Bronze, Men of Steel
    To distant to know how to feel
I can see them sitting & brood
    In their Fortresses of Solitude
Chorus

If you can't get no satisfaction
    Leave your girl for some easier action
Just pick up a costume & learn how to fight
    A loser by day can be a heroe at night
Nobody cares for a pimplefaced boy
    So pump yourself up with an alien toy
And if you get dissed by your neighborhood god
    Just blast him with your Mega-Rod
Chorus

On brightest day, in darkest night
    No evil shall escape my sight
The war against sleep will never stop
    As long as they don't close my comic shop
Worlds will live & worlds will die
    It's as American as apple pie
If you miss it this time on the rack
    Grab it when it's collected in paperback!
Chorus

Dienstag, 5. Juli 2005

Es ist zu heiss

Heute morgen ist mein Sohn operiert worden.
Er ist erst zwei, und ein blutverschmiertes Kleinkind ist nicht wirklich witzig.
Die OP war ambulant, also spazierten wir um zwölf Uhr mittags relativ mißvergnügt in staubige strahlende Hitze.

Es ist zu heiss, meine Lieben, alle Menschen drehen durch.
Wie schön also, mit einem mürrischen Zweijährigen, der in unregelmäßigen Abständen halbverdautes Blut erbricht, das er während der Operation schlucken mußte, unterwegs zu sein.
Deutschland ist schön, seine Landschaften weltberühmt... wofür eigentlich?
Nun ist es nach Mitternacht. Alle schlafen, und mir rinnt der Schweiß immer noch den Rücken herab.

Es ist zu heiss, meine Lieben, alle Menschen drehen durch.
Vier Stunden im Aufwachzimmer einen blutigen schnarchenden Zwerg betrachten. Daneben Familie Oberschlau, die gerade ihren verzärtelten Zwölfjährigen, Kevin mit Namen (wie anders), die Vorhaut entfernen liessen.
Vorsprung durch Technik.

Tja, Kevin, das stimmt wirklich, was Mami sagt, es gibt da so Kulturen, wo man das mit allen Jungen macht. Aber hat sie Dir auch gesagt, warum sie es mit Dir machen?
Die Antwort ist ziemlich simpel: Phimose.
Steht im Fremdwörterlexikon genau zwischen philosophisch und Phiole.
ich weiß das, und der Rest der Welt jetzt auch. (Und schönen Dank dafür daß ihr mit eurem debilen Gegacker immer wieder meinen erschöpft schnarchenden blutverschmierten Sohn aufgeweckt habt. Superleistung.)

Es ist zu heiss.
Das bringt die Leute auf komische Ideen.
Den Rosenkranz von S-Bahnstationen herab endlich nach hause. Endlich eine Zigarette, endlich Nikotin, endlich ein Nervengift. Warum verteufelt man das? Man sollte es an jeder Straßenecke verteilen. Dann haben die Leute wenigstens etwas zu tun.
Und mein Auge klebt an der Schlagzeile des Hauptlieferanten bundesdeutscher Bildung.
Sarah Connor hat ein Riesenproblem. Sie hat einen flachen Arsch.
Erstaunlich, daß diese erschütternde Meldung nur eine Hälfte der Zeitung einnahm.
Und in meinem Kopf machte es klick.
Das Programm fing an zu laufen.
delete_allinfo

Es ist zu heiss.
Das bringt die Leute auf komische Ideen.
Warum sind sie der Meinung, daß das Dinge sind, die wir wissen wollen? Wäre das nicht angebrachter, die platten Ärsche da zu lassen, wo sie hingehören, ob nun in der Designerjeans oder auf den Hinterbänken des Bundestags?
Können wir das noch toppen? Wollen wir das?
"Lebenslüge! Yasmin (19) packt aus: Kevin ist beschnitten!"
Ist es da ein Wunder, wenn schon die Vorschulkinder Crack rauchen, Satan verehren und am liebsten CDU wählen würden? Was ist schmerzhafter, diese Realität, oder sich mit einem Frotteehandtuch über einen freigelegten Nervenstrang zu rubbeln?

Sarah Connor hat 'nen platten Arsch.
Deutschland, Du hast ein Problem.

Freitag, 1. Juli 2005

Mein Guru

Ich blogge gerne. Nicht nur, weil es eine gewisse Routine mit sich bringt, oder auch weil man so schnell kleine bits & pieces sammeln kann, die vielleicht einmal in größere Texte integriert werden können. Sondern auch, weil man relativ schnell auch mal einen Kommentar zu dem, was man gerade macht, bekommt. Und manchmal sogar mehr. Vor einigen Tagen meldete sich auf mein vorläufiges Posting zum Wold Newton Universum Jess Nevins. Und der innere Fanboy in mir lief Amok. Ich habe mich darüber wohl mehr gefreut als über alles andere in der Woche.
Jess Nevins ist dem deutschsprachigen Leser wohl nicht bekannt, außer vielleicht denjenigen, denen ich in den letzten zwei Jahren die Ohren blutig gelabert habe über die schiere Brillianz seiner Online-Lexika zu Figuren der phantastischen Literatur u.ä.
Ich bin ja ein großer Fan von Alan Moores Werken, und die ursprüngliche League of Extraordinary Gentlemen war lange Zeit das lustigste und seltsamste, was ich gesammelt habe. Was für eine Freude also, als ich irgendwann auf eine Webseite gelangte, in der die Charaktere und Anspielungen, die teilweise bloss in den Zeichnungen versteckt waren, genau erklärt wurden. Und wer hat dies alles herausgefunden?
Richtig. Jess Nevins.

(Seine Anmerkungen und Fußnoten zur League und anderen Werken wie Kingdom Come, Top Ten usw. finden sich unter dem Titel Annotations and other Pursuits hier: http://www.geocities.com/Athens/Olympus/7160/annos.html Ein Autor, der sich selbst als Spinner bezeichnet, weil er Comics analysiert? Was kann man daran nicht mögen? Alle anderen Spinner auf diesem Planeten sind ihm dankbar.)

Als ich mich für Wold Newton zu interessieren begann und Materialien für meine Kurzgeschichten über Aristide Allard, den Absinth-Detektiv, sammelte, fand ich recht schnell ein echtes Füllhorn an Informationen zur phantastischen Literatur des 19. Jahrhunderts - das viktorianische Zeitalter für alle Englischsprechenden - unter dem Titel Fantastic Victoriana.
Der Autor?
Es wird keine Überraschung sein: Jess Nevins.
Fantastic Victoriana beinhaltet etwa 750 Charaktere, Konzepte und Ortschaften aus der Genreliteratur des 19. Jahrhunderts - von Villiers de L'Isle Adam's Axel bis M.P. Shiel's Prince Zaleski.
Selbst als ich mich nach alten deutschen Groschenheft-Figuren umsah, die man vielleicht ohne Copyrights zu brechen auf irgendeine Weise verwursten könnte (und sei es nur als pseudohistorischer Hintergrund), wer hatte die umfangreichste Auflistung zu "German Pulp Heroes"?
Richtig.
Pulp & Adventure Heroes of the Pre-War Years (ca. 1770 Einträge, aber wer zählt das noch?)

Wahrlich, Jess Nevins ist der Meister.
(Und langsam wird er mir ein bischen unheimlich... kann ein Mensch alleine soviel schreiben?)
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Auch wenn ich gewöhnlich Bücher nur zögerlich empfehle oder bewerbe, und das auch nur, wenn ich die Bücher selbst gelesen habe, oder den Autoren persönlich kenne, möchte ich hier eine Ausnahme machen. Mr. Nevins hat sowohl die Anmerkungen zur League of Extraordinary Gentlemen als auch die Fantastic Victoriana in erweiterter (und noch tollerer) Form als Bücher veröffentlicht. Wer sagt also, daß man über die private Homepage nicht zu Ruhm und Ehre gelangen kann? Die Bücher können auch bei Amazon Deutschland bestellt werden (krieg ich jetzt Prozente?):
Heroes & Monsters: The Unofficial Companion to the League of Extraordinary Gentlemen  von Jess Nevins, u. a. Monkeybrain (Dezember 2003) Taschenbuch / Sprache Englisch
A Blazing World: The Unofficial Companion to the Second League of Extraordinary Gentlemen  von Jess Nevins Monkeybrain Books (1. Oktober 2004)  Taschenbuch / Sprache Englisch

The Encyclopedia of Fantastic Victoriana von Jess Nevins Monkeybrain Books Gebundene Ausgabe / Sprache Englisch

The Encyclopedia of Pulp Heroes folgt voraussichtlich  September 2006 ebenfalls bei MonkeyBrain Books.